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Digitale Fotografie & Modellbau Teil 2

Tageslichtfotografie mit natürlichen Hintergründen

von Roland Kunze

Warnung: Bei allen unseren Tipps & Tricks immer an die Sicherheit denken und wenn möglich erst an einem Probestück ausprobieren.


Während bei der Modellfotografie unter Kunstlicht stets nahezu gleiche Bedingungen herrschen, unterliegt die Fotografie bei Tageslicht vielerlei Einflüssen. Da hier die Sonne im Normalfall als einzige Lichtquelle zur Verfügung steht, haben Tages- und Jahreszeit sowie die vorhandenen Witterungsverhältnisse starken Einfluss auf das Bildergebnis.

Ein Type B-Bus unter Kunstlicht fotografiert
Ein Type B-Bus unter Kunstlicht fotografiert

Dazu ist der Bildcharakter ein gänzlich anderer. Während unter Kunstlicht „knackige“ Bilder entstehen, haben Aufnahmen unter ausgewogenem Tageslicht einen eher „weichen“ Charakter, der aber das Modell natürlicher erscheinen lässt. Welche Stilart man bevorzugt, ist letztendlich Geschmacksache bzw. hängt von den Gegebenheiten ab, die man zur Verfügung hat, um seine Bilder aufzunehmen.

Das Bild einer F-4F, aufgenommen bei Tageslicht und bedecktem Himmel
Das Bild einer F-4F, aufgenommen bei Tageslicht und bedecktem Himmel

Die Ausleuchtung

Auch bei der Fotografie unter Tageslicht ist eine gleichmäßige, schattenfreie Ausleuchtung essentiell. Dies kann durchaus zur Herausforderung werden, da hier eine Balance zwischen ausgewogener Beleuchtung und genügend vorhandenem Licht gefunden werden muss. So sollten die Fotos tendenziell eher bei bedecktem Himmel oder mit indirektem Sonnenlicht aufgenommen werden, direktes Sonnenlicht oder extreme Lichtverhältnisse gilt es zu vermeiden. Das Bild unten wurde bei direktem Licht einer tiefstehenden Wintersonne fotografiert - die starken Verschattungen im Vordergrund sind deutlich zu sehen.

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Ich selber wandle für meine Modellaufnahmen unsere Terrasse zum Fotostudio um: das transparente Dach wirkt als Streuscheibe für ein diffuses Licht, so dass bei den meisten Lichtverhältnissen eine ausgewogene Beleuchtung möglich ist. Alternativ können dafür Diffusoren eingesetzt werden, die im Handel in unterschiedlichen Größen erhältlich sind und im Prinzip den gleichen Effekt haben. Dazu ist nicht selten der Einsatz eines Statives oder einer Auflage zur Gestaltung des Belichtungsvorganges nötig, um ausreichend Licht auf das Bild zu bekommen.

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Solche Diffusoren sind in unterschiedlichen Größen erhältlich
Solche Diffusoren sind in unterschiedlichen Größen erhältlich

Aber auch hier gilt: auf den eingebauten Kamerablitz sollte verzichtet werden, da durch das harte, starke Licht aus einer Lichtquelle direkt von vorn Schlagschatten erzeugt werden können.

Der Schlagschatten, durch den Kamerablitz erzeugt, stört im Motiv
Der Schlagschatten, durch den Kamerablitz erzeugt, stört im Motiv

Einzig die Verwendung als Aufhellblitz ist sinnvoll. Hierbei wird der Kamerablitz als entgegengesetzte Lichtquelle eingesetzt, um einer Verschattung durch direktes Licht von hinten entgegenzuwirken. Dies entspricht etwa der Verwendung von mehreren Lichtquellen aus unterschiedlichen Richtungen in der Studiofotografie - wie in Teil 1 beschrieben. Dazu muss die Kamera auf den passenden Blitzmodus eingestellt werden. Das Bild unten wurde unter den selben Lichtverhältnisssen wie das dritte Bild in diesem Beitrag aufgenommen, jedoch mit Aufhellblitz von vorne. So ist die Ausleuchtung einigermaßen ausgewogen.

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Künstliche Hintergründe

Da ich meistens von den Ausmaßen her größere Modelle baue, hat mich der dafür benötigte Platzbedarf beim Fotografieren dazu bewogen, ins Freie zu gehen. Analog zur Fotografie unter Kunstlicht können bei Tageslicht natürlich ebenso künstliche / neutale Hintergründe verwendet werden, es eignen sich hierfür fast alle Materialien, die ausreichend groß und flexibel sind und eine gleichmäßig feine oder glatte Oberflächentextur haben. Materialien mit glänzender Oberfläche sollte man nicht benutzen, diese können beim Fotografieren Lichtreflexionen erzeugen. Ebenso können Panoramabilder als Hintergrund verwendet werden (siehe Teil 1).

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Natürliche Hintergründe

Landschaft: Ohne Frage macht sich das Modell in der Umgebung am Besten, in der auch das Original zu Hause ist. Um ein stimmiges Gesamtergebnis zu erzielen ist es aber nicht damit getan, ein Kettenfahrzeug einfach aufs bzw. vors Gartengrün zu setzen und zu fotografieren. Wie das Beispielfoto zeigt, ist weder der Unter- noch der Hintergrund ein maßstäblich adäquates Ambiente. Das Modell (hier 1:35) wirkt wie in eine Umgebung gesetzt, in die es nicht hingehört. Und dieser Effekt nimmt zu, je kleiner der Modellmaßstab ist.

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Abhilfe kann hier eine Dioramaplatte schaffen, wie sie Bernd Hauser bereits vorgestellt hat. Darauf platziert man das Modell und erhält so einen maßstäblich korrekten Vordergrund. Um eine ebensolche Hintergrundkulisse zu bekommen, ist der heimische Garten meist ungeeignet, hier sollte sich man passende Locations in der Natur suchen, um seine Fotos zu machen. Dann noch aus der richtigen Perspektive fotografiert, vermag das Ergebnis auf ganzer Linie zu überzeugen.

Foto: Bernd Hauser
Foto: Bernd Hauser

Aber nicht nur Fahrzeuge lassen sich unter Tageslicht und mit dem passenden Hintergrund in Szene setzen.

Foto: Andreas Gordes
Foto: Andreas Gordes

Wasser: Sein Schiffsmodell in ein natürliches Gewässer zu setzen und dort zu fotografieren, muss als No-Go betrachtet werden. Die Oberfläche eines solchen Gewässers vermag in keinster Weise eine wie auch immer bewegte Meeresoberfläche darzustellen, die für das Bild auch stimmig wirkt - von den Spiegelungen im Wasser mal ganz abgesehen. Eine kaum auszublendende Vegetation am Ufer (oder auch im Wasser) führt solche Aufnahmen gänzlich ad absurdum.

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Wer dennoch sein Schiffsmodell nicht nur auf dem Ständer präsentieren möchte, findet hier bei MV vielfach Anregungen und Anleitungen für ein Wasserdiorama und die Gestaltung von Wasseroberflächen, oftmals auch in Galeriebeiträgen.

Foto: Andrew Johnson
Foto: Andrew Johnson

Luft: In aller Regel werden Flugzeuge am Boden stehend, mit entsprechend ausgefahrenem Fahrgestell, geöffneter Kanzel, geöffneten Wartungs- und Waffenschächten etc. präsentiert. Bilder von Flugzeugen in ihrem eigentlichen Element sind eher selten, vielleicht auch deshalb, weil es einiges zu beachten gibt, um stimmige Bilder zu schießen. Zuerst beim Bau: ein eingefahrenes Fahrwerk ist nicht unbedingtes Muss, ebenso kann eine Schiebehaube beim Landeanflug offenstehen. Eine offene Klapphaube geht aber ebenso wenig wie eine fehlende Pilotenfigur.

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Wie bekomme ich nun mein Modell „in die Luft“? Legt man keinen Wert darauf, das Modell in Gänze abzulichten, kann es an Tragflächenspitzen oder am Leitwerksende zum fotografieren festgehalten werden – diese Partien sind später auf dem Bild dann halt nicht mehr zu sehen.

Hier die Rohdaten...
Hier die Rohdaten...

...und das fertig beschnittene und bearbeitete Bild
...und das fertig beschnittene und bearbeitete Bild

Bei einem komplett abzulichtenden Modell wird dies aufwändiger. Hierfür kann man beispielsweise eine „Angel“ verwenden, an der das Modell mit Fäden festgebunden wird, oder Rundmaterial, das in den Triebwerksauspuff oder eine dafür vorgesehene Öffnung im Rumpf geführt wird. Ein Partner, der das Modell hält, ist hier beim Fotografieren immer hilfreich. Allermeist ist bei solchen Aufnahmen noch eine Bildbearbeitung notwendig, damit diese Haltehilfen am fertigen Motiv nicht mehr zu sehen sind - aber dazu in einem späteren Beitrag mehr. In jedem Fall ist aber darauf zu achten, das Modell in einer natürlichen Fluglage abzulichten.

Vor der Retusche...
Vor der Retusche...

...und danach
...und danach

Welche Art von Himmel soll man wählen? Ob bedeckter, bewölkter oder strahlend blauer Himmel ist letztendlich eine Frage des eigenen Geschmacks, ebenso ob der Horizont noch ein Teil des Motives wird oder nicht. Wichtig ist eine stimmige Gesamtkomposition. Jedoch sollte das Modell vor der Kulisse gut zur Geltung kommen und – wiederum erste Prämisse – durch einen entsprechenden Lichteinfall möglichst natürlich ausgeleuchtet sein, wobei hier der Stand der Sonne bzw. die Richtung, aus der das Licht kommt, eine maßgebliche Rolle spielt.

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Fazit

Die Modellfotografie draußen stellt fraglos andere Anforderungen an den Fotografen und sein Equipment. Hier gilt es, die vorhandenen Gegebenheiten zu erkennen, damit umzugehen und sie bestmöglichst für seine Bilder zu nutzen. Passen die Bedingungen nicht, macht es Sinn, das Shooting auf einen anderen Termin zu verschieben, aber die Tugend der Geduld sollte einem Modellbauer nicht fremd sein. Gut gemacht, wird man als Ergebnis aber Modellfotos erhalten, die sich von der Masse abheben.

In den nächsten Teilen werden wir uns mit den Eigenschaften und Möglichkeiten der unterschiedlichen Kameratypen befassen. Beginnen wollen wir mit einem Portrait über Kompaktkameras.

Roland Kunze

Publiziert am 03. January 2022

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