|
Du bist hier: Home > Galerie > Flugzeuge Militär WK2 > Australischer Beau: Bristol Beaufighter Mk.21(DAP)
Australischer Beau: Bristol Beaufighter Mk.21(DAP)von Matthias Reinshagen (1:72 FROG)
Woran liegt die Faszination von Dingen aus der Vergangenheit? Vielleicht daran, dass sie uns an einer Zeit teilhaben lassen, zu der uns der Zugang verwehrt ist? Modellbau ist auch so eine Zeitreise. Oft stammt das Vorbild aus einer längst vergangenen Epoche. Und der Kit, der es nachbilden soll, ist ebenso angejahrt. So auch beim Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg, das Vorbild war für einen Bausatz vom Anfang der Siebzigerjahre: Auf den Tisch kam wieder ein antiquarischer Kit, der Bristol Beaufighter des Herstellers Frog. Dieser hatte gleich zwei Varianten des «Beau» im Programm. Zuerst kam 1969 der Bausatz mit der Nummer auf den Markt, aus dem drei Varianten realisiert werden konnten (Mk.1, Mk.6C und Mk.10). 1971 kam der Kit des Mk.21 hinzu (F 291), mit entsprechenden geänderten Bauteilen und Decals auf diese Version abgestimmt.
Zuerst ein paar Worte zum Vorbild. Die DAP-Beaufighter (Das Kürzel steht für die Fertigungsstätte Department of Aircraft Production in Fisherman´s Bend, Melbourne) war eine australische Lizenzversion des Bristol Beaufighter. Bereits 1942 hatte die Royal Australian Air Force mit dem Einsatz britischer Beaufighter gegen japanische Streitkräfte in Neuguinea begonnen. Die verbesserte Version Mk.21 aus heimischer Produktion ähnelte dem britischen Beaufighter TFX/Mk 10. Das optisch markanteste Merkmal war die Verwendung eines Sperry-Autopiloten, der die Form der Nase veränderte. Insgesamt wurden 364 solcher Maschinen gebaut.
Der Erstflug fand im Mai 1944 statt. Die Mk.21-Maschinen wurden an fünf RAAF-Staffeln in Neuguinea, den Celebes und den Philippinen geliefert und von der Royal Australian Air Force gegen japanische Streitkräfte im Pazifikkrieg geflogen. Dort hatte man, um Verwechslungen mit dem japanischen Hinomaru zu vermeiden, den roten Mittelpunkt der Kokarde weggelassen. Nach dem Krieg wurde diese runde rote Fläche in der Mitte durch ein rotes Känguruh ersetzt. Die Beaufighter erwiesen sich dabei als robuste Gesellen und sehr effektiv gegen Land- und Seeziele. Nach dem Krieg wurden sie hauptsächlich als Zielschlepper eingesetzt und mehrere von ihnen blieben sogar bis 1957 bei der RAAF im Einsatz. *)
Der Bau des Kits ging gut von der Hand. Die Konturen sind grösstenteils erhaben – das machte man damals halt so. Hier und da müssen Auswerfmarkierungen und Sinkstellen beseitigt werden. Die Passgenauigkeit der beiden Rumpfhälften bekommen auch heutige Hersteller nicht besser hin, wohl aber die Spaltmasse an den Verbindungsstellen von Tragflächen bzw. Höhenrudern und dem Rumpf. Die Spachteltube sollte also vor Beginn der Arbeit gut gefüllt sein. Nacharbeit war ansonsten wenig nötig. Das gähnend leere Cockpit wurde mit ein paar Streifen Plasticsheet ausgeschmückt, die zu kleinen Sitze durch grössere Eigenbauten mit Gurten ersetzt. Der Torpedo wurde vorbildgetreu mit einer Steuerfläche am hinteren Ende komplettiert. Alternativ zum Torpedo könnte man auch Abschusshalterungen für je 4 Raketen unten an die Tragflächen montieren, die Teile dafür liegen bei. Jedoch gab es beim Vorbild nicht beide Bewaffnungen zugleich an einer Maschine. Verdruss bereitete das Fahrwerk. Die entsprechenden Teile sind filigran, das Plastikmaterial ist ziemlich spröde. Vorsorglich habe ich die hinteren Streben (4 x Teil 13) formgleich aus Messingdraht nachgebaut. Das fällt nicht auf und erhöht die Stabilität ungemein. Unsanftes Aufsetzen soll ja auch bei Modellen durchaus mal vorkommen…
Die Klarsichtteile sind für das Alter noch akzeptabel. Die Räder am Fahrwerk wurden unten abgeschliffen. Das sorgt mit wenig Aufwand für einen realistischen Look. Lackiert wurde komplett mit dem Pinsel und Revell Aqua-Color. Praktischerweise geht es ohne Misch-Aktionen. Denn der blaue Würfel mit der Farbnummer 321-39 trifft die Lackierung des Originals (FS 34092) verblüffend genau, wie das Studium von Vorbildfotos ergab. Zu lesen war, dass die Maschinen in Fernost wegen der sonnig-salzigen Umgebungseinflüsse optisch rasch alterten und ausgebleichte Panels nachlackiert wurden. Manche Piloten der 93. Squadron sollen sogar die Oberfläche ihrer Maschinen poliert haben, um durch eine glattere Aussenhaut höhere Geschwindigkeiten zu erreichen…
Es gibt also genug Möglichkeiten des individuellen Weatherings von fabrikneu bis verschlissen. Ich habe es bei einem eher dezenten Washing belassen. Als Vintage-Fan lege ich Wert darauf, auch bei den Decals die «Originalsubstanz» zu erhalten und - wo immer möglich - die Originale aus dem Karton zu verwenden. Darum bekamen die Decals nach einem sechswöchigen «Sonnenbad» eine Behandlung mit Klarlack. Danach liessen sich die mehr als ein halbes Jahrhundert (!) alten Markierungen problemlos aufbringen, fast ohne Silvering und Risse.
Das Fazit:Der alte Frog-«Beau» ist ein weitgehend problemloser Kit, der auch Anfängern empfohlen sei und mit Fleiss und ein bisschen Scratchbuilt ein vorzeigbares Modell ergibt. Die wenigen Problemzonen sind gut zu meistern. Sollte es mit den Decals nicht klappen: Der sehr gute Xtradecal-Bogen 48188 hält Ersatz auch die Beschriftungen der Mk.21-Version bereit. Und aus dem Sortiment von Aftermarket-Teilen lässt sich der Kit-Oldtimer auf ein zeitgemässes Level aufrüsten, wenn mehr Details gewünscht werden. *) Quellen: https://thelittleaviationmuseum.au/planes/dap-beaufighter-mk-21/ und https://www.historyofwar.org/articles/weapons_beaufighter_variants.html
Matthias Reinshagen Publiziert am 11. Mai 2026 Du bist hier: Home > Galerie > Flugzeuge Militär WK2 > Australischer Beau: Bristol Beaufighter Mk.21(DAP) © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |