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MiG-29 beim Alarmstart

Ghost of Kyiv

von Michael Wittmann (1:72 verschiedene Hersteller)

MiG-29 beim Alarmstart

Zum Hintergrund

Der Geist von Kiew (englisch: Ghost of Kyiv) ist eine moderne Sage um einen angeblichen ukrainischen Piloten einer MiG-29 im russisch-ukrainischen Krieg, die sich Ende Februar 2022 viral in den sozialen Medien verbreitete. Auch der Inlandsgeheimdienst der Ukraine sprang darauf auf und verbreitete, jener Kampfpilot habe angeblich zehn Flugzeuge der russischen Streitkräfte abgeschossen. Die Superhelden-Geschichte wurde auch im Zusammenhang mit einem Informationskrieg gesehen mit dem Ziel, die Moral der ukrainischen Truppen hochzuhalten. Anfang Mai erklärte auch die ukrainische Luftwaffe, dass es den Geist nicht gab.

MiG-29 beim Alarmstart

Laut Darstellungen in sozialen Medien soll der Pilot der ukrainischen Luftstreitkräfte allein am ersten Tag der Invasion mehrere russische Flugzeuge abgeschossen haben. Während der ersten Nacht im Kampf um Kiew wurde ihm im Internet zusätzlich der Abschuss von vier Kampfhubschraubern und eines Flugzeugs mit Luftlandetruppen südlich von Kiew zugeschrieben. Laut Zählung in sozialen Medien soll der Pilot mindestens zwei Su-35, eine Su-27, eine MiG-29 und zwei Su-25 abgeschossen haben.

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Der ehemalige ukrainische Präsident Petro Poroschenko veröffentlichte in den ersten Kriegstagen auf Twitter ein beliebiges Bild eines Kampfpiloten mit heruntergeklapptem Visier bzw. verdecktem Gesicht und behauptete, dass dies der Geist von Kiew sei. Videos, die angeblich den Geist von Kiew zeigen sollen, wurden auf Plattformen wie Twitter oder YouTube millionenfach angeklickt und zum Teil begeistert kommentiert. Seit Anfang März 2022 wurden sie mit Warnhinweisen versehen. Als das ukrainische Verteidigungsministerium einen Tweet mit einem Bild einer MiG-29 und der Bemerkung absetzte, dass zahlreiche erfahrene Reservisten der Luftwaffe aktiviert worden seien, wurde dies als Versuch gesehen, die ukrainische Moral zu heben.

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Zu den Originalen

Zur Zeit des Kalten Krieges wurden 1972 in der sowjetischen Militärführung erste Überlegungen über eigene Flugzeugmodelle angestellt, die den US-amerikanischen Neuentwicklungen F-15 und F-16 ebenbürtig sein sollten. Im Laufe dieses Prozesses wurden die Entwürfe von Suchoi und MiG für die Prototypenphase ausgewählt. Die MiG-29 wurde dabei als Flugzeug für die Frontfliegerkräfte geplant, das unter Feldbedingungen auf unbefestigten Startplätzen einsatzfähig sein sollte. Es hatte die Aufgabe, die Streitkräfte direkt zu unterstützen. Das schloss auch die direkte Verteidigung von Flugplätzen oder Städten ein. Ferner wurde die Bekämpfung von Marschflugkörpern zumindest vorgesehen.

Am 6. Oktober 1977 flog der erste Prototyp der MiG-29; am Steuerknüppel saß MiG-Cheftestpilot Alexander Fedotow. Bald folgten weitere Prototypen und erfolgreiche Tests. Dennoch traten einige Probleme auf, die Änderungen notwendig machten. Zum einen musste das Bugfahrwerk etwas weiter nach hinten verlegt werden, da die Tests ergaben, dass bei Start oder Landung aufgewirbelte Fremdkörper die Schutzklappen der Lufteinläufe durchschlagen und die Triebwerke zerstören konnten. Weiterhin wurden unterhalb der Seitenleitwerke kleine Stabilisierungsflossen installiert, um Richtungsstabilität und Trudelverhalten zu verbessern. Nach der Optimierung der Seitenruder konnte ab 1984 auf diese Flossen wieder verzichtet werden. Eine letzte Änderung betraf die Bewaffnung. Die Doppelrohrkanone Grjasew-Schipunow GSch-30-2 wurde durch die einläufige GSch-301 ersetzt, was eine Masseeinsparung von 50 Prozent ergab. Insgesamt flogen alle 14 Prototypen über 2.500 Stunden, wobei zwei Maschinen durch Triebwerksausfälle verloren gingen. Ende 2019 befanden sich noch etwa 790 Exemplare im Einsatz.

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Von diesem wendigen und in dieser Hinsicht vielen westlichen Kampfflugzeugen überlegenen Flugzeug – so kann die MiG-29 kurzzeitig auf ihrem eigenen Schubstrahl stehen (das so genannte Kobramanöver) – wurde eine große Anzahl von Varianten gebaut und erprobt. Die Tragflächenkonstruktion mit breiter Flügelwurzel bringt einen großen Teil des Auftriebs durch den Rumpfansatz, was die Langsamflugeigenschaften verbessert. Typisch für die MiG-29 sind die großen Klappen, die die Luftansaugschächte der Triebwerke am Boden abdecken, um ein Eindringen von Fremdkörpern zu vermeiden. Beim Start saugen die Triebwerke Luft über Lamellenschächte auf der Rumpfoberseite an. Am Heck befinden sich die Luftbremse sowie ein Bremsschirm.

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Die Maschine besitzt einen 16-Bit-Bordcomputer, einen Frontscheibenprojektor (HUD) zuzüglich eines Monitors, eine bordeigene Fehlererkennung (Aekran) und zwei Sensorsysteme. Mit dem Radar können Luftziele (Reichweite 70 km) erfasst werden und mit dem Infrarotzielsystem/Laserentfernungsmesser (Reichweite 7 km, Laserklasse 3 in Deutschland) die Infrarotziele. Bemerkenswert ist auch eine Helmvisieranlage, die es dem Piloten erlaubt, per Kopfbewegung ein Ziel anzuvisieren. Die Zielsuchköpfe der Raketen erhalten dann automatisch die Zielparameter. Dieses Gerät sollte sie gegenüber der sehr wendigen F-16 im Luftnahkampf überlegen machen. Die bisher einzige Konfrontation zwischen MiG-29 und F-16 während des Kosovokrieges 1999 endete jedoch mit dem Abschuss der serbischen MiG durch eine niederländische F-16. Möglicherweise gab es einen weiteren Abschuss durch eine US-amerikanische F-16. Obwohl die MiG-29 bereits über 40 Jahre alt ist, wird das Modell nach wie vor gebaut. Die Serienfertigung wurde von Anfang an für hohe Stückzahlen ausgelegt.

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Das Flugzeug befindet sich in einem ständigen Modernisierungs- und Diversifizierungsprozess. Eine Vielzahl verbesserter Modelle wurde seit dem Ende der 1970er Jahre gebaut. Bei der MiG-33 handelt es sich weniger um ein Nachfolgemodell als um eine kampfwertgesteigerte Version der MiG-29. Weitere bekannte Varianten sind die MiG-29 SMT (einsitziges Mehrzweckkampfflugzeug), MiG-29 UB (zweisitziger Trainer) und MiG-29 K (für den Einsatz auf Flugzeugträgern geeignet). Die MiG-29 K wird auf dem einzigen Flugzeugträger der russischen Marine, der Admiral Kusnezow und auf dem indischen Träger Vikramaditya eingesetzt. Die neuesten Varianten sind die MiG-29 M und ihre zweisitzige Version, die MiG-29 M2, bei denen insbesondere die Feuerleit-, Ortungs- und Bedienungssysteme verbessert wurden. Die MiG-29M wird auch als Mehrzweckvariante bezeichnet. Neben den stärkeren RD-33K-Triebwerken verfügt sie über ein vierfach redundantes digitales Flugmanagementsystem. Außerdem ist ein Doppler-Bordradar Fasotron N010 sowie ein Infrarot-/TV-/Laser-System OLS-M eingebaut.

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Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung 2006 wurde erstmals außerhalb Russlands die neueste Version der MiG-29 gezeigt: die MiG-29M OWT verfügt mit ihrer dreidimensionalen Schubvektorsteuerung über eine erhöhte Manövrierfähigkeit. Der Abgasstrahl der beiden Triebwerke vom Typ Klimow RD-33MKB kann dabei in einem Winkel von bis zu 15 Grad nach allen Richtungen abgelenkt werden. Diese Neuheit wurde nach dem Erstflug des Prototyps im August 2003 anlässlich des Moskauer Aerosalons MAKS 2005 der Öffentlichkeit vorgeführt.

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Die MiG-29 war bei ihrer Indienststellung in Bezug auf die Avionik gegenüber vergleichbaren Flugzeugen im Nachteil. Das macht sich vor allem bei Beyond-Visual-Range-Taktiken (BVR, engl. für außerhalb der Sichtweite) bemerkbar. Da die amerikanischen Jets (F-15 etc.) zum Zeitpunkt der Indienststellung der MiG-29 bereits über ein automatisches Suchsystem für BVR verfügten, war die MiG ihnen im Fernkampf unterlegen. Im Gegensatz dazu war und ist sie immer noch einigen Kampfflugzeugen im Kurvenkampf überlegen. MiG-29-Piloten, die gegen im Fernkampf überlegene Maschinen antreten, versuchen den Gegner in den Kurvenkampf zu locken, um die Manövrierfähigkeit des eigenen Flugzeugs in Verbindung mit der Wympel R-73-Luft-Luft-Rakete, die mit dem Helmvisier ins Ziel geleitet werden kann, auszunutzen. Die Exportvarianten verwenden teilweise französische oder japanische Avionik. Die ukrainische Luftwaffe hatte 185 Maschinen im Dienst, wovon sich Anfang 2022 ca. 45 im aktiven Dienst befanden. Die genaue Anzahl aktueller Maschinen ist unbekannt.

Quelle: Wikipedia

MiG-29 beim Alarmstart

Zu den Modellen

Die Modellbaufirmen reagierten recht schnell auf die veränderte Weltlage und die eingesetzten Flugzeuge und Fahrzeuge. Vor allem die ukrainischen Firmen sehen darin einen Weg, ihr Land und ihre Streitkräfte zu unterstützen. ICM und IBG spenden 50% der Erlöse dieser Bausätze. 

Der Bausatz von ICM stammt aus der eigenen Formenschmiede und wurde im Jahr 2008 zum ersten mal herausgebracht. Dem Bausatz liegt ein großer Decalbogen bei, womit sich die graue Pixeltarnung realisieren lässt. Nach dem Baubeginn sieht man sehr schnell die Unterschiede zum IBG-Kit; man merkt dem Bausatz einfach sein Alter an. Das war auch der Grund, warum ich den Grundbausatz gegen einen Trumpeter-Kit (der gleiche, den IBG verwendet) getauscht habe.

Der Bausatz von IBG stammt ursprünglich von Trumpeter aus dem Jahr 2015. Nach verschiedenen Meinungen in der Modellbauwelt ist er aktuell der beste MiG-29 Bausatz in 1:72 auf dem Markt.

MiG-29 beim Alarmstart

Der Bau gestaltet sich problemlos. Bei der Decaloption ist auf der Oberseite das ukrainische Wappen in das graue Pixeltarn integriert. Die Decals bei beiden Bausätzen waren sehr gut zu verarbeiten, nachdem die Grundfarben auf Ober- und Unterseite aufgetragen waren und das ganze mit Klarlack versiegelt wurde. Nach den Anbringen der Decals wurde nochmal Klarlack zum Schutz aufgebracht und dann mit dem Washing abgeschlossen. Die Pilotenfiguren stammen von Revell. Die Maschinen beim Start zu zeigen bringt etwas Dynamik in das Ganze.

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Die beiden Mig-29 stellen Maschinen der 114. Tactical Aviation Brigade dar, die 1992 gegründet worden ist, als die Ukraine unabhängig wurde. Diese Einheit ist in Iwano-Frankiwsk stationiert. Die Patches sind Originale aus der Ukraine. Der mittlere Patch wurde erst nach der Invasion entworfen und ist nicht offiziell. Weitere Modelle und Bilder vom Bau findet ihr in meinem Instagram Account: blue_patriot_mustang_

Michael Wittmann

Publiziert am 11. October 2022

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