Mercedes-Benz SSKLMille Miglia 1931, #87 Rudolf Caracciola/Wilhelm Sebastianvon Harry Brunner (1:32 verschiedene Hersteller)Ein Weißer Elefant in Italien:Rudolf Caracciola mit Mechaniker Wilhelm Sebastian, Sieger der Mille Miglia 12.-13. Mai 1931, Gesamtdistanz 1.635 km Brescia-Rom-Brescia. Eigentlich ist dieses Modell für ein größeres Diorama gedacht, aber da Revell den Kit jetzt dankenswerterweise wieder aufgelegt hat, erscheint der Baubericht für dieses Auto nun vorab.
Die Mille Miglia war ein Straßenrennen quer durch Italien, das mit einer siebenjährigen Unterbrechung wegen des Zweiten Weltkrieges von 1927 bis 1957 stattfand. Aufgrund des immer höher werdenden Risikos auf teilweise ungesperrten Straßen, den Unfällen, die auch einen hohen Blutzoll forderten und schließlich durch den katastrophalen Unfall des Ferrarifahrers de Portago, der elf Menschenleben kostete, wurde die Mille Miglia eingestellt und ab den späten Siebzigerjahren als Oldtimerveranstaltung wiederbelebt. In der Zeit als echtes Rennen galt die Mille als rein italienische Angelegenheit und konnte trotz internationaler Beteiligung nur dreimal von Nichtitalienem gewonnen werden: 1931 zum ersten Mal von Rudolf Caracciola mit Mechaniker Wilhelm Sebastian auf einem SSKL von Mercedes-Benz - einem der „Weißen Elefanten“ (diesen Spitznamen bekamen die Modelle SSK und SSKL wegen ihrer Lackierung und der lautstarken Kompressoren), 1940 von BMW-Fahrer Fritz Huschke von Hanstein (der als SS-Mitglied einen Rennoverall mit den SS-Siegrunen trug) mit seinem Teamkollegen Walter Bäumer auf einem BMW 328 Touring und schließlich 1955 vom legendären Sir Stirling Moss mit Beifahrer Denis Jenkinson, auf dem ebenso legendären Mercedes Benz SLR 300, mit einem Schnitt von 157,651 km/h und einer Fabelzeit von 10:07:48,000.
Doch nun zum Modell. Das Ursprungsjahr des Kits ist das Jahr 1978, das Reboxing kommt aus chinesischen Formen, Ursprungsjahr unbekannt. An sich waren diese Matchbox-Kits recht ansprechend detailliert, so gibt es hier zum Beispiel einen schönen Motor und ein ebensolches Chassis. Natürlich muss man im Vergleich zu neuen und mit modernsten Technologien erstellten Bausätzen entsprechende Abstriche machen.
Begonnen habe ich damit, die im Chasis eingeprägten Bohrungen, von denen zu viele vorhanden sind, zu verschließen und die wirklich benötigten aufzubohren. Zum Teil verwendete ich dünne Plastikstreifen, in die ich, entsprechend den Originalfotos, Schrauben bzw. Nieten einprägte. Danach wurde das überschüssige Plastik bei den Federaufnahmen und die angegossenen Reibungsstoßdämpfer entfernt. Letztere habe ich aus Messingröhrchen und Stecknadeln neu aufgebaut. An der Vorderachse habe ich mit Messingdraht und Spachtelmasse von Green Stuff World die Stoffumwicklung der Blattfederpakete imitiert. Die Achse selbst hat im Original ein U-förmiges Profil , das Bauteil weicht hier deutlich ab. Darum wurde das Teil mit wenigen Feilstrichen begradigt und die fehlende Kante mit einem Streifen Evergreen-Material angepasst. Die riesigen Bremstrommeln, die sehr prominent hervorstechen, hat Matchbox nur rudimentär umgesetzt. Ich ersetzte sie durch Eigenbauten, die ich mühsam aus einzelnen Plastikstreifen geschnittenen habe. Verfeinert wurden sie mit Schraubenköpfen aus einem Panzerbausatz und Ringen einer elektrischen Zahnbürste.
Die vorderen Blattfederpakete wurden mit Draht umwickelt... Da die Bremsgestänge bei diesen alten Fahrzeugen ebenfalls sehr gut sichtbar sind, wurden auch diese aus Messingröhrchen und -draht, überlangen Stecknadeln und flachgedrückten Bleistückchen neu aufgebaut.
Den am Dashboard ganz rechts aufgeprägten Brennstoffüberlauf entfernte ich und ersetzte ihn durch ein Messingröhrchen. Da ich das Instrumentenbrett beleuchten wollte und ich keine Ahnung hatte, wie die Armaturen damals beleuchtet waren, schrieb ich wieder mal Mercedes Benz Classic Archiv an. Da wurde mir prompt geholfen: mit einer Kopie der Bedienungsanleitung des Originals. Instrumente wurden damals von außen, über Soffittenlampen beleuchtet. Somit bekam das Armaturenbrett eine Instrumentenbeleuchtung aus Messingröhrchen, die ich mit Stecknadelköpfen verschlossen habe und je eine SMD-LED. Bevor dann alles verklebt wurde, baute ich auch den Komplex um Schalt- bzw. Bremshebel aus insgesamt zwölf Teilen neu auf ... eigentlich viel zu viel Arbeit für ein Detail, das man so gut wie nicht mehr sieht, aber was tut man nicht alles für sein Modell?
Armaturembrett mit Leuchten und Spritüberlauf ganz rechts Spannend wurde es mit den Befestigungen für die Kotflügel: die Bausatzteile entsprechen so gar nicht dem Original und waren für den geplanten Lichteinbau auch gänzlich ungeeignet. Also: wieder neu aufbauen, diesmal mit einem feinen T-Profil, Röhrchen und Draht aus Messing. Die kleinen Zusatzbleche an den vorderen Kotflügeln sind Streifen aus Plastikmaterial mit 3D-gedruckten Decalnieten. Um das auch im Original rudimentäre Cockpit fügte ich den umlaufenden Keder mit Aludraht hinzu.
Neue Kotflügelaufhängungen aus Messing, einmal für hinten... Es folgte die nervenaufreibende Fitzelarbeit, das kleine Auto zu verkabeln. Dazu tauschte ich die Bausatzscheinwerfer gegen passende von ELF aus, in die ich SMD-LEDs mit einem Anschluss für eine Konstantstromquelle einbaute. Nach ein oder zwei Fehlversuchen dann das große Aha-Erlebnis: alles funktionierte wie gewollt - Scheinwerfer, Kennzeichenbeleuchtung und Armaturenbeleuchtung, alles da!
Instrumenten- und Kennzeichen-Lampen Bevor dann die Motorhaube aufgesetzt wurde, entfernte ich von dieser noch den aufgeprägten Spanngurt und ersetzte ihn durch Eigenbauteile aus Tapestreifen und geätzten Schnallen. Das Verdeck entstand ebenfalls in Eigenbau: kleine Drahtstücke und Stecknadelköpfe wurden in das Bausatzteil geklebt und mit selbstklebendem Verbandstoff überzogen. Ergänzt wurde das Ganze mit zwei Verzurrgurten aus Klebebandstreifen und Schnallen aus Ätzteilen. Am Scheibenrahmen kamen wieder Stecknadeln in Kombination mit Messingröhrchen und Bausatzüberresten für den Rückspiegel und die Spannschrauben zum Einsatz.
Mit Tamiyatape und Ätzteilen aus dem Slotcarbereich die Motorhaubenriemen neu gemacht
Völlig daneben sind die Bauteile auf der Beifahrerseite, für die Werkzeugkiste und die drei Flaschen(?) Hier waren im Original neben der Kiste ein Spritkanister und zwei Hydraulikwagenheber montiert. Die Kiste habe ich mit Plastikstreifen neu aufgebaut, der Kanister stammt aus einem Set von MiniArt und wurde durch Klebebandstreifen ergänzt, auf die wieder Ätzteil-Schnallen kamen. Die Wagenheber entstanden aus Teilen eines Blaulicht-Sets von Roco, den Zinnteilen einer H0-Werkstatt und Messingstreifen bzw. -röhrchen.
Der Auspuff bekam ab dem Schalldämpfer ein Messingröhrchen und wurde entsprechend gebogen. Das Ende wurde flachgedrückt und geweitet. Dazu ergänzte ich noch Halterungen aus Alustreifen. Der Kühlergrill wurde um das Steinschlagschutzgitter ergänzt, Tankdeckel und Reserveradverschluss wurden mit diversen Kleinstteilen und Kupfer neu gebaut.
Das Auspuffendrohr durch Messingröhrchen ersetzt und am Ende vorbildgerecht flachgedrückt, Befestigung aus Alublech
Blieben noch die Felgen: Die Plastikspeichen sind naturgemäß viel zu dick, noch dazu hat Matchbox die hinteren Felgen gemeinsam mit den Bremstrommeln modelliert. Ich hatte das Glück, Felgen für Slotcars zu ergattern. Diese waren zwar teuer, erzeugen aber den berühmten „Ohaa!“-Effekt: Sie bestehen aus jeweils vier Aludrehteilen, der Nabe, den Zentralverschlussmuttern und zwei geätzten Speicheneinsätzen. Aufgezogen hatte ich Slotcarreifen ... das sollte sich noch rächen!
Durch die Um- und Neubauten waren die Decals ebenfalls nicht mehr brauchbar, aber das war schon beim Start klar. Außerdem gab es bei Matchbox nur die großen Startnummern. Daniel Brenter von Brent Air Decals hat mir dann einen kleinen Bogen nach meinen Vorlagen gemacht: Startnummern (auch für die hinteren Kotflügel), Kennzeichen, und Nationalitätskennzeichen. Lackiert wurde das Wägelchen mit Farben von Vallejo Air. Nachdem niemand mehr weiß, welches Rot die Kotflügel hatten, habe ich eines ausgesucht, das sich von den Alfas unterscheidet. Die wenigen Chromteile bekamen einen Anstrich mit dem Chromeffekt von Green Stuff World. Die Verschmutzung (neudeutsch „Weathering“) erfolgte mit stark verdünnten Acrylfarben in verschiedenen Grau- und Schwarztönen. Die Fahrerfiguren entstanden „frankensteinmäßig“ aus diversen Teilen verschiedenster Hersteller und wurden ebenfalls mit Vallejo lackiert. Die Brillen „verglaste“ ich dann mit Crystal Clear von Humbrol. Auf dem Diorama montiert, nochmals Kontrolle, ob alles funktioniert - sah gut aus!
Die Figuren in Frankensteinmanier zusammengesetzt und angepasst
Und dann kam das Unerwartete: die Reifen zerbröckelten regelrecht! Das war der Punkt, wo ich am liebsten einen Hammer genommen hätte und ... aber das ist eine andere Geschichte und wird auch hier erzählt werden - Stay tuned!
Soviel aber schon heute: Es gab auch hier eine Lösung, und ich konnte einen abschließenden Lichttest machen und das Fahrzeug auf die Piste, also ins Diorama lassen.
Nochmal eine Lichtkontrolle... innen... Erschienen im März 2025 im IPMS Printmagazin MODELL PANORAMA 2025/3, www.ipms.at Ich habe vor, auch die anderen Fahrzeuge sowie die Figuren dieses Dioramas in weiteren, später hier folgenden Beiträgen vorzustellen. Es könnte sein, dass die Beiträge zuvor im Modell Panorama erscheinen. Diese Zeitschrift erhalten alle Mitglieder des IPMS Austria, sie ist aber auch für Nichtmitglieder beim IPMS käuflich zu erwerben.
Harry Brunner Publiziert am 17. Januar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |