Mercedes-Benz 300 SL(Revell - Nr. 05614)
Produktinfo
Besprechung
Der Mercedes-Benz 300 SL wurde 1954 auf der New York International Motor Sports Show vorgestellt und gilt bis heute als einer der bedeutendsten Sportwagen aller Zeiten. Seine Entwicklung basierte unmittelbar auf dem erfolgreichen Rennsportwagen W194 von 1952. Ausschlaggebend für die Serienfertigung war der amerikanische Mercedes-Importeur Max Hoffman, der das enorme Marktpotenzial eines exklusiven Sportwagens in den USA erkannte. Das Kürzel SL steht für „Sport Leicht“ – und genau dieses Konzept bestimmte die gesamte Konstruktion. Der 300 SL war seiner Zeit in vielen Bereichen weit voraus. Die wichtigste Innovation war der extrem leichte Gitterrohrrahmen. Dieser wog gerade einmal ca. 50kg und bot eine außergewöhnlich hohe Verwindungssteifigkeit. Da die Seitenschweller sehr hoch ausgeführt werden mussten, konnten keine normalen Türen eingebaut werden. Daraus entstanden die legendären Flügeltüren, die heute das Markenzeichen des Fahrzeugs sind. Der 300 SL war 1954 das weltweit erste Serienautomobil mit mechanischer Benzin-Direkteinspritzung. Das von Bosch entwickelte System stammte direkt aus der Flugmotorentechnik. Sie bot etwa 20 % mehr Leistung, hatte ein wesentlich besseres Ansprechverhalten, einen geringerer Verbrauch und sorgte zudem für eine zuverlässige Gemischbildung auch bei hohen Querbeschleunigungen. Bis dahin arbeiteten nahezu alle Sportwagen mit Vergasern.
Mit bis zu 260–263 km/h (je nach Hinterachsübersetzung) war der 300 SL damals das schnellste Serienfahrzeug der Welt. Zum Vergleich, der Jaguar XK140 schaffte ca. 200 km/h, die Chevrolet Corvette C1 ca. 180 km/h und der deutsche Mitbewerber Porsche 356 Carrera ´nur´ ca. 200 km/h. Der Reihensechszylinder des 300 SL verfügte über einen Hubraum von 2996 cm³ und leistete 215 PS bei 5.800 1/min. Mit einem Leergewicht von 1263 kg wurden die 100 km/h in 8,5 s erreicht. Für Mitte der 1950er Jahre waren diese Werte außergewöhnlich. Das 300SL Coupé wurde in 1400 Exemplaren von 1954 bis 1957 gebaut, dann folgte der Roadster mit 1858 Fahrzeugen, der bis 1963 in Produktion blieb. Der Neupreis betrug damals satt 29.000 Mark, dafür konnte man sich sieben VW Käfer kaufen. Der heutige Marktwert ist siebenstellig, sehr gute Fahrzeuge mit matching numbers erreichen gerne mal drei Millionen Euro. Gerade letzteres sorgte in der jüngeren Vergangenheit für einen handfesten Skandal rund um einen renommierten Restaurationsbetrieb.
Anlässlich des 140-jährigen Jubiläums des ersten Benz Motorwagen (1886) hat Revell zwei thematisch passende Build & Paint Boxen herausgebracht. Beide haben das Thema 300SL, zum einen den W198 von 1954 und zum anderen den 300SL-24 (R129) von 1989. Wir fangen mal mit dem Ur-300 SL an. Bekanntermaßen besitzt Revell selbst keine eigene Werkzeugform eines Mercedes 300SL und greift daher auf existierende Bausätze anderer Hersteller zurück. In diesem Fall hat man sich für den Bausatz von Heller entschieden, warum auch immer. Vielleicht der Nostalgie wegen, es gab ihn auch schon vor rund 40 Jahren in einer ähnlichen Aufmachung (Farbe). Schaut man sich die Historie dieser Werkzeugform an so kann man den Eindruck gewinnen das Heller selnst nicht so ganz überzeugt ist von dem Modell. Die letzte eigene Auflage war vor 1990, es gab in der Heller-Humbrol-Zeit mal ein Rebox des Italeri Bausatzes, das eigene Modell blieb in der Versenkung. Und da hätte er auch mal besser bleiben sollen.
Die Angabe mit 161 Bauteilen weckt zunächst Hoffnung auf ein detailreiches Modell. Hat man den Beutel aber erst einmal aus der überaus praktischen Box herausgenommen wird man schnell zurück auf den Boden der Tatsachen befördert. Anno 1979 waren halt die Ansprüche anders als heute. Das Modell verfügt über einen vollständig nachgebildeten Motor den man am fertigen Modell dank der separaten Motorhaube auch sehen kann. Deren Beweglichkeit wird durch ein einfaches Lager sichergestellt. Die Details sind hier recht einfach gehalten, man muss ein bisschen Arbeit investieren um die Teile zu versäubern und Auswerfer zu kaschieren. Das gilt eigentlich für das gesamte Modell. Die Achsen wurden ebenfalls vollständig nachgebildet, wer möchte kann die Vorderräder beweglich anbauen. Allzu viel sehen wird man später davon nicht wegen dem geschlossenen Unterboden. Die Aufteilung der Karosserie wurde seinerzeit sehr unglücklich gewählt. Es ist – wenn man Wert auf ein sauberes Ergebnis legt – praktisch unmöglich die Karosserie vor der ´Hochzeit`zu lackieren. Die Trennstellen liegen da wo beim Original keine sind, und weil der Unterboden aus einem Stück ist müsste man schon ein paar Schnitte anlegen. Es gibt einige Sinkstellen im Bereich des Daches und ein paar Ecken die man glätten sollte. Die Fugen des Kofferaumdeckels sind nur vage vorhanden und sollten etwas vertieft werden. Ein Pluspunkt an der Karosserie sind die separaten Türen sowie die Tatsache dass es keinerlei Taschen, Löcher oder Schlitze gibt zur Aufnahme der Anbauteile. Diese werden in der Regel aufgeklebt. Das eröffnet uns ein wenig Spielraum was die Gestaltung des fertigen Modells angeht. Ich denke da mal so in Richtung RestoMod oder Replika, wo ja oft solche Teile bewusst weggelassen werden.
Im Inneraum geht es eher spartanisch zu, Viele Details werden mit Decals dargestellt, so ist das Armaturenbrett nur eine glatte Platte. Es fehlen auch eine ganze Reihe von Dingen, meist Kleinigkeiten die aber am Ende den Ausschlag geben (Reling zur Befestigung der Koffer, diverse Schalter, die ganzen ´Nieten´ der Teppiche usw.). Im Internet gibt es unzählige Fotos des 300SL wo man sich inspirieren lassen kann. Für die Sitze gibt es auf dem Decalbogen ein zeitgenössisches Dekor, was für mich allerdings nicht zur vorgeschlagenen braunen Farbe passt. Kommen wir zum Schluss noch zum absoluten Low Light des Bausatzes, den Rädern. Sowohl die Reifen als auch die Felgen sind sher schlecht gemacht. Den Felgen fehlt es an Tiefe und die Reifen sind einfach nur für die Tonne. Asymetrischer und wenig vorbildgetreuer Querschnitt, bescheidenes Profil und schlechte Fertigungsqualität kommen hier zusammen. Entweder hatte der Erbauer des Modells vom Deckelbild einfach mehr Glück als ich oder andere Reifen. Die Bauanleitung ist wie üblich sehr gut gemacht und übersichtlich, 47 Baustufen für 160 Bauteile ist alles andere als Überladen. Der Decalbogen ist sozusagen das Highlight des Modells, hier hat Revell wieder an alles gedacht. Bezüglich der Nummernschilder sollte man etwas genauer hinschauen, da nimmt man es in Bünde nicht immer so ganz genau, gerade bei Oldtimern. Die sechs Farben bilden zumindest mal eine Grundlage zum Anfangen, natürlich wird das am Ende nicht reichen. Die Anleitung nennt 11 weitere Farbtöne, zwei davon müssen selbst angemischt werden. Der Pinsel taugt kaum mehr als für zum umrühren der Farben.
Darstellbare Fahrzeuge:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung:
FazitWarum jetzt ausgerechnet die Heller-Form als Grundlage für diese Jubiläums-Box ausgewählt wurde erschließt sich mir nicht so ganz. Heller selbst lässt die Werkzeugform da wo sie hingehört, im Keller. Der Bausatz ist trotz seiner mehr als 160 Bauteile nicht übermäßig detailliert. Die Räder sind das Lowlight, während die Decals wie so oft das Highlight des Bausatzes darstellen. Natürlich kann man einen 300SL aus diesem Bausatz bauen, es ist aber schon recht viel Arbeit. Als RestoMod oder Replika kann ich mir das hier schon eher vorstellen, da muss es nicht 100% genau sein. Die 46 Euro die Revell hier aufruft sind schon relativ viel Geld, dafür bekommt man schon das Tamiya Modell (die Farben, Kleber und Pinsel mal ausgenommen). Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 25. August 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
Modellbauer-Profil Frank Richter![]() Land: Beiträge: 34 Dabei seit: 2003 Neuste Artikel:![]() ![]() Alle 34 Beiträge von Frank Richter anschauen. |