Modellbaumesse Ried i.I. - Teil 414. und 15. Oktober 2017Die Wiener Clubkameraden und -kameradinnenWir kommen nun zum großen Stand unserer Freunde von der IPMS Wien. Wie schon bei der GoMo in Wien fällt der SciFi-Bereich besonders in's Auge. Eine Armada von unterschiedlichsten Flugobjekten aus dem Lucas-Universum "Star Wars" und eine Shadowbox mit Raumschiffen aus "Battlestar Galactica" versetzen uns in die unendlichen Weiten des Weltalls. Eine tolle Präsentation! Aber das ist natürlich nicht alles. Es waren viele schöne Exponate aus allen Modellbausparten zu sehen! Besonders interessant fand ich die Geschichte zu Raimunds exquisitem "Flügelrad".
Ein Blick in die Shadowbox von Battlestar Galactica
Raimunds Flügelrad
Vorbild für Raimunds Scratch-Konstruktion war das BMW-Flügelrad mit 24 m Durchmesser, das Dr. Ing. Richard Miethe mit seinem Ingenieursteam 1943 entworfen hatte. Die in den Dreißigerjahren entworfenen und teils als Modelle oder Testgerät gebauten Rundflügel- bzw. Kreisflügel-Flugzeuge konventioneller Bauart hatten alle den Nachteil, relativ schlechte Flugeigenschaften zu besitzen. Die Idee, kreisförmige Flugzeuge zu bauen, basierte überwiegend auf der Beobachtung, dass Frisbee-Scheiben oder Bierdeckel gut fliegen. Der Grund für deren Flugeigenschaften liegt jedoch darin begründet, dass sie rotieren und sich auf diese Weise stabilisieren. Das ist bei Rundflügel-Flugzeugen nicht der Fall. Die beste Startgeschwindigkeit wurde bei einer Drehzahl zwischen 1650 und 1800 Umdrehungen pro Minute ermittelt. Zu diesem Zeitpunkt richtete der Pilot den Abgasstrahl nach hinten und brachte die Rotorblätter in eine Stellung von plus drei Grad. Dabei hob die Maschine ab und stieg in einem Winkel von 45 Grad nach vorne auf. Nach Erreichen der Reisehöhe wurden die Blätter in einen negativen Winkel gebracht, wobei sich die Drehzahl auf 500 Umdrehungen pro Minute reduzierte. Der Rotor fungierte bei der Landung wie eine Art Fallschirm, wobei das Prinzip der Autorotation zur Anwendung kam, etwa wie bei der Notlandung eines Hubschraubers. Es war auch möglich, den Startvorgang umgekehrt ablaufen zu lassen, sodass eine senkrechte Landung möglich wurde. Da es nicht möglich war, Seiten- und Höhenruder einzubauen, konnte die Steuerung nur über die Lenkung des Abgasstrahls der Turbine erfolgen, was damals eine zukunftsweisende Technik darstellte. Es sind zwei Flügelrad I-Entwürfe, drei Flügelrad II-Entwürfe und ein Flügelrad III-Entwurf bekannt. Keine dieser Maschinen kam zum Einsatz. Die Planungsunterlagen wurden 1945 vor dem Einmarsch der Alliierten vernichtet. Wenn man das Gerät betrachtet, kann man sich gut vorstellen, dass es die Fantasie der Menschen in Bezug auf die "fliegenden Untertassen" im wahrsten Sinne des Wortes beflügelte. Raimund erklärt seinen Flügelrad-Scratchbau.
Feinheiten aus WienAuch Chloe war vertreten mit neuen Projekten und filigranen Meisterwerken aus ihrer "Wiener Modellbau Manufaktur". Es ist auch ein kleiner Ausschnitt aus dem schönen Programm zu sehen. Details zum Nachlesen/Nachschauen auf www.wmm.at
Unterwegs gesichtet
Ein schöner Fuhrpark aus DüsseldorfDas Modellbauteam Düsseldorf gehört sowohl in Ried als auch in Stammheim zu den Stammgästen, die wir immer wieder gerne besuchen. Der Stand war mit hochwertigen Zivil- und Militärfahrzeugen belegt. Man könnte auch sagen: Zivilfahrzeuge neben einer Tank-Stelle. Bei den Tanks von Uwe konnte man sehr schöne Alterungen bewundern. www.moellbauteam-duesseldorf.de
Gemeinsamer Auftritt und ein GemeinschaftsprojektAirwingmodels und Modellmanufaktur Linz-Land hatten ihre sehr schön und aufwändig dekorierten Stände nebeneinander. Beide hatten das Gemeinschaftsprojekt "Red Arrows" sowie Flieger "erster Sahne" im Angebot.
Der Tiroler Plastikhauf'nDie exquisiten Modelle dieses Vereins sind zwar aus Plastik, aber beileibe kein "Plastikhauf'n". Auf der Homepage der Tiroler habe ich ein Musterbeispiel dafür gefunden, wie nett und humorvoll man die Entstehungsgeschichte eines Vereins wiedergeben kann: Reini, ein Modellbauer aus dem Tiroler Unterland, verschaut sich 1989 in die Schwester von Arno, der ebenfalls ein leidenschaftlicher Modellbauer ist. Ein paar Jahre später (das war 1992) fragen sich die beiden, ob es außer ihnen auch noch andere Gleichgesinnte im Tiroler Lande gibt. So geben sie ein Inserat in einer Bezirkszeitung auf. Bereits am Erscheinungstag liest Martin diese Anzeige und schon ist ein weiterer Modellbauer gefunden. Die vereinten Kräfte ermöglichen die Teilnahme an größeren Ausstellungen, und nach einer Modellbauausstellung im Mai 1996 in Telfs können wir dann Hansi und Mike in unserer Gruppe aufnehmen. Hansi wurde aufgrund des Alters (er war damals schon Mitte 70) und seiner sehr spannenden Erzählungen schnell zu einem begehrten Gesprächspartner. Hansi war ab 1942 Lehrling bei den Dessauer Junkerswerken. Seine erlebten Wirren zu Kriegesende und der spätere berufliche Werdegang in einer Blechwarenfabrik boten viel Platz für einzigartige Geschichten. Leider mussten wir 2009 Hansi für immer aus unserer Runde verabschieden. Im Juli 1996 präsentieren wir im Schaufenster einer Kufsteiner Bank einige Modelle und da wird dann Christian auf uns aufmerksam. Im Jahr 2000 wiederholt sich die Geschichte und Christians Schwager Markus schließt sich uns an. Auf dem Flugtag Suben (OÖ) 2002 heißen wir dann die sehr seltene Spezies von gleich zwei weiblichen Modellbauerinnen, Conny und Karin, in unserer Runde willkommen. Ab nun hat der Tiroler Plastikhauf´n auch eine Außenstelle in Oberösterreich. Conny verschaut sich 2006 in Erich. Sein Hobby, wie sollte es denn auch anders sein, ist ebenfalls der Modellbau. Die Beiden sind übrigens die Einzigen vom Plastikhauf´n, die nicht nur Modelle bauen, sondern auch echte Flugzeuge fliegen können. Bei einer Wiener Modellbaumesse im März 2015 konnten wir dann Michael, einen Allroundbastler aus dem Pinzgau, in unsere Runde aufnehmen. Jetzt haben wir auch in Salzburg ein Standbein. Jeder von uns hat schon Fahrzeuge aller Art, Schiffe, Kartonmodelle, Motorräder und auch LKWs gebaut, schlussendlich fanden wir alle unseren gemeinsamen Nenner im Flugzeugmodellbau. Alle von uns bastelten schon seit Jugendjahren an Modellen herum. Doch erst die Inspiration bei regelmäßigen Treffen sowie der rege Austausch von Informationen untereinander ermöglicht uns dieses wunderschöne Hobby stets spannend und im Kreise einer sehr guten Freundschaft ausüben zu können. Soweit das Zitat aus "über uns" aus dem Internetauftritt des Plastikhauf'ns. Und so wie sie schreiben, sind sie auch: Lustige Kameraden und ausgezeichnete Modellbauer. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Wien!
Das Problem mit den Dingsbums-ZeichenLeider musste ich auf den Tragflächen einiger Flugzeuge ein paar Kreuzchen entfernen, weil diese Abzeichen darauf in Deutschland nicht erlaubt sind. Das Paradoxe daran ist, dass die Abzeichen in keinerlei Zusammenhang mit dem Dritten Reich stehen. Umso ärgerlicher ist es deshalb, dass man auch hier kein korrektes Bild der Geschichte abbilden kann. Und das ist die Geschichte zu diesen Kreuzen, die in Finnland ein Glückssymbol sind, die Geschichte der Swastika: Am 6.3.1818 flogen die beiden schwedischen Piloten Nils Kindberg und Graf Eric von Rosen mit einer Morane Parasol von Schweden nach Finnland. Durch das Eintreffen dieser Maschine mit dem Glückssymbol der Swastika, welches das persönliche Zeichen des Eric von Rosen war, wurde dieses von der Finnischen Luftwaffe übernommen. Zu dieser Zeit galt die Swastika als altes Glückssymbol, das bei verschiedenen Armeeeinheiten Verwendung fand. Parallelitäten zum deutschen Hakenkreuz, das erst später verwendet wurde, sind gänzlich auszuschließen. Dennoch entschlossen sich die alliierten Streitkräfte, unter sowjetischer Führung, die Swastika im März 1945 zu verbieten. Offizielle Begründung war die Verwechslungsmöglichkeit mit der deutschen Luftwaffe...
DMMBDas Kürzel steht für "Der Militärmodellbauer". Entsprechend war der Stand ausgerichtet. Es war eine Serie sehr schöner Fahrzeuge aus WWII und Neuzeit zu sehen. Wer noch viel mehr davon sehen will, wird bei www.dmmb.info sehr gut bedient.
Es geht weiter in Teil 5. Wolfgang Hartung Publiziert am 01. November 2017 Die Bilder stammen von Gertrud und Wolfgang Hartung. © 2001-2024 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |