Bristol Beaufighter Mk.XNo 45 Squadron, Operation Firedog, Singapur 1948-1960 - "Beau" in Südostasienvon Matthias Reinshagen (1:72 Matchbox)
Es gehört zur Faszination von Modellbau, dass es nicht nur um Plastik, Farben und Kleber geht. Nimmt man das Hobby ernst, ist es ein Stück weit immer auch dreidimensionale Technik- und Militärgeschichte. Und beim Anspruch, das Modell möglichst originalgetreu zu gestalten, führen die Recherchen oft zu historischen Aspekten, die neues Wissen bringen. So auch beim Matchbox-Kit des Bristol Beaufighter Mk.X Weil keine Decals beilagen, kam Ersatz aus dem Lager. Unter den Optionen auf dem betreffenden Xtradecal-Bogen befanden sich auch zwei Varianten von Maschinen, die während der «Operation Firedog» eingesetzt wurden. Das machte mich neugierig. Mir war diese spezielle Episode der Nachkriegszeit bisher unbekannt. So gab der Kit Anlass zu näheren Nachforschungen. Diese waren so aufschlussreich, dass ich sie hier darstellen möchte.
Die erwähnte Op. Firedog war der militärische Beitrag der Royal Air Force zu einer Anti-Guerilla-Operation britischer Verbände mit Unterstützung von verbündeten Commonwealth-Kräften gegen kommunistische Aufständische in Malaysia, dem «Malaysischen Notstand» (1948-60) – eine Aktion, die im Zusammenhang mit der Großwetterlage zur Zeit des Kalten Krieges und der Dekolonialisierung in Südostasien steht. Während des Zweiten Weltkrieges war das heutige Malaysia durch Japan okkupiert worden. Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg endete deren Besetzung des Landes und die Briten wollten ihre vormalige Kontrolle über die Region zurückgewinnen. Ziel war die Wahrung ihrer traditionellen politischen und wirtschaftlichen Interessen, die schon lange Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg im Zuge des Aufbaus des British Empire begründet worden waren.
Auf der Gegenseite erstarkte die Bewegung für die Unabhängigkeit des Landes von der europäischen Kolonialmacht, militärisch getragen von kommunistischen Kräften (Malayan National Liberation Army/ MNLA), die in einem Guerillakrieg für die Unabhängigkeit ihres Landes von Großbritannien und eine kommunistische Regierung kämpften. Ihnen gehörten zahlreiche chinesisch-stämmige Malayen an, die mit dem Kommunismus sympathisierten. Am 31. August 1957 erlangte die Föderation Malaya, bestehend aus den neun malaiischen Sultanaten sowie Penang und Malakka, ihre Unabhängigkeit. Die Auseinandersetzungen fanden bald darauf ein Ende. Der Machtanspruch der MNLA war abgewiesen worden – ebenso wie die britischen Bemühungen, die vormalige koloniale Kontrolle über das Land wiederherzustellen.
Insgesamt fünfzehn RAF-Staffeln dienten in Malaysia und viele weitere Einheiten in Großbritannien wurden vorübergehend dorthin verlegt. Zu den Aktivitäten der Royal Air Force gehörten Angriffe zur Unterstützung von Bodentruppen im Dschungelkampf und Transportaufgaben. Die RAF setzte anfänglich noch Propellermaschinen aus dem Zweiten Weltkrieg ein (neben der Spitfire, der Douglas Dakota und der Avro Lincoln eben auch die Bristol Beaufighter). Nach operativen Erfordernissen wurden diese durch moderne Maschinen ergänzt bzw. ersetzt (u. a. De Havilland Vampire, English Electric Canberra B.1). Auch Helikopter fanden Verwendung, so z. B. die Westland-Muster Whirlwind und Dragonfly für den Transport von Verwundeten und Versorgungsflüge mit Nachschubmaterial. *
Im Gegensatz zu den Hintergründen der Einsatzhistorie der Bristol Beaufighter in Fernost war der Bau des Modells an sich wenig spannend, aber gleichwohl unterhaltsam. Der alte Kit der Version Mk.10 aus dem Jahr 1973 weist die Matchbox-typischen, dreifarbigen Spritzlinge in braun, hellgrau und orange auf, die man durch ein Schaufenster in der Kartonschachtel bewundern kann. Ob das damals verkaufsfördernd war? Hier merkt man, dass solche Kits wohl eher als Kinderspielzeug gedacht waren denn als Ausgangspunkt für ambitionierten Modellbau, als Ergänzung der Kollektion von Matchbox-Autos. Heute sind die Kinder von damals ältere Modellbau-Nostalgiker, die sich an solchen Oldtimern erfreuen…
Immerhin ist der Beau-Bausatz, gemessen am allgemeinen Niveau von Kits aus den Siebzigern, passabel detailliert und verfügt über einige versenkte Panellines. Die Teile passten weitgehend problemlos zusammen. Die verlängerte "Thimblenose"-Nase für den Suchradar wird beim Kit ebenso vorbildgetreu wiedergegeben wie das für bessere Flugstabilität mit einer Finne nach vorne verlängerte Seitenleitwerk. Verbaut wurden die beigefügten RP3-Raketen. Lackiert wurde per Pinsel mit Farben aus dem Sortiment von Revell Aqua-Color. Die Töne wurden passend gemäss der Anleitung gemischt (die Unterseite PRU-Blue, der Rumpf mit dem Tarnschema in dark sea grey und dark green). Die Decals kamen von Xtradecal aus dem Sortiment von Hannant´s (Nr. X72244, für den Beaufighter Mk.VI und Mk.X). Nachgebildet wurde damit die Maschine mit der Kennung OB-D/ RD816 der 45. RAF-Squadron, stationiert in Singapur. Die Decals sind top gedruckt und ließen sich mit ein bisschen «Überzeugungshilfe» in Form von Micro-Sol gut verarbeiten. Als Ergebnis entstand ein Modell, das sich durch seinen Exoten-Status von den häufig gesehenen RAF-Coastal-Command-Versionen der Bristol Beaufighter abhebt.
*Quellen (Stand 19.05.2026)
Matthias Reinshagen Publiziert am 29. Juni 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |