Tupolew Tu-22M3 "Backfire-C"185. Garde-Regiment der schweren Bomberflieger, ukrainischen Luftwaffe, Poltava (Ukraine) 20002000von Andy Hartung (1:144 Litaki)
Es scheint das Jahr des Maßstabs 1:144 zu werden, der Gedanke kam mir beim Bau meiner Tupolew Tu-22M3 von Litaki, die erst Ende des letzten Jahres erschienen ist. Immerhin war sie nach dem Tornado und der U-190 schon der dritte Bausatz (und weitere sind noch geplant).
Wie dem auch sei, die Backfire-C, wie sie im NATO-Jargon heißt, ist definitiv ein schickes Flugzeug. Wie viele sowjetische Langstreckenbomber fügen sich diese Ungetüme hervorragend in die Architektur des Brutalismus ein. Daher haben diese Maschinen schon etwas Außergewöhnliches. Bei der Tu-22M kommt noch das spezielle Einsatzspektrum, nämlich als Langstrecken-Marinebomber, hinzu.
Zum Bau:Anfang des Jahres war es so weit und ich hielt die neue Tupolew Tu-22M3 von Litaki in der Hand. Obwohl der Hersteller erst ein paar Jahre am Markt ist, habe ich letztes Jahr ja bereits einen Bausatz von ihm gebaut. Es handelte sich damals um die serbische Orao. Daher war mir bereits klar, dass dieser Bausatz definitiv nicht von allein zusammenfallen wird und Nerven kosten würde. Dem Bausatz lag bereits alles bei, so musste ich den Aftermarket gar nicht erst befragen.
Begonnen hat der Bau erstmal im Cockpit. Hier war ich noch skeptisch, da ich die Nachbildung zunächst für sehr vereinfach gehalten habe. Sitze wiesen keine Gurte auf, die Instrumententafeln waren flach und nur mit einem Decal dargestellt. Steuerknüppel fehlten und die Sitze hatten eine leichte Sinkstelle, außerdem fehlten Gurte. Dazu bemerkte man jetzt bereits die Kleinteiligkeit, jede Fläche wurde als separates Teil dargestellt. Später habe ich dann festgestellt, so schlimm ist das einfache Cockpit gar nicht, da man sowieso nichts viel durch die Scheiben sieht, dennoch erkennt man die Gurte und auch das ein oder andere Detail in der Seitenkonsole wäre erkennbare gewesen, wenn man sie denn dargestellt hätte.
Danach wurde der vordere Rumpf zusammengesetzt. Nicht nur das Cockpit sollte hier seinen Platz finden, sondern auch ordentlich Gewicht. Ich kann im Nachgang nicht mehr sagen, wie viele Trimmgewichte hier ihren Platz gefunden haben, aber es waren mehr als genug. Dazu noch einige Bleikugeln – ein Tailsitter musste dringend verhindert werden. Weiterhin musste noch die Zieloptik für das Periskop eingebaut werden, wobei der untere Teil erst später eingebaut wurde. Ebenso vorne ein Teil, in dem die beiden Scheinwerfer ihren Platz gefunden haben. Das Ganze geschah auf Reisen, denn wie auch die Saab vor Kurzem habe ich das Modell während meines Außendienstes mitgenommen und abends im Hotel begonnen.
Im nächsten Schritt musste das Teil zusammengesetzt werden. Ja, hier ging das Spektakel mit den Passproblemen bereits los, es wurde am Ende sehr viel Material einfach verschliffen. Ähnlich sah das bei den Triebwerkseinläufen aus. Das Modell ist also eine ziemliche Herausforderung und erfordert Geduld und gründliches Arbeiten. Fehler verzeiht der Bausatz nicht so leicht. Dann wurde der hintere Rumpf zusammengesetzt, auch hier ist es so. Teilweise wirkt der Bausatz wirklich überkonstruiert, was ihn alles andere als leicht macht. So ist z. B. die Unterseite des Rumpfs zweigeteilt, allerdings nicht etwa an einer logischen Linie, wie einer Gravur, sondern mittendrin, sodass alles recht aufwendig versäubert und nachgraviert werden muss. Auch an den Seiten des Rumpfes entstand ein unschöner Versatz, der auch mit Spachtelmasse ausgeglichen werden musste.
Auf Reisen entstand das Cockpit. Das Ganze wurde besonders extrem an den Übergängen vom Lufteinlauf zum Rumpf. Hier gab es massive Höhenunterschiede, die sich nur mit viel Spachtel ausgleichen ließen. Entsprechend musste nachgraviert werden. Es waren meine ersten Versuche, mit richtigem Gravurwerkzeug und nicht nur mit dem Cuttermesser neue Panelines zu setzen. Ich meckere hier zwar viel, und das wird in den nächsten Zeilen so weitergehen, es sei aber so viel gesagt: Das Ganze war eine schöne Herausforderung und ich denke, so sollte man den Bausatz auch sehen: einfach mal zeigen, was man so kann.
Belohnt wird der Modellbauer aber mit feinen Details, wie dem Triebwerk, das wirklich toll umgesetzt wurde. Die Schubdüsen sind aus dem 3D-Drucker, das gibt dem Ganzen noch mehr Detailtiefe. Die Flügel bleiben schwenkbar, wenn man den Kleber nur ganz dosiert verwendet. Allerdings ist die Baukonstruktion, bei der der obere Teil der Flügelwurzel eingeschoben werden muss, etwas kompliziert, denn gleichzeitig sollte der schwenkbare Teil des Flügels in der Halterung bleiben.
Wesentlich entspannter war das Ganze dann am Seitenleitwerk. Dies war klassisch geteilt, jedoch musste der Teil mit dem Heckgeschütz separat gebaut und eingesetzt werden. Auch hier waren kleinere Nacharbeiten notwendig. Leider zog sich hier, wie auch an den Flügeln, wieder das Bild durch, dass beide Teile in Ober- und Unterseite geteilt waren und der Übergang irgendwo verlief, sodass geschliffen und nachgraviert werden musste. Ja, das lässt sich im Großen und Ganzen alles machen, aber es zieht das Projekt auch in die Länge, ohne dass größere Fortschritte zu erkennen sind. Ein Fehler, der mir passiert ist: Das Cockpit saß zu weit oben, weshalb das Klarteil nicht mehr richtig in den Rumpf passte und ein Überstand entstanden ist. Ich habe also angefangen, mit Gewalt das Teil etwas tiefer in den Rumpf zu drücken, gleichzeitig vom oberen Teil etwas wegzuschleifen. Das war natürlich risikoreich, aber was wollte ich anderes machen? Am Ende passte das Klarteil fast ohne zu spachteln. Und noch besser, denn so langsam entstand ein Flugzeug vor meinen Augen.
Weiter baute ich dann das Fahrwerk, welches an Einzelteilen kaum zu überbieten war. Die Räder waren zweiteilig und das Fahrwerk selbst bestand aus je sechzehn Teilen. Ich frage mich, ob das wirklich nötig ist? Denn wie gesagt, so zieht sich das Projekt, ohne dass wirklich ein Fortschritt erkennbar ist. Die Kh-22 Burjan wiederum waren ganz gut und die Passung problemlos.
Bevor nun lackiert wurde, brachte ich noch die Masken an und einige PE-Teile. Ab hier ging es dann doch schnell: Grundiert, dann mit HATAKA Insignia-Weiß den Bauch lackiert, mit Ammo of Mig Ghost Grey die Oberseite. Etwas fummelig war dann das Abkleben der ganzen kleinen Stellen, die auf der Oberseite in Aluminium oder Weiß lackiert werden sollten. Leider ist auch die HATAKA-Farbe etwas undankbar und noch Tage später klebrig, sodass schnell Staub kleben bleibt. Mit Klarlack war es aber dann doch schnell behoben.
Der Hersteller hat sich ausschließlich für ukrainische Markierungen entschieden, wobei diese natürlich eher ins Auge stechen als die standardmäßigen roten Sterne der russischen/sowjetischen Luftwaffe. Die Markierungen haben sich gut verarbeiten lassen. Der Rest war dann ein Selbstläufer, und was sich lange als unüberwindbares Hindernis darstellte, war nach drei Monaten plötzlich erfolgreich beendet.
zum Vorbild:Die Tupolew Tu-22M3, von der NATO mit dem Codenamen Backfire-C versehen, markiert den technologischen und operativen Höhepunkt der sowjetischen Mittel- und Langstrecken-Bomberflotte des Kalten Krieges. Ausgestattet mit schubstarken Kusnezow-NK-25-Triebwerken, markanten keilförmigen Lufteinlässen und variabler Flügelgeometrie, kombinierte die Tu-22M3 eine Höchstgeschwindigkeit von fast Mach 2 mit hervorragenden Tiefflugeigenschaften. Konzipiert war dieses System vor allem als schlagkräftiger Träger für schwere Marschflugkörper wie die Ch-22, um Flugzeugträgerverbände der NATO zu bekämpfen oder strategische Ziele im europäischen und asiatischen Raum mit konventionellen wie nuklearen Waffen anzugreifen. Eine herausragende Rolle bei der Stationierung und Erprobung dieser Waffensysteme spielte das 185. Garde-Regiment der schweren Bomberfliegerkräfte auf dem Militärflugplatz Poltawa. Der traditionsreiche Verband zählte zu den Eliteeinheiten der sowjetischen Fernfliegerkräfte (Dalnjaja Awiazija) und gehörte zu den ersten Verbänden, die nach dem Einsatz der älteren Tu-16 und frühen Tu-22 auf die modernisierte Schwenkflügel-Generation der Tu-22M2 und schließlich ab den 1980er-Jahren auf die finale Version Tu-22M3 umrüsteten. Die Piloten und Techniker in Poltawa galten als absolute Spezialisten für den komplexen Bomber, der durch seine Reichweite und Vielseitigkeit einen zentralen Pfeiler der sowjetischen Abschreckungsdoktrin bildete.
Mit dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 ging das 185. Garde-Regiment mitsamt seiner gesamten Infrastruktur und den Flugzeugen in den Besitz der neu gegründeten ukrainischen Streitkräfte über. Zusammen mit den strategischen Verbänden in Pryluky (Tu-160) und Usyn (Tu-95MS) machte diese Flotte die Ukraine über Nacht zur drittgrößten strategischen Atommacht der Welt. Das Regiment in Poltawa bildete dabei das operative Rückgrat der ukrainischen Fernbomberkräfte und hielt die anspruchsvollen Maschinen trotz massiver wirtschaftlicher Umbrüche in den frühen 1990er-Jahren noch einige Jahre einsatzbereit. Die geopolitische Weichenstellung durch das Budapester Memorandum von 1994 besiegelte schließlich das Schicksal der Flotte. Die Ukraine verzichtete auf ihre Nuklearwaffen und verpflichtete sich im Gegenzug für Sicherheitsgarantien zur schrittweisen Abrüstung ihrer strategischen Trägersysteme. Finanziert über das US-amerikanische Nunn-Lugar-Programm zur kooperativen Bedrohungsreduzierung begann auf dem Flugplatz Poltawa die systematische Zerschneidung der Tu-22M3. Am 27. Januar 2006 wurde dort die letzte ukrainische Backfire-C vor laufenden Kameras demontiert, was das endgültige operative Ende des 185. Garde-Bomberregiments und der gesamten ukrainischen Fernflieger-Ära markierte. Heute erinnert auf dem Gelände das Museum für schwere Bombenfliegerkräfte an dieses Kapitel, wo ein einzelnes, unbrauchbar gemachtes Exemplar der Tu-22M3 als technologisches Denkmal erhalten geblieben ist. Fazit:Kurz gesagt: eine schwere Geburt, das wird auch anhand der langen Bauzeit ersichtlich. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen und steht so nicht in jeder Vitrine.
Andy Hartung Publiziert am 22. August 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |