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Lucie und der Lieferheld

von Martin Schiffel (1:35 verschiedene Hersteller)

Lucie und der Lieferheld

Die Story

An diesem herrlichen Spätsommermorgen des Jahres 1939 ahnt kaum jemand, dass in wenigen Tagen oder sogar Stunden der bis dahin schrecklichste Krieg der Menschheitsgeschichte beginnen wird. Lucie macht wie jede Woche einmal eine Ausfahrt mit dem Opel Admiral ihres Vaters und lässt sich von Kurt, dem Chauffeur, wie eine Prinzessin durch Berlin kutschieren.

Lucie und der Lieferheld

Karl ist mit seinem Mercedes 170 V gerade dabei, den ersten Kunden zu beliefern, wie so oft hilft ihm sein kleiner Bruder Fritz dabei. Beide betrachten belustigt die kleine Lucie in dem großen roten Wagen…

Lucie und der Lieferheld

Das kleine weiße Kätzchen Paula wird sich im nächsten Augenblick durch einen Sprung unter Karls Liederwagen retten.

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Da das Leben aber kein Märchen ist, geht die Geschichte anders als erwartet weiter: der Opel Admiral wird feldgrau getarnt, in Russland im Schlamm stecken bleiben und verlassen werden, und sein Fahrer Kurt kehrt ohne seinen rechten Arm 1950 aus sowjetischer Gefangenschaft zurück.

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Karls 170 V wird nach einer ebenfalls feldgrauen Phase den Krieg überstehen und noch in den 50er Jahren für die HO der DDR Lebensmittel ausfahren, Karl selber lernt den Krieg in Frankreich kennen und wird 1944 von den Amerikanern gefangen genommen. Fritz wird 1945 versuchen, einen T-34 mit einer Panzerfaust abzuschießen und dieses Abenteuer mit dem Leben bezahlen.

Lucie und der Lieferheld

Nur Lucie bleibt weiter auf der Sonnenseite des Lebens, ihr Vater verdient gut am Krieg, wechselt mit seiner Familie nach Westdeutschland und baut seine in Berlin von den sowjetischen Besatzern demontierte Transformatoren-Fabrik wieder auf, in den fünfziger Jahren wirft sie doppelt so viel Gewinn ab wie vor dem Krieg.

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Ach ja, das kleine Kätzchen Paula, es wird den Krieg überleben, wenn auch sieben der neun Katzenleben dabei drauf gehen. Seine Heimat ist nicht wiederzuerkennen, ein Trümmermeer.

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Zum Diorama

Diese kleine Szene rund um das Opel Admiral Coupé von ICM (ICM 35471) und dem Mercedes 170 V Lieferwagen von Miniart (Miniart 38040) entstand in Zusammenarbeit mit meiner Freundin, die auch die Idee der Ausfahrt der kleinen „Prinzessin“ Lucie lieferte. Zusätzlich zu den beiden Fahrzeug-Bausätzen wurden verbaut:

  • Figuren aus dem Sortiment von Miniart und Masterbox
  • Bierflaschen und Kästen, Obst, Gemüse und Fleischprodukte aus dem Sortiment von Miniart
  • ein Verkehrsschild von Miniart aus dem Set 35633 „German Traffic Signs 1930 – 40s“
  • Straße von Vallejo
  • Gras, Blumen und Laub von mini Natur

Begonnen haben wir natürlich mit den beiden Fahrzeugen, die bis zur Fertigstellung der Fahrgestelle parallel gebaut wurden.

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Der Bau des Opel Admiral Coupé

Der von der ukrainischen Firma ICM stammende Bausatz ist aus dem Jahre 2011 und wurde zwischenzeitlich auch von Revell vertrieben, was insofern positiv ist, als dass die der Revell-Auflage beiliegende Montageanleitung deutlich übersichtlicher ist als die von ICM.

Der Bau an sich bereitet keine größeren Probleme, die Bauteile wirken etwas „rustikal“, aber lassen sich nach versäubern gut verarbeiten und auch die Passgenauigkeit ist gut, was sich besonders beim Zusammenbau der Karosserie zeigt. Lediglich die Fußpedale für den Fahrer fehlen komplett.

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Wir hatten es uns aber in den Kopf gesetzt, das Fahrzeug mit Fahrer und Passagier auszustatten, was erst einmal dazu führte, dass wir diese Figuren aus dem Fundus von Miniart und Masterbox zusammenstückelten und mit Spachtel behandeln mussten.

Als erstes wurde der Fahrer hergestellt und mit Schrecken stellten wir fest, dass er viel zu hoch auf seinem Sitz saß und dass er das Lenkrad nur breitbeinig zwischen die Beine klemmen kann und dass dann die Fußpedale für ihn unerreichbar sind.

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Erst ein deutlicher Umbau des Fahrers und eine Reduzierung seiner Körpergröße auf umgerechnet 160 cm (ohne dass er ein sogenannter Sitzriese ist) brachte ein einigermaßen funktionierendes Ergebnis. Das Lenkrad und dessen Achse mussten auch neu positioniert werden. Dennoch schaut der Fahrer schräg von oben durch die Frontscheibe des Autos und kann so nur etwa zehn Meter vor dem Fahrzeug beobachten.

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Es fiel uns relativ spät auf, wir hatten uns ja diverse gebaute Opel Admiral-Modelle im Internet angeschaut, aber keines hatte eine Fahrerfigur… In einem Video zum Original sitzt der Fahrer mit einem guten Blick durch die Frontscheibe auf seinem Sitz. Wir vermuten, dass die Frontscheibe des Modells etwas zu schmal widergegeben ist...

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Weniger problematisch war die Figur der kleinen Mitfahrerin, dennoch mussten ihre ohnehin kleinen Schuhe gekürzt und die Rückwand des Fahrersitzes nach vorn gebogen werden, damit ihre Füße Platz finden.

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Der Bau des Mercedes 170 V Lieferwagens

Dieser Bausatz der ukrainischen Firma Miniart stammt aus dem Jahre 2018 und ist deutlich filigraner als der Admiral von ICM. Er wird auch in Varianten als Getränkelieferwagen und als Wagen eines Obsthändlers angeboten und zeigt Modellbauern und Betrachtern, dass es schon weit vor Corona „Lieferhelden“ gab, nur nicht für die Allgemeinbevölkerung, sondern für Ladengeschäfte und besserverdienende Haushalte.

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Die Teile des Bausatzes passen bis auf kleine Ausnahmen exzellent zusammen, hat man beim Bau des Fahrgestells Schritt 9 hinter sich gebracht, in dem man zwei Drähte spiegelbildlich in alle drei Richtungen biegen soll (wir nahmen 0,5 mm dickes rundes Kunststoffmaterial dafür), arbeiten sich die Bauschritte einfach ab, lediglich im vorderen Türbereich, bei der Trennwand zwischen Fahrer- und Laderaum und dem Dach muss korrigierend Hand angelegt werden.

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Lucie und der Lieferheld

 

Für die Farbgebung nutzten wir Acrylsprays von Edding (Petrol matt 911, Hellelfenbein matt 920), die in dicken, filzstiftähnlichen Dosen geliefert werden und dadurch etwas grob wirken, aber im Farbauftrag akzeptable Ergebnisse brachten. Durch die unterschiedliche Farbgebung des Modells wurden die Teile der Karosserie erst farblich behandelt und dann montiert. Auch die hervorragend verarbeitbaren Decals wurden bereits vor der Endmontage an den farblich vorbehandelten Karosserieteilen angebracht.

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Natürlich musste der 170 V auch noch eine Fracht bekommen, hier griffen wir auf den nahezu unendlichen Fundus von Flaschen und Lebensmitteln von Miniart zurück und fertigten eine Beladung, die wohl mindestens für zwei weitere Fahrzeug ausreicht. Die Bierflaschen der ersten beiden Kästen haben wir brav etikettiert, bis wir feststellten, dass die Etiketten nicht mehr zu sehen sind, wenn die Flaschen in die Kästen einsortiert sind. Die Kiste mit dem Brot ist ein Resinteil und stammt von MAiM. Die Kartons mit diversen Beschriftungen liegen zum Ausschneiden und Falten dem Autobausatz bei, hier ergab sich eine effektive Arbeitsteilung zwischen meiner Freundin und mir: Meine Freundin schnitt die Kartons aus und falzte sie vor, ich klebte die Kartons mit Sekundenkleber zusammen. Vielleicht wäre ja ein Ausflug in den Kartonmodellbau einmal einen Versuch wert…

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Der Dachgepäckträger des 170 V liegt als Ätzteil bei und ließ sich problemlos biegen. Und während für den Opel Admiral das Berliner Autokennzeichen „gefälscht“ werden musste, liegt dem 170 V ein Kennzeichen mit „IA“ von Anfang an bei. Die Alterung erfolgte mit Email- und Aquarellfarben. Da sich Fahrer und Beifahrer am Laderaum des 170 V zu schaffen machen, blieb uns eine Überprüfung der Fahrertauglichkeit von Lenkrad und Fahrersitz erspart…

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Lucie und der Lieferheld

 

Die Figuren

Wie beschrieben, sind Fahrer und Mitfahrerin des Opel Admiral Konglomerate aus Miniart- und Masterboxfiguren, dasselbe gilt für den einen Bierkasten tragenden Fahrer des 170 V, er erhielt einen Kopf mit einem lachenden Gesicht von der Firma Panzerart. Der barfüßige Junge stammt aus dem Masterbox-Set 35149 „German Tankers – a break between battles“ und ist die einzige Figur, die nahezu unverändert gebaut wurde, lediglich statt einer Mütze wurde mit Spachtel und Sekundenkleber der Kopf nachbehandelt um etwas Haar zu simulieren.

Lucie und der Lieferheld

Lucie und der Lieferheld

Das Kätzchen stammt aus einem 3D-Druck-Set von Matho Models. Die Bemalung aller Figuren erfolgte nach Grundierung mit Humbrol Primer mit Email-, Öl- und Aquarellfarben.

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Das Diorama (oder ist es eine Vignette?)

Schon im Vorfeld war klar, dass unsere kleine Szene staubgeschützt untergebracht werden muss und die Wahl fiel auf eine Acrylglashaube der Firma Trumpeter. Das Straßenstück stammt von der Firma Vallejo, es besteht aus relativ elastischem Gießharz und ist an manchen Stellen etwas nachbearbeitungsdürftig.

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Es wurde für die schwarze Grundplatte der Acrylglashaube passend zurechtgeschnitten, mit Humbrol Primer grundiert und danach wurden mit dem Pinsel und Emailfarben Pflastersteine und Steinplatten akzentuiert bemalt. Es folgten zwei Alterungsschritte, der erste mit dunkler Öl- und Emailfarbbrühe, der zweite mit erdfarbener Gouachefarbe. Zum Abschluss wurden einige Grasbüschel, Blumen und etwas Laub aus dem Fundus der Firma Mini Natur drapiert. Das Verkehrsschild stammt von Miniart, sein Mast wurde etwas gekürzt.

Lucie und der Lieferheld

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Lucie und der Lieferheld

Nach einer letzten Stellprobe wurden alle Elemente unserer Szene mit Holzleim auf der Straße fixiert.

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Die „Collage“

Natürlich wollten wir sehen, wie unsere Szene in einer entsprechenden Umgebung aussieht. Nach etwas Suchen fand sich eine alte Postkarte, auf der eine Zehlendorfer Villa abgebildet war, die gut zur Herkunft der kleinen Prinzessin Lucie passen könnte. Die Postkarte wurde auf Din A3-Größe kopiert und diente als Hintergrund für eine weitere Fotorunde.

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Etwas zurechtgeschnitten und in schwarz-weiß könnte so die Eröffnungsszene eines alten Films aussehen: Lucie fährt im Opel Admiral an Karls 170 V vorbei, Karl und Fritz schauen ihr nach, dann öffnet sich die Haustür der Villa und eine helle, klare Frauenstimme sagt etwas zu den beiden Lieferanten…

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Lucie und der Lieferheld

 

Martin Schiffel

Publiziert am 27. August 2022

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