Blohm & Voss BV P.205.01-01schleppt zwei Zeppelin-Rammervon Thomas Brückelt (1:72 verschiedene Hersteller)
Der 2024 neu erschienene / bzw. überarbeitete Bausatz der Blohm & Voss BV P.205.01-01 von Airmodel Products stellt den geplanten Höhenjäger dar, von dem es nie ein flugfähiges Exemplar gab. Schwobabaschdler-Kollege Zimmo hat sein hervorragend gebautes Modell bereits hier vorgestellt und auch zur Historie einen kurzen Überblick geliefert.
Mit seinen fast 27 cm Spannweite im Maßstab 1:72 ist das schon ein fetter Brocken. Mir kam die Idee, den Höhenjäger als Schleppmaschine für zwei Zeppelin-Rammer zu verwenden. Der Bausatz von Brengun, welcher zwei Modelle beinhaltet, lag schon seit geraumer Zeit herum. Die Entwicklung des Rammers kam nicht weit. Das Projekt erhielt nicht einmal eine eigene Nummer. Vorgesehen war es, den Rammer von einem Jäger auf Höhe zu schleppen. In der Nähe feindlicher Bomberverbände sollte dieser dann ausklinken und mit seinem Raketenantrieb (Schmidding 533) Fahrt aufbauen. In einem ersten Angriff sollten seine 14 Raketen (R4M Orkan) auf einen gegnerischen Bomber abgefeuert werden. In einem zweiten Anflug sollte ein weiterer Bomber gerammt werden. Die Tragflächen sollten zu diesem Zweck entsprechend stark ausgelegt sein. Die Landung hätte danach auf einer ausfahrbaren Kufe erfolgen sollen. Es war nicht vorgesehen, dass der Pilot nach dem Rammstoß mit dem Fallschirm aussteigt.
So stelle ich mir den Schlepp vor: Die BV P.205 hätte es sicher gepackt, zwei der kleinen Raketengleiter auf Höhe zu schleppen. Diese hätten für den Start ein abwerfbares Fahrwerk erhalten. Mit gabelförmigen Schleppdeichseln hätte man die beiden Rammer mit der Schleppmaschine an der Unterseite der Tragflächen verbunden. Diese hätten eine gewisse Bewegungsfreiheit gehabt, so dass sich die Gleiter - ohne Kräfte auf die Schleppmaschine zu übertragen (abgesehen vom Luftwiderstand) - hätten ziehen lassen können. Nach oben hin gäbe es einen mechanischen Anschlag, damit die Schleppdeichsel nicht mit dem Querruder kollidieren kann. Die Schleppdeichseln hätte man vor der Tragfläche - also vor dem Schwerpunkt - beidseitig an den Rammern eingehängt. Nach dem Ausklinken müssten die Rammer nach oben und zur Seite wegziehen. Ein nach oben gerichtetes Leitblech an den Schleppdeichseln hätte Abtrieb erzeugt und dafür gesorgt, dass sich diese schnellstmöglich nach dem Ausklinken nach unten bewegen. Die Schleppdeichseln wären abwerfbar und hätten in einem zylindrischen Behälter einen Fallschirm gehabt, der ein langsames Herabgleiten ermöglicht hätte. So wären am Boden keine Schäden entstanden. Sollte die BV P.205 selbst ins Kampfgeschehen eingreifen, hätte sie davor die Schleppdeichseln abgeworfen. Auf den Behältern der Fallschirme befinden sich Angaben für die Finder, die sich an entsprechender Stelle melden sollten, um die Deichseln wieder zurück zum Flugplatz zu bekommen. Ansonsten hätte ein Überflug zum Abwurf vor der Landung erfolgt, die Deichseln wären dann auf dem Flugplatzgelände oder in dessen Nähe niedergegangen und das Bodenpersonal hätte sie eingesammelt.
Der Bau der Modelle verlief problemlos. Sowohl der Resin-Bausatz von Airmodel, als auch die Rammer von Brengun (Spritzguss) sind hervorragend detailliert und haben eine gute Passgenauigkeit. Den Zeppelin-Rammern liegen sogar noch feine Ätzteile bei. Bei der Bv P.205 findet sich noch die Kopfstütze als Ätzteil im Kit (alternativ zum gegossenen Teil).
Alle drei Modelle erhielten Staurohre. An der BV P.205 brachte ich noch eine Venturidüse auf der Tragflächenunterseite an und eine Antenne zwischen der Haube und dem Seitenleitwerk. Das entstand aus gezogenen Gießästen.
Da der Schleppzug fliegend gezeigt werden sollte, benötigte ich Pilotenfiguren. In der BV P.205 nahm ein schön gemachter, resingedruckter Luftwaffenpilot von Peddinghaus Platz. Dieser kam mit zwei weiteren Kameraden daher (jeweils in etwas anderer Körperhaltung), allerdings sind diese Figuren zu groß für die Zeppelin-Rammer. Da man durch die recht kleinen Scheiben der Hauben auch nicht mehr viel davon sieht, wären sie mir dafür ohnehin zu schade gewesen. Von daher passte ich Abgüsse von Pilotenfiguren an, die ich vor einiger Zeit selbst erstellte. Diese hatte ich so unterteilt, dass Körperhaltung und Größe der Umgebung angepasst werden können.
In den Bereichen, in denen die Acrylglasstäbe (Ø 2 mm und Ø 5 mm) eingeklebt wurden, baute ich angepasste Blöcke aus Polystyrol ein. Die Bohrungen der Acrylglasstäbe setzte ich im Bereich der Schwerpunkte der Modelle, so dass sich diese nicht durch die Last biegen. Somit konnte ich auch einen relativ kleinen Durchmesser dafür wählen. Vor allem die größtenteils massiv gegossene BV P.205 hat doch ein recht stattliches Gewicht. Dem Rammer, der nach dem Ausklinken nach oben und rechts wegzieht, trennte ich die Ruder ab und klebte sie in entsprechender Stellung erneut an.
Die Schleppdeichseln baute ich aus gezogenen Gießästen. Die Behälter der Fallschirme stammen aus meiner Restekiste. Die Leitbleche schnitt ich aus einer 0,5 mm starken Polystyrolplatte heraus.
Die drei Modelle habe ich mit dem Pinsel lackiert, nur die Base des Displays (4 mm starkes Acrylglas) wurde gespritzt. Bei den Lackierungen konnte man der Kreativität freien Lauf lassen, da es ja alles What if-Modelle sind. Die Decals von Brengun strich ich nach meinen Erfahrungen mit den Decals von meiner Me P.1103 mit Liquid Decalfilm ein. Im Airmodel-Bausatz findet sich ebenfalls ein kleiner und sauber gedruckter Decalbogen. Diese sind nicht gestanzt und müssen ausgeschnitten werden, lassen sich aber gut verarbeiten und decken sehr gut. Die Wartungs- und Warnhinweise nutzte ich für mein Modell. Balkenkreuze und andere Markierungen stammen von anderen Bögen. Nach dem Versiegeln der Decals erhielten die Modelle ein leichtes Washing. Final habe ich mit mattem Klarlack aus der Spraydose von Mr. Hobby versiegelt.
Der Bau hat mir viel Spaß gemacht und ging dank der guten Qualität der Bausätze auch flott voran. Die Darstellung solch eines Gespanns ist mal wieder etwas Neues in meiner Sammlung. Thomas Brückelt, Publiziert am 12. Januar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |