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Fendt 728 Vario

von Frank Richter (1:20 Revell)

Fendt 728 Vario

Das Modell

Der Fendt 728 Vario kommt nicht nur im Karton ganz schön groß daher. Auch das fertige Modell ist recht imposant und vor allem schwer. Das liegt zu einem guten Teil an den wuchtigen Reifen. Den Bausatz hat unser Modellbaukollege Jens Lohse hier ja schon einmal vorgestellt. Hier nun also der Praxistest. Hat man sich erst einmal einen Überblick über die Teile verschafft kann es auch gleich losgehen. Erst einmal alle Teile von den Giessästen trennen, ein bisschen vorsortieren und das Modell probeweise mal bauen wie es vorgesehen ist. Ohne Kleber, ohne Bemalung. Lässt man die ganzen Grate und Formtrennähte erst einmal außer acht ist der Bau eine recht entspannte Angelegenheit. Auf diese Art und Weise kann man das durchaus während einer Doppelfolge eines 90min Krimis auf die Reihe kriegen. Maßstab 1:20 hin oder her, das ist schon ein ganz schöner Brocken der auch einiges an Gewicht auf die Waage bringt. Passgenauigkeit, Stabilität der Steckverbindungen? Nun ja, es gibt Teile die passen so gut zusammen dass es beinahe eine One-Way Sache ist, andere neigen dazu immer wieder abzufallen. So nett der Fendt in diesem Zustand auch aussieht, bleiben kann das nicht. Revell hat leider einige markante Bereiche am Modell sehr vereinfacht dargestellt. Besonders der vordere Grill überzeugt mich überhaupt nicht. Auch die seitlichen, sechseckigen Gitter lassen das Modell am Ende doch nur wie ein Spielzeug aussehen.

Fendt 728 Vario

Fendt 728 Vario

Der Bau und die Bemalung

Lange Rede kurzer Sinn, das Modell wurde wieder komplett zerlegt und in sinnvolle Baugruppen aufgeteilt. Sinnvoll im Sinne der einfachen Bemalung. Da wären z.B der Motor, das Fahrgestell mit einigen der Anbauten sowie kleine Teile wie z.B. die Sitze und andere Teile der Innenaustattung. Vor der Bemalung stand allerdings noch die leidige Aufgabe an alle Teile zu versäubern, Klebenähte zu überarbeiten und auch ein paar Sinkstellen bedurften einer Behandlung. Da Revell keinerlei Farbangaben macht heisst es erst einmal Bilder suchen vom Fendt. Gar nicht so einfach, einen klassischen Walk-Around wie sonst bei ´normalen´ Fahrzeugen war nicht zu finden. Ich musste mich mit meist recht kleinformatigen Bildern von irgendwelchen Genossenschaften oder Landmaschinenhandel begnügen. Es gibt auch ein paar Werbefilme und natürlich die Fendt Internetseite. Im Wesentlichen sind es drei Farbtöne die man aussuchen muss: Grau und Schwarz für die meisten Technikteile, Beige für die Innenausstattung und natürlich das Fendt-Grün. Ich habe mich letztenendes für Dunkelgrau Revell 378 , Beige Revell 314 und Farngrün Revell 360 entschieden. Sicherlich nicht 100% korrekt, aber genaue Angaben habe ich keine gefunden. Auf Bildern ist es mal dunkler, mal heller je nach Lichteinfall.   

Fendt 728 Vario

Fendt 728 Vario

Die Räder

Bei den Reifen hat der Hersteller (also der ausführende Produzent) zumindest bei meinem Bausatz komplett versagt. Nicht nur, dass sie teilweise sehr stark verzogen sind, gibt es an einem Reifen sogar eine kleine Beschädigung. Das Problem ist, dass die Reifen für die Felgen zu breit sind und deshalb nicht ´drauf´bleiben wollen. Schließlich musste ich die Pneus mit Hitze davon überzeugen zu tun, was ich von ihnen wollte. Nach ein paar Tests hat sich gezeigt, dass man die Reifen am Besten zwischen zwei Platten einklemmt, von denen eine vorher z.B. mit einem Bügeleisen warm gemacht worden ist. So konnte ich wenigstens die balligen Flanken begradigen und gleichzeitig die Breite soweit verringern, dass nun die Reifen innen an den kleinen Stegen der Felgen anliegen. So richtig wollen tun sie das immer noch nicht, was man am fertigen Modell nach wie vor anhand der kleinen Druckstellen erkennen kann. Revell hat damit anscheinend kein Problem, in deren Werbevideo zum Modell sieht man dieselben Probleme. Die Felgen habe ich mit glänzend Italian Red 34 lackiert. Für die Radbolzen habe ich mittels Locheisen kleine Lochmasken erstellt und anschließend silbern bemalt. Abschließend wurde noch ein wenig Tamiya Panel Line Braun für einen leichten Verschmutzungseffekt aufgetragen.

Verzogen und auch leicht beschädigt kommen die Reifen im Bausatz daher.Der rechte Reifen ist ganz ok, der linke so nicht brauchbarEs nutzt auch nichts die schadhafte Seite nach Innen zu setzenNach einer kleinen Tortur mit dem Bügeleisen sitzen die Reifen wenigstens sicher auf den Felgen. Die Beschädigungen (rechts) kommen nach innenDie radialen Streifen werden von der Felge beim Aufziehen verursachtFendt 728 VarioFendt 728 Vario

Verzogen und auch leicht beschädigt kommen die Reifen im Bausatz daher.

Verzogen und auch leicht beschädigt kommen die Reifen im Bausatz daher. 

Die Frontmaske und die seitlichen Gitter

Einer der größten Schwachunkte am Modell ist meiner Meinung nach die Frontpartie. Mir ist schon klar dass sich dieses, beim Original aus gepresstem Metallgewebe (?) hergestellten Teil, nur schwer in Spritzguss umsetzen lässt. Vielleicht wäre ein Klarsichtteil mit Decals belegt die bessere Wahl gewesen. Für mein Modell habe ich nach mehreren Anläufen folgenden Weg gewählt: Zunächst habe am vorderen Teil der Haube alles was  ´Gitter´ ist vorsichtig herausgetrennt. Den verbleibenden Rahmen habe ich aus Gründen der Stabilität  mit dem hinteren Teil verklebt und die Übergänge schon mal versäubert. Ich wollte ungern erst am Ende damit beginnen. Das Gitter habe ich mit einem feinen Kunststoffgewebe  nachgebildet, der Siebeinsatz eines Wäschetrockners hat bei mir am besten funktioniert. Das Schnittmuster habe ich zuvor mittels Tape nachgezeichnet. Zuerst wollte ich die Stege (die ja keine sind?) mit Streifen aus Klarsichmaterial herstellen. Einfacher, und nicht weniger effektiv geht es mit Auflackieren. Zuerst einen dunkleren Grauton, danach mit feinen Tapestreifen die Stege abgeklebt und dann mit dem entgültigen, helleren Grau lackiert. Illusionsmalerei nennt man das glaube ich ;). So ganz 100%ig stimmen tut das natürlich nicht, das Originalteil ist ein Pressteil aus Gittermaterial.  Die Sechseck-Loch-Gitter an den Seiten habe ich herausgetrennt und mit passendem geätztem Material von Aber ersetzt. Nicht ganz perfekt aber besser als das was Revell vorgibt. Beim Original sind diese Gitter aus Spritzguss und mehrere cm dick.

Der erste Anlauf führte nicht zum ErfolgAlle Stege raus und neuer VersuchGaze aus dem Wäschtrockner-Sieb funktioniert ganz gutDie Stege sind nur auflackiertDie Bausatz-Gitter, die keine sind müssen weg - Aber muss her!Viel besser!Wenn man das Decals des Motorriemens an die richtige Stelle platziert, sieht man es von aussen!

Der erste Anlauf führte nicht zum Erfolg

Der erste Anlauf führte nicht zum Erfolg 

Weitere Verbesserungen

Auch an den Kleinteilen kann man sich herrlich austoben. Die Scheinwerfer unter dem Dach hinten z.B., beim Original sind das vier Einzelscheinwerfer die man beliebig positionieren kann. Revell hat die aussehen lassen wie einen flachen 2x1 Klemmbaustein, gerade nach hinten ausgerichtet. Ich habe die Teile voneinander getrennt, eine simple Schwenkhalterung gebaut und noch jeweils ein Kabel verlegt. Alle Leuchtengläser wurden noch mit Spiegelfolie oder Liquid Chrome hinterlegt, außerdem die oft vorhandenen schwarzen Punkte in der Mitte eliminiert (die kommen von den Löchern der Steckverbindungen). Wo möglich bzw. nötig habe ich ein paar Hydraulik- und Pneumatikleitungen ergänzt, außerdem an den Schläuchen noch die Verbindungen bzw. Schellen nachgebildet. Am Frontheber wurden die beiden Hebarme noch mit einigen Bohrungen für die Sicherungsstifte versehen. Der Lenkeinschlag ist (Bausatz-)konstruktionsbedingt sehr klein, wenn man etwas Material oben am Radträger wegnimmt kann man das ändern. An der Abgasanlage habe ich die Löcher noch aufgebohrt. Streng genommen hätte ich innen noch ein Rohr einsetzen müssen da der perforierte Teil nur eine Verkleidung ist. Aber um das zu sehen müsste man schon mit einer Lampe durchleuchten.

Fendt 728 VarioFendt 728 VarioFendt 728 VarioFendt 728 VarioFendt 728 VarioDie Griffe an den Teleskopstangen sind aus DrahtDurch Bearbeiten des oberen Lager vom Radträger lässt sich der Lenkeinschlag deutlich erhöhen

Fendt 728 Vario

 

Was als entspanntes Projekt begann stellte sich als im Nachhinein als echte Herausforderung heraus. Am meisten Nerven und mehrer Anläufe kostete mich die Motorabdeckung. Der Rest ist mehr oder weniger Fleißarbeit. Was mich bei der Recherche zum Vorbild überrascht hat war die Tatsache, dass es kaum brauchbare Detailfotos zu geben scheint. Ich musste mich mit recht kleinen Bildern von diversen Verkaufsplattformen zufrieden geben. Am Ende war ich nicht mehr ganz so motiviert wie noch zu Beginn. An einigen Stellen hätte man sauberer Arbeiten können, wie man auf einigen Detailfotos erkennen kann. 

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Fendt 728 Vario

 

Frank Richter,
Frank's Webtrash

Publiziert am 20. Juni 2026

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