Spähpanzer Ru 251 (Prototyp)Dargestellt wird der zweite Prototyp in der Truppenerprobungvon Hauke Ahrendt (1:35 Amusing Hobby)
Zum VorbildParallel zum Jagdpanzer Kanone 90 oder auch Kanonenjagdpanzer bzw. KaJaPa wurde im Auftrag der Bundeswehr ein Spähpanzer konzipiert, mit der identischer Waffe BK 90/L40 wie der Kanonenjagdpanzer, die jedoch in einem Drehturm ausgerüstet werden sollte. Bei der BK 90/L40 handelt es sich um die deutsche Version der amerikanischen 90 mm M41-Kanone. Die Waffe war aufgrund der identischen innenballistischen Ausführung wie das US-M41-Rohr in der Lage, alle damaligen 90mm-NATO-Munitionsarten der M47 und M48 zu verschießen.
Zur Erzielung möglichst großer technischer Übereinstimmungen wurde eine modifizierte Wanne des Kanonen-bzw. Raketenjagdpanzers verwendet. Dabei war das Fahrwerk leicht verändert, und das Deck wurde zur Aufnahme eines Drehturms neu gestaltet.
Der Ru 251 hatte mit dem Daimler-Benz-Motor MB 837 A 650-PS Dieselmotor 150 PS mehr als der KaJaPa, und bei einer Nutzlastklasse von 25 Tonnen waren sehr gute Fahrleistungen und Geschwindigkeiten möglich, die der geplanten Aufgabe entsprachen. Auch die Bewaffnung war für einen Aufklärungspanzer zur damaligen Zeit angemessen, um auch Aufklärungen im Feuergefecht erzwingen zu können. Die Hülle besaß aber zugunste des geringeren Gewichts und Beweglichkeit keinen wirksamen Panzerschutz gegen Panzergranaten, Treffer wären hier von größerer Auswirkung gewesen. Das Fahrzeug war als Ersatz für den M41 in der Aufgabe als Spähpanzer geplant.
Bis hier hin ist die Recherche recht einfach, für den Rest gilt es, die wenigen und qualitativ überwiegend schlechten Bilder zu studieren. Aber je länger man prüft, umso mehr Unterschiede fallen schließlich auf. Schwierig ist, da es keine Bilder von oben und von hinten gibt.
Es wurden definitiv 2 Prototypen gebaut, die sich im Wesentlichen am Turm unterscheiden lassen. Der spätere Prototyp hatte nur einen Griff an jeder Turmseite statt 3, die Nebelwerfer waren hinten seitlich am Turm statt am Heckkorb, und es waren Halterungen für einen Schießscheinwerfer an der Kanonenblende vorhanden. Auch gab es vor der Kommandantenluke ein weiteres Pereskop, die Position lässt sich durch Fotos mit verschieden Blickwinkel trotz fehlender Ansicht von oben recht gut bestimmen. Am ersten Prototyp sind verschiedene Ketten dokumentiert: Die Kette wie beim HS 30 und den KaJaPa-Prototypen, und die Kette wie die KaJaPa-Serie mit den rechteckigen Kettenpolstern. Der späte Prototyp hat auf Fotos dagegen immer eine Kette mit den 8-eckigen Kettenpolstern. Es gibt ein Foto des späten Protortypen in der WTS, das ihn mit vermutlich frühen Leo1-Ketten zeigt, und die vorderen Fenderbleche sind hier schräg abgeschnitten. Das kann man auf keinen anderen Bildern vom Ru 251 in der WTS sehen. Ggf. ein spätes Bild, bevor er zur Restauration aus der Sammlung genommen wurde? Wer weiß.
Ab 1964 wurde der Ru 251 einer intensiven Einsatzprüfung unterzogen. Diese Tests verliefen durchaus zufriedenstellend, doch die parallel vollzogene Fertigungsreife des KPz Leopard war inzwischen so weit fortgeschritten und bereits entsprechende Eigenschaften nachgewiesen das entschieden wurde, das der Leopard auch die Rolle eines Spähpanzers übernehmen sollte. Der Leopard hatte eine vergleichbare Beweglichkeit, bessere Bewaffnung und höheren Panzerschutz. Damit wurde das Projekt Ru 251 verworfen.
Verbleib der FahrzeugeVon den zwei gebauten Prototypen ist heute in jedem Fall noch der spätere Prototyp erhalten, wie man anhand der oben genannten Merkmale feststellen kann. Entgegen langjähriger sich hartnäckig haltender Gerüchte steht dieser nicht im Panzermuseum Munster, und er ist hier auch nie gewesen! Er war nach meinen Kenntnissen früher auf dem Außengelände der WTD 91 in Meppen. Meiner Meinung nach stammen von hier die Außenbilder mit den schwarzen Schildern davor. Danach wurde der späte Prototyp ein Bestandteil der Lehrsammlung der WTS in Koblenz, und ist nun teilzerlegt in der WTD 41 in Trier. Er soll wieder aufgearbeitet werden, offen ist jedoch ob und wann er wieder der Öffentlichkeit zugänglich ist. Ob der ersten Protoyp erhalten wurde und wenn ja, wo sich dieser heute befindet, war für mich nicht möglich zu recherchieren.
Das ModellMit dem Ru 251 habe ich nun also meinen 4. Prototypen und Versuchsmuster von Bundeswehrfahrzeugen gebaut. Da es diese Fahrzeuge real gab bin ich gerade so am „What if“ vorbei, das stellt also meine Grenze dessen dar, was ich baue. Der Bausatz ist von Amusing Hobby. Viele Teile sind identisch zum Kanonenjagdpanzer von „Das Werk“, so das hier auf eine Zusammenarbeit zurückgeschlossen werden kann. Wer hier führend war ist unklar.
Der Bausatz ist im Wesentlichen gut gelungen, das größte Manko ist, das die Laufrollen dem Serienfahrwerk des KaJaPa’s entsprechen. Hier hätten die Laufrollen anders aussehen müssen, egal welchen der beiden Prototypen man baut. Man kann das mit vier zusätzlichen Öffnungen nachstellen, zumindest ist die Optik dann etwas näher dran. Auch die Ketten waren unabhängig vom Prototypen anders als die im Bausatz, wobei es ein einziges Bild des ersten Prototypen gibt das ich kenne, das ihn mit einer Serienkette zeigt. Damit kann man eingeschränkt den Prototypen 1 in Bezug auf die Kette korrekt darstellen. Für meine Darstellung des zweiten Prototypen musste ich auch die Ketten ändern, denn die Kettenpolster sahen etwas anders aus. Die Ecken waren hier unter 45° abgeschrägt, die Kettenpolster somit ungleichschenklige 8-Ecke. Auch die Führungszähne der Ketten sind denen der KaJaPa ähnlich, aber in der Höhe etwas flacher. Das ist etwas Schade, dass es diese Fehler im Modell gibt, da es eben nur 2 Prototypen gab und man daher keine Variante als Erklärung nutzen kann.
Das Modell baut sich ansonsten aber gut, die passgenauen Teile lassen sich gut zusammenfügen. An einigen Stellen sich die Teile im Verhältnis zu den Angüssen wir bei den Innenringen der Leiträder zu zierlich so, dass man beim Abtrennen der Teile aufpassen muss.
Grundsätzliche Anpassungen am ModellDas Abschleppseil ist insgesamt zu zierlich. Hier sollten man eine 1mm-Drahtlitze und größere Kauschen verwenden. Zumindest beim späteren Prototypen öffnet die Luke des Richtschützen nicht nach hinten, sondern mehr oder weniger seitlich und dabei etwas nach hinten gerichtet. Dazu muss man den Ring und Anschlagpunkt der Luke verdrehen. Die Luke klappt nicht 180° auf, sondern bleibt leicht schräg nach oben gerichtet stehen, vermutlich um sie durch Totpunktvermeidung leichter schließen zu können. Wie der Anschlag dazu ausgeführt war, konnte ich nicht erkennen. Ob das bei dem im Modell nachgebildeten frühen (ersten) Prototypen auch so war weiß ich nicht, ich habe keine Bilder des frühen Prototyp mit geöffneten Luken gefunden. Auch muss der Lukendrehpunkt der Kommandantenluke geändert werden da dieser genau in Flucht mit der hinteren rechten Antenne ist. Es wäre so nie möglich gewesen die Luke vollständig aufzuschwenken. Ich habe den Ring daher etwas im Uhrzeigersinn verdreht, ein Winkelspiegel musste dabei etwas versetzt werden. Die neue Position haben ich so festgelegt, das der hintere Winkelspiegel weiterhin nach hinten zeigt.
Anpassungen für den späten (zweiten) PrototypenIch habe das Modell zusätzlich leicht abgewandelt und versucht, so gut es geht dem späteren Prototypen darzustellen. Leider kenne ich nur 3 zeitgenössische Fotos, von den nur 2 so gut sind, das man Details von den Seiten und vorne erkennen kann. Von der Rückseite habe ich keine Bilder. Ergänzende Bilder aus der WTS helfen auch weiter, aber ich verlasse mich im Wesentlichen immer nur auf authentische Bilder aus der Nutzungszeit. Für die Grabbelkiste bleiben jeden Menge Teile über, die für den KaJaPa spezifisch sind. Schaden kann das nie. Aus der Box kann man das Modell in 2-3 Abenden zusammenbauen, wegen der Recherche und den daraus folgenden Maßnahmen hat es doppelt so lange gedauert.
Bausatzvariante „Später Prototyp“Interessant am Bausatz ist folgendes: Es ist oder war mal vorgesehen gewesen, den Ru 251 auch in der späten Version zu produzieren. An den speziellen Spritzbäumen des Ru 251 sind die Halter des Schießscheinwerfers für die Blende enthalten (E7 & 8 und E12 & 13), auch sind in der Plane für die Blende 2 kleine Aussparungen zur Positionierung dafür modelliert (man musss es wissen und genau hinsehen). Für den Turm ist der Kabelanschluss für den Schießscheinwerfen (E11) vorhanden und soll gemäß Bauanleitung sogar montiert werden. Das ist natürlich für den laut Bausatz zu bauenden frühen (ersten) Typ falsch – für mich und meinen Plan den zweiten Prototyp zu bauen war das aber gut! Das Teil E2 wird wie E8 auf die rechte Wannenseite montiert, etwa kurz hinter der ersten Stützrolle. Dazu muss man die Positionierungsnase entfernen, da die Wanne anders als für das Teil F8 keine Vertiefung dafür hat. Ob dieses Blech auch beim frühen Typen vorhanden war oder nur das hintere wie es in der Bauanleitung steht konnte ich auf den Bildern nicht erkennen, es würde aber erklären, warum es in der Bauanleitung nicht erwähnt ist. Es gibt noch 2 halbkreisförmige Teile (E22 & 23), die anhand der Geometrie vermutlich für eine geöffneten Kanonen-Transportlagerung gedacht waren. In der Anleitung kommen sie ebenfalls nicht vor.
LackierungZur Darstellung wurde mit Airbrush das hier alternativlose Gelboliv lackiert, dass ich wie immer mit Revell Nr. 42 unter Beimengung von etwas 57 Grau und wenig 88 Ocker. Auf Tarnungen habe ich entgegen der Anleitung verzichtet da die Prototypen nur für Tests in reinem Gelbolive eingesetzt wurden. Was Amusing Hobby da geritten nur zwei nicht belegbare Phantasieabstriche vorzugeben aber nicht die dokumentierten unifarbenen gelblichen Anstriche weiß ich nicht, beide Lackierversionen in der Anleitung sind pure Fantasie und haben maximal „What if“-Charakter. Verstehe ich nicht.
DecalsDie Decals der eisernen Kreuze stammen aus der Restekiste, da bei den Prototypen je nach Aufnahmezeitpunkt keine Markierungen bzw. später nur die Kreuze vorhanden waren, aber das Kreuz von der Größe nicht passte. Y-Kennzeichen wurden bei den Fahrzeugen soweit ich feststellen konnte nie vergeben. Bilder aus der Bauphase
Hauke Ahrendt Publiziert am 23. Mai 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |