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DHC-2/ L-20 Beaver

von Roland Sachsenhofer (1:48 Dora Wings)

Die Entstehung der DHC-2 Beaver darf als Musterbeispiel für die schöne Vorstellung gelten, dass ein Hersteller ein Produkt exakt nach den Wünschen seiner zukünftigen Nutzer entwickelt. Wie das?

Als de Havilland Canada 1946 beschloss, nach den Jahren militärischer Produktion ein rein ziviles Nutzflugzeug zu bauen, wandte sich das Unternehmen direkt an eine Gruppe von Fliegern, die Experten in einer ganz speziellen und noch dazu typisch kanadischen Spielart des Fliegens waren: Buschpiloten!

DHC-2/ L-20 Beaver

Die Entstehung der DHC-2 Beaver

Anstatt also am Reißbrett zu vermuten, was gebraucht wird, starteten Verkaufsdirektor Punch Dickins und sein Ingenieurteam eine weltweite Befragung unter rund 80 Buschfliegern. Diese Piloten flogen damals oft alternde Maschinen aus den 1930er Jahren und forderten ein "fliegendes Packpferd". Nach Durchsicht ihrer Rückmeldungen ließen sich die Kernforderungen wie folgt zusammenfassen:

1. Das Flugzeug musste vollbeladen von winzigen Waldseen oder extrem kurzen, unpräparierten Schlammpisten abheben können.

2. Eine reine Ganzmetallkonstruktion war Pflicht. Holz- und Stoffbespannungen vermoderten in der arktischen Wildnis zu schnell.

3. Die Türen mussten so groß sein, dass man ein standardmäßiges 200-Liter-Benzinfass quer hineinrollen konnte.

4. Ein schneller Wechsel zwischen Rädern, Skiern und Schwimmern musste problemlos möglich sein.

Ist es nicht so, dass, wenn man nur diese Forderungsliste liest, schon eine DHC-2 Beaver vor dem geistigen Auge erscheint?

DHC-2/ L-20 Beaver

Die eigentliche Konstruktion begann im Oktober 1946 unter der Leitung von DHC genialem Chefdesigners Fred Buller. Interessant ist dabei, dass der ursprüngliche Entwurf lose auf der Vorkriegsmaschine DH.80 Puss Moth zurückgriff und infolgedessen von einem hauseigenen, relativ schwachen 330 PS de Havilland Gipsy Queen-Motor angetrieben werden sollte. Schnell stellte sich heraus, dass dieser Motor für das neue robuste Ganzmetallflugzeug völlig unterdimensioniert sein würde. Nach einer Lösung musste nicht lange gesucht werden, sie lag durch die besonderen Zeitumstände ganz nahe. Nach dem Krieg gab es riesige und so auch günstig zu erwerbende Überschussbestände des legendären Pratt & Whitney R-985 Wasp Junior Sternmotors mit 450 PS. DHC schlug zu, passte den Rumpf an und gab der Beaver genau das, was Piloten bis heute an ihr lieben: massive Leistung!

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Am 16. August 1947 hob der Prototyp in Downsview, Ontario, erfolgreich zu seinem Erstflug ab – am Steuer saß das kanadische Fliegerass Russell Bannock.

Obwohl das Flugzeug ursprünglich für den kanadischen Markt und regionale Behörden wie das Forstministerium von Ontario gebaut wurde, erwies sich die Beaver als ein weltweiter Verkaufsschlager. Den finalen Ritterschlag erhielt die Konstruktion, als das US-Militär bei einem Vergleichswettbewerb die überragenden Qualitäten erkannte. Die USA bestellten unter der Bezeichnung L20/ U-6 fast 1.000 Stück– darunter auch jenes Exemplar mit der Nummer 51-6487, das später im Koreakrieg flog und hier im Modell zu sehen ist.

DHC-2/ L-20 Beaver

Die Original: L-20 Beaver, 51-6487

Operativ eingebunden war die Maschine mit der Kennung Command AF-1 meist in eine Headquarters Squadron, die direkt an der Operationsbasis in Seoul stationiert war. Sie diente dem Hauptquartier der Fifth Air Force als VIP-Transporter, Kurier- und Verbindungsflugzeug. So wurden mit ihr hochrangige Offiziere, wichtige Dokumente oder dringende Güter nah an die Frontlinien transportiert.

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Ein weiterer Aufgabenbereich kam hinzu: in Zeiten vor der sicheren digitalen Datenübertragung war das Flugzeug das schnellste Mittel, um hochsensible Befehle, Aufklärungsergebnisse wie Luftbildfotografien und Operationspläne direkt vom Hauptquartier zu den vorgeschobenen Gefechtsständen zu bringen. Die Beaver konnte dank ihrer STOL-Eigenschaften selbst auf provisorischen Pisten landen, die für Transportflugzeuge wie die C-47 unzugänglich waren.

DHC-2/ L-20 Beaver

Zu Bausatz und Bauprozess

Von der Vorbildmaschine existiert eine seltene Farbaufnahme, die sie in ihrem Naturmetall -Kleid auf einer Einsatzbasis in Seoul zeigt- so etwas ist für den Modellbauer natürlich immer ein Glücksfall! Wer weiß, vielleicht ist diese besondere Fotografie auch einer der Gründe für Dora Wings gewesen, diese Maschine als eine von drei Markierungsvarianten des 2024 neu erschienen Bausatzes der DHC-2 in die Schachtel zu legen.

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 Sicherlich spreche ich nicht nur für mich, wenn ich sage: ein zeitgemäßer neuer Bausatz zur DHC-2 Beaver war schon lange überfällig und wurde heiß erwartet! Noch dazu von diesem Hersteller: Dora Wings hat schon einige spektakulär schöne Bausätze geschaffen. Ich bekenne: beim Öffnen der Schachtel war ich regelrecht aufgeregt.

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 Die Aufregung ging bald in eine erste Freude über: eine mit zahlreichen Kunststoffteilen fast schon mehr als ausreichend gefüllte Box, dazu tadellos ausgeführte Decals von Decograph und ein vernünftig bestückter Ätzteilrahmen; dies wird noch durch einen Satz Masken für die Klarsichtteile ergänzt- kann man mehr verlangen?

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 Die Darstellung von Oberflächenstrukturen, Nieten und Panellinien hat mir ausgesprochen gut gefallen. Zufrieden war ich auch mit der Passgenauigkeit im Generellen- im Besonderen, etwa bei der Passung der Frachtraum- sowie der Cockpittüren zeigten sich jedoch Schwächen. Leider muss also gerade hier gespachtelt und verschliffen werden. Das ist schade, ist doch dabei nicht zu vermeiden, dass einige der angesprochenen schönen Strukturen zumindest in Mitleidenschaft gezogen werden.

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 Ansonsten kann ich bei diesem wirklich gut gemachten Bausatz neben sporadischen Pass-Problemen nur noch einen Makel nennen- so er denn überhaupt einer ist: Die Verantwortlichen bei Dora Wings hatten offensichtlich den Ehrgeiz, nicht nur eine detailreiche und gut ausgestattet Beaver zu bieten, sondern auch die Verwirklichung der großen Bandbreite an Versionen und Fahrwerkstypen aus einem Grundbausatz heraus zu ermöglichen. Das bringt ein gewisses Übermaß an Komplexität mit sich, das auch schon einmal (über)fordern kann. Wie sich das konkret im Zusammenspiel mit einer manchmal etwas rätselhaften Bauanleitung auswirken kann, habe ich bei einer zweiten, parallel gebauten und mit Schwimmer ausgestatten Beaver erfahren.

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 Alle, die darüber mehr erfahren wollen, darf ich auf den schon erschienen Artikel dieser „nassen“ Beaver auf Schwimmern verweisen. Ich selbst werde mich gerne noch einmal mit Dora Wings Beaver beschäftigen: ich freue mich schon auf eine dritte Runde, bei der DHCs Biber auf Schneekufen gestellt werden wird!

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 Wie immer bin ich für Anregungen und Fragen sehr dankbar und stehe gerne zur Verfügung! ro.sachsenhofer@gmx.at

 

Weitere Bilder

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DHC-2/ L-20 Beaver

 

Roland Sachsenhofer

Publiziert am 12. Oktober 2026

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