DH. Mosquito PR Mk.XVI "Long-Range Reconnaissance"(Special Hobby - Nr. SH72452)
Produktinfo
BesprechungVorbildDie de Havilland Mosquito zählt zweifellos zu den außergewöhnlichsten Flugzeugen des Zweiten Weltkriegs. Während viele Nationen auf schwere Metallkonstruktionen setzten, entwickelte de Havilland einen nahezu vollständig aus Holz gefertigten Mehrzweckflugzeugtyp. Diese ungewöhnliche Bauweise sparte strategisch wichtige Metalle, ermöglichte eine schnelle Fertigung und verlieh der Mosquito hervorragende Flugeigenschaften. Dank ihrer hohen Geschwindigkeit konnte sie häufig auf eine schwere Defensivbewaffnung verzichten und dennoch feindlichen Jägern entkommen. Aus diesem Konzept entstand eine ganze Familie von Bombern, Nachtjägern, Jagdbombern und Aufklärungsflugzeugen. Eine der leistungsfähigsten Aufklärungsversionen war die Mosquito PR Mk. XVI, die ab 1943 in Dienst gestellt wurde. Sie basierte auf der Bomberversion B Mk. IX und war speziell für strategische Fotoaufklärung ausgelegt. Anstelle einer Bombenlast trug sie mehrere hochauflösende Kameras im Rumpf, mit denen Ziele aus großer Höhe dokumentiert werden konnten. Angetrieben wurde sie von zwei Rolls-Royce Merlin 72 oder 73 Motoren mit zweistufigem Lader, wodurch Einsatzhöhen von über 11.000 Metern erreicht werden konnten. In diesen Höhen operierten nur wenige deutsche Jagdflugzeuge effektiv, was die Überlebenschancen der Besatzungen erheblich erhöhte.
Die PR Mk. XVI spielte eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung alliierter Operationen. Sie fotografierte Industrieanlagen, Verkehrswege, Häfen und Flugplätze tief im besetzten Europa und lieferte wertvolle Informationen für die Einsatzplanung. Ebenso überwachte sie die Auswirkungen alliierter Bombenangriffe und dokumentierte die Verlegung deutscher Truppen. Vor der Landung in der Normandie entstanden mit ihrer Hilfe zahlreiche Aufnahmen der französischen Küste, die für die Planung der Invasion von großer Bedeutung waren. Selbst gegen Kriegsende blieb die Mosquito eines der wichtigsten Aufklärungsmittel der Alliierten. Besonders beeindruckend war dabei das Einsatzprofil der PR Mk. XVI. Meist flog sie allein oder in kleinen Verbänden tief über feindliches Gebiet oder in großer Höhe außerhalb der Reichweite der meisten Abfangjäger. Da sie keine Bewaffnung mitführte, war ihre Geschwindigkeit ihre wichtigste und einzige Verteidigung. Mit Spitzengeschwindigkeiten von über 650 km/h gehörte sie zu den schnellsten zweimotorigen Flugzeugen ihrer Zeit und konnte vielen deutschen Jagdflugzeugen davonfliegen. Nach dem Krieg blieb die Mosquito noch mehrere Jahre bei verschiedenen Luftstreitkräften im Einsatz, ehe sie nach und nach durch moderne Strahlflugzeuge ersetzt wurde. Dennoch gilt sie bis heute als eines der vielseitigsten und erfolgreichsten Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs. Insbesondere die Fotoaufklärungsversionen wie die PR Mk. XVI leisteten einen wichtigen Beitrag zur alliierten Kriegsführung, da sie Informationen lieferten, die für zahlreiche militärische Entscheidungen unverzichtbar waren.
Mosqutio im Modellbau:Die Mosquito ist wohl eines der legendärsten Kampfflugzeuge der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg. Allein im Maßstab 1:72 sind laut Scalemates aktuell (Stand: 06/2026) 100 Bausätze gelistet. Die erste Großserienform war die ursprüngliche Airfix-Form von 1957. Scalemates ist in seiner Zeitleiste hier nicht ganz eindeutig, es scheint jedoch so, dass 1972 ein weiteres New Tool entwickelt wurde, das bis 2013 immer wieder aufgelegt wurde. Eine weitere wichtige Form stammt aus dem Hause Frog von 1968, die dann über Novo nach Osteuropa kam und dort bis in die 1990er-Jahre ebenfalls durch viele Hände ging. Hier war der Bau einer Mk. IV oder einer Mk. VI möglich, wobei die Versionsunterschiede natürlich nicht wirklich ausgearbeitet wurden. 1976 erschien dann die nächste Mosquito bei Matchbox. Hier war der Bau einer Mk. IX oder einer Mk. XXX möglich. Mit dem Ende von Matchbox im Jahr 1992 wurde auch dieser Bausatz letztmalig aufgelegt. 1999 erschienen dann bei Tamiya und Hasegawa jeweils neue Bausatzformen. Tamiya legte 2000 und 2001 noch zwei weitere Varianten auf, sodass letztlich, je nach Version, der Bau einer Mk. II, Mk. IV, Mk. VI, Mk. XIII oder Mk. XVII möglich wurde. Ähnlich vielfältig entwickelte sich auch die Hasegawa-Form, von der bis heute 14 Auflagen, darunter auch eine von Revell, mit verschiedenen Versionen erschienen sind. 2021 erschien dann bei Airfix eine moderne Bausatzform, die inzwischen ebenfalls in drei Versionen erhältlich ist und derzeit wohl die beste Mosquito auf dem Markt sein dürfte. Im Sommer 2025 erschien schließlich die bereits länger angekündigte Mosquito von Special Hobby, wobei der Langstreckenaufklärer PR Mk. XVI und der Nachtjäger Mk. XXX gleichzeitig veröffentlicht wurden. Im vorletzten Monat, also im Mai 2026, erschien dann erstmals auch die Höhenjägerversion Mk. XV, die sich optisch noch einmal deutlich unterscheidet. Wie kann sich Special Hobby nun gegenüber der Konkurrenz behaupten?
zum Bausatz:Auf dem schön gestalteten Cover von Antonis Karidis sehen wir eine britische Mosquito des 544. Squadrons im Aufklärungseinsatz über der Normandie. Auffällig sind dabei das typische PR Blue der britischen Aufklärungsflugzeuge sowie die markanten Invasionsstreifen. Hat man sich am Cover sattgesehen und hebt den Deckel an, erwartet einen ein randvoller Karton mit insgesamt sechs grauen und einem klaren Gussrahmen. Dazu kommen eine Anleitung sowie zwei Abziehbilderbögen, wobei der kleinere wohl nur eine Ergänzung darstellt – dazu aber später mehr. Der Guss ist weitgehend sauber ausgeführt. Man erkennt auch sofort die modulare Aufteilung des Bausatzes sowie die hohe Detailverliebtheit. Der Bau beginnt im sehr detaillierten Cockpit. Eine komplette Doppelseite beschäftigt sich mit dem Innenraum. Insgesamt sind es elf Bauschritte, bis der Rumpf geschlossen wird. Die Strukturen sind sehr fein umgesetzt, auch die beiden Sitzplätze sind hervorragend wiedergegeben. Die Geräte im hinteren Teil des Cockpits sind ebenfalls gut strukturiert. Hier handelt es sich vor allem um die Funkanlage, das Avioniksystem sowie die Bedienelemente für die Kameras. Das Instrumentenpanel ist ebenfalls versionsspezifisch gut wiedergegeben. Die einzelnen Anzeigen sind dank der sehr feinen Strukturen gut zu erkennen. Auch der Steuerknüppel ist alles andere als einfach gehalten. Der Rumpf ist mehrfach geteilt, hier zeigt sich der modulare Aufbau: Während die hinteren Rumpfhälften bei allen Mosquitos ungefähr gleich sind, sind die vorderen Rumpfsektionen separat ausgeführt und können bei späteren Varianten ausgetauscht werden. Die Passgenauigkeit ist erstklassig und bei sauberem Arbeiten fällt diese Teilung des Rumpfes kaum auf. Die Innenseiten sind teilweise strukturiert, zudem werden hier noch eine Vielzahl weiterer Geräte angebracht.
Identifikationsleuchten um drei Signallampen mit jeweils einer roten, grünen und gelben Leuchte. Diese wurden vom Cockpit aus gesteuert und konnten so einen Code übermitteln, mit dem die Flugabwehr das Flugzeug als eigenes identifizieren konnte. Weiterhin wird auch noch die geschlossene Box für ein Rettungsfloß in den Rumpf eingesetzt. Ist die Passgenauigkeit der beiden Rumpfhälften sehr gut, sieht es an der Unterseite etwas anders aus. Hier haben wir aufgrund der modularen Bauweise mehrere einzelne Teile und Klappen, die beim Einbauen teilweise etwas störrisch sind. Aber auch das ist schon Meckern auf hohem Niveau. Die Teile selbst sind sehr gut detailliert. So kann die Einstiegsluke auch geöffnet dargestellt werden, da auch die Innenseite strukturiert ist. Eine Vielzahl von Klarsichtteilen für Scheinwerfer und Kameras wird in die runden Öffnungen der Unterseite eingesetzt. Der Bausatz hält, was er verspricht – die Versionsunterschiede sind gut ausgearbeitet. Die Flügel sind ebenfalls modular aufgebaut. Hier werden die Kühler, welche sich bei der Mosquito in der Flügelvorderkante zwischen Motorgondel und Rumpf befinden, eingebaut. Ansonsten besteht jeder Flügel aus einem Ober- und Unterteil mit sehr feiner Struktur. Der ein oder andere wundert sich vielleicht, warum keine Blechstöße zu finden sind und das Flugzeug generell sehr glatt wirkt. Der Grund dafür ist, dass das Flugzeug nahezu komplett aus Holz bestand, was es auch so revolutionär machte. Die Flügelenden bestehen aus Klarsichtteilen und werden separat angebracht. Das halte ich persönlich nicht für die beste Lösung, da die Übergänge versäubert werden müssen, um eine saubere Oberfläche zu erhalten. Ob es nötig war, diese Bereiche als Klarsichtteile auszuführen, sei dahingestellt. Immerhin sind die Positionslichter dadurch echte Klarsichtteile. An der Flügelunterseite wird außerdem noch ein Klarsichtteil für den Landescheinwerfer eingebaut. Besonders loben möchte ich an dieser Stelle, dass alle Klappen separat beiliegen und damit auch in ausgefahrener Stellung gebaut werden können. Ein weiterer Landescheinwerfer kann am rechten Flügel ebenfalls verbaut werden, allerdings nur für die vierte Bemalungsvariante. Leider muss die entsprechende Öffnung hierfür selbst hergestellt werden. Kommen wir zu einem weiteren Highlight: dem Fahrwerk. Leider ist man gezwungen, das Fahrwerk schon während des Baus anzubringen, da es sich später nicht mehr in die Motorgondeln einsetzen lässt. Mich stört das ein wenig, da ich das Fahrwerk lieber erst nach dem Lackieren anbaue. Die Reifen des Hauptfahrwerks sind zweiteilig und weisen ein sehr gutes Profil auf. Das Fahrwerk ist sehr filigran detailliert. Zwischen den Fahrwerksstreben wird zudem noch ein Hydrauliktank eingebaut. Das Ganze ist nicht ganz einfach zu bauen, da die Konstruktion recht wackelig sein kann. Es braucht also etwas Geduld. Anschließend wird das gesamte Fahrwerk in die Flügelunterseite eingesetzt, wo der Fahrwerksschacht bereits angedeutet ist. Hier sind auch schon schöne Details wie beispielsweise Hydraulikleitungen zu sehen. Die Motorgondel wird nun um das Fahrwerk herum zusammengesetzt, wobei auch die Abgrenzung zum Fahrwerksschacht eingesetzt wird. Hier ist die Passgenauigkeit etwas straff und die Teile sollten am besten mit Sekundenkleber vormontiert werden – so habe ich es jedenfalls gemacht.
Der Klarsichtteilrahmen ist sehr umfangreich und es liegen verschiedene Varianten bei. Leider hatte sich die Cockpitscheibe bereits gelöst. Für die in diesem Bausatz enthaltene Version wird die Variante mit der Glaskuppel, also Bauteil CP20, benötigt. Anschließend werden noch die beiden flachen Seitenscheiben angebracht. Hier muss man darauf achten, dass die Innenseite vorher lackiert wird, da es einige Streben gibt, die durch die Doppelverglasung von außen nicht mehr lackiert werden können. Beim Anbringen ist unbedingt auf eine Trockenpassung zu achten, damit sich später alles spaltfrei zusammenfügen lässt. Das hat mir nämlich graue Haare bereitet. Die verglaste Nase passt wiederum sehr gut und ohne zu mucken. Die verschiedenen, nicht benötigten Klarsichtteile verraten bereits, dass Special Hobby hier in den nächsten Jahren noch einiges vorhat. Im letzten Schritt werden die Höhenruder, Auspuffrohre, Zusatztanks und Propeller angebracht. Auch hier zeigt sich wieder die überragende Detailtiefe, beispielsweise an den kleinen Nieten auf den Spinnern. Dass Spinner, Propeller und deren Einfassungen separat beiliegen, erleichtert das Lackieren. Ein Schwachpunkt des Bausatzes sind allerdings definitiv die Abgasrohre, denn zwischen den einzelnen Rohren befindet sich einiges an Grat und Flash, das umfangreich versäubert werden muss. Alternativ bietet Special Hobby hierfür auch ein Set mit 3D-gedruckten Teilen an. Generell hat der Hersteller ein umfangreiches Portfolio an Detailsets für die Mosquito entwickelt.
Bemalung und Abziehbilder:Es liegen zwei Abziehbilderbögen bei, wobei der kleinere Bogen lediglich zur Korrektur des Decals Nummer 6 dient, da dieses versehentlich mit blauem Hintergrund dargestellt wurde, obwohl der Schriftzug freistehend sein sollte. Ansonsten ist der Bogen gut gefüllt. Im oberen Bereich befinden sich einige Wartungshinweise und Markierungen. Das Ganze liegt dabei doppelt bei: einmal in Schwarz und einmal in Rot. Im unteren Teil befinden sich die spezifischen Markierungen der einzelnen Flugzeuge. Besonders gefällt mir dabei die Gegenüberstellung der verschiedenen Roundels und ihrer unterschiedlichen Farbvarianten. Versatz ist jedenfalls nicht zu erkennen. Es handelt sich wieder um einen hochwertigen Bogen, der vermutlich erneut bei Eduard gedruckt wurde. Sechs Bemalungsvorschläge hat man sich in Prag für uns ausgesucht:
Anleitung:Entgegen den Bauanleitungen, die ich sonst von Special Hobby kenne, ist sie dieses Mal ausreichend groß und im A4-Format gehalten. Wie immer startet sie mit einem kurzen historischen Abriss auf Englisch und Tschechisch sowie einem schönen Profil des Flugzeugs. Es folgt die Teileübersicht, die dieses Mal vielleicht nicht ganz so dringend notwendig ist wie sonst, da die Teilenummern alle am Gussrahmen angegeben sind. Hier werden auch in einer kleinen Box die benötigten Farben aufgeführt. Das halte ich allerdings nicht für die eleganteste Lösung, weil sie erstens mitten in der Anleitung und damit recht unauffällig platziert ist. Zudem werden nur Farben von Gunze und Mr. Color angegeben. Diese lassen sich jedoch mit den meisten Konvertierungstabellen problemlos umrechnen. Die Bauschritte sind ausreichend groß und übersichtlich, sodass man gut damit zurechtkommt. Sehr gut finde ich außerdem die Bemalungsvorschläge. Durch das große Format sind sie sehr übersichtlich und zeigen gut, wo die jeweiligen Decals platziert werden müssen.
Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Der Bausatz lässt sich auch für den fortgeschrittenen Einsteiger bewältigen. Bauspaß ist aber garantieret. FazitAlso, wie kann sich der Bausatz gegenüber der Konkurrenz behaupten? Meine Antwort ist klar: Es ist die beste Mosquito auf dem Markt und zugleich die detaillierteste. Vor allem bietet Special Hobby mit dieser Bausatzfamilie die Möglichkeit, künftig auch weitere, seltenere Versionen aufzulegen. Die hier vorgestellte Aufklärerversion überzeugt auf ganzer Linie und dürfte auch auf Ausstellungen nicht allzu häufig zu sehen sein. Von meiner Seite gibt es daher eine klare Empfehlung. Weitere InfosReferenzen Als Referenzmaterial empfehlen sich insbesondere ein Walkaround einer amerikanischen Maschine, die dem vierten Bemalungsvorschlag sehr ähnlich ist, sowie die letzte erhaltene Mosquito PR Mk. XVI, die im norwegischen Bodo ausgestellt ist: https://www.cybermodeler.com/aircraft/mosquito/mossie_walk4.shtml
Anmerkungen: Link zu Hersteller, als Bezugsquelle:https://www.specialhobby.eu/dh-mosquito-pr-mk-xvi-high-altitude-reconnaissance-1-72
Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 20. Juli 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
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