Daisy CutterGBU-43/B MOABvon Frank Barkhofen (1:48 Eduard)
Vor vielen Jahren habe ich mein erstes Diorama gebaut, aber lange nicht auf Ausstellungen gezeigt oder auch hier auf Modellversium beschrieben. Das hatte seinen - eher ärgerlichen - Grund....
Der HintergrundVon Eduard hatte ich einige Modelle ihrer bekannten "Stripdown"-Serie gebaut und die Ätzteile dabei verlötet. Seitdem bin ich immer wieder von umfangreichen Ätzteilsätzen fasziniert, auch wenn ich weiß, dass es nicht immer die ideale Lösung zur Darstellung von Details ist und manche Modellbauer diese nicht mögen.
Der BausatzIm Jahre 2017 erschien in Eduards Zubehörreihe unter der Nummer 648348 die GBU-43/B. Neben einigen Resin-Teilen, unter anderem für den Körper und die Leitwerke, besteht der Bausatz hauptsächlich aus fünf wirklich großen Ätzteilplatinen. Ein Review dazu gibt es hier auf Modellversium. Diese faszinierten mich so (zumal auch kein weiterer Stripdown-Bausatz angekündigt war), dass ich den Bausatz in 1:48 bestellte. Es gab ihn übrigens auch in 1:72. Ich hatte damals keine Idee, was daraus werden sollte, denn für ein Trägerflugzeug in 1:48 fehlt mir der Platz. Eduard hat dazu ein nettes Montagevideo veröffentlicht, aber so schnell wie im Video war ich dann doch nicht.
Das OriginalDie GBU-43/B, oder auch Massive Ordnance Air Blast (MOAB), ist die sprengkraftstärkste konventionelle Fliegerbombe der US-Streitkräfte, wurde ab 2002 entwickelt und wiegt fast 10 Tonnen. Sie wurde bisher einmal in Afghanistan eingesetzt und dabei von einer C-130 abgeworfen; mehr weiß Wikipedia. Für den Einsatz gegen Bunker wurde sie von der GBU-57 abgelöst, die schwerer ist, aber weniger Sprengstoff enthält.
Der BauIch weiß es noch wie heute: als ich in einer Nacht nicht schlafen konnte, weil Nachbarn bis weit in den Morgen die Geburt ihres ersten Kindes feierten, heizte ich den Lötkolben an und widmete mich dem Gestell.
Das gelötete Gestell
Auf der Suche nach Referenzfotos bin ich natürlich auch über das Exemplar im Air Force Armament Museum in Eglin, Florida gestolpert und nach dem Hochladen der ersten Fotos meines Gestells in einem Forum kam eins zum anderen. Viele Anregungen von Modellbaukollegen führten schließlich zu einem kleinen Diorama, so wie das Teil im Museum dargestellt ist beziehungsweise war. Über die Jahre hat sich die Ausstellung geändert, Halle und Schriftzug wurden neu lackiert, die MOAB gedreht und aktuell fehlt die Plattform darunter - man hat wohl eine in Afghanistan verloren. Das Original ist so groß, dass man es vor der Halle des Museums problemlos im Google Maps Satellitenbild erkennen kann.
Verstärkungsprofile auf der Unterseite der Plattform Details im DioramaDas Wandprofil fand ich im Architekturmodellbau, die Buchstaben habe ich aus einer Polystyrolplatte gesägt und vorsichtig mit einem scharfen Skalpell geschnitzt. Die Bodenplatte besteht aus Pappe und Sandpapier, den Rasen hat mir ein Kollege mit einem elektrostatischen Rasenpflanzer begrünt. Für die Museumstafel habe ich ein Foto des Walkarounds beschnitten, entzerrt und auf klare Decalfolie gedruckt. Den Ständer dazu habe ich aus Messing gelötet und nach der Lackierung die Tafel mit Bare Metal Foil als Basis für das Decal bezogen. Scheinbar kann ich kein Modell ohne eine Verspannung bauen, daher habe ich die weißen Sicherungsgurte (aus Sitzgurtresten von HGW Models) mit scratch gebauten Spannern eingebaut.
Wandprofil mit verschlossenen Seiten. Die FigurDie Kollegen waren der Ansicht, dass unbedingt eine Figur als Größenvergleich dazu gehört, zum Beispiel Besucher. Dann fand noch jemand diese Figur mit dem Rasentrimmer in 1:48, die mir sofort gefallen hat. So musste ich mich dann auch noch auf die Figurenmalerei einlassen - eine weitere Premiere!
Auch der Name des Diorama "Daisy cutter" - Gänseblümchenschneider - entstand in der Diskussion. So werden die langen Stabzünder genannt, die eine Explosion über dem Boden auslösen. Dieser Sarkasmus des Slangs wird durch den menschlichen "Gänseblümchenschneider" im Kontrast dargestellt.
Der Beinahe-UnfallDer Körper oben drauf ist aus Vollresin gegossen (in mehreren Segmenten) und daher sehr schwer. Auf der Rückfahrt von einer der wenigen Ausstellungen, auf denen ich das Modell gezeigt hatte, musste mein Fahrer eine Notbremsung hinlegen. Uns ist nichts passiert, aber leider hat sich dadurch der schwere Körper losgerissen, ist geknickt und seine seitlichen geätzten Schienen sind verbogen. Das gelötete Gestell hat es zum Glück überlebt. Seitdem stand das Diorama defekt ganz unten in meiner Vitrine.
RestaurationLetzten Herbst entschied ich, mich endlich darum zu kümmern. Ich kontaktierte Eduard, schilderte die Situation und konnte die nötigen Ersatzteile und die Decals zu einem sehr fairen Preis bekommen, obwohl der Bausatz nicht mehr verfügbar ist. Um das Transportrisiko zu minimieren, habe ich den Körper vorsichtig ausgebohrt und so das Gewicht auf fast die Hälfte reduzieren können. Entlackt und mit neuen Ätzteilen versehen, konnte ich es neu lackieren und wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen.
Das FazitAuf Anregung habe ich dem Museum damals auch eine Nachricht zukommen lassen und habe begeistertes Feedback bekommen. Mein Modell war danach auch auf der Facebook-Seite des Museums verlinkt. Auch die Arbeit der Restauration hat sich gelohnt, denn das Modell konnte auf der diesjährigen EME eine Silbermedaille erreichen.
Frank Barkhofen Publiziert am 27. Juni 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |