Aero B.534von Max Lorenz (1:72 Mastercraft)Das OriginalDie B.534 wurde von Aero in der Tschechoslowakei aus dem Vorgänger B.34 entwickelt, flog 1933 zum ersten Mal und wurde 2 Jahre später im Produktionsland in Dienst gestellt. Der wendige, zuverlässige und gut zu fliegende Doppeldecker konnte auch von einfachen Feldflugplätzen aus operieren und wurde in 4 verschiedenen Serien gebaut. So entstanden über 550 Exemplare. Neben der Rolle als Jagdflugzeug war die B.534 zudem in der Lage, sechs 20kg-Bomben unter den Flügeln aufzunehmen und konnte so auch als Erdkampfflugzeug eingesetzt werden. Die 4 Serien unterscheiden sich hauptsächlich an den unterschiedlichen Luftschrauben, der Vergaserposition, den verkleideten Rädern und an einem geschlossenen bzw. offenen Cockpit. Allerdings gab es serienübergreifend mal verkleidete und unverkleidete Räder oder auch mal eine Cockpithaube bzw. nur eine Windschutzscheibe. Ein bestimmtes Flugzeug lässt sich so also nicht immer auf den ersten Blick einer Serie zuordnen.
Durch die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Deutschen im Jahr 1939 gelangten auch einige B.534 in die Bestände der Luftwaffe, wo sie bei Jagdgeschwadern als Trainings- und Schleppflugzeug eingesetzt wurden. Ab Mitte 1939 wurden sie aber auch für kurze Zeit ab Friedrichshafen als Nachtjäger eingesetzt, bis die Einheit Anfang 1940 auf Bf 109 umrüstete. Die von mit gebaute B.534 flog laut Bauanleitung bei der 3. Staffel der JG.71 in Eutingen bei Stuttgart. Die B.534 als ModellEs war im Jahr 1971, als bei KP die B.534 zum ersten Mal als 72er Bausatz abgeformt wurde. Diese Bausatzform hatte die nächsten Jahrzehnte sozusagen die Monopolstellung dieses Flugzeugs, denn erst Anfang der 2000er gab es von HR Model einen neuen Bausatz, allerdings als Resinkit. Bis dahin erschien der Bausatz neben KP immer mal bei kleineren Produzenten. Erst ab 2009 rückte der Typ wieder in das Interesse der Hersteller. RS Models aus Tschechien begann in den nächsten 2 Jahren mehrere Versionen als Short-Run-Bausatz zu veröffentlichen. Auch die KP-Form wurde von Kopro in Zusammenarbeit mit Mastercraft wieder aus den Regalen geholt. HR Models sprang auch wieder auf den Zug auf, diesmal aber mit einem Spritzgussbausatz in vielen verschiedenen Versionen. Als letztes zog Eduard 2014 nach und lieferte den wohl am Besten umgesetzten Kit, welcher in den nächsten 4 Jahren in verschiedensten Varianten verkauft wurde. Seit 2018 ist es jetzt aber wieder still um die B.534 geworden. Der BausatzZum ersten Mal hielt ich vor ca. 8 Jahren die B.534 als 3. Auflage von KP aus den 80ern in den Händen. Zuvor hatte ich noch nie etwas von diesem Typen gehört, fand aber das Deckelbild sehr interessant: Ein Doppeldecker mit einem geschlossenen Cockpit. Für mich eine tolle Kombination aus alt und „neu“. Als ich in den Bausatz hinein schaute, sah ich viele sehr sauber ausgeführte erhabene Strukturen und Nieten. Irgendwie faszinierte mich das Flugzeug und der Bausatz zugleich, wollte ihn aber erstmal nicht bauen, auch da die Decals in keinem guten Zustand waren: Vergilbt, so wie es heute häufig bei alten KP-Bausätzen zu sehen ist. Also legte ich ihn erstmal zu den anderen historischen Bausätzen in den Schrank.
Ende letzten Jahres habe ich dann beim großen Onlineauktionshaus gleich 2 Neuauflagen von Kopro/Mastercraft entdeckt. Da diese nun auch eine deutsche Tarnung hatten, war mein Interesse nun wieder umso stärker erweckt und konnte nur zuschlagen. Mir war natürlich bewusst, dass es sich um die alten KP-Formen handelte, aber für 2,50€ für 2 Bausätze muss man da nicht lange überlegen. Die Gravuren waren wie schon bekannt sehr sauber und erhaben ausgeführt. Allerdings habe ich bisher kaum so viel Gussgrat (besonders bei den Rumpfhälften) und Formversatz (Trag- und Steuerflächen) an den Teilen gesehen wie hier! Zudem fiel mir auf, dass das verwendete Plastik sehr weich ist. Das alles war auch bei dem anderen mir vorliegenden Bausätzen der Fall. Der Kit besteht insgesamt aus 41 Bauteilen + dem zweiteiligen Ständer. Die Abziehbilder erlauben den Bau von zwei slowakischen, einer tschechoslowakischen und einer deutschen Maschine. Mir war aufgefallen, dass in den beiden Schachteln jeweils zwei leicht unterschiedliche Decalbögen (von 2009 und 2010) enthalten waren. Z.B. waren die Hoheitsabzeichen in Form, Farbe und Größe unterschiedlich. Bei der von mir gebauten deutschen B.534 waren die Balkenkreuze mal mit dicken, mal mit schmalen äußeren schwarzen Rand und unterschiedlich scharf gedruckt, auch die Zeichnung des fliegenden Teufels war einmal etwas detailärmer und ohne Dreizack abgedruckt. Die Nummer am Rumpf war auch unterschiedlich: entweder die gelbe 6 oder die weiße 11. Der BauUm Spaß an diesem Bausatz zu haben, muss man natürlich realistisch bleiben. Erst recht, wenn man die oben beschriebenen Gussrahmen betrachtet. Aber zumindest der erfahrene Modellbauer weiß, worauf er sich einlässt und würde zum Eduard-Kit greifen, wenn er einen problemlosen Bau und ein hoch detailliertes Modell am Ende haben möchte. Wer diesen Bausatz hier baut, möchte einfach nur alles zusammen bekommen und investiert so gut wie keine Arbeit ins Nachdetailieren, denn das wäre hier soetwas wie ein Fass ohne Boden. So sehe ich das zumindest... Schon im Cockpit merkt man das schnell, denn dieses besteht nur aus Pilot und Sitz. Letzteren kann man aber auch nirgends richtig anbringen, also habe ich mir aus einem Stück Gussast selber eine Art Stange gebastelt, so wie man sie aus frühen Airfix oder FROG-Bausätzen kennt. Zuvor musste man aber erst ca. 50% der eigentlichen Öffnung vom Cockpit von Gussgrat befreien. Auch die Aussparung für das rechte Höhenleitwerk war komplett mit Gussgrat verschlossen. Dafür haben die unteren Tragflächen sehr gut an den Rumpf gepasst.
Eine größere Herausforderung stellten dafür die 4 vertikalen Streben zwischen oberer und unterer Tragfläche bzw. Rumpf dar. Klebt man diese zunächst am Rumpf und am unteren Flügel an, sollten diese für die Verbindung am oberen Flügel auch in einer Linie stehen. Das tun sie aber nicht und passen so auch nicht in die dafür vorgesehenen Löcher bzw. Passhilfen. Also müssen diese teilweise wieder vom unteren Flügel entfernt werden, und entweder etwas auf- oder zusammengebogen werden. Entsprechende Löcher und Passstifte müssen zugespachtelt bzw. entfernt werden. Bei der Montage der Räder muss man sich entscheiden, ob man die verkleidete oder unverkleidete Variante nimmt. Da es wenige bis keine Bilder von deutschen Flugzeugen bzw. der Originalmaschine gibt, ist das auch nicht so einfach. Entschieden hab ich mich für die unverkleidete Variante. Daraus ergab sich aber, dass sehr viel ungünstig in einer Vertiefung gelegener Gussgrat entfernt werden muss, was daher garnicht so einfach war. Für jedes Rad war so schon 10 Minuten an Aufwand erforderlich.
Auch für die Cockpitverglasung waren weit mehr als 15 Minuten nötig, um sie passend zu machen und anschließend zu verspachteln. Als letzter Schritt vor dem Lackieren wurde Propeller und Spinner angebaut. Letzterer ist vom Umfang her allerdings etwas zu groß und schließt nicht ganz bündig am Rumpf ab. Insgesamt kann man zum Zusammenbau sagen, dass die Passgenauigkeit in etwa der von frühen Short-Run Kits entspricht, es also viel Spachtelaufwand gibt und viel Improvisationstalent vom Erbauer gefordert ist. Lackierung, Decals und VerspannungLackiert wurde mit Revellfarben Olivgrün 361 und grau 374. Einiges an Recherche erforderte die Farbgebung der unteren Seite der oberen Tragfläche, allerdings ohne klares Ergebnis: Mal ist diese bei deutschen Flugzeugen grün, mal grau dargestellt. Um es für mich einfacher beim Abkleben zu gestalten, entschied ich mich für grün. Nach einem Überzug mit glänzendem Klarlack waren die Abziehbilder an der Reihe. Diese waren insgesamt eher spröde und mussten vorher mit Liquid Decal Film überzogen werden um dem Reißen etwas vorzubeugen. Zudem klebten sie sehr schnell an. Also eine Kombination, welche viel Vorsicht und Wasser erfordert. Zum Glück waren es aber auch nur ganze 15 Decals, so dass alles schnell abgeschlossen war. Nur reagierte der Super Strong Weichmacher von Tamiya mit dem zusätzlichen Decalfilm, was das rechte Balkenkreuz am Flügel etwas verschandelte.
Einiges an Zeit und Geschick erforderte dann nochmal die umfangreiche Verspannung der Tragflächen, welche mit gezogenen Gussästen erfolgte. Das war auch die einzige Ergänzung, welche ich vorgenommen habe, ansonsten wurde der Bausatz aus der Schachtel gebaut. Das wertet das fertige Modell sehr auf und ist mit etwas Zeitaufwand einfach umzusetzen, weshalb ich nicht darauf verzichten wollte. Ohne die Verspannung fehlt einfach etwas. Zum Schluss wurde alles mit matten Klarlack versiegelt und nach ziemlich genau 11h Gesamtbauzeit stand die deutsche B.534 in der Vitrine. FazitWer einen zeitgemäßen Bausatz bauen möchte, sucht sich etwas anderes als den alten KP-Bausatz. Alle anderen wissen wahrscheinlich worauf sie sich einlassen und wollen genau wie ich diese Modellbauerfahrung haben. Nur für blutige Anfänger, welche sich nicht mit dem Kit vorher beschäftigt haben, wird es wohl zu einer Katastrophe werden. Gerade die Wiederauflagen haben es wegen dem vielen Gussgrat, Formversatz und dem sehr weichen Material in sich und sind nicht für jeden etwas. Eventuell wäre hier auch eine Alternative, sich ältere KP-Auflagen (welche auch schon ab ca. 5€ zu bekommen sind) zu besorgen und sich neue Decals zu organisieren. Max Lorenz Publiziert am 29. August 2025 © 2001-2025 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |