Volontairevon Roland Kunze (1:200 Heller)
Zum Vorbild
Volontaire (SM.767) wurde Ende der 1940er Jahre auf der Werft Anciens Chantiers Dubigeon (ACD) in Nantes gebaut. Nach der Ausrüstung bei Association des Chalutiers Malouins ist das Schiff im Februar 1950 an die Association des Tralutiers Malouins abgeliefert worden, der Heimathafen war Saint Malo. Modern für die damalige Zeit war die Ausstattung mit einem 1.100 PS Dieselmotor von Burmeister & Wain. Ursprünglich war das Schiff so konzipiert, dass von beiden Seiten gefischt werden konnte, bei einem Umbau wurden wohl aber die Backbord-Schleppnetzausleger entfernt. Üblicherweise hat man pro Jahr drei Fischzüge auf Kabeljau zu den Neufundlandbänken gefahren. Im Jahr 1970 wurde die Volontaire stillgelegt und im März 1973 in Bilbao (Spanien) abgebrochen.
Die Veranlassung für den Bau
Grundsätzlich als nächstes Projektmodell für den Hort vorgesehen, hatte ich (mangels anderer Verfügbarkeit) das Twin-Set von Heller besorgt. So habe ich diese Option – ähnlich wie beim Marwede-Bau – genutzt, im Vorfeld ein eigenes Modell zur Ansicht für die Kinder zu erstellen, um eventuelle Problematiken zu erkennen und einen Fahrplan für den Bau im Hort festzulegen. Wie schon in der Bausatzbeschreibung erwähnt, gibt es einiges an (Vor-)arbeit zu bewerkstelligen, um ein ansehbares Modell zu erhalten.
Der Bau
Die vorgegebene Reihenfolge der Bauanleitung habe ich ignoriert und den klassischen Weg mit Rumpf – Aufbauten - Ausrüstung beschritten, was eine durchaus gute Entscheidung war. Allerdings begann bereits bei der Rumpfmontage eine Aufwertung: hier habe ich, gemäß Vorbildfotos und Bauberichten, (waagerechte) Scheuerleisten und (senkrechte) Netzabweiser angebracht. Hierfür kamen bewährterweise Evergreen-Profile zum Einsatz. Aufbautenwände und Oberlichter an den Deckteilen wurden mit gebohrten Bullaugen versehen und Sinkstellen an den Pollern verspachtelt.
Der Brückenbau ließ sich problemlos zusammenfügen, die großen rechteckigen Fenster habe ich mit Klarsichtmaterial „verglast“. Genau so wie in der ersten Decksebene wurden die Türen aus Evergreen-Material erstellt und mit Scharnieren und Türgriffen aus gezogenem Gussast sowohl plastisch als auch farblich hervorgehoben. Für die Verglasung von Bullaugen und Oberlichtern habe ich erstmals Microscale Kristal Klear verwendet, das Ergebnis überzeugt auf voller Linie. Vor dem Verkleben der Decks- und Aufbautenteile mit dem Rumpf wurden die entsprechenden Takelleinen durch die bereits bausatzseitig angelegten Löcher gezogen und fixiert.
Ein feinerarbeiten der Deck- und Ausrüstungsteile verbessert deren Aussehen und das des Schiffes erheblich. So habe ich in die kleinen Lüfter die Öffnung eingefräst, bei den großen wurde sie vertieft und die Wandungen dünner gearbeitet. Die Beiboote haben einen Schlingerkiel erhalten. Die Verstrebungen des Gittermastes auf dem Brückendach habe ich ebenfalls dünner gearbeitet und mit Evergreen-Rundmaterial auf der Front- und Rückseite die fehlende Verstrebung ergänzt. Der Funkpeilrahmen wurde dünner gearbeitet, der Montageschlitz an der vorderen Mastplattform mit einem Sheetstreifen verschlossen. Dazu erhielten die Masten Positionslampen, die aus Kunststoffperlen entstanden. Zwischen die backbordseitigen Wanten habe ich Webleinen gesetzt (wie auf der Boxart nur sehr schwach erkennbar ist).
Die Lackierung erfolgte im Wesentlichen mit Revell Enamel- und AquaColor-Farben. Eine Grundierung mit Primer ist auf jeden Fall ratsam. Vor dem Zusammenfügen der Hauptbaugruppen ist auch eine gewisse Alterung (obwohl das Schiff auf den Vorbildfotos recht gepflegt wirkt) sinnvoll. Ich verwendete hierfür Washings von Ammo Mig, das Alterungsset von Tamiya und Pigmente von Vallejo. Die Ankerkette habe ich mit Brünierungsmittel behandelt, um die Kupferoptik zu brechen. Das Anbringen der wenigen Decals, besonders auf dem glänzend lackierten Rumpf, war problemlos: mit etwas Weichmacher ist eine Verarbeitung ohne Silvering kein Thema. Die glänzende Optik der Rumpflackierung habe ich dann allerdings mit einem Seidenmattlacküberzug gedämpft.
Vor der Montage hatte ich Löcher in die Masten gebohrt, um später die Takelleinen sauber befestigen zu können. Die fehlende A-förmige Verstrebung am Fangmast wurde ergänzt, hierfür kam Evergreen-Rundmaterial zur Verwendung, ebenso für die langen Stengen des Netzgalgens – die Bausatzteile haben mir nicht gefallen. Die sind etwas tricky anzubauen, da keinerlei Passhilfen vorgesehen sind. Als nächstes habe ich die meisten Takelleinen verlegt, was dank der entsprechenden Vorarbeiten problemlos geklappt hat. Schließlich wurde das Fanggeschirr mit Blöcken vervollständigt.
Während eine Anleitung (und in diesem Fall auch eine Vorbereitung mittels Löcher in den Decks) für das Standing Rig nahezu Standard ist, gibt es bei den mir bekannten Trawler-Kits nichts dergleichen zum Running Rig für das Fanggeschirr; geschweige denn Material, um ein Fischernetz nachzubilden. Hier ist man dann auf (wenige brauchbare) Vorbildfotos, eigene Recherche (wie Frank Spahr) oder schlicht und einfach Phantasie (verknüpft mit eventueller Logik) angewiesen. Bei mir war es eine Mischung aus allem, woraus dann das letztendliche Ergebnis entstanden ist.
Die Volontaire war auf Kabeljau unterwegs, so habe ich versucht, ein Pelagialschleppnetz nachzubilden, entstanden aus Verbandsmull und Kunststoffperlen. Zunächst habe ich das Netz mit Wasser angefeuchtet und auf das Deck drapiert, für die Fixierung wurde ein Wasser-Leim-Gemisch aufgetragen. Die Form der Scherbretter habe ich von der Boxart übernommen; sie entstanden aus Evergreen-Profilen und feinem Messingdraht, nach entsprechender Bemalung fanden sie ihren Platz an der Steuerbord-Bordwand. Durch die vorher aus Evergreen-Material gebauten Umlenkrollen und die Blöcke habe ich dann die Fangleinen gezogen und befestigt.
Wie ich schon in der Bausatzvorstellung angemerkt hatte, ist die beiliegende Reling nicht sinnvoll zu verwenden. Ich hatte mir daher Produkte von Aber bestellt: einen Satz im (passenden) Maßstab 1:200 und (eigentlich versuchsweise) einen in 1:150. Tatsächlich ist der 150er Satz mit dem 200er bezüglich Stützen- und Zügeabstand identisch, nur haben die Relingsstreifen einen Zug mehr und es sind Handläufe für Niedergänge mit dabei. Wenn man nun den untersten Zug entfernt und die Stützen auf den zweituntersten einkürzt, erhält man eine durchgehende Montageleiste und braucht sich nicht mit dem Fixieren einzelner Relingsstützen abmühen. Die Verarbeitung geht so erheblich leichter; der 200er Satz wird damit definitiv obsolet. Und in jedem Fall verbessert die Verwendung einer geätzten Reling das Aussehen des Modells erheblich.
Während einer Baupause reifte dann die Überlegung, das Deck mit Figuren zu beleben. Bei der Suche hatte ich mich auf den Modellbahnsektor konzentriert, von Preiser gibt es ein Figurenset in Größe Spur Z (1:220), den Größenunterschied (so denn überhaupt einer erkennbar ist) empfinde ich als marginal. Vom Kaufpreis her eigentlich schon fast unverschämt, bietet das Set aber eine adäquate Anzahl an Figuren, die sich für mein Modell verwenden lassen. Aus einer Mischung aus Reisenden, Bahnpersonal und Bauarbeitern habe ich – entsprechend bemalt - meine Deckscrew requiriert, mit der sich auch kleine Szenen gestalten ließen. In diesem Zuge wurden auch die noch fehlenden Takelleinen, Decksteile sowie Relingszüge montiert und das Modell so schließlich fertiggestellt.
Fazit
Auch hier habe ich mich wieder für die klassische Darstellung (mit Vollrumpf auf dem Ständer) eines Schiffsmodells entschieden. Einerseits – finde ich – bietet auch ein Unterwasserschiff interessante Aspekte und Details, andererseits ist die natur- und vorbildgetreue Nachbildung einer Wasseroberfläche eine Herausforderung, der ich mich (noch) nicht stellen will. Abschließend betrachtet ist ein schönes, attraktives und eher selten zu sehendes Zivilschiff entstanden; in wie weit es vorbildgerecht ist, lässt sich nicht wirklich nachvollziehen. Der Bau hat aber Spaß gemacht und das Ergebnis dürfte für sich sprechen: Die Herausforderung und der Aufwand, dem Spielzeugcharakter des Modelles mit Verbesserungen entgegen zu treten, hat sich auf ganzer Linie gelohnt. Was davon für den Bau des Hort-Modelles übernommen werden soll, wird die Zukunft zeigen und in einem eigenen Beitrag erläutert. Weitere Bilder
Roland Kunze Publiziert am 11. Juli 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |