Sikorsky UH-60AMysteriöser Wüsten-Falkevon Matthias Reinshagen (1:72 Italeri)
Der Italeri-Kit des Sikorsky UH-60 (Artikelnummer 025) ist schon ein alter Bekannter, wurde er doch erstmals Anfang der Siebzigerjahre angeboten und erlebte seitdem zahlreiche Varianten und Wiederauflagen, auch bei anderen Herstellen – zuletzt bei Mistercraft. Der betreffende «Stammbaum», einsehbar bei Scalemates, ist fast so umfangreich wie die Typenhistorie des Originals! Diese soll hier aber nicht erzählt werden. Erwähnt werden soll nur, dass die Italeri-Artikelbezeichnung «Desert Hawk» in der offiziellen Typen-Terminologie nicht vorkommt. Es handelt sich vielmehr um einen UH-60 in der Version «Saudi Arabia 1992». Da den Decals keine Kennnummer beiliegt, ist die Einsatzhistorie der Vorbildmaschine nicht feststellbar. Anzunehmen ist aber eine Nähe zur «Operation Desert Storm».
Die Qualität der Spritzlinge ist akzeptabel, die Oberfläche des Rumpfes wenig detailliert. Einige erhabene Konturen, das war’s dann, weder Nieten noch andere Strukturen. Mein Ziel war es, nach Möglichkeit wie üblich «out of the box» zu bauen und lediglich dort nachzubessern, wo es nötig erschien. Dazu gab es einige Anlässe, die gleich erläutert werden sollen. Der 1:72-Zubehörhandel bietet eine Palette für Optimierungen des UH-60 in an, so dass auch Fans filigraner Details voll auf ihre Kosten kommen.
Der Kunststoff der zwei beigefarbenen Italeri-Spritzlinge ist von guter Qualität. Hier und da stören Auswerfmarken an ungünstigen Stellen den Eindruck (so z. B. an den Sitzflächen und Rädern). Hingegen sind auch kleine Teile wie Kabelschneider gut wiedergegeben. Die Bauanleitung ist ein Faltblatt in Schwarzweiss. Die Bauschritte werden schrittweise verständlich dargelegt. Nur bleiben einige Unklarheiten: Für die korrekte Position der Stummelflügel zur Aufnahme der Aussenlasten (2 x Teil 86) gibt es keine Passhilfen, so dass Vorbildfotos und Augenmass gefordert sind.
Was die Bauanleitung auch nicht verrät: Bei Montage der zwei Raketenwerfer und 8 Hellfire-Raketen sollten die beiden Maschinengewehre (2 x Teil 44) nicht angebracht werden, da ihre Verwendung mit dieser Konfiguration wenig Sinn macht. Das reichhaltige Waffenarsenal aussenbords würde nämlich das Aktionsfeld des Bordschützen ungünstig einschränken. Also können die Schiebefenster (Teile 37 und 39) mitsamt der Verglasung (Teile 36 und 38) geschlossen montiert werden. Apropos Verglasung, die transparenten Teile sind schlieren- und kratzerfrei und passen mit nur wenig Nacharbeit.
Schliesslich liegen zwei Heckleitwerke bei (Teile 94). Doch welches ist das Richtige? Die Anleitung schweigt dazu. Also geht nichts ohne Fotos eines sandfarbenen Originals. Zudem sind die drei Befestigungspunkte für die Handgriffe neben den Cockpittüren (2 x Teile 89) angedeutet, aber nicht aufgebohrt. Hier wird der Griff zum Werkzeug nötig. Ist der Bohrer schon mal in der Hand, kann man sich gleich den Rotorblättern widmen. Die stäbchenförmigen Enden, welche in die halbrunden Aussparungen der Teile 67B und 68B eingeleimt werden sollen, sind so dünn, dass man befürchten muss, bereits ein scharfer Blick führe zum Bruch. Also weg damit. Kleine Stücke aus Messing-Rundstab in die Löcher eingestiftet, und dauerhafte Haltbarkeit und Transportsicherheit dürften gegeben sein. Bei der Montage des Rotorkopfes sollten aus demselben Grund statt der arg unterdimensionierten, winzigen Steuerstangen (4 x Teile 70B) vier Metallstifte von einer Länge von 0,85 mm als Verbindung der Teile 69A und 68B verbaut werden.
Soll der Heli «flugtauglich» werden, muss auch im Cockpit nachgearbeitet werden. Die Pedals und Cyclics sind vorhanden, die Collectives hingegen nicht. Mit ein wenig Scratchbuilt-Aufwand ist diese Lücke links des Piloten- und Copilotensitzes geschlossen.
Der Weg zum richtigen Farbton erforderte einige Recherche. Offiziell wurde «Desert Tan» verwendet (gemäss FS 33446 bzw. CARC Tan 686A). Mit Blick auf die von mir bevorzugten matten Revell Aqua-Color-Farben hiess das: Vorbildfotos und Muster suchen und dann mischen. Diesen Ton gibt es nicht fixfertig im Sortiment der blauen Würfel. Die Abstimmung sollte man nicht als zeitraubendes Hindernis ansehen, sondern als Herausforderungen zur Kreativität. Mit diversen Beige- und Grautönen aus der Palette wurde solange probiert, bis der passende Ton getroffen war – schliesslich aus der Kombination von Afrikabraun (17) und Grau (57) im Verhältnis 1:1, abgeschmeckt mit einer kleinen Portion Weiss (05). Lackiert wurde wie üblich mit dem Pinsel auf das vorab grundierte Plastik (mit Mr. Hobby Finishing Surfacer 1500 aus der Spraydose). Eine simple Lackierung – beim nächsten Black Hawk auf der Projektliste wird es dann deutlich komplizierter!
Die wenigen Decals waren rasch angebracht. Stencils fehlen, aber vermutlich ist das durchaus realistisch. Die Maschinen bei der Operation Desert Storm (1991-92) wurden nämlich oft improvisiert und unter Zeitdruck überlackiert, wobei Feinheiten keine Rolle gespielt haben dürften. Ergänzt wurde an beiden Seiten des Rumpfes der typische schwarze Winkel, welcher der Freund-Feind-Kennung diente und durch Vorbildfotos belegt ist. Eine Schicht Revell-Mattlack versiegelt vor dem dezenten Weathering das Ergebnis.
Das Fazit mit Blick auf den startklaren Helikopter fällt eindeutig aus. Der Italeri-Wüstenfalke ist ein brauchbarer Kit und die Basis für ein nettes Modell, Geschick bei der Montage und einigen kleineren Modifikationen vorausgesetzt.
Matthias Reinshagen Publiziert am 05. November 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |