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Shenyang J-8I

Umbau auf Basis einer J-8F von Trumpeter

von Philipp Davidovich Zain (1:48 verschiedene Hersteller)

Shenyang J-8I

Vorwort

Die Shenyang J-8I gehört zu den eher unbekannten Kapiteln der chinesischen Luftfahrtgeschichte. Obwohl dieses zweistrahlige Abfangjagdflugzeug über viele Jahre bei den chinesischen Luftstreitkräften im Einsatz stand, ist es außerhalb Chinas kaum bekannt und wird selbst in der Modellbauszene praktisch nie thematisiert. Im Schatten modernerer Varianten der J-8 mit seitlichen Lufteinlässen gerieten die frühen J-8-Versionen mit Kegelnase zunehmend in Vergessenheit.

Shenyang J-8I

Umso erstaunlicher ist es, dass es bis heute keinen einzigen Modellbausatz gibt, der die J-8I direkt darstellt. Wer dieses Flugzeug bauen möchte, ist daher gezwungen, auf selbst angefertigte Umbauten zurückzugreifen. Auch für mein Projekt gab es keine passende Grundlage. Deshalb habe ich den 1/48-Bausatz der J-8F von Trumpeter als Ausgangspunkt verwendet und daraus durch umfangreiche Änderungen am vorderen Rumpf eine J-8I konvertiert. 

Der Trumpeter-Kit stellt eine deutlich modernere Version des Flugzeugs dar und unterscheidet sich massiv von der frühen Variante. Ziel dieses Projekts war es daher, ausgehend von diesem Bausatz die charakteristischen Merkmale der ursprünglichen J-8I möglichst korrekt nachzubilden. Gleichzeitig ist dieses Modell auch ein Versuch, einem weitgehend vergessenen und kaum dargestellten chinesischen Kampfflugzeug im Maßstab 1/48 ein kleines Denkmal zu setzen.

Shenyang J-8I

Über das Flugzeug

Die Shenyang J-8I ist ein chinesisches zweistrahliges Abfangjagdflugzeug, das in den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelt wurde. Ziel des Programms war es, der chinesischen Luftwaffe ein leistungsfähiges Überschallflugzeug zur Luftraumverteidigung in großen Höhen zur Verfügung zu stellen. Die Maschine entstand in einer Zeit, in der China versuchte, eine eigenständige Luftfahrtindustrie aufzubauen und gleichzeitig den technologischen Rückstand gegenüber anderen Großmächten zu verringern.

Der Erstflug der J-8I fand 1969 statt. Die Einführung in den Dienst erfolgte jedoch erst 1980, nachdem eine lange Phase der Entwicklung und Flugerprobung abgeschlossen worden war. Verzögerungen entstanden unter anderem durch technische Schwierigkeiten und politische Umbrüche innerhalb des Landes. Insgesamt wurde das Flugzeug nur in relativ kleiner Stückzahl produziert.

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Konstruktiv ist die J-8I als klassischer Abfangjäger ausgelegt. Sie besitzt einen schlanken Rumpf mit einem zentralen Lufteinlauf in der Bugsektion, der einen beweglichen Einlaufkonus zur Regulierung der Luftströmung bei hohen Geschwindigkeiten enthält. Die Tragflächen sind stark gepfeilt und mittig am Rumpf angebracht, was gute Leistungen im Überschallbereich ermöglicht. Am Heck befinden sich ein großes Seitenleitwerk sowie ein vollbewegliches Höhenleitwerk. Unter dem hinteren Rumpf sind zusätzlich kleine ventrale Stabilitätsflossen angebracht.

Shenyang J-8I

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Das einteilige Cockpit öffnet sich bei frühen Maschinen – ähnlich wie bei der MiG-21F-13 beziehungsweise der Chengdu J-7A – nach vorne. Bei späteren Maschinen wurde hingegen ein zweiteiliges Cockpit eingebaut, das eher der Konstruktion der J-7II entspricht.

Angetrieben wird die J-8I von zwei Turbostrahltriebwerken mit Nachbrennern des Typs WP-7A. Diese ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von etwa Mach 2 sowie gute Steigleistungen, die für den Einsatz als Abfangjäger entscheidend sind. Die Maschine wurde für Einsätze in großen Höhen konzipiert und kann Ziele in über 20.000 Metern Höhe erreichen.

Die Bewaffnung der J-8I besteht aus zwei 30-mm-Bordkanonen im vorderen Rumpfbereich. Zusätzlich kann das Flugzeug Luft-Luft-Lenkwaffen kurzer Reichweite an mehreren Außenlaststationen unter den Tragflächen und dem Rumpf mitführen. Ergänzend lassen sich auch ungelenkte Raketen oder Bomben einsetzen, wodurch begrenzte Angriffsmissionen möglich sind.

Da kein leistungsfähiges Bordradar integriert war, verfügte die J-8I hauptsächlich über optische Zielsysteme und einen Radarentfernungsmesser. Dadurch war sie vor allem für Einsätze bei guten Sichtbedingungen geeignet. Trotz dieser Einschränkungen stellte die J-8I einen wichtigen Meilenstein für die chinesische Luftfahrtindustrie dar und markierte den Übergang zu komplexeren eigenen Kampfflugzeugentwicklungen.

Vorbereitungen für den Umbau

Noch bevor ich mit dem Umbau beginnen konnte, verbrachte ich viele Stunden damit, halbwegs brauchbare Zeichnungen zu finden – was alles andere als einfach war. Je länger ich suchte, desto mehr verstand ich, warum es bis heute noch keinen Bausatz der J-8I gibt. Ich durchstöberte Bücher und grub mich tief in chinesische Webseiten.

Nach langer Suche wurde ich schließlich fündig und digitalisierte unter anderem Zeichnungen aus den Büchern „Dragon´s Wings“ von Andreas Rupprecht sowie „Chinese Aircraft – China´s Aviation Industry since 1951“ von Yefim Gordon.

Shenyang J-8I

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Nachdem die Zeichnungen vorbereitet waren, suchte ich zusätzlich nach Detailaufnahmen, was wiederum einige Zeit in Anspruch nahm. Letztendlich fand ich eine Art Reisebericht eines russischen Touristen, der mehrere Detailfotos der im Museum der chinesischen Luftstreitkräfte in Peking ausgestellten Maschine gemacht hatte.

Nach stundenlanger Recherche begann schließlich der eigentliche Umbau. Zunächst suchte ich eine geeignete Stelle, an der ich den Rumpf des J-8F-Bausatzes von Trumpeter teilen konnte, um einen Querschnitt zu erhalten, auf dessen Basis der vordere Rumpf neu gestaltet werden sollte. Nachdem ich eine passende Position gefunden hatte, trennte ich die Rumpfteile und klebte die verbliebenen hinteren Rumpfsegmente mit Klebestreifen zusammen, um den Querschnitt abzuzeichnen. Diesen scannte ich anschließend ein und fügte ihn in die Konstruktionszeichnung ein.

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Auf Grundlage dieser Zeichnung begann ich mit der Gestaltung der vorderen Rumpfsektion der J-8I sowie der hinteren Stabilisatoren im CAD-Programm „Blender“. Parallel dazu baute ich das Cockpit und den vorderen Fahrwerksschacht zusammen, um die fertigen Elemente auszumessen und in das 3D-Modell einfließen zu lassen.

Darüber hinaus nahm ich die Cockpithaube aus einem MiG-21PF-Bausatz von Eduard als Referenz, die mir noch aus einem früheren Projekt übrig geblieben war. Die übrigen Teile des J-8F-Bausatzes hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits vorbereitet.

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Während der Modellierung der Frontsektion musste ich an einigen Stellen improvisieren, da leider nicht genügend Zeichnungen und Referenzaufnahmen verfügbar waren. Daher orientieren sich die Kegelnase und Teile der inneren Struktur teilweise an der MiG-21MF.

Leider war das Notebook, auf dem ich die J-8I konstruiert habe, nicht besonders leistungsstark. Aus diesem Grund musste ich mich bei der Detaillierung auf die wesentlichen Elemente beschränken.

Nach mehreren Stunden exportierte ich schließlich das 3D-Modell, um es zu skalieren und für den 3D-Druck vorzubereiten. Bevor das endgültige Modell gedruckt wurde, fertigte ich einige Probedrucke an, um mögliche Fehler beim Modellieren zu erkennen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Besonders der Übergang zum vorhandenen J-8F-Rumpf sowie die Passgenauigkeit mit Cockpit und Fahrwerksschacht erforderten dabei kleinere Korrekturen.

Der Umbau

Nachdem diese Bereiche überarbeitet worden waren, begann ich damit, die neuen Einzelteile endgültig auszudrucken und zusammenzusetzen. Die Komponenten ließen sich insgesamt gut montieren, und sowohl das Cockpit als auch der Fahrwerksschacht passten problemlos in die neue Rumpfsektion. Einige Stellen – etwa die Nahtbereiche – mussten jedoch gespachtelt und nachbearbeitet werden.

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Shenyang J-8I

 

Anschließend stellte ich das Cockpit fertig, das ähnlich wie bei der MiG-21F-13 oder der MiG­21PF über ein zusätzliches großes Visier verfügt. Dieses druckte ich ebenfalls aus; für das „Glas“ verwendete ich dünnen Kunststoff aus einer Erdbeerschale.

Nachdem das Cockpitinterieur fertiggestellt war, setzte ich die Cockpithaube aus dem Eduard-MiG-21PF-Bausatz ein. Auch hier waren kleinere Anpassungen erforderlich.

Mit der fertigen Frontsektion kam schließlich der Moment der Verbindung mit den vorhandenen J-8F-Bauteilen. Auch dieser Schritt verlief weitgehend problemlos, sodass nur wenige Nacharbeiten notwendig waren.

Damit war der Umbau abgeschlossen.

Shenyang J-8I

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Bemalung

Die J-8I habe ich im für die damalige Zeit typischen Farbschema der PLAAF gestaltet: ein komplett weißer Anstrich mit grünen Details an Kegelnase, Felgen und Sensoren.

Die Stencils auf dem Rumpf orientieren sich grob an deren Position auf der J-8F. Für die Tragflächen verwendete ich Stencils, die ich noch von einem J-7-Bausatz übrig hatte, und positionierte sie auf Grundlage der Anordnung beim MiG-21PF-Bausatz von Eduard. Leider sind beim Trumpeter-Bausatz keine Stencils für die Tragflächen vorgesehen.

Die übrigen Decals – darunter Hoheitszeichen und Kennnummern – stammen ebenfalls aus dem J-7-Bausatz.

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Zuladung

Unter den Tragflächen habe ich jeweils einen externen 480-Liter-Zusatztank sowie eine R-3S-Luft-Luft-Rakete angebracht. An der Centerline befindet sich ein zusätzlicher 490-Liter-Zusatztank, der identisch mit dem der MiG-21 ist. Dieser stammt ebenfalls aus dem bereits erwähnten J-7-Bausatz.

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Zusammenfassung

Es war eine große Freude, dieses vergessene Stück chinesischer Luftfahrtgeschichte im Modell umzusetzen. Natürlich ist das Ergebnis nicht perfekt – insbesondere fehlen an einigen der neu konstruierten Teile feinere Details. Dennoch bin ich persönlich sehr zufrieden mit dem Resultat.

Shenyang J-8I

In Zukunft plane ich außerdem, die weiterentwickelte J-8A mit dem zweiteiligen Cockpit und anderen Bordkanonen umzusetzen. Zunächst werde ich mich jedoch noch einigen anderen Flugzeugtypen widmen.

Fotos meiner Modelle poste ich regelmäßig auf Instagram: https://www.instagram.com/alles_strahlt_keiner_lacht

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

Philipp Davidovich Zain

Publiziert am 26. März 2026

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