Stone BuildingsMichael Franzvon Making of (1:87 Kibri)
PrologIm Plastikmodellbau werden nicht nur Fahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe oder Figuren gebaut, sondern auch Modelle von Gebäuden und anderen Bauten. Bei solchen „Buildings“ werden neben den Teilen aus Plastik oft noch andere Materialien wie Holz, Gips, Styrodur oder Metall verwendet. Die Sparte in nur einem Stichwort beschrieben: „Verwittert“ Was ist das Besondere an der Sparte „Buildings“?Das Bauen von Häusern, Gebäuden und anderen Bauten, auch in realgetreuen Landschaftsszenen, ist ein großes Segment im Modellbau, wird aber mehr zum Bereich der Eisenbahnfreunde zugeordnet. Dabei gibt es durchaus Gebäude die für sich alleine als Stand-alone Modelle oder in Dioramen verbaut werden. Für den Plastikmodellbauer eröffnen sich diverse Gestaltungsmöglichkeiten und die Arbeitstechniken mit Alterung (Patina), Drybrushing und Weathering gleichen denen mit dem Bauen von Fahrzeugen. Prolog des AutorsSchon immer bestand bei mir eine Faszination für alles, das bereits etwas älter aussieht, gebraucht, benutzt oder auch schon etwas „heruntergekommen“. Dies findet sich in den meisten meiner Modelle wieder. Nur selten verlässt ein Modell meinen Bastelplatz in einem fabrikneuen Zustand. Egal ob es sich um Fahrzeuge, Häuser oder andere Themengebiete handelt. Ganz besonders lässt sich dies bei allen Arten von Dioramen allerdings darstellen. Hier kann man sich nach Lust und Laune austoben, wenn es um das Altern geht. Deshalb gehören Gebäudemodelle und kleinere Dioramen auch zu meinen absoluten Favorites. Gebäudemodelle gibt es bekanntlich in allen Größen, Varianten und Themenbereichen.
Neben den hierzulande vorherrschenden „Eisenbahnhäuschen“ aus Kunststoff gibt es speziell in Amerika eine große Anzahl an hervorragenden „Craftsman Kits“. Diese bestehen vorherrschend aus Holz – entweder gelaserte oder gefräste Wandsegmente
Neben den hierzulande vorherrschenden „Eisenbahnhäuschen“ aus Kunststoff gibt es speziell in Amerika eine große Anzahl an hervorragenden „Craftsman Kits“. Diese bestehen vorherrschend aus Holz – entweder gelaserte oder gefräste Wandsegmente
HinweiseDas Making of Buildings haben wir in zwei Beiträge aufgeteilt. Der erste Teil „Stones Buildings“ beschäftigt sich mit Gebäuden in Steinoptik, Bedachungen, Zubehör und Accessoires für solche Bauten, im zweiten Teil „Wooden Buildings“ geht es dann um Gebäude in Holzoptik, bei den z.T. auch echtes Holz verarbeitet wird. ZusammenbauIm Folgenden wollen wir uns mal einige Beispiele anschauen, wie aus diesen Voraussetzungen echt aussehende Gebäudeteile entstehen können. Anfangen wollen wir mit den hierzulande typischen Plastikhäuschen – und hier ganz speziell einem, der gängigsten Varianten – einem Fabrikgebäude mit Backsteinmauern, wie eingangs bei dem Modell der „Farben KG“ von Kibri im Maßstab 1:87 gezeigt. Den ersten Schritt macht hier der Auftrag einer Grundfarbe – also eine Farbe, die einem Ziegelrot schon sehr nahekommt. Ich nutze hierfür gerne Acrylfarben von Valleyo oder auch Lifecolor. Farblich ein Rotbraun oder auch Rostbraun, welches flächig aufgesprayt wird. Eine einheitliche Farbgebung ist nicht nötig, es kann auch wolkig aufgetragen werden. Wir wollen gerade hierbei schon ein wenig Abwechslung in die Farbe reinbringen.
Nachdem die Grundfarbe getrocknet ist, folgt die eigentliche Farbgebung der Ziegelwände. Diese erfolgt mit einem Schwamm, mit dem alle weiteren Farben nur aufgetupft werden – je unregelmäßiger desto besser. Zum Einsatz kommen nun Farben in verschiedensten Braun-, Gelb-, Orange und Brauntönen.
Sind die Farbunterschiede zu krass, ist dies gar nicht schlimm. Ganz im Gegenteil. Mit dem nächsten Schritt werden diese weitgehend abgeschwächt. Mit handelsüblicher Spachtelmasse (Gips, Moltofil) werden nun die Fugen zwischen den Steinen detailliert. Hierzu wird der Gips mit viel Wasser angerührt, bis eine milchige Konsistenz erreicht wird. Diese Mischung wird dann flächig über die kompletten Wände aufgetragen. Man gibt dem Gips nun einige Minuten Zeit, um etwas anzutrocknen. Dann wird mit einem fusselfreien Wolltuch ein Großteil des angetrockneten Gipses abgewischt, oder auch abgerubbelt. Es verbleibt ein Gipsschleier auf den Wänden, sowie vor allem in den Fugen.
Gleichzeitig mattiert der Gips die Wände, so dass ein sehr realistischer Look entsteht.
Abschließend können die Wände nun noch mit verschiedensten Pigmenten gealtert werden, damit Wasserablaufspuren oder Moosablagerungen dargestellt werden. Im nächsten Schritt werden die Fensterrahmen lackiert und die Fenster selbst verglast. Dieser Schritt ist bei allen Bausatzarten und Materialien identisch, egal ob Lasercutbausatz, Plastikbausatz oder Craftsman Kit. Die Fensterrahmen werden mit einem dunklen Holzbraun grundiert. Diese Grundierung stellt die eigentliche Grundfarbe des Fensterrahmens vor dessen Lackierung dar. Anschließend wird die eigentliche Farbe, in der die Fensterrahmen ursprünglich lackiert wurden, auch wieder mit eine, Schwamm aufgetupft.
Je weniger Farbe hier aufgetragen wird, desto stärker verwittert sieht der Fensterrahmen aus. Für die Verglasung der Fenster nutze ich generell durchsichtige Folie anstatt der Plastikfensterteile, welche oftmals den Bausätzen beiliegen. Diese sind viel zu dick und wirken absolut unrealistisch. Die Fensterfolie wird teilweise eingeschnitten, Ecken herausgeschnitten oder nur einzelne Kleine „Splitter“ in die Fensterrahmen eingeklebt. So erhält man beschädigte, sehr realistische Fenster alter Gebäude.
Für den Look alter Fenster kann die Folie von der Rückseite mit einer stark verdünnten, beigen Farbe und der Airbrush angenebelt werden. So entsteht ein sehr realistischer, verstaubter Eindruck. Auch können Bilder, Schilder oder Holzreste von hinten hinter die Rahmen geklebt werden – so, als ob die kaputten Scheiben von innen notdürftig verschlossen worden wären.
Die Detaillierung der Wände mit weiteren Anbauteilen folgt im nächsten Schritt, bevor die Hauswände zu einem Häuschen zusammengefügt werden. So werden beispielsweise Lüftungsanlagen zusammengebaut und an den Wänden montiert. Diese werden ebenfalls stark gealtert und verrostet dargestellt. Hierfür nutze ich abgeriebene Pastellkreiden in verschiedenen Braun- und Rosttönen, welche mit reinem Alkohol und einem alten Pinsel auf die zuvor braun grundierten Teile aufgetupft wird.
Für Bedachungen von Gebäunden, egal ob sie als Stein- oder Holzhäuser dargestellt werden, gelten die gleichen Arbeitstechniken. Egal ob ein Ziegeldach aus Kunststoff, das mit der Schwammtechnik bemalt wurde, einzelnen Dachschindelreihen aus Papier, die zuvor mit einem flachen Pinsel senkrecht bemalt wurden oder schwarz lackierten Papierstreifen als Teerpappe.
Abschließend werden alle weiteren Details ergänzt – egal ob Schornsteine, Kräne oder sonstige Details, die dem Gebäude weiteres Leben einhauchen. Auch hier kommen die genannten Techniken bei der Bemalung zur Anwendung. Egal ob Kunststoffteile in Holzoptik gestaltet
oder rostige Fässer oder Werkzeuge die herumliegen sollen dargestellt werden sollen.
Für die farbliche Gestaltung werden diese immer erst grundiert
und dann farblich alle Details bemalt und mit verschiedenen Pastellkreiden und Alkohol farblich nachbehandelt
Grundsätzlich sei noch zu erwähnen, dass ich Grundplatten aus Kunststoff, sofern diese einem Bausatz beiliegen, nie verwende (außer als Hilfe beim Zusammenfügen der Wände). Diese gutgemeinten Grundplatten wirken immer irgendwie unpassend in meinen Augen. Lieber baue ich dem Modell ein passendes Diorama drumherum und setzte das Gebäude hier rein. So wirkt es nicht „aufgesetzt“, sondern so, als wäre es auch wirklich in die Szenerie hineingebaut worden. Als Abschluss noch ein Diorama „Heruntergekommene Fabrik“ von Kibri (mit Umbau) im Maßstab 1:87, das die hier beschriebenen Schritte zeigt.
Das Fabrikdiorama ist in Modellversium zu sehen unter: https://www.modellversium.de/galerie/artikel.php?id=18128&origin=mb EpilogGebäude und ähnliche Bauten bilden im Plastikmodellbau eher eine Nische, im Gegensatz zu den Häusern, Brücken und Anlagen bei den Eisenbahnfreunden, bei denen dieser Bereich einen großen Anteil am Hobby hat. Der deutlichere Unterschied wird dabei die Bearbeitung mit Alterung und Weathering sein, die auf den Gleisanlagen kaum oder gar nicht gemacht wird, bei den Stand-alone Modellen oder kleinen Dioramen, wie in diesem Beitrag, dafür um so mehr. So entstehen kleine sehr realitätsnahe Kunstwerke. Happy Modeling
Photo-Collagen:
Galerie Michael Franz auf Modellversium Homepage Michael Franz
Material:Bausatz:
Material
Werkzeuge & Hilfsmittel:
Making of Publiziert am 10. Mai 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |