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BMW M3 (E 36)

Bayerisches Understatement

von Matthias Reinshagen (1:24 Revell)

BMW M3 (E 36)

Der BMW-Kundendienstberater machte ein paar Eingaben in die Tastatur und schob den Kopf nach vorne, so dass seine Nase fast den Monitor berührte. «Zweischicht-Lackdosen-Set Estorilblau Metallic für den M3 – eine Dose metallic, eine Klarlack. Ja, kann ich Ihnen bestellen, morgen Vormittag ab 10 Uhr abholbereit.» Dann blickte der Mann den Kunden ungläubig an. «Wollen sie die Lackreparatur wirklich selbst machen? Ich meine, bei so einem teuren Fahrzeug? Wenn Sie kurz Zeit haben, hole ich einen Kollegen aus der Werkstatt, der schaut sich den Schaden draussen am Wagen mal an.» Der Kunde schmunzelte und lehnte ab. «Nett gemeint, aber ich brauche den Autolack nicht für eine Reparatur, sondern für eine Karosserie-Komplettlackierung – im Massstab 1:24!» Nun lachte der Mitarbeiter ebenfalls.

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So kam der Kunde dann einen Tag später zum Material für die Lackierung, mit der Gewissheit, bei der Farbgebung für dieses Modell den originalen Ton zu 100 Prozent exakt getroffen zu haben. Das gelingt nicht immer. Und diese Beschaffungsaktion war eigentlich der spektakulärste Teil des Zusammenbaus.

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Wir haben es hier beim Revell-Bausatz mit einem Curbside-Kit der unkomplizierten Sorte vor uns, mit zwei Armaturenbrettern wahlweise als Links- oder Rechtslenker zu bauen. Es lagen sogar Decals für die Muster der Sitzbezüge bei – die ich nicht verwendete, weil ich eine «Lederausstattung» in Hellgrau verbaute. Das Cockpit ist toll gelungen, alle Details sind vorhanden, sogar die M-Sportsitze mit den U-förmigen Kopfstützen. Die schön profilierten Reifen auf serienmässigen Leichtmetallfelgen (mit 20 Speichen wie in 1:1) erfreuen den Kenner. Ich konnte die Historie des Kits nicht lückenlos klären, aber offenbar hatte Dragon den M3 im Programm und Revell übernahm ihn dann Mitte der Neunzigerjahre als Rebox in sein Programm.

BMW M3 (E 36)

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Trotzdem – ich sage es ungerne aufgrund der Vorteile des Kits – war ich nach dem Bau enttäuscht. Denn der Motor fehlt. Und gerade dieser machte ja die Besonderheit der schärfsten Version der Dreier-Baureihe E 36 aus. Dieses Manko kann auch die lobenswert akkurat nachgebildete Karosserie nicht wettmachen, die alle feinen Details des Originals wiedergibt. Dezente Seitenschweller, tropfenförmige M-Aussenspiegel mit zwei Haltestegen, die Stossfänger an Front und Heck dezent nach unten gezogen – aber keine breiten Kotflügel wie beim Vorgänger E 30 und auch kein Heckspoiler. So geht Understatement.

BMW M3 (E 36)

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Um dieses M3 von einem gewöhnlichen 3er-Coupé zu unterscheiden, muss man schon sehr genau hinsehen. Oder auf die Farbe achten. Mutige Kunden orderten den M3 gerne in leuchtendem Dakargelb. Oder, wenn sie einen zurückhaltenden Auftritt liebten, in Titansilber, einem edel schimmernden Daytonaviolett-Metallic und eben: in Estorilblau-Metallic. Jedenfalls sah man dem Auto seine Leistung und sein fahrdynamisches Potenzial nicht an, ganz gleich, welches Kleid es trug.

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Der Kit schafft es, an einen aufregenden und zugleich zurückhaltend auftretenden BMW der Neunziger zu erinnern, ein reizvoller Kontrast. Immerhin ist der Unterboden anständig detailliert und bietet Radaufhängungen, lenkbare Räder, Auspuffanlage und zumindest eine reliefartige Nachbildung der Unterseite des Motors. Doch den Rest davon, den hätten wir halt auch gerne gehabt.

BMW M3 (E 36)

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So kann ich nur eine bedingte Kaufempfehlung für den Dragon/ Revell-M3 aussprechen. Der Hersteller ist auf dem Weg zu einem phantastischen Kit leider auf halbem Wege stehengeblieben. Wer sich in den M3 E 36 verguckt hat, sollte nicht nach einem der seltenen, antiquarischen und teuren Plastikbausätze suchen, sondern lieber zum zeitgenössischen Metallmodell von Gama in 1:24 greifen (das damals meines Wissens auch in einer speziellen Verpackung auch über das BMW-Händlernetz vertrieben wurde). Es ist nicht billig, aber schön verarbeitet, sauber lackiert, hat bewegliche Türen und Hauben – und unter der Motorhaube sitzt auch als passable Nachbildung das von Kennern verehrte Reihensechszylinder-Triebwerk, wie es dort hingehört.

BMW M3 (E 36)

Matthias Reinshagen

Publiziert am 04. August 2026

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