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Nieuport 17

(Revell - Nr. 03885)

Revell - Nieuport 17

Produktinfo

Hersteller:Revell
Sparte:Flugzeuge Militär bis 1939
Katalog Nummer:03885 - Nieuport 17
Maßstab:1:48
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:Januar 2019
Preis:ca. 18 €
Inhalt:
  • 2 Gußrahmen in Grau
  • 1 Klarteil
  • Abziehbilder
  • Anleitung

 

Besprechung

zum Vorbild:

Die Nieuport 17 entstand 1916 als Weiterentwicklung der Nieuport 11 und markierte einen wichtigen Schritt in der frühen Jagdflugzeugentwicklung des Ersten Weltkriegs. Konstrukteur Gustave Delage verbesserte insbesondere die aerodynamischen Eigenschaften und die Bewaffnung. Die Nieuport 17 war ein sogenannter Sesquiplan (Doppeldecker mit verkleinertem Unterflügel), was ihr ein geringes Gewicht und eine hohe Wendigkeit verlieh, allerdings auch strukturelle Schwächen mit sich brachte. Angetrieben von einem leistungsstärkeren Umlaufmotor und ausgestattet mit einem synchronisierten Maschinengewehr – meist einem Vickers-MG, das durch den Propellerkreis schießen konnte,war sie vielen Gegnern zunächst überlegen.

Im Einsatz wurde die Nieuport 17 ab Mitte 1916 an der Westfront eingeführt und entwickelte sich rasch zu einem der erfolgreichsten alliierten Jagdflugzeuge. Sie wurde nicht nur von französischen Einheiten geflogen, sondern auch von britischen, russischen und italienischen Staffeln eingesetzt. Berühmte Jagdflieger wie Georges Guynemer erzielten mit ihr zahlreiche Abschüsse. Trotz ihrer Erfolge wurde sie bereits ab 1917 zunehmend von moderneren deutschen Mustern wie der Albatros D.III herausgefordert, die robuster gebaut waren und eine stärkere Bewaffnung aufwiesen. Dennoch blieb die Nieuport 17 ein prägendes Flugzeug ihrer Zeit und beeinflusste die weitere Entwicklung von Jagdflugzeugen nachhaltig.

Revell - Nieuport 17

Denkt man an Flugzeuge des Ersten Weltkriegs, kommen einem zunächst Namen wie Sopwith, Albatros oder Fokker in den Sinn – doch kurz darauf dürfte bereits die Nieuport im Gedächtnis auftauchen. Die Nieuport 17, die ab dem Frühjahr 1916 die Front erreichte, war dabei das wohl erfolgreichste Muster der Reihe. Es verwundert daher nicht, dass laut Scalemates (Stand 04/2026) stolze 137 Bausätze aus verschiedensten Epochen und Maßstäben gelistet sind. Im Quarterscale (1:48) erschien der erste Bausatz bereits 1933 bei Construct-A-Plane und vier Jahre später bei Aircraft – Hersteller, die heute kaum noch jemandem ein Begriff sein dürften. 1952 folgte ein Kit von Hawk, der später auch den Weg in die Kartons von Testors und Smer fand. Die aktuellste Form – von „modern“ möchte ich angesichts des Alters kaum sprechen – stammt von Eduard aus dem Jahr 1998. Genau dieser Bausatz verbirgt sich auch in der 2019 erschienenen Auflage von Revell.

Das Cover zeigt eine Gruppe von Maschinen der No. 1 Squadron des britischen Royal Flying Corps im Luftkampf mit deutschen Albatros-Jägern. Die Szene ist sehr dynamisch und, wie ich finde, hervorragend getroffen. Selbst in Zeiten des Onlinehandels bleibt ein ansprechendes Deckelbild für mich ein wichtiges Kaufargument.

Der Bausatz umfasst zwei sauber gespritzte Gussrahmen in einem für Eduard-Bausätze typischen Blaugrau. Die Bauteile sind präzise abgeformt; größere Trennnähte oder Unsauberkeiten sucht man vergeblich. Die Oberflächen wirken auf mich allerdings fast schon ein wenig zu glatt. Ergänzt wird das Set durch ein Klarteil für die Windschutzscheibe.

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Nieuport 17

 

Dem Kenner dürfte anhand der Plastikfarbe sofort ins Auge fallen, dass dieser Bausatz aus Tschechien stammt – doch man merkt ihm das Alter leider auch an. Besonders filigrane Details vermisst man hier schmerzlich, was sich bereits beim Bau bemerkbar macht.

Das Cockpit ist nur rudimentär eingerichtet: Folgt man der Anleitung, finden lediglich eine schlichte Stange als Steuerknüppel und ein seitlicher Schubhebel ihren Platz neben dem vereinfachten, massiv gegossenen Sitz. Zugegeben, auch das Original war spartanisch eingerichtet, bot aber dennoch mehr als dieses Modell. So war der reale Sitz mit markanten Erleichterungsbohrungen versehen, der Steuerknüppel besaß einen geformten Griff und zumindest das eine oder andere Instrument war vorhanden. Da der Zubehörmarkt kaum noch etwas hergibt oder die Sets vergriffen sind, bleibt hier nur der Eigenbau.

Was im Vergleich zu früheren Eduard-Auflagen besonders auffällt: Revell lässt hier einige Teile komplett weg. Dies betrifft insbesondere die Cockpit-Innenwände, aber auch beim Vickers-MG zeigen sich im Verlauf des Baus ähnliche Defizite.

Sobald man mit dem Cockpit zufrieden ist, werden die Rumpfhälften geschlossen. Die Passgenauigkeit ist insgesamt okay, allerdings zeigt sich an der Unterseite ein deutlicher Versatz. Hier muss umfangreich gespachtelt und geschliffen werden, um einen sauberen Übergang zu erhalten.

Die Darstellung der Windschutzscheibe dürfte streitbar sein, da die meisten Maschinen nur mit einer Trapezförmigen Scheibe zwischen den hinteren Gestängen ausgestattet waren. Ein Bild einer RFC Maschine belegt jedoch auch ähnliche Scheiben wie diese. Da es sich hier genau um eine solche späte Maschine handelt, könnte sie also dem Vorbild entsprechen. 

Der Le Rhône 9C-Umlaufmotor wird ebenfalls in den Rumpf eingesetzt, ist jedoch sehr einfach gehalten, im Grunde sind nur die Zylinder angedeutet. Da das Aggregat beim fertigen Modell sehr prominent ins Auge fällt, rate ich hier dringend zu einem Austauschmotor aus dem Aftermarket.

Anschließend wird der schmale Unterflügel montiert - übrigens der Grund, warum man bei der Nieuport auch von einem „Anderthalbdecker“ spricht. Die Struktur der Teile ist ordentlich, wirkt jedoch erneut etwas zu glatt. Ein leichtes Anrauen der Oberflächen käme der Optik einer Stoffbespannung sicher näher, wobei dies am fertigen Modell vermutlich kaum noch ins Gewicht fällt.

Am Höhen- und Seitenleitwerk werden zunächst die angegossenen Ösen befestigt. Zudem sieht die Anleitung vor, zwei Löcher in das Höhenleitwerk zu bohren, um später die Verspannung hindurchführen zu können. Leider fehlen am Rumpf jegliche Passhilfen oder Markierungen. Das hat zur Folge, dass das Höhenleitwerk rein nach Augenmaß zentriert und ausgerichtet werden muss.

Gleiches gilt für das Seitenleitwerk, das stumpf an der Hinterkante angeklebt wird, auch hier sind eine ruhige Hand und Geduld gefragt. Wie bei Flugzeugen dieser Ära üblich, ist zudem beim Ausrichten des Fahrwerks höchste Vorsicht geboten, damit das Modell am Ende nicht windschief steht.

Dem Bausatz liegen zwei verschiedene Motorabdeckungen bei, von denen für diese Version jedoch nur das Teil B10 benötigt wird. In dessen Aussparung wird ein weiteres Kunststoffteil eingesetzt, um die charakteristischen Kühleröffnungen darzustellen.

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Nieuport 17

 

Am Oberflügel ist eine Aussparung vorgesehen, in die das Mittelstück samt Halterung für das Lewis-MG eingesetzt wird. Warum der Hersteller hier nicht einfach – wie bei der vorderen Halterung – ein Einzelteil beigelegt hat, sondern man stattdessen ein komplettes Segment einkleben und mühsam versäubern muss, erschließt sich mir nicht ganz.

Zusätzlich werden zwei Stützstreben montiert. Die Oberflächenstruktur der Flügel finde ich generell sehr gut getroffen. Für das Zielfernrohr müssen die passenden Löcher allerdings selbst gebohrt werden.

Zum Thema Bewaffnung: Hier bleibt die Bauanleitung etwas ungenau. Die Nieuport 17 war meines Wissens nach entweder mit einem synchronisierten 7,7-mm-Vickers-MG vor dem Cockpit oder einem 7,7-mm-Lewis-MG auf dem Oberflügel ausgestattet – eine Kombination aus beidem war eher selten. Da die beiden Markierungsvarianten des Bausatzes zum britischen RFC gehören, ist das Lewis-MG die korrekte Wahl, da man dort die Synchronisation damals noch für unzuverlässig hielt.

 Insgesamt lässt sich sagen, dass der Bausatz nicht allzu viele Details bietet, was jedoch weitgehend dem spartanischen Vorbild entspricht. Die Räder sind einteilig ausgeführt und weisen ordentliche Strukturen auf. Auch der Propeller mit angegossener Nabe ist ausreichend detailliert; hier kommt es ohnehin primär auf die spätere Lackierung der Holzstruktur an.

Ähnlich verhält es sich bei den Streben, wobei hier die Strukturen der Metallringe deutlicher hätten ausfallen können. Der Hecksporn ist lediglich als einfacher Stab dargestellt. Auch die Darstellung der Bewaffnung empfinde ich als sehr schlicht... hier wäre definitiv mehr möglich gewesen. Für Referenzen und feinere Details empfehle ich einen Blick in die Anleitung der großen 1:32-Schwester von Copper State Models.

Bemalung und Abziehbilder:

Der Decalbogen wurde in Italien gedruckt und enthält neben den Hoheitszeichen auch Staffel- und Werksnummern. Die roten Zentren der britischen Roundels liegen separat bei und müssen daher passgenau platziert werden. Das Blau wirkt zwar ein wenig blass, was jedoch durchaus dem verblichenen Look der Originalmaschinen entsprechen könnte. Die Streifen für die Motorhaube der Cover-Maschine liegen einzeln bei. Kritischer sieht es am Heck aus: Die Decals für die Tricolore am Seitenleitwerk sind deutlich zu groß dimensioniert und weisen einen sehr starken Überstand auf.

Revell - Nieuport 17

Revell hat für diesen Bausatz zwei historische Vorbilder recherchiert:

  1. Nieuport 17, B.1690, No. 1 Squadron, RFC, Bailleul (Frankreich), Sommer 1917: Das britische Fliegerass Louis Jenkin flog diese Maschine unter anderem bei einem seiner frühen Einsätze. Am 2. Juni 1917 errang er damit einen Luftsieg über eine Albatros D.III. Da Jenkin laut Aufzeichnungen nur einmal in dieser Maschine saß, deutet dies darauf hin, dass sie keinen festen Stammpiloten hatte.
  2. Nieuport 17, A.6633 (A.313), No. 1 Squadron, RFC, Frühjahr 1917: Diese Maschine wurde von Lieutenant A.W. Wood geflogen. Am 22. April 1917 wurde er bei einem Einsatz über der Westfront abgeschossen und geriet verwundet in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Anleitung:

Es handelt sich um eine Anleitung der neueren Generation: Sie verzichtet zwar auf historische Hintergrundinfos zum Vorbild, ist dafür aber farbig gedruckt. Zumindest gilt das für das Deckblatt und die Bemalungsvorschläge; die eigentlichen Bauschritte sind in Schwarz-Weiß gehalten, wobei lediglich kleine farbige Fähnchen auf die Detailbemalung hinweisen.

Man kommt mit der Anleitung insgesamt gut ans Ziel, allerdings gibt es Anlass zur Kritik: Es fehlen konkrete Längenangaben für die Positionierung der Löcher, die man selbst bohren muss. Zudem mutet der Farbplan dem Modellbauer eine regelrechte „Mischorgie“ zu. Besonders absurd wird es bei der Holzfarbe, für die gleich drei verschiedene Farbtöne vermischt werden sollen. Ein echtes Highlight ist hingegen der übersichtliche Verspannungsplan.

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Nieuport 17

 

Darstellbare Maschinen:
  1. Nieuport 17, B1690, 1. Squadron, Royal Flying Corps, Baileul (Frankreich), August 1917
  2. Nieuport 17, A313, 1. Squadron, Royal Flying Corps, Lieutenant A.W. Wood, Baileul (Frankreich), April  1917
Stärken:
  • einzige aktuelle Bausatzform der Nieuport 17 in dem Maßstab
  • unkomplizierter Bau, auch für Anfänger geeignet
Schwächen:
  • für den Maßstab sehr leeres Cockpit
  • Details vereinfacht, insbesondere Bewaffnung und Motor
  • keine Passhilfe bei Höhen und Seitenleitwerk
  • einige Teile aus dem Bausatz von Revell nicht berücksichtigt, welche aber nicht an der Version liegt (z.B. Cockpitteile)
Anwendung: Aus der Box heraus auch für Anfänger machbar.

Fazit

Man muss sich vor Augen führen, dass es sich hierbei um eine ältere Eduard-Form handelt, die nicht das heutige Qualitätsniveau des Herstellers erreicht. Während Eduard das Alter bei seinen eigenen Neuauflagen oft durch zusätzliche Fotoätzteile (PE-Teile) kompensiert, verzichtet Revell auf diese Beigaben. Dadurch wirkt das Modell out-of-the-box etwas schlicht. Nichtsdestotrotz kann mit etwas Eigeninitiative ein echter Blickfang entstehen. Insofern ist das Projekt ein idealer Einstieg für Modellbauer, die sich erstmals am Scratchbau versuchen möchten.

Weitere Infos

Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 30. April 2026

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