Ferrari 348 tb
Rettung eines Klassikers
von Matthias Reinshagen (1:24 Italeri)
Alle reden vom Modell«bau». Manche Experten produzieren mit wahrer Meisterschaft wunderschöne Stücke. Aber es dürfte eher die Ausnahme sein, dass alte Plastikmodelle restauriert werden sollen. Hier geht es um Autos in 1:24 und die Erfahrungen des Verfassers bei deren Wiederbelebung. Kaum ein Modellauto hat das Glück, Jahrzehnte in einer staubdichten Vitrine verbringen zu dürfen. Irgendwann wird der Platz knapp, das Interesse lässt nach und die Exponate wandern an wenig geeignete Orte. Holt man sie nach langer Zeit aus der Verbannung hervor, hält man in der Regel einen Problemfall in den Händen: Verstaubt, abgebrochene Teile, stumpfer Lack, blinde Klarsichtteile, knochenharte Reifen. Im Massstab 1:1 werden solche «Scheunenfunde» mitunter restauriert. Bei Plastikmodellen geht das auch. Aber die Arbeiten, die dann fällig werden, sind teils anspruchsvoll. Ist der Kandidat ein Fall für die Tonne oder lohnt die Instandsetzung? Wer sich vorab ein paar Gedanken macht, vermeidet das frustrierende Erlebnis, viel Zeit für ein Resulat von fragwürdiger Qualität investiert zu haben. 
Zunächst einige Anmerkungen, bevor ich ein erfolgreiches Projekt vorstelle. -
Einen verklebten Kit zu zerlegen ist eine gefährliche Aktion. Schliesslich wurde er mal mit dem Ziel gebaut, dauerhaft zusammen zu bleiben. Die Karosserie vom Chassis zu trennen, das geht selten ohne Bruch. Fahrzeug zerlegen, Scheiben ausbauen, Anbauteile entfernen… Modellbau rückwärts ist eine Risikosportart. Wurden Teile mit Sekundenkleber oder Plastikkleber verschweisst, führt der Versuch einer Demontage fast immer zum Totalschaden. Wurde hingegen als Kleber Pattex verwendet, geht es besser: Nach Jahrzehnten werden – so meine Erfahrungen an eigenen Modellen – die Klebestellen braun und spröde, was die Ablösung vereinfacht. Doch wirklich problemlos geht es nie. Wenn man Pech hat, verursachen Fehler bei der Demontage neue Probleme durch Bruch von Teilen des Chassis und Kratzer auf der Karosserie. -
Fehlteile (Scheibenwischer, Spiegel, aufgesetzte Türgriffe) sind in der Regel nicht mehr zu beschaffen, wenn der Kit aus dem Programm des Herstellers gestrichen wurde. Das gilt auch für Decals. Eigenanfertigungen als Ersatz dürften in der Regel so viel Zeit benötigen, dass diese Option ausscheidet.
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Die vorsichtige Reinigung eines verdreckten Modells (Staub, Fingerabdrücken, Niederschlag von Tabakrauch) mit Pinsel, einer milden Spülmittel-Lösung und Wattestäbchen ist der erste Schritt. Der reicht aber nicht, wenn darunter eine mittelmässige Lackierung zum Vorschein kommt. Befinden sich Decals auf der Karosserie, die damals nicht mit einem Klarlack versiegelt wurden, verabschieden sich diese Aufkleber gerne bei der Wäsche, weil durch die Alterung spröde geworden. Und die Komplettreinigung eines verdreckten Cabrio-Innenraums kann zur Sisyphusarbeit werden.
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Ich verwende zur Renovierung des Lacks gerne eine Pinsellackierung mit Acryl-Klarlack auf die vorher gereinigte und leicht angeschliffene alte Lackoberfläche. Der ursprüngliche Farbton bleibt dabei erhalten. Das wird zwar nie perfekt, aber immer besser als der vorherige Zustand. Nach dem Durchtrocknen des Lacks eine Behandlung mit Tamiya Polish Compound aus der Tube mit dem blauen Deckel – fertig. Falls die Verglasung stumpf geworden ist, bewährt sich der Versuch einer beidseitigen Säuberung mit alkoholhaltigem Haushalts-Glasreiniger. Danach folgt die Behandlung der gesäuberten Transparentteile mit einem Cockpit-Spray oder Detailer (z. B. Jemako). Dieser Methode verspricht schöne Effekte und ein realistisches Aussehen der Verglasung. -
In hochglänzenden Farben lackierte Sitze, nicht originalgetreue Farbgebung des Cockpits und ähnliche zweifelhafte Attraktionen der bastlerischen Jugendzeit – wer kennt sie nicht? Bausünden der harmloseren Art im Innenraum lassen sich noch relativ gut beheben. Ein Überzug mit mattem bzw. seidenmattem Klarlack verbessert den Look der alten Oberflächen deutlich.
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Schwieriger wird es bei mechanischen Problemen. Wenn filigrane Teile gebrochen sind (fast immer die Radaufhängungen), kann sich eine Reparatur lange hinziehen, leider mit ungewissem Ausgang. In solchen Fällen improvisiere ich mit einer Portion Sekundenkleber-Gel, so dass das die Verbindung wieder fest ist und Rad immerhin seinen korrekten Platz findet, auch wenn es sich nachher nicht mehr drehen und lenken lässt.

Genug der Theorie, hier ein Beispiel aus der Praxis. Der abgebildete Ferrari 348 tb entstand 1990 aus einem Italeri-Kit im Massstab 1:24 und wanderte nach Entsorgung der grossen Vitrine in einen Karton auf dem Dachboden, wo er die letzten Jahre in Gesellschaft zahlreicher «Leidensgenossen» verbrachte. Bei der Bestandsaufnahme nach der kürzlichen Erlösung des Veteranen aus dem Exil zeigte sich folgender Befund: 
Plus: -
Modell komplett, keine fehlenden Teile -
Motor, Unterboden, Chassis – alles in Ordnung, Räder drehbar -
Cockpit sauber und komplett -
Originalgetreue, Ferrari-typische Farbkombination in rot/ beige
Minus: -
Spiegel abgebrochen -
Wischer abgefallen, einer davon mittig zerbrochen -
Modell verstaubt, Lackierung der Karosserie abgegriffen und von mässiger Qualität -
Seitenscheiben eingedrückt

Bilanz: erhaltenswert. Da lohnte sich die Aufbereitung mit den eben geschilderten Methoden. Zwei lange Abende wurden darin investiert. Die Karosserie liess sich mit Hilfe eines Cutters gut vom Chassis-Unterteil lösen. Im Cockpit wurden Gurte eingebaut. Nach Abschluss der Kur steht zwar kein Kandidat für einen Modellbauwettbewerb vor einem. Doch das 36 Jahre alte Modell kann sich immerhin wieder sehen lassen und ruft geradezu nach einem Gefährten: Italeri hatte auch die offene Spider-Version mit dem Typennamen 348 ts im Programm (Artikel-Nr. 671). Im Internet ist dieser Kit hin und wieder noch zu bekommen. In hellblaumetallic mit schwarzem Cockpit, das wäre es… Vielleicht demnächst mehr zum 348-Kit von Italeri und seinem Vorbild. 
ResümeePlastikmodelle sind Einweg-Artikel. Gewisse alters- und lagerungsbedingte Probleme lassen sich durch Rückbau und Reparaturen zumindest teilweise beheben. Doch das Resultat der Arbeit ist trotz des Aufwandes kein neues Modell, sondern ein restauriertes, dem man sein Schicksal ansieht. Ich würde daher empfehlen, von schwierigen Kandidaten die Finger zu lassen und die Zeit lieber in einen Neubau zu investieren. Eine Ausnahme können Modelle sein, die die nicht mehr als Kit verfügbar sind, einen ideellen Wert besitzen oder wenig Arbeit erwarten lassen, da sie komplett sind und eine vorwiegend kosmetische Aufarbeitung brauchen. Mein Tipp: Traut euch einfach mal an eine Restaurierung, um Erfahrungen zu sammeln. Und sollte das Rettungsvorhaben wirklich daneben gehen, hält sich der Verlust in Grenzen. 
Matthias Reinshagen Publiziert am 06. Juli 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
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