Wooden BuildingsMichael Franzvon Making of (1:87 Fine Scale Models)
PrologIm Plastikmodellbau werden nicht nur Fahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe oder Figuren gebaut, sondern auch Modelle von Gebäuden und anderen Bauten. Bei solchen „Buildings“ werden neben den Teilen aus Plastik oft noch andere Materialien wie Holz, Gips, Styrodur oder Metall verwendet. Die Sparte in nur einem Stichwort beschrieben: "Verwittert". Wooden BuildingsDas nächste Beispiel, das wir uns näher anschauen möchten, sind aus Holz gefertigte Lasercut-Bausätze. Hier sind die Wände gelasert oder gefräst, oftmals mit sehr schöner Bretterstruktur versehen. Solche Bausätze sind vor allem in Amerika beliebt und präsent, weshalb auch vorrangig amerikanische Architekturen vorherrschen. Die Wandteile aus dünnem Holz werden zunächst von der Innenseite mit Holzleisten verstärkt, so dass sich die Teile bei der weiteren Behandlung nicht wellen können. Anschließend werden Anbauteile aus Holz ergänzt.
Mit einer Drahtbürste werden dann alle Wandteile stark angeraut. Je stärker und länger man mit der Drahtbürste über die Oberflächen kratzt, desto stärker werden die Oberflächen angeraut, und es entsteht ein stark abgenutzter Look, dem das Wetter schon viel abverlangt hat. Im nächsten Schritt wird die Grundfarbe aufgesprayt. Auch hier gilt, wie zuvor schon bei den Plastikbausätzen, dass eine unruhige Oberfläche viel realistischer wirkt als eine flächig lackierte Farbe. Mit einem Schwamm und beiger Farbe werden dann abgeplatzte Wandfarbe und das darunter zum Vorschein kommende Holz dargestellt.
Nach dem Trocknen werden einzelne Holzplanken mit einem spitzen Messer herausgebrochen und so weitere Beschädigungen dargestellt.
Die Nägel, mit denen die einzelnen Bretter beim Original teilweise zusammengenagelt wurden, können nun mit einem feinen Nietenrad und einem Stahllineal in die Wände eingearbeitet werden.
Es folgen dann auch hier die bereits in Teil 1 „Making of Stone Buildings“ beschriebenen Schritte für die Fensterrahmen, Verglasung und weitere Anbauteile. Als letztes Beispiel schauen wir uns einen typischen Craftsman Kit an, bei dem maßstabsgetreue Baupläne und unterschiedliche Holzleisten alles ist, was für die Herstellung der Wände vorliegt.
Im ersten Schritt erhalten alle Holzleisten ihre Grundfarbe. Hier werden nun verschiedenste Tinten („Inks“) verwendet. Schwarz, Braun, Orange, Grau, Weiß. Diese werden miteinander vermischt und mit Wasser verdünnt, bis eine dreckige Brühe entsteht, die den Grundton haben sollte, den man sich für die Holzleisten wünscht. Wichtig zu beachten ist, dass die spätere Farbgebung der Leisten deutlich weniger stark ausfällt, als wie die angemischte Brühe wirkt. Passt die Farbe, werden alle Holzleisten in der Brühe „eingelegt“.
Von Natur aus saugen einige Leisten die Farbe stärker auf als andere Leisten und erhalten daher schon einen dunkleren Farbton. Weitere Abwechslung in den Farbtönen erhält man, indem man einige Leisten früher, andere später aus dem Bad nimmt. Als Richtwert lasse ich meine Leisten immer 2 Tage baden, nehme dann die ersten heraus und lasse die anderen nochmals 1-2 Tage im Bad. Anschließend müssen die Leisten auf einer ebenen Fläche für einen längeren Zeitraum trocknen.
Sind die Leisten getrocknet, wird auf dem mit klarer Folie abgedecktem Plan der Grundrahmen der Wände erstellt, die Leisten passend abgelängt und aufgeklebt.
Anschließend werden die flachen Leisten, die die Außenwände darstellen, auf den Rahmen geklebt. Bei diesem Schritt können nun unzählige Variationen entstehen, die Optik so unglaublich realistisch und abwechslungsreich gestaltet werden – besser als bei allen anderen Bausatzarten.
Es können neben den bereits existierenden Farbvarianten, die gut durchgemischt zum Einsatz kommen, auch Bruchstücke verwendet werden. So, als ob eine Holzlatte teilweise ersetzt worden wäre. Oder man bricht teile heraus, um unten oder oben unsaubere Kanten zu erhalten. Man entfernt seitlich an den Leisten Holzspäne, um unsaubere Außenkanten der Holzlatten zu erhalten und damit unterschiedliche Fugen zwischen den Latten. Oder man bearbeitet die Leisten vor dem Verkleben auch hier mit einer Drahtbürste unterschiedlich stark, um stärker oder weniger stark verwitterte Holzlatten zu erhalten. Auf dem folgenden Bild sind alle Varianten angewandt worden.
Als zusätzliche Auflockerung der Farben können auch einzelne Holzleisten noch mit Farbe behandelt werden. Auch hierzu wird wieder der Schwamm zum Einsatz gebracht und die Farbe unregelmäßig aufgetupft. Solche „farbigen“ Leisten lockern die Holzwände weiter auf. Das nächste Bild zeigt zum Beispiel eine ursprünglich weiß gestrichene Holzwand, bei der einzelne Latten durch blanke Holzlatten ersetzt wurden und weiße Farbe schon an vielen Stellen abgeplatzt ist.
Auch hier kommen nun die Fensterrahmen, Fensterscheiben und weitere Details wie bereits beschrieben zur Anwendung. Egal welche Bausatzart man baut, als nächstes werden generell alle Wandteile zusammengefügt, so dass man nun sein Häuschen in seiner Grundform schon vor sich stehen hat.
BeschriftungenAuf eine Besonderheit möchte ich noch eingehen. Nicht selten möchte man eine Beschriftung auf der Gebäudewand haben – sei es ein Firmenname, ein Streifen oder sonstige Details.
Diese druckt man am besten mit einem Laserdrucker aus und schleift das Papier von der Rückseite ganz vorsichtig ab, bis es so dünn als möglich vor einem liegt. Es wird dann mit einem Messer ausgeschnitten und vollständig mit Holzleim rückseitig eingestrichen und auf der Wand platziert. Wichtig hierbei ist, dass es unbedingt sofort (!) an der richtigen Position liegen muss. Verschieben oder Abziehen und erneut Platzieren ist in der Regel nicht möglich. Sitzt der „Aufkleber“ an der richtigen Stelle, wird er mit einem Finger in die Konturen der Wand eingearbeitet. Nach dem Trocknen wird die gleiche Farbe, mit der auch Holz an den Wänden dargestellt wurde, mit dem Schwamm aufgetupft. Weitere Schäden mit einem Messer eingekratzt.
Hier noch eine Übersicht über fertige Gebäude Dioramen, die mit den beschriebenen Techniken bearbeitet wurden. Alle Dioramen sind im Maßstab 1:87 und in der Galerie von Modellversium zu sehen:
Modellversium VorschauDie hier angewandten Techniken werde ich in den kommenden Monaten in mein neuestes Projekt einbringen. Anstatt mehrerer Dioramen entsteht ein einziges Großmodell – eine Modellbahn im kleineren Maßstab 1:160, das im Stile der gezeigten Modelle entstehen wird. Ich bin gespannt, was ich bei diesem Projekt noch dazu lernen werde und inwieweit sich all diese Schritte noch verfeinern lassen können. In diesem Sinne hoffe ich, dass ich Euch ein wenig meine Techniken beim Häuslebauen näherbringen konnte. EpilogGebäude und ähnliche Bauten bilden im Plastikmodellbau eher eine Nische, im Gegensatz zu den Häusern, Brücken und Anlagen bei den Eisenbahnfreunden, bei denen dieser Bereich einen großen Anteil am Hobby hat. Der deutlichere Unterschied wird dabei die Bearbeitung mit Alterung und Weathering sein, die auf den Gleisanlagen kaum oder gar nicht gemacht wird, bei den Stand-alone Modellen oder kleinen Dioramen, wie in diesem Beitrag, dafür um so mehr. So entstehen kleine sehr realitätsnahe Kunstwerke.
Galerie Michael Franz auf Modellversium: https://www.modellversium.de/galerie/modellbauer.php?id=333 Homepage Michael Franz Creations: https://www.world-in-scale.de
MaterialBausatz
PS: Auch für „Wooden Buildings“ gibt es ein großes Angebot an Bausätzen u.a. auch aus den USA. Wir empfehlen Anfängern im Plastikmodellbau sich zu Anfang eher einfachere Bausätze auszusuchen, die viel Spaß beim Zusammenbau garantieren, für einen Wow-Effekt sorgen und Lust auf weitere Bauprojekte und Modelle machen. Hier einige Produktbeispiele für Wooden Buildings: NachtragMaking of “Wooden Buildings Light 2.0”
Zum Schmunzeln noch eine kleine Hütte im Maßstab 1:160. Das Hütterl ist ein Heustadl von Faller und im Original in braunem Plastik gefertigt. Obwohl man es kaum sieht (frei nach dem Motto: Weniger ist oft mehr ...) wurden alle Seiten bemalt und vorsichtig „gealtert“.
Die Verwitterung wurde sogar ganz unterschiedlich für eine dunklere Nordseite und eine hellere, weil mehr ausgebleichte Südseite gemacht. Besonders viel Arbeit war die „Alterung“ auf dem Dach mit mehreren Schichten Grau-, Braun und Grüntönen zur Darstellung von Ausbleichen und Vermoosung. (Hütterl von Thomas F. Lutz) Coming soon ...
Making of Publiziert am 17. Mai 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |