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Hydraulik-Bagger Liebherr L300

aus den Fünfziger- bzw. Sechzigerjahren

von Holdi Langendorf (1:25 Eigenbau)

Hydraulik-Bagger Liebherr L300

Das Projekt:

Meine Palette an Scratch-Nachbauten von Baumaschinen der 1950/1960er Jahre im Maßstab 1:25 sollte weiter fortgesetzt werden. Meine bisherigen Projekte wurden allesamt schon im Modellversium vorgestellt. Zufällig sah ich eine Werbung von NZG zu einem dreirädrigen Bagger im Maßstab 1:50. Meine Recherche ergab, dass NZG das Modell auch im Maßstab 1:87 im Programm hatte. Da ich meinen großen Modellen gern die kleinen Modelle zum Vergleich danebenstelle, wurde dieses besorgt. Da das Modell aber nicht so detailreich war wie die sonst von mir bevorzugten Modelle von Artitec, musste ich versuchen, irgendwie Fotos und Maßdaten zu bekommen. Hierbei halfen mir der Autor mehrerer Bücher über Liebherr und ein ehemaliger Werksmitarbeiter weiter. Diese steuerten Fotos und Maße bei, die über das Internet sonst nicht zu bekommen gewesen wären. Nun konnte das Projekt beginnen.

Hydraulik-Bagger Liebherr L300

Das Original:

Der Liebherr Bagger L300 war der erste Hydraulikbagger Europas. Hans Liebherr revolutionierte die Baggerwelt mit diesem Fahrzeug, da er von den bisher eingesetzten Seilbaggern enttäuscht war. Das Verhältnis von Gewicht zu Leistung war unvorteilhaft, ebenso die Bedienung. Der L 300 war viermal leichter als vergleichbare Seilbagger und wesentlich leichter zu bedienen. Der erste Typ ohne Schiebetüren wurde von 1955 bis 1957 in einer Menge von 110 Stück produziert. Danach kam der überarbeitete L 350 auf den Markt.

Hydraulik-Bagger Liebherr L300

Hydraulik-Bagger Liebherr L300

Zwei Besonderheiten wies das Fahrzeug auf:

Der Löffel konnte recht einfach von Tief- auf Hochlöffel umgebaut werden. Dazu wurde er nur um 180 Grad gedreht. Neben den Löffeln konnte ein Zweischalengreifer oder ein Nadelausleger angebaut werden. Der Löffel fasste 0,3 Kubikmeter. Der L300 war sechs Tonnen schwer und hatte einen 25 PS Deutz-Motor.

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Hydraulik-Bagger Liebherr L300

 

Die weitere Besonderheit war das Führungsrad, genannt Spornrad. Dieses ergab den Eindruck eines Dreiradfahrzeuges. In Wirklichkeit gab es vorn aber zwei Räder, die schräg gestellt waren. Dieses erfolgte, um auf einfache Art einen Geländeausgleich zu erreichen. Wenn gebaggert werden sollte, wurde der Oberwagen um 180 Grad gedreht und die zwillingsbereifte Hinterachse gab genug Standsicherheit.

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Hydraulik-Bagger Liebherr L300

 

Der Scratchbau

Ich betrachte mich noch als Oldschool-Modellbauer, da ich ohne 3D-Drucker, CNC-Fräse oder Spritzpistole arbeite. Lediglich Evergreen-Profile, Cutter, Stahllineal, Kleber, Feilen, Farbe und Pinsel kommen zum Einsatz. Zuerst musste ich selbst eine Zeichnung im Maßstab 1:25 erstellen, da die Abbildungen aus dem Internet nicht genug Details zeigten.

Der Scratchbau schien mir recht einfach. Ich sah nur zwei Schwierigkeiten. Zum einen die Reifen, zum anderen den Löffel. Da ich keine passenden Reifen in Größe und Profil fand, wurden sie auf meine schon mehrfach bewährte Art und Weise selbst gebaut. Auf mehreren Lagen Plastiksheet wurden die Profile aufgeklebt und anschließend verschliffen. Die Felgen entnahm ich aus der Grabbelkiste. Die Konstruktion des schrägen Spornrades und der Lenkfunktion war recht knifflig.

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Der Oberwagen ist recht einfach. Unter der Motorhaube wurden einige Motorteile phantasievoll eingesetzt, um keinen leeren Eindruck zu hinterlassen. Die Bedienelemente in der Fahrerkabine wurden aber sehr detailreich und vorbildgerecht nachgebildet. Das Lenkrad stammte aus der Restekiste. Die Tür wurde beweglich gestaltet. Auch die Konstruktion des Auslegers war nicht schwer. Es tat sich dabei allerdings noch ein Problem auf. Die Hydraulik besteht aus drei ausziehbaren Zylindern, die recht kurz waren. Sie sollten aber den großen Bewegungsspielraum für Hoch- oder Tieflöffel abbilden. Da ich Plastikrohre von Evergreen nutzte, musste ich dafür sorgen, dass sie mir beim Auseinanderziehen nicht auseinanderfielen. Das bewerkstelligte ich mit feinen Zwirnsfäden im Inneren, mit denen ich die Zylinder miteinander verband.

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Die Funktionsweise des Löffels hinsichtlich der Änderung von Hoch- auf Tieflöffel verstand ich zu Anfang nicht sofort. Als ich den Durchblick hatte war viel Detailarbeit gefragt, da der Löffel einschließlich Arretierung und Klappe voll funktionsfähig sein sollte. Letztendlich war ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

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Das Weathering

Die Farbgebung sollte ein recht heruntergekommenes Exemplar darstellen mit vielen Schrammen und Beschädigungen. Die Lackierung besteht somit aus acht Farbschichten, zweimal Hellgrau, dreimal Rost und dreimal dem gelben Farbton Revell SM310, der dem seinerzeitigen Liebherr Farbton sehr nahekommt. Die vielen Schichten waren nötig, um für die Beschädigungen die Schichten später schichtweise anzuschleifen. Anschließend erfolgte ein Washing mit Vallejofarben.

Hydraulik-Bagger Liebherr L300

Hydraulik-Bagger Liebherr L300

Das Diorama

Wie meine bisherigen Modelle sollte auch dieses in ein kleines Diorama eingebunden werden. Seit kurzem bietet Heller ein Set mit drei Bauarbeitern im Maßstab 1:24 an. Sie sind besonders interessant aufgrund der verschiedenen Tätigkeiten, die sie darstellen. Daraus entwickelte ich eine kleine Baustelle, auf der eine Leitung erneuert wird und im Gegenzug der Betonbürgersteig gegen einen Gepflasterten ausgetauscht wird. Neben den drei Heller-Arbeitern wurde noch ein Vierter eingebunden. Diesem gab ich eine alte Explosionsramme in die Hand, die ich scratch gebaut habe. Diese Maschine sah man noch oft bis in die 1980er Jahre beim Einrammen von Pflastersteinen. Der Bagger L300 wurde anschließend auf der beschädigten Straße mit den von mir entwickelten Gullydeckeln platziert. Die Fahrbahn besteht aus Kapalineplatten mit eingraviertem Pflaster.

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Hydraulik-Bagger Liebherr L300

 

Holdi Langendorf,
holdi.langendorf@gmx.de

Publiziert am 04. April 2026

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