Nieuport 171. Squadron, Royal Flying Corps, Baileul (Frankreich), August 1917von Andy Hartung (1:48 Revell)
Ich weiß nicht warum, aber Flugzeuge aus dem Ersten Weltkrieg üben auf mich immer eine gewisse Faszination aus. Das hat sicherlich verschiedene Gründe, unter anderem auch deshalb, weil das Computerspiel Die Jagd auf den Roten Baron damals in meiner Kindheit mein erster Berührungspunkt mit Geschichte war und damit eine bis heute ungebrochene Neugier sowie ein großes Interesse an diesem Themenfeld geweckt hat. Hinzu kommt, dass die Konstruktionen teilweise außergewöhnlich wirken und allein die Vorstellung, mit diesen Maschinen in den Luftkampf zu steigen, bereits ein gewisses Unbehagen auslöst. Sicher bin ich nicht der Einzige, der dieses Kapitel der Luftfahrtgeschichte einfach faszinierend findet.
Im Januar dieses Jahres kündigte der Betreiber der Facebook-Seite „Modellbau & Diorama“ eine neue Herausforderung an. Die Seite kann ich wärmstens empfehlen: Stephan gibt sich wirklich viel Mühe, arbeitet eng mit der Community zusammen, veranstaltet jeden Sonntag Livestreams rund um das Thema Modellbau und organisiert regelmäßig Gemeinschaftsaktionen wie Groupbuilds oder Wettbewerbe. Das Thema diesmal lautete „Doppeldecker 1:48“. In meinem Stash wartete dafür allerdings nur ein passender Kandidat: Revells Wiederauflage der Nieuport 17 von Eduard.
Zum Bau:Wie immer bereitete ich ein solches Projekt zunächst ausführlich vor und schaute, was der Zubehörmarkt so zu bieten hat. Zwar gibt es laut Scalemates einige PE-Sätze von Eduard, diese waren jedoch überall vergriffen und nicht mehr aufzutreiben. Natürlich hätte ich stattdessen auch direkt eine Eduard-Profipack-Version kaufen können, aber das hätte das Problem letztlich nur verschoben und das ist ja nicht Sinn der Sache. Im nächsten Schritt betrachtete ich die Bauteile genauer und stellte fest, dass der Bausatz insgesamt nicht besonders gut detailliert ist. Die Bewaffnung wirkt recht grob, der Motor zu einfach gehalten und das Cockpit ziemlich leer. Also begann ich damit, passende Zubehörsets zusammenzustellen. So besorgte ich mir einen passenden 3D-gedruckten Motor und ersetzte auch das Maschinengewehr durch ein Brassin-Set von Eduard. Im Cockpit musste ich schließlich selbst Hand anlegen und einige Details im Scratchbau ergänzen. Zusätzlich besorgte ich noch Decals für die Instrumente sowie Gurte.
Dann startete auch schon der Bau. Das Projekt war von Februar bis April angesetzt, eigentlich also reichlich Zeit, wenn man sie denn auch hat. Für mich wurde es jedoch recht eng, da in diesen drei Monaten einiges auf meiner Agenda stand und der Modellbau dadurch deutlich zurückstecken musste. Nachdem die Detailsets eingetroffen waren, wusch ich zunächst alle Teile kurz ab. Was sich bei diesem Projekt immer wieder als notwendig erwies, war die ständige Recherche am Vorbild. Dafür nutzte ich nicht nur Originalfotos, sondern auch die Bauanleitung des 1:32-Bausatzes aus dem Hause Copper State.
Der Bau begann zunächst damit, dass ich den Sitz mit mehreren Löchern versah, da dies dem Vorbild deutlich eher entsprach als die geschlossene Sitzschale des Bausatzes. Danach betrachtete ich verschiedene Vorbildfotos und stellte fest, dass die Nieuport keineswegs einheitlich ausgestattet war. Je nach Bauzeit und Einheit konnten unterschiedliche Instrumente verbaut sein, teilweise sogar nachträglich ergänzt. Nachkriegsmaschinen besaßen oft sogar ein komplettes Instrumentenbrett. Ich entschied mich daher, die Umsetzung von Copper State als Vorbild heranzuziehen. Auf der Bodenplatte brachte ich Fußstützen aus PE-Teilen an und versah die Ruderpedale mit zwei Schlingen aus dünnem Draht. Die Seitenwände konnte ich weitgehend unverändert aus dem Bausatz übernehmen. Lediglich an der rechten Seite fand ein selbstgebauter Höhenmesser seinen Weg ins Cockpit, ebenso ein zurechtgeschnittenes PE-Teil, das die Rückwand des Tanks darstellen sollte. Der Steuerknüppel erhielt von mir zusätzlich einen Griff aus Bindfaden, da er sonst lediglich aus einer glatten Stange bestanden hätte. Außerdem ergänzte ich noch eine weitere Strebe im Cockpit. Anschließend wurde alles in Holzoptik lackiert und die Details bemalt. Zum Schluss bekam der Sitz noch einen Sicherheitsgurt, aber leider im falschen Maßstab, wie ich erst viel zu spät bemerkte. Abgesehen davon, dass die Gurte etwas zu kurz wirken, fällt dieser Fehler jedoch kaum auf.
Weiter ging es mit dem Motor. Da ich mich für ein 3D-gedrucktes Exemplar von Print Scale entschieden hatte, musste ich zunächst das Bauteil von den Stützstrukturen befreien. Das erwies sich allerdings als alles andere als einfach. Teilweise saßen die Supports an schlecht zugänglichen Stellen oder direkt an sehr filigranen Leitungen und Ventilen, wodurch eine erhöhte Bruchgefahr bestand. Einige Teile musste ich daher sogar wieder zusammenkleben. Wer bereits mit 3D-gedruckten Teilen gearbeitet hat, kennt dieses Problem vermutlich, nicht selten muss man die Bauteile anschließend selbst wieder zusammensetzen. Das Schöne an diesem Motor ist jedoch, dass auch der Ölkühler im Inneren des Rumpfes dargestellt wurde. Genau deshalb wollte ich den Motor fertigstellen, bevor ich den Rumpf zusammensetzte. Dank einer ansprechenden Bemalung, die überwiegend aus Metallfarben bestand, kann das Aggregat am Ende wirklich überzeugen.
Am Rumpf entfernte ich die beiden Rohre der Luftansaugung und bohrte die entsprechenden Öffnungen auf. Im Set des Motors lagen diese Rohre bereits als gedruckte und durchbrochene Teile bei. Dadurch konnten sie direkt mit dem Ölkühler verbunden werden.
Nun konnte der Rumpf zusammengesetzt werden. Die Passgenauigkeit war in Ordnung, dennoch mussten einige Bereiche ordentlich versäubert werden. Gerade am hinteren Teil des Rumpfes entstand ein größerer Versatz, der nachbearbeitet werden musste. Auch die Ausbuchtung hinter dem Motor erforderte etwas zusätzliche Arbeit. Besonders spannend war das freihändige Anbringen des Höhen- und Seitenleitwerks, da es hierfür keinerlei Passhilfen gab. Außerdem bohrte ich am Rumpf bereits die Öffnungen für die Steuerseile auf und schuf zusätzlich eine entsprechende Öffnung am Höhenleitwerk.
Nun begann auch bereits die Lackierung. Zunächst wurde alles weiß beziehungsweise schwarz grundiert. Danach erhielt der vordere Rumpf einen Aluminiumton, während Flügel und übriger Rumpf in Weiß-Aluminium lackiert wurden. Die Radkappen wurden blau bemalt, und auch die Holzteile erhielten ihre entsprechende Grundfarbe, bevor später noch eine Holzmaserung ergänzt wurde. Anschließend folgte die Detailbemalung. Bei der Bewaffnung ersetzte ich das Bausatzteil durch ein Lewis-MG aus der Eduard-Brassin-Serie. Auch wenn die Anleitung darauf kaum eingeht, war das Flugzeug lediglich mit einem einzelnen Lewis-Maschinengewehr auf dem Oberflügel ausgestattet.
Den Oberflügel setzte ich, wie gewohnt, in Rückenlage auf das Modell auf. Das funktionierte überraschend problemlos, und das Flugzeug stand recht schnell stabil und gerade auf eigenen Beinen. Nachdem anschließend noch die Decals angebracht worden waren, folgte eine etwas ausführlichere Alterung. Zunächst kam ein standardmäßiges Pinwash zum Einsatz, gefolgt von kleinen Ölflecken im Bereich des Motors. Abschließend trug ich noch ein staubgraues Wash auf, um die Verschmutzungen realistischer darstellen zu können.
Das Highlight eines jeden Doppeldeckers ist natürlich das Rigging, gleichzeitig aber auch der Arbeitsschritt, den ich am wenigsten mag. Dieses Mal nutzte ich Spannschlösser von GasPatch aus dem Resindrucker, was dem Ganzen einen deutlich realistischeren Look verlieh und das Rigging meiner Meinung nach sogar vereinfachte, da feste Fixpunkte vorhanden waren. Tatsächlich ist die Verspannung der Nieuport auch gar nicht besonders umfangreich.
Zum Einsatz:Die No. 1 Squadron des Royal Flying Corps (RFC) rüstete Anfang 1917 auf die Nieuport 17 um und setzte sie an der Westfront als wendigen Jäger gegen die deutschen Albatros-Maschinen ein. Von ihrem Stützpunkt in Bailleul aus operierten Piloten wie Louis Jenkin oder Lieutenant A.W. Wood. Besonders erfolgreich war der Pilot Philip Fullard, der mit diesem Typ einen Großteil seiner insgesamt 40 Luftsiege erzielte. Trotz ihrer strukturellen Schwächen am Unterflügel schätzten die Piloten der Einheit die enorme Steigleistung und Wendigkeit der Maschine, die oft mit einem über dem Oberflügel montierten Lewis-Maschinengewehr ausgestattet war. Erst im Herbst 1917 wurde die Nieuport bei der No. 1 Squadron durch die leistungsstärkere S.E.5a abgelöst.
Die A.1690 war einer der Maschinen dieser Staffel. Sie war vermutlich keinen festen Piloten zu geordnet, wurde aber auch auf mindestens einem Einsatz von Fliegerass Louis Jenkin geflogen, wobei er auch eine Maschine abschießen konnte. Über das weitere Schicksal dieser spezifischen Maschine ist leider nichts weiter bekannt.
Fazit:Der Bausatz der Nieuport war mir zunächst zu einfach gemacht, wenig Details und daher auch in vielen Bereichen leer. So war es ein schöner Spielplatz zum Üben zum selbst nachbessern. Das Ergebnis könnte mich jedenfalls überzeugen.
Andy Hartung Publiziert am 23. Mai 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |