Saab J/A-21R(Special Hobby - Nr. SH72480)
Produktinfo
Besprechungzum Vorbild:Die Saab J21R stellt ein technikhistorisches Unikat dar, da sie den seltenen Versuch verkörpert, ein bestehendes Kolbenmotor-Flugzeug in einen Jet zu verwandeln. Um das britische de Havilland Goblin Strahltriebwerk in die bestehende Zelle der Saab 21A zu integrieren, mussten die Ingenieure etwa die Hälfte der Struktur grundlegend überarbeiten. Besonders markant war dabei die Versetzung des Höhenleitwerks nach oben, damit es nicht vom heißen Abgasstrahl beschädigt wurde, sowie die Installation seitlicher Lufteinlässe am Rumpf. In der Praxis blieb die Maschine jedoch ein Kompromiss: Während die erste Serie (J 21RA) noch mit importierten Triebwerken flog, erhielt die leistungsstärkere J 21RB in Lizenz gefertigte Aggregate. Trotz der gesteigerten Geschwindigkeit auf rund 800 km/h konnte die 21R nicht mit reinrassigen Jet-Entwürfen konkurrieren, da die Aerodynamik des ursprünglichen Propellerflugzeugs bei hohen Geschwindigkeiten an ihre Grenzen stieß. Dies führte dazu, dass die schwedische Luftwaffe die Maschinen, die ursprünglich als Abfangjäger gedacht waren, schnell in die Rolle des Erdkampfflugzeugs (A 21R) umwidmete. Dort punkteten sie immerhin durch eine stabile Waffenplattform, zu der oft der charakteristische „Padda“-Waffenbehälter mit acht zusätzlichen Maschinengewehren gehörte, bevor sie Mitte der 1950er Jahre endgültig von der überlegenen Saab 29 Tunnan abgelöst wurden.
Saab 21 im Modell:Obwohl die Saab 21 aufgrund ihrer ungewöhnlichen Erscheinung und der beiden möglichen Antriebsformen eigentlich eine äußerst interessante Maschine darstellt, ist die Auswahl an Modellbausätzen überraschend überschaubar. Im Quarterscale gibt es die Saab J21 mit Kolbenmotor lediglich von der schwedischen Firma Pilot Replicas. In 1:72 sieht die Auswahl ähnlich eingeschränkt aus: Hier existiert noch ein Bausatz von Heller, dessen Ursprung allerdings bis ins Jahr 1980 zurückreicht und der ebenfalls nur die Variante mit Kolbenmotor darstellt. Erst 2011 erschienen bei Special Hobby sowohl die Kolbenmotorversion als auch – erstmals im Modellbau überhaupt – die Strahljägervariante. Letztere wurde in den vergangenen Jahren bereits in zwei unterschiedlichen Ausführungen wieder aufgelegt. Die hier gezeigte und bislang neueste Version erschien im Mai 2023. Der Bausatz ist ein typischer Vertreter der Kategorie „Multimedia“ und „Short Run“, weshalb der Bauaufwand nicht unterschätzt werden sollte. Drei graue Gussrahmen aus Kunststoff, eine PE-Platine, ein klarer Gussrahmen, Klarsichtmaterial für die Instrumentenkonsole sowie zwei Blöcke mit Resinteilen warten darauf, zusammengesetzt zu werden. Auf den ersten Blick wirkt dabei alles sauber umgesetzt. Während die beiden Gussrahmen mit den eigentlichen Flugzeugteilen in allen drei Auflagen identisch geblieben sind, kam der Gussrahmen mit den Außenlasten erst mit der Auflage von 2012 hinzu. Wie bei vielen älteren Special-Hobby-Bausätzen ist das verwendete Plastik vergleichsweise weich. Das erleichtert zwar das Versäubern, gleichzeitig wird man jedoch vermutlich einige Gravuren nachziehen müssen.
Der Bau beginnt im Cockpit, das bereits von Haus aus sehr gut detailliert ist. Neben den Kunststoffteilen kommen auch einige PE-Teile zum Einsatz, beispielsweise für den Schubhebel, die Sicherheitsgurte und die Ruderpedale. Auch das Instrumentenbrett wird mithilfe eines PE-Teils dargestellt. Das Zielgerät setzt sich aus einem Resinteil und einem Klarsichtteil zusammen. Die Instrumentenanzeigen selbst werden durch einen bedruckten Klarsichtfilm dargestellt. Mit einer gelungenen Bemalung lässt sich hier bereits ein sehr überzeugendes Ergebnis erzielen. Aus dem Hause MPM gibt es zusätzlich noch eine weitere PE-Platine. Diese unterscheidet sich jedoch nur geringfügig vom bereits enthaltenen Material, hauptsächlich durch bedruckte Teile für die Seitenkonsole. Ob sich die zusätzliche Anschaffung wirklich lohnt, muss daher jeder für sich selbst entscheiden. Zudem müssen 10 Gramm Gewicht in der Nase untergebracht werden. Das kann durchaus zur Herausforderung werden, da der verfügbare Platz dort sehr begrenzt ist.
Die Passgenauigkeit des Rumpfes ist insgesamt recht ordentlich, allerdings gibt es keinerlei Passhilfen. Neben dem Cockpit und dem Fahrwerk findet auch eine Andeutung des Triebwerks ihren Platz im Inneren. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um eine glatte Vertiefung, in die ein Resinteil eingeklebt wird. Sicherlich wäre hier mehr möglich gewesen, allerdings gibt es auch deutlich schlechtere Lösungen. In den Lufteinläufen selbst wird nichts dargestellt, wodurch der Bereich im fertigen Modell letztlich leer bleibt. Die Passung der beiden doppelten Leitwerksträger ist dagegen ebenfalls sehr gut. Lediglich am Seitenleitwerk müssen zwei deutlich ausgeprägte Auswerfermarken entfernt werden. Anschließend werden die Rumpfausleger aufgesteckt und das Höhenruder zwischen beiden Leitwerken eingesetzt. Es empfiehlt sich, ein Gummiband um die Leitwerke zu legen, damit am Ende nichts verzogen sitzt. An den Flügelenden werden schließlich links und rechts die Zusatztanks direkt angebracht.
Kommen wir zu den Außenlasten. Hier stehen drei verschiedene Konfigurationen zur Auswahl:
Es folgt das Fahrwerk, das aus mehreren Einzelteilen besteht. Hier fallen teilweise recht starke Trennnähte auf. Durch das vergleichsweise weiche Material wirken die Angüsse an dünnen Bauteilen oft beinahe wie Sollbruchstellen. Teilweise hatte ich sogar den Eindruck, dass kleine Lufteinschlüsse im Kunststoff vorhanden sind, wodurch eine erhöhte Bruchgefahr besteht. Entsprechend vorsichtig sollte man hier mit dem Bastelmesser arbeiten. Am Hauptfahrwerk werden auf Höhe der Räder zusätzlich zwei Resinteile angebracht. Die Reifen selbst liegen ebenfalls als Resinteile bei und sind dadurch sehr schön detailliert, inklusive eines überzeugenden Reifenprofils. Die Fahrwerksklappen liegen im geschlossenen Zustand bei und müssen selbst geöffnet werden. Das stellt allerdings keine große Hürde dar, da die Trennlinien gerade verlaufen. An den Klappen werden anschließend noch PE-Teile als Scharniere und Verstärkungen angebracht. Außerdem finden zwei Klarteile für die Landescheinwerfer ihren Platz am Modell.
Bemalung und Abziehbilder:Der Abziehbilderbogen ist sauber gedruckt, die Farben wirken stimmig und auch die Hoheitszeichen erscheinen gut zentriert. Inwieweit die Farben ausreichend deckend sind, wird sich allerdings erst im späteren Bauverlauf zeigen. Neben den Hoheitszeichen und den Verbandsnummern wirken schwedische Flugzeuge der Nachkriegszeit insgesamt recht schlicht. Der Vergleich mit der Saab-Version mit Kolbenmotor zeigt beispielsweise, dass dort noch deutlich häufiger Verbandswappen zu finden waren. Zusätzlich liegen dem Bogen noch einige Wartungshinweise bei. Insgesamt können drei verschiedene Saab-Maschinen dargestellt werden.
Anleitung:Die Anleitung ist im A5-Format gehalten. Wie üblich bei diesem Hersteller findet sich auf der ersten Seite zunächst ein kurzer historischer Abriss auf Englisch und Tschechisch. Danach folgt die Teileübersicht, die bei diesem Bausatz besonders wichtig ist, da die Teile am Gussrahmen nicht nummeriert sind. Insgesamt sind 19 Bauschritte notwendig. Die Detailbemalung wird dabei lediglich durch Farbtropfen gekennzeichnet; die entsprechenden Bauteile selbst sind nicht farbig hervorgehoben. Die einzelnen Schritte bleiben dennoch übersichtlich dargestellt. Für jede der Bemalungsvarianten gibt es jeweils eine eigene Seite mit Lackierungsvorschlag sowie einigen historischen Hintergrundinformationen. Die letzte Seite ist schließlich der Eigenwerbung vorbehalten: dort kann man sich direkt Inspiration für das nächste Projekt holen.
Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Der Schwierigkeitsgrad liegt wohl irgendwo im mittleren Bereich. Dank der kompakten Größe bleibt der Bausatz insgesamt überschaubar, verlangt an einigen Stellen jedoch dennoch etwas Erfahrung und den ein oder anderen Kniff. FazitMeiner Meinung nach ist dieser Bausatz für Fans früher Strahlflugzeuge und/oder der schwedischen Luftwaffe ein absolutes Muss. Der Bau macht Spaß und sorgt – vorausgesetzt, man hat bereits etwas Erfahrung mit Short-Run-Kits – nicht für graue Haare. Daher ist der Bausatz aus meiner Sicht absolut empfehlenswert. Weitere InfosReferenzen Hier gibt es ein Walkaround zur Saab J21R: https://ipms.nl/walkarounds/walkaround-vliegtuigen-props/walkaround-saab-j21 Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 15. Mai 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
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