Lamborghini Countach LP500S(Revell - Nr. 07730)Produktinfo:
Besprechung:Zum VorbildDer Lamborghini Countach LP500S ist eine – wenn nicht die – Sportwagenlegende der 80er Jahre. Er wurde 1982 eingeführt und war eine weiterentwickelte Version des ursprünglichen Countach. Der LP500S behielt die ikonische, kantige Silhouette bei, erhielt jedoch eine verbesserte Technik und mehr Leistung. Unter der Haube steckt ein 5,2 Liter-V12-Motor mit rund 370 PS, der den Supersportwagen auf eine Höchstgeschwindigkeit von über 290 km/h beschleunigen konnte. Der LP500S zeichnete sich durch ein überarbeitetes Fahrwerk, eine verbesserte Aerodynamik und eine optimierte Fahrdynamik aus. Dennoch blieb er ein anspruchsvoller Wagen, der seinem Fahrer einiges abverlangte. Zum BausatzAls Mitte 2024 der Lamborghini Countach in die Händlerregale kam und bereits in der Ankündigung im Januar als Wiederauflage gekennzeichnet wurde, stellte sich mir die Frage: Wo kommt dieser Bausatz plötzlich her? Eine Aufprägung verweist auf das Copyright Revell USA 1988 – ein Blick auf Scalemates brachte Klarheit. Der Bausatz erschien tatsächlich erstmals 1988 in den USA, jedoch nicht unter dem Label von Revell, sondern unter dem Banner von Monogram. Dort wurde der Sportwagen bis 1996 insgesamt fünfmal in verschiedenen Boxen veröffentlicht. Erstmals unter dem Revell-Namen erschien der Countach dann Ende der 90er, in Kooperation mit Estrela, einem brasilianischen Ableger von Revell. 2012 folgte eine weitere Auflage unter Revell USA. Nun, zwölf Jahre später, hat man sich in Bünde für eine erneute Wiederauflage im hauseigenen Programm entschieden. Übrigens scheint der Countach ursprünglich als Aufwärmung oder Vorgeschmack für die neue Bausatzform des aktuellen Lamborghini Revuelto gedacht gewesen zu sein. Dieser sollte eigentlich im Folgemonat erscheinen, doch wie einige andere Neuheiten wurde der Release auf Mitte des Jahres verschoben. Wie immer kommt der Bausatz im gut passenden Seitenöffner von Revell daher. Auf dem Cover sehen wir eine schöne Ansicht des Countach – irgendwo an der vermutlich italienischen Küste, bei voller Fahrt. Da kann man sich schon mal kurz hineinversetzen. Die Rückseite präsentiert wie gewohnt einige Sicherheitshinweise, Bilder vom Testbau und einen kleinen Überblick über die enthaltenen Teile. Merkwürdigerweise stuft Revell den Bausatz nun ins Skill Level 5 ein, während er vor zwölf Jahren noch mit Level 3 bewertet wurde. Aber ehrlich gesagt halte ich von diesem Bewertungssystem ohnehin nicht viel. Insgesamt erwarten uns sechs weiße Gussrahmen, die Karosserie, vier Reifen und ein Rahmen mit Klarteilen. Zumindest am weißen Teile-Rahmen sieht man das Alter des Bausatzes deutlich – Fischhäute und Grate sind direkt erkennbar. Die Details gehen für das Alter des Kits in Ordnung, aber eine moderne Bausatzform könnte hier sicher noch mehr bieten.
Der Bau startet im Motorraum, wo uns der massive V12 erwartet. Dieser besteht aus mehreren Teilen, allerdings muss an den Übergängen definitiv nachgearbeitet werden – besonders an den Abgasrohren sind ausgeprägte Trennnähte zu finden. Interessant ist die unterschiedliche Beschaffenheit des Plastiks: Während die Teile des Auspuffs glatt und fast schon glänzend sind, wirken andere eher rau. Beim Bau selbst sollte das jedoch keine großen Probleme verursachen. Beim Zusammensetzen des Motorgehäuses fallen zwei ausgeprägte Auswerfermarken auf der Innenseite auf. Diese sollten entfernt werden, damit der Motor sauber zusammenpasst – ein Detail, das uns auch an anderen Stellen des Modells noch begegnen wird. Im Motorraum selbst werden zwei Kühler eingebaut, die beim Zusammensetzen jedoch einen deutlichen Versatz aufweisen. Auch wenn die Details an sich ausreichend erscheinen mögen, erfordert die Passgenauigkeit etwas Nacharbeit. An den weiteren Bauteilen des Motors müssen immer wieder Trennnähte und Fischhäute entfernt werden. Zum Schluss könnte der geneigte Modellbauer vielleicht noch eigenständig Zündkabel verlegen, um das Gesamtbild aufzuwerten. Ein besonderes Highlight – wenn auch nicht unbedingt im positiven Sinne – sind die Auspuffendrohre. Hier zeigt sich alles, was der Bausatz an Tücken zu bieten hat: Trennnähte, Flash und unschöne Angusspunkte. Auch an anderen Stellen merkt man dem Kit sein Alter an. So sind beispielsweise die Bremssättel stark vereinfacht und werden lediglich als Abziehbilder dargestellt – hier wäre mit einer modernen Bausatzform sicher mehr drin.
Der Innenraum besteht aus einer Wanne, in die Sitze und Armaturen eingebaut werden. Die Oberflächenstruktur wurde dabei gut getroffen. Allerdings gibt es wieder reichlich Auswerfermarken und Trennnähte – besonders am Lenkrad, wo massig Flash entfernt werden muss. Die kleinen Knöpfe auf dem Armaturenbrett werden durch Abziehbilder dargestellt. Auch der Dachhimmel, der einfach die Innenseite der Karosserie bildet, weist einige Auswerfermarken auf, die vor dem Lackieren beseitigt werden sollten. Die Karosserie selbst ist leider zweiteilig, wobei der obere Teil einteilig ist und der untere Teil unterhalb der Türen an der Bodengruppe angegossen wurde. Das erschwert das Lackieren und Bauen dieser Teile eher, als es zu vereinfachen. Leider ist auch am Unterteil eine später noch sichtbare Copyright-Aufprägung, die entfernt werden sollte. Ansonsten ist die Form gut wiedergegeben, und störende Trennnähte kann ich bei meinem Exemplar nicht finden – was jedoch bei anderen Bausätzen scheinbar nicht immer der Fall ist. Der Kofferraum vorne ist ebenfalls mit angegossen und enthält ein Ersatzrad. Es wäre jedoch besser gewesen, das Rad separat beizulegen. Abgerundet wird das Ganze mit Seitenspiegeln sowie der Motor- und Kofferraumklappe. Die Klarteile machen einen guten Eindruck und sind frei von Kratzern und Schlieren. Die Struktur der Scheinwerfer ist gut wiedergegeben. Leider wurde der Blinker im Kotflügel nicht berücksichtigt, er liegt nur als Abziehbild bei. Hier würde ich empfehlen, passende Klarteile aus dem Fundus zu verwenden – das wirkt deutlich besser. Bleiben noch die Reifen. Hier hat Revell gute Arbeit abgeliefert: Das Vinylmaterial ist sauber gegossen und der Pirelli-Schriftzug an der Seite gut lesbar. Das Reifenprofil kann ebenso überzeugen und eine wirkliche Formtrennnaht ist nicht zu finden. Anders bei den Felgen: Hier hat der Bausatz nochmal alles an Fischhäuten geliefert, was möglich war. Einige der Löcher sind sogar fast komplett zugegossen.
Bemalung und AbziehbilderMittlerweile ist man bei Revell dazu übergegangen, ähnlich wie bei Flugzeugbausätzen mit diversen Stencils, auch bei Autos alle möglichen kleinen Markierungen als Decals beizulegen. Ich persönlich finde das sogar sehr gut, wobei an einigen Stellen die Frage aufkommt, ob man da nicht mit einer schönen Pinsellackierung besser arbeiten könnte. Die Schriftzüge und Armaturen würde ich so übernehmen, an anderen Stellen vielleicht lieber selbst malen und die Abziehbilder für die Seitenblinker (Nr. 45) eher aus meinem Fundus mit Klarteilen selbst herstellen. Am Ende muss das aber jeder nach seinen eigenen Wünschen und Fähigkeiten entscheiden. Sollte man nicht jedes kleine Bildchen verwenden, wird es wohl auch nicht auffallen. Qualitativ machen die Abziehbilder jedenfalls einen vernünftigen Eindruck. Die große Kennzeichenauswahl finde ich persönlich nicht schlecht, ich weiß jedoch, dass diese auch schon auf Kritik gestoßen ist, da sie meist fiktiv sind und so nicht im Straßenverkehr zu finden waren (oder sind). AnleitungWie nicht anders zu erwarten, legt Revell seine typisch farbige Bauanleitung bei. Entsprechend sollten hier keine Überraschungen aufkommen: Deckblatt mit Bild vom Testbau, Sicherheits- und Verarbeitungshinweise, die benötigten Farben (natürlich wie immer nur die hauseigenen, und natürlich kommen wir ohne Mischen nicht aus), Teileübersicht und dann startet der Bau. Insgesamt sind 47 Schritte bis zum fertigen Countach notwendig. Etwas ausgebremst wird man dabei immer wieder vom Bemalen der Teile und dem Anbringen der kleinen Abziehbilder. Der erfahrene Modellbauer hat hier aber ohnehin sein eigenes Vorgehen und wird die Anleitung nur als Schritt-für-Schritt-Hilfe nutzen. Aber Achtung bei den Abziehbildern in den Bauschritten 38 und 39: Hier ist Revell ein Fehler unterlaufen und verweist beide Male auf die Nummer 54. Richtig ist jedoch, dass für die Hinterräder im Bauschritt 39 die Abziehbilder Nr. 58 verwendet werden sollten.
Darstellbare Fahrzeuge:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Aufgrund der eher mäßigen, altersbedingten Qualität sollte der Modellbauer bereits entsprechende Vorerfahrung im Umgang mit zu versäubernden Bauteilen haben. Fazit:Was soll ich sagen? Ein wenig enttäuscht mich der Bausatz schon, nicht etwa, weil er per se schlecht ist, sondern einfach, weil man es in Bünde nicht geschafft hat, die Spritzgussformen nochmal auszubessern oder nachzuarbeiten, wie man es z. B. bei Heller macht, bevor man den Bausatz auflegt. Nach fast 40 Jahren könnte bzw. sollte man das an so einer Form schon tun, andernfalls spricht man den Nachwuchs damit auch nicht an und schreckt eher ab. Dennoch, wenn man sich mit den Versäuberungen arrangiert, kann man einen netten Sportwagen bauen und Freude daran finden, denn der Bausatz dahinter ist nicht verkehrt. Weitere Infos:Anmerkungen: Hier kann man den Bausatz beim Hersteller beziehen Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 25. März 2025 © 2001-2025 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
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