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FAI-M

von Thomas Hannecke (1:48 Ace)

FAI-M

Zum Vorbild

Um den geschichtlichen Kontext des FAI-M besser verstehen zu können, hier ein kurzer Abriss der Entwicklung von gepanzerten Radfahrzeugen in der Sowjetunion bis zu dessen Indienststellung.

Russland war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Agrarland, technologisch abgeschlagen, mit einer rudimentären Schwerindustrie. Eine eigene Automobilindustrie fehlte gänzlich. Dennoch erkannten visionäre Köpfe bereits zu dieser Zeit bereits den Nutzen selbstfahrender Fahrzeuge, auch im militärischen Bereich. Bereits 1897 wurden importierte Kraftfahrzeuge bei Manövern eingesetzt und generell als gut bewertet. 1899 und 1900 reichte der russische Ingenieur Dvinitsky Entwürfe beim Zaristischen Artillerie-Komitee ein, den ersten für ein mit einer Schnellfeuerkanone bewaffnetes Automobil, den zweiten für einen dampfgetriebenen Radpanzer. Beide Vorschläge wurden abgelehnt – die Zeit war noch nicht reif.

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Der russisch-japanische Krieg von 1904, der mit Niederlage Russlands endete, ließ das Interesse an gepanzerten Fahrzeuge wieder aufflammen. Allerdings existierte in Russland weder für die Entwicklung noch für den Bau dieser Fahrzeuge nach wie vor eine geeignete Infrastruktur. Nach dem Entwurf eines russischen Offiziers wurden bei der französischen Firma Charron Girardot et Voit ein Prototyp und zehn Serienfahrzeuge in Auftrag gegeben, 1908 wurde die russisch-baltische Waggonfabrik gegründet, das erste Automobilwerk in Russland, das sich allerdings anfangs auf die Montage von aus dem Ausland gelieferten Komponenten beschränkte. Bis zum Ende des ersten Weltkriegs hatten sich drei weitere Firmen hinzugesellt. Auch sie bezogen die Fahrgestelle aus dem Ausland und führten in ersten Linie nur die Montage der Einzelteile durch. Während des Ersten Weltkriegs setzte die russische Armee etwa 300 Radpanzer ein, 30 verschiedene Modelle von mindestens 9 verschiedenen Firmen - ein logistischer Alptraum. Und alle hatten eines gemein: sie waren für den Einsatz auf gut gepflegten Straßen geeignet, wirklich geländegängig war keiner von ihnen.

Das Ende des Bürgerkrieges war der Beginn einer Saure-Gurken-Zeit für Panzerautomobile in Russland. Lediglich zwei Modelle wurde entwickelt und in Dienst gestellt, der BA-27 and der BA-27M. Die Chassis war die einer Fiat F15 Lastwagens, von der Firma AMO in Lizenz gebaut.

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Anfangs der 1930er Jahre begann sich die Entwicklungslinie in leichte und schwere Radpanzer zu verzweigen. Die sowjetische Regierung hatte 1929 von Ford die Nachbaurechte der Ford A-, Ford AA- und Ford Timken-Fahrgestelle erworben, die in Gorky ab Februar 1930 unter der Bezeichnung GAZ-A, GAZ-AA und GAZ-AAA vom Band liefen. Der D-8 auf Ford A-Fahrgestell war deutlich leichter und schneller als der BA-27, aber der Kampfraum war eng und vollgestopft. Um Gewicht zu sparen, hatte man auf einen Drehturm verzichtet. Es gab insgesamt vier Schießscharten mit Kugelblenden, zwischen denen das einzelne Maschinengewehr im Gefecht hin und her gewuchtet werden sollte. Das erwies sich im Einsatz als praktisch unmöglich. Auch die Weiterentwicklung D-12 mit offener Turmluke und einem MG auf einem MG-Kranz enttäuschte. Nach 25 D-8 und einer unbekannten Anzahl D-12 wurde die Produktion eingestellt. Ein Nachfolger tat Not.

FAI-M

Der FAI

Das neue, nach den Initialen von "Ford-A-Izhorskiy" benannte Fahrzeug ging ab 1933 in Fertigung und besaß einen mit einem MG bewaffneten Turm. Der FAI wurde jedoch nur in kleiner Stückzahl gebaut, bevor er ab 1935 durch den äußerlich sehr ähnlichen BA-20 auf M-1 Chassis ersetzt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der FAI-M

Nach der Umstellung der Fertigung auf den BA-20 verblieben etwa 300 FAI-Karosserien ungenutzt auf Lager. Um diese nicht einschmelzen zu müssen, kamen sowjetische Ingenieure auf die Idee,  diese auf ein M-1 Fahrgestell zu setzen. Der so entstandene Hybrid hatte einen längeren Radstand, eine zusätzliche Verkleidung schützte die Hinterachse und den Antriebsstrang, und das Reserverad wanderte von der Rückwand des Kampfraums auf das verlängerte Heck. Außerdem wurden die Speichen- durch Scheibenräder ersetzt.

Vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion gehörte der FAI-M zu den am weitesten verbreiteten Panzerautos in der Roten Armee und wurde zwischen 1934 und 1943 praktisch überall eingesetzt, auch im Fernen Osten bei den Kämpfen gegen die Japaner und während des Finnisch-Sowjetischen Winterkriegs. Besonders erfolgreich waren sie aber nicht. Die vergleichsweise schwache Panzerung hielt Granatsplitter und Geschosse aus Handfeuerwaffen ab, konnte aber von kleinkalibrigen Panzerabwehrwaffen leicht durchschlagen werden. Darüber hinaus war das Fahrzeug nicht geländetauglich und auf Straßen angewiesen. Die meisten von ihnen waren gegen Ende 1941 entweder zerstört oder wurden aufgegeben.

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Zum Modell

In der Modellbauwelt liest man ja über ACE mitunter recht unfreundliche Kommentare bezüglich Qualität der Spritzgussteile und Passgenauigkeit, und so ging ich mit gemischten Gefühlen an den Bau meines ersten Modells dieser Firma. Aber ich wurde angenehm überrascht. Mit dem Detaillierungsgrad anderer ukrainischer Modellbaufirmen kann ACE nicht mithalten, und ja, mache Teile sind etwas klobig. Aber den Vergleich mit älteren Modellbausätzen weit namhafterer Hersteller muss er nicht scheuen, die Passgenauigkeit war ausreichend, und das Preis-Leistungs-Verhältnis gut. Und für Exoten im Maßstab 1:72 und 1:48 ist ACE immer gut.

Quellen:

  • Tanks encyclopaedia.com
  • Jamie Prenatt "Soviet armoured cars 1936-45", New vanguard 284, Osprey Publishing 2020.

Thomas Hannecke

Publiziert am 29. August 2022

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