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HMS Grasshopper

von Lars Scharff (1:700 Eigenbau)

HMS Grasshopper

Original

HMS Grasshopper war ein Brigg-Sloop der Cruizer-Klasse, der Klasse von Segelkriegsschiffen, von der an meisten Schiffe gebaut wurden. Der Einsatzzweck dieser Sloops waren Kreuzeraufgaben wie Aufklärung, Handelsstörer und Geleitschutz, sowie Versorgung, Nachrichtenübermittlung und Küstenschutz.

Technische Daten: 

HMS Grasshopper war auf dem Oberdeck 30,48 m lang und 9,31 m breit. Sie verdrängte bei einem Tiefgang von 3,05 m 383 ts und hatte eine Besatzung von 121 Mann (28 davon Marinesoldaten).

Bewaffnung:

16 x 32-Pfünder Karronaden (15,9 cm), 2 x 6-Pfünder Kanonen (8,3 cm)

HMS Grasshopper wurde 1806 von Richards & Davidson in Hythe, Hampeshire gebaut. Anschließend wurde sie zur Durchsetzung der Kontinentalsperre in den Napoleonischen Kriegen eingesetzt. Hierbei kaperte die Grasshopper gemeinsam mit der 36-Kanonenfregatte Renomée am 6.11.1807 bei Cartagena ein spanisches und ein französisches Handelsschiff und am 11.12.1807 die spanische 12-Kanonenbrigg San José. Im Jahr darauf griff sie am 4.4.1808 gemeinsam mit der 38-Kanonenfregatte Alceste und dem 28-Kanonensloop Mercury nördlich von Cadiz einen spanischen Geleitzug an, der von 20 Kanonenbooten und Küstenbatterien gesichert wurde. Eine Küstenbatterie wurde zerstört, zwei Kanonenboote versenkt, mehrere zur Strandung gezwungen und sieben Schiffe des Konvois gekapert. Am 23.4.1808 griff Grasshopper gemeinsam mit der Rapid (14 Kanonen) einen Konvoi aus Südamerika an und kaperte zwei spanische Handelschiffe und zwei Kanonenboote. Zwei weitere Kanonenboote wurden zum Stranden gebracht. Am 24.12.1811 fuhr sie mit dem 74-Kanonen-Linienschiff Hero und dem Transporter Archimedes aus Göteborg kommend in einen schweren Sturm, wobei die Hero und der Transporter vor Texel strandeten und vernichtet wurden. Im gleichen Sturm sanken vor Jütland auch das 98-Kanonen-Linienschiff St. George und das 74-Kanonen-Linienschiff Defence. Grasshopper hatte mehr Glück und wurde unbeschädigt über die Sandbänke getrieben, musste sich aber der niederländischen Flotte ergeben.

In niederländischem Besitz blieb sie wegen der britischen Blockade inaktiv. Im Januar 1813 wurde sie in Irene umbenannt, wobei ein Namenstausch mit einer 6-Kanonenschulbrigg erfolgte. Nachdem die Niederlande 1814 wieder von Frankreich unabhängig wurde, wurde die Irene für Geleitfahrten nach Spanien und ins Mittelmeer und die Wiederinbesitznahme der Kolonien in Westindien verwendet. Im Oktober 1819 wurden sie erneut in diesen Kolonien gegen Aufständische auf Sumatra eingesetzt, wobei sie gemeinsam mit der Wilhelmina (44 Kanonen), Eendragt (20 Kanonen), Ajax (20 Kanonen) und mehreren kleineren Schiffen den Fluss Palembang hoch segelte, aber sich gemeinsam mit den anderen Schiffen nach schweren Verlusten zurückziehen und auf eine Blockade der Küste beschränken musste. 1821 wurde Irene zurück in die Niederlande beordert und 1822 in Vlissingen abgewrackt.

HMS Grasshopper

Modell

Ich habe die Grasshopper im Maßstab 1:700 im Zustand bei der Royal Navy gebaut. Die niederländische Marine hat die Irene modifiziert, z.B. mit erhöhten Schanzkleidern, Stückpfortendeckeln und einer Galionsfigur.

Als Quellen habe ich eine Zeichnung in „The Story of Sail“, die Pläne aus der Anleitung der HMS Snake (eine Schiffs-Sloop-Version der Cruizer-Klasse mit identischem Rumpf) von Caldercraft und des Buches über die Irene von Petrejus, sowie Photos gebauter Modelle benutzt.

Der Rumpf besteht aus zwei 1 mm dicken Polystyrol-Platten,  die in Form geschnitten und geschliffen wurden. Auf diesen Rumpf wurde achtern Plastikmaterial montiert und auf dieses dann eine 0,5 mm Platte als Deck montiert, so dass der Decksprung dargestellt werden konnte. Das Schanzkleid besteht wie das Vorder- und Achterdeck aus 0,5 mm dicken Polystyrol-Platten. Plastikplatten diverser Stärken kamen auch zur Darstellung der Galion, der Barkhölzer (zusätzliche Rumpfbeplankung an den Seiten, um den Rumpf vor Beschädigungen zu schützen), von Luken, Niedergängen und des Ruders zum Einsatz.

HMS Grasshopper

Die Boote – eine 24-Fuß-Barkasse, eine 20 Fuß-Barkasse und eine 18-Fuß-Jolle - stammen aus einem Set von Modelkrak. Die Geschützlafetten setzen sich aus zwei 0,25 mm dicken Plastikplatten für die Karronaden und zwei gezogenen Gießästen als Räder und zwei 0,13 mm Platten als Lafetten für die 6-Pfünder Jagdgeschütze zusammen. Die Rohre selbst sind aus Messing und Sonderanfertigungen von Burkhardt Masch Kleinserien.

HMS Grasshopper

Die Masten setzen sich aus den Untermasten (0,7 mm Polystyrol), den Marsstengen (0,5 mm Polystryrol) und den Bram/Royalstengen (0,3 mm Federstahl) zusammen. Wie sich beim Takeln gezeigt hat, sind Plastikmasten aber viel zu elastisch und neigen dazu, sich zu verziehen. Man sieht dies bei einem Teil der Takelage, der nicht mehr straf ist. Ich werde bei meinem nächsten Modell mit Takelage Masten aus Metall verwenden.

Die Rahe sind aus 0,5 mm dicken Polystryrol oder 0,3 mm dickem Federstahl. Die Takelage selbst besteht größtenteils aus 0,1 mm oder 0,05 mm dickem Kupferdraht, der sich bewährt hat. Die Wanten sind von Saemann Ätztechnik.

HMS Grasshopper

Der Rumpf oberhalb des Barkholzes sowie die Masten und Stengen habe ich ocker (Revell 88) bemalt. Das Deck habe ich ebenfalls mit Revell 88 bemalt, worauf dann mit Buntstiften die Deckstruktur imitiert wurde. Das Schanzkleid innen und die Geschützlafetten sind rotbraun (Humbrol 100) gestrichen. Die Luken sind dunkelbraun (Humbrol 98 ). Die Barkhölzer sowie die Geschützrohre, Rahe, Marsen, Sailinge und die Mast- und Stengentoppen sind schwarz (Revell 8).

HMS Grasshopper

Der Größenvergleich mit Schiffen aus anderen Epochen macht den Reiz aus, Segelschiffe ebenfalls in 1:700 zu bauen. Ich habe an der Grasshopper mit größeren Unterbrechungen etwa fünf Monate gebaut. Eine Brigg-Sloop, wie die HMS Grasshopper von 1806, ist ein guter Einstieg für Eigenbauten von Segelkriegsschiffen, da der Rumpf und die Takelage noch relativ einfach sind, aber bereits die meisten Merkmale von komplexeren Schiffen vorhanden sind.

Lars Scharff,
www.modellmarine.de

Publiziert am 24. Oktober 2006

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