Martin Baltimore Medium Bomber(Novo - Nr. F339)
Produktinfo
BesprechungJa, damit wären wir auch schon wieder bei der Vorstellung eines Novo-Bausatzes. Man könnte im Grunde genauso gut einfach „Frog“ auf den Karton schreiben, denn meines Wissens nach hat Novo niemals eigene Bausätze entwickelt oder Formen anderer Hersteller aufgelegt. Das ist allerdings auch nur logisch, denn Novo existierte letztlich überhaupt erst durch den Aufkauf der Formen des damals insolventen Herstellers Frog. Eine kurze historische Einleitung will ich auch noch mitgeben: Die Martin Baltimore (Herstellerbezeichnung Martin Model 187) war ein leichter, zweimotoriger Bomber und Aufklärer des US-amerikanischen Herstellers Glenn L. Martin Company, der vor allem im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde. Obwohl das Flugzeug in den USA entwickelt und gebaut wurde, kam es bei den US-Streitkräften selbst fast gar nicht zum Einsatz, sondern wurde primär über das Lend-Lease-Abkommen an alliierte Nationen geliefert.
Die hier vorliegende Martin Baltimore erschien erstmals 1963 und wurde bis 1968 in mehreren Auflagen von Frog beziehungsweise deren Partnern Tri-ang und Air Lines vertrieben. Von 1964 bis Ende der 1970er-Jahre blieb dabei sogar das Covermotiv unverändert. 1978 erschien der Bausatz schließlich bei Novo, mit genau jenem Cover, das bereits zuvor bei Frog verwendet worden war. Anfang der 1990er-Jahre folgte noch eine weitere Auflage bei ADP. Danach verschwand der Bausatz allerdings bereits wieder vom Markt, was für ehemalige Frog-Formen tatsächlich eher untypisch ist. Erst 2007 erschien bei Azur eine modernere Short-Run-Form im Maßstab 1:72, die auch von Special Hobby vertrieben wurde. Mittlerweile ist allerdings auch dieser Bausatz nur noch antiquarisch erhältlich. Im Maßstab 1:48 soll jedoch noch in diesem Jahr ein neues New Tool von Special Hobby erscheinen.
Der Bausatz besteht aus den beiden Rumpfhälften, den vier Flügelteilen, drei Gussästen mit Kleinteilen sowie einem weiteren Gussast mit den Klarsichtteilen. Hinzu kommen die Abziehbilder und die Bauanleitung.Wie bei Bausätzen aus den 1960er-Jahren üblich, fällt das Innenleben äußerst spartanisch aus. Im Cockpit findet sich lediglich eine Pilotenfigur mit Sitz, mehr ist dort nicht vorhanden. Ähnlich schlicht ist auch der Heckturm gestaltet: eine Pilotenfigur in einem runden „Eimer“ sowie zwei grobe Nachbildungen der Maschinengewehre. An den Gussästen findet sich zudem reichlich Flash, und die Gravuren sind vollständig erhaben dargestellt. Besonders positiv hervorheben möchte ich allerdings die separaten Ruderflächen, die dadurch beweglich dargestellt werden können. Die Klarsichtteile sind dagegen sehr dick ausgeführt und teilweise sogar mit Kratzern versehen. Der typische Lupeneffekt ist damit praktisch vorprogrammiert.
Die Abziehbilder dürften in den meisten Fällen inzwischen nicht mehr zu gebrauchen sein; auf einigen sind bereits sichtbare Risse erkennbar. Leider sind zudem auch die Roundels nicht sauber zentriert und weisen einen deutlichen Versatz auf.
Interessant sind hingegen die beiden Bemalungsvorschläge. Die französische Baltimore mit der Seriennummer FW536 wurde ursprünglich für die US-Luftstreitkräfte gebaut, gelangte später jedoch zur Royal Air Force. Dort flog sie bis zum Sommer 1944 beim 223. Squadron, ehe sie bei der RAF ausgemustert und anschließend an die Freien Französischen Streitkräfte abgegeben wurde. Dort kam sie schließlich beim GB 1/17 „Picardie“ auf der Air Base Rayak in Syrien zum Einsatz. Die zweite Maschine mit der Kennung FW880 war vermutlich die letzte Baltimore Mk. V, die im Rahmen des Lend-Lease-Programms an die RAF ausgeliefert wurde. Sie flog mindestens bis Herbst 1944 beim 500. Squadron der RAF in Italien.
Die Anleitung ist typisch für Novo gehalten: ein einfaches Faltblatt mit einigen grundlegenden Hinweisen. Da die Baltimore ohnehin nur aus wenigen Teilen besteht, genügen auch nur einige wenige Bauschritte für die Montage. Die Bemalungshinweise finden sich schließlich ausschließlich auf der Rückseite des Kartons.
Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: eher für Sammler. Für Profis, wenn man daraus ein zeitgemäßes Modell erstellen möchte. FazitSo viel vorweg: Man kann aus diesem Bausatz tatsächlich eine echte Augenweide machen – Beispiele aus dem Internet zeigen das eindrucksvoll. Das gilt allerdings im Grunde für viele dieser alten Klassiker. Out of the Box würde ich persönlich jedoch eher zu moderneren Alternativen greifen und diesen Bausatz lieber als interessantes Sammlerstück im Stash belassen. Diese Besprechung stammt von Marcel Schröder - 01. Juni 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |