VT 1-2Das Modell den VT 1-2. zum Zeitpunkt der Erprobungen Mitte der 70er Jahrevon Hauke Ahrendt (1:35 Takom)
Zum VorbildDer VT1-2 war einer der beiden schießfähigen Versuchsträger bei Entwicklung der Doppelrohr-Kasemattpanzer als mögliche Alternative zu den üblichen Kampfpanzern mit Turm. Da an vielen Stellen Neuland betreten werden musste entschied man sich im BMVg sich zu einer mit Erprobungsfahrzeugen unterstützen Studie, auch wenn dieses mit Kosten verbunden ist. Teile dieser Studie begleiteten auch das deutsch-Britische Studien für den MBT80, die später aber nicht realisiert wurde.
Für die Studie wurden verschieden Fahrzeuge direkt neu gebaut, die vorgelagertern RVT wurden umgebaut: RVT, LVT, FVT und KVT/HVT (M41-Basis), Verantwortlich IABG:
Versuchträger (Basis gekürzte MBT 70-Wanne), Hersteller MAK Kiel:
Gefechtsversuchsträger (Basis auf gekürzter Leo1-Vorserien-Wanne), Hersteller MAK Kiel:
Fahrwerkversuchsträger (Neubau mit teils veränderten Leo1-Komponenten), Verantwortlich IABG
Entwicklung des DoppelrohrkasemattpanzersZiel bei der Entwicklung des Doppelrohr-Kasemattkonzeptes war es, hinsichtlich der gewaltigen Bedrohung durch massive Panzerkräfte des Ostens ein Fahrzeug zu entwickeln, das gegenüber dem konventionellen Drehturm-Kampfpanzer eine höhere Feuerkraft und Ersttrefferwahrscheinlichkeit mit besserer Überlebensfähigkeit und höherer Beweglichkeit verbindet. Voraussetzung hierzu waren inzwischen verfügbare Möglichkeiten zur elektronischen Zielerfassung und Schussfreigabe, sodass erstmals Ziele ohne Schießhalt aus der Bewegung heraus bekämpft werden konnten was den Nachteil der fehlenden Seitenrichtbarkeit kompensieren sollte. Damit war einer der größte Nachteil eines Kasemattpanzers kompensiert und machte ihn taktisch wieder interessant. Die dazugehörenden taktischen Einsatzarten (Wedelfahrt) zu beschreiben geht hier zu weit, Hintergründe findet man im Netz zur Genüge. Nur so viel, dass mit teils ferngelenkten umgebauten und gekürzten M41-Fahrgestellen (teils aus den RVT-Fahrgestellen) nachgewiesen werden konnte, dass bei Wedelfahrt gegnerische Treffer sogar mit drahtgelenkten Waffensystemen nur schwer möglich waren. Die daraus entstehende Anforderung zur Wendigkeit und hoher Motorleistung der Kasematpanzer führte dazu, entsprechend kurze und stark motorisierte Fahrzeuge auch schon zur Erprobung zu nutzen.
Diese taktischen Einsatzüberlegungen mündeten in einem Konzept, das mit den VT1-1 und VT1-2 technisch umgesetzt und praktisch nachgewiesen werden sollte. Dabei ist wichtig: Auch wenn es anders aussieht: Die VT waren eben nur als technische Versuchsträger und noch nicht als Kampffahrzeug konzipiert. In der Truppe einsatzfähig wären die DRK auf Basis der VT1-1 oder VT1-2 schon aufgrund der Kampfraumaufteilung in der vorliegenden Form nicht. Daraus ergibt sich die Fragestellung nach der Sinnhaftigkeit der beiden „What if“-Darstellungen.
Langfristiges Ziel dieses Projektes war es übrigens nicht, einen Nachfolger des noch nicht eingeführten Leopard 2 zu entwickeln, wie man infolge des irreführenden und für dieses Fahrzeug in dieser Form nicht verwendeten Suggestivnamens „Leopard 3“ in manchen Foren lesen kann. Es war eher zunächst eine Grundsatzstudie (taktisch und technisch), die später außerdem die noch Schnittmengen mit den parallel laufenden deutsch-britischen Planungen des Kpz 80 hatte, die auch nie realisiert wurden. Hier war die Idee, mit dem Kasemattpanzer bei gleichem Wirk- und Schutzniveau ein geringeres Fahrzeuggewicht zu erzielen, da beim Konzept des Kpz 80 realistische Prognosen von bis zu 67t vorlagen.
Im Grunde ist es aber klar, dass ein Panzer mit nur höhenrichtbaren Kanonen trotz „Zieldurchgangsverfahren“ dank elektronischer Feuerleitrechnung und Schussauslösung eher defensiven Charakter denn Kampfpanzercharakter hat und nur in offenem Gelände eingesetzt werden kann. Hier ging es also im Ganzen zunächst um praktische Grundsatzerprobungen einer solchen Lösung, die VT1-Fahrzeuge waren also nicht streng nach strategischen Einsatzanforderungen, sondern vielmehr hauptsächlich für die praktische Versuchshandhabung konzipiert.
Für dieses Konzept eines Doppelrohr-Kasemattenpanzers wurden im Rahmen der Studie zunächst die zwei bewaffneten Prototypen für Schieß- und Feldversuche mit je zwei BK105 mm (VT1-1) bzw. BK120mm (VT1-2) auf Basis von zwei umgebauten und gekürzten Kampfpanzer 70-Fahrgestellen gebaut. Die beiden Fahrgestelle waren von den deutschen Prototypen des Kampfpanzer 70 übrig, nachdem das deutsch-amerikanische Projekt aufgegeben wurde. Der VT1-2 hat zu Versuchszwecken auch eine 6-Schuss-Ladeautomatik für das linke Rohr montiert gehabt. Den Auftrag zum Bau beider VT1 erhielt MaK in Kiel im Jahre 1972, die Fahrzeuge wurden 1974 (VT1-1) bzw. 1975 (VT1-2) fertiggestellt und in Putlos und Munster erprobt, weitere Erprobungen fanden wohl auch in Sennelager statt (in der Nähe hat auch die IABG ihren Standort). Die beiden Versuchsträger dienten der Prüfung der technischen Realisierungsfähigkeit eines solchen Konzeptes generell. Vergleich KPz 70 mit VT 1-2
Das Konzept hätte im Nachhinein betrachtet technisch sicher realisiert werden können und es gab schon an beiden VT1 bereits viele technisch herausragende Lösungen, um die taktischen Forderungen zu erfüllen. Aber es gab am Ende genauso viele Vorbehalte in der Truppe bezüglich der begrenzten taktischen Verwendung der Fahrzeuge, die im Wesentlichen sehr defensiv war und nur in entsprechendem Gelände wie Norddeutschland zum Tragen kommen konnte. Im Verband mit mehreren DRK wäre es sicher auch schwierig und wegen des Risikos, eigene Fahrzeuge zu treffen, riskant gewesen, die Wedelfahrt anzuwenden.
In der Truppenschule 2 gab es in Munster im Herbst 1975 Truppenversuche, an denen der erst 3 Monate alte VT 1-2 und der GVT 04 teilnahmen. Man muss im Vorgriff auf das Ergebnis sagen, dass das Testprogramm nicht für eine Strategie und den Einsatz von Kasemattpanzern, sondern für Turmpanzer ausgelegt war. Und der VT1-2 war nicht nach strategischen Gesichtspunkten ausgelegt, sondern zur Erfüllung von Feldversuchen, somit war schon die Anordnung der Besatzung nicht optimiert. Und da die Vergleichsfahrzeuge die technisch brandneuen Leo1 A3 und A4 waren, war der Vergleichstest und die daraus folgenden Resultate sicher auch nicht ganz neutral und bestätigte somit auch die Vorbehalten der Panzertruppe gegen der DRK-Konzept. Wie auch immer, aufgrund der negativen Gesamtbewertung wurde das Projekt 1979 für beendet erklärt. Vergeeich GVT 04 mit VT 1-2
GVT 04 und VT 1-2, wie sie 1975 zusammen die Truppenversuche in Munster bestritten haben Verbleib der VersuchsträgerDer 120mm-VT 1-2 steht heute für die Öffentlichkeit zugänglich in der WtS in Koblenz. Der 105mm- VT 1-1 steht auf dem Gelände der WTD 91 in Meppen rechter Hand, wenn man von der Wache zu den Schießplätzen fährt, ist der Öffentlichkeit also nicht zugänglich. Ich habe aber auch gelesen, dass er inzwischen auch in irgendeinem Museum steht und daher wohl nun auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.
Das ModellIch habe das Modell sofort bei dem Erscheinen gekauft, aber erst jetzt zwischen Weihnachten und Neujahr 2025/26 gebaut, da ich zuvor kaum Zeit für Modellbau hatte. So ging es also mal an die Verkleinerung meiner Halde. Das Modell von Takom ist perfekt ausgeführt. Fein detaillierte und scharf ausgeformte Teile, es ist extrem passgenau. Die Anleitung führt ohne Fragen aufkommen zu lassen zum Ziel. Mehr braucht man nicht zu sagen, was hier absolut positiv gemeint ist. Wenn man nicht gestört wird, kann man den Panzer vermutlich an einem einzigen Tag zusammenbauen. Folgende kleine Fehler sind enthalten für den Zeitpunkt der Truppenversuche um 1975: Es fehlen beide Feuerlöscher und die T-Haken, die man auf den Bilder der Versuchszeit immer sehen kann. Weiterhin sind die Schmutzfänger länger und haben ein Katzenauge. Und es fehlt die RKL, die man an allen Versuchsträgern finden konnte. Worauf ich verzichtet habe sind die auf Bildern gut dokumentierten, aber nur temporär am Fahrzeug befindliche Messequipment, Versuchsaufnehmer und Sensoren.
Weiterhin finde ich die Scheinwerfer etwas klein, ich habe sie daher ersetzt. Leider ist auch das spezifische Kennzeichen für das Fahrzeug während der Versuchsdurchführung nicht bei den Decals enthalten. Woher die Vorlage der beiden im Bausatz enthalten Kennzeichen stammt konnte ich nicht herausfinden. Soweit ich feststellen konnte, ist immer nur ein Kennzeichen an dem VT 1-2 zugeordnet gewesen: Y 728 444. Nach dem Ende der Versuche wurde das Kennzeichen entfernt, so zeigen es alle Bilder im Abstellbereich und vor der Überstellung in die WTS Anfang der 80er Jahre. Ob jemals ein anderes Kennzeichen dem VT1-2 zugeordnet war weiß ich nicht. Die Vorschläge der beiden What if-Versionen sind zwar ansehnlich, aber natürlich rein fiktiv. Nicht nur, weil das Fahrzeug da schon eingemottet und museal war, sondern weil das Fahrzeug zu keiner Zeit ein Einsatzfahrzeug war. Die Auslegung und Konzeptionierung war nur auf die Durchführung der anstehenden Versuche ausgelegt, aber nie nach taktisch-technischen Gesichtspunkten. Daher käme für mich diese Option nicht in Frage.
Mein Ausblick auf weitere DRK-PanzermodelleDie DRK-Kasemattpanzer faszinieren mich schon lange. Den GVT 04 hatte ich ja nach meinem Motorradunfall 2013 gebaut, als ich sehr viel Zeit hatte. Bis heute kenne ich kein anderes Modell davon. Ich hatte dann 2017 begonnen, mir dazu passend ein GVT-Basis-Urmodell zumindest für die GVT 03 – 05 zu bauen, und dann ggf. noch als eine Abwandlung für die GVT 01 – 02 zu schaffen, um diese dann gießen zu können, bzw. hätte ich das bei Gerold Betzler machen lassen, damit das auch 4 x was Vernünftiges wird ;-). Das würde den Aufwand zur Herstellung der 4 bei mir offenen Varianten stark vereinfachen, man hätte so nur die unterschiedlichen Aufbauten einzeln gebaut und mit vertretbarem Aufwand alle GVT-Versionen so weit möglich bauen können. Mit den Teilen des für alle GVT (fast) gleichen Basisrumpfes war ich fast fertig, dann ist zwischenzeitlich leider das Motordeck verzogen und ich hatte auch keine Zeit mehr, das Projekt zu vollenden. Es bleiben auch Unbekannte im Detail (vor allem von oben) der verschiedenen Aufbauten Den Aufbaute des GVT03 kann man sich noch einigermaßen herleiten, vom GVT 05 weitgehend auch, aber mit einigen Unbekannten, da ich hiervon nur ein Foto kenne. Vom den GVT 01 und 02 müssten man hoffen in Sennelager noch was zum Rekonstruieren zu finden, ich kenne nur Bilder als zerschossene Hartziele, und Bilder von einem dieser beiden Hartziele in noch ubeschädigtem Zustand, aber schon mit demontiertem Aufbau. RMLS als Nachfolger der MAK ist leider wenig auskunftsfähig oder -willig zu den GVT. Einige Bilder meines unvollendeten Urmodells von 2017
GVT-Wanne Leichter ist da schon ein Nachbau des FVT02, der für Untersuchungen am Fahrwerk gebaut wurde. Einfach, bis auf die Kette. Diese Kette mit seinen 3 nebeneinanderliegenden Kettenpolstern ist eine Sonderfertigung von Fa. Diehl in Abwandlung einer Leopard-Kette gewesen. Dafür wurde auch das Treibrad des Leo1 verbreitert, und die Dämpfer/Fahrwerk umgebaut. Die Rohre stammen vermutlich aus dem MBT 70, jedenfalls sieht die Geometrie so aus. Die massive Frontplatte ist vermutlich ein Gegengewicht, aber optisch besser in die Struktur integriert als die vorgebauten Gewichte bei den umgebauten M41-Wannen. Mal sehen, was sich da noch als Model in 1:35 im Scratchbau verwirklichen lässt……. Die Rohre hab ich schon mal ;-), und ich muss zum Messen nach Munster.
Hauke Ahrendt Publiziert am 02. Mai 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |