Boeing 727(VEB Plasticart - Nr. 128)
Produktinfo
BesprechungDer Modellbau in der DDR ist vor allem mit Zschopau verbunden, denn hier war seit 1958 der VEB Plasticart ansässig und hier stammten sie her: einfachgehaltene Plastikbausätze aus einem äußerst stabilen Stülpkarton, oft mit einer Alubombe beigelegt, einer kleinen Aluminiumtube voll mit Kleber. Heute sind die einfachen Bausätze gesuchte Klassiker, von denen bestimmte Kits für teils dreistellige Beträge gehandelt werden. Dabei liegt es aber wirklich nur an der Ostalgie, denn mittlerweile gibt es zu ausnahmslos jeden der Bausätze moderne und bessere Alternativen. Ein Beispiel hierfür ist die Boeing 727, einer der begehrten Airliner im Maßstab 1:100. Der Bausatz stammt ursprünglich aus dem Jahr 1968, zu der Zeit hieß der Betrieb noch VEB Modell- und Plastspielwaren Kombinat Annaberg-Buchholz. Mit geändertem Cover, aber immer noch eine Pan-Am Maschine, wurde der Bausatz 1978 (also der Bausatz hier) und 1987 erneut aufgelegt. Da man kurz vor der Wende dringend auf westliche Devisen angewiesen war, exportierte man den Bausatz ab 1988 auch unter dem Markenname Playfix nach Westeuropa. 1990 wurde dann der Bausatz von Mastermodell, also dem Nachfolger des VEB Plasticard vertrieben. Da man mit dem Zusammenbruch des Systems plötzlich das Problem hatte, dass die heimischen Produkte nicht mehr gekauft wurden, saß man auf einem riesigen Berg bereits produzierter Gießteile. Der englische Hersteller NU-BEE kaufte eine große Anzahl der produzierten Teile und verpackte sie in einem eigenen Karton, so dass dort 1990 ebenfalls die Boeing 727 mit dem Pan-Am Markierungen auf dem Markt kam.
Am 6. Februar 1963 hob die 727 erstmals ab und wurde im darauffolgenden Jahr am 1. Februar 1964 offiziell in Dienst gestellt. Die hier zu bauende Version ist die Urversion Boeing 727-100, welche 130 Passagiere aufnehmen konnte. Der Jet war eines der erfolgreichsten Passagierjets des 20 Jahrhundert. Markant waren die drei Mantelstromtriebwerke vom Typ Pratt & Whitney JT8D ausgestattet, welche die Maschine auf bis zu 926 km/h beschleunigte. Die Reichweite lag bei 3056 Kilometern. Ein markantes Merkmal des Passagierflugzeugs war die mittig platzierte Bordküche und eine Heckrampe, aus der die Passagiere aussteigen konnten. Je nach Ausstattung konnten die Maschinen auch in kurzer Zeit zu Frachtmaschinen umgebaut werden. Ebenso ist das T-Leitwerk markant. Die letzte Boeing 727-100 wurde am 13. Dezember 2025 außer Dienst gestellt, sie war zunächst bei Pan-Am im Einsatz, später wurde sie als Privater VIP-Jet genutzt. Der Bausatz selbst wird von einem sehr schönen Cover geziert. Die 727 fliegt dabei über die Wolkenkratzer Skyline von New York in der Dämmerung. Unter der Haube finden wir dann die recht einfachen Bauteile: die Rumpfteile links und rechts liegen einzeln bei und sind mit erhabenen Nietenreihen dargestellt. Am Rumpf ist das Seitenleitwerk und auch das mittlere Triebwerk schon angegossen teilweise sind die Gravuren auch versenkt, zumindest bei Türen und Klappen. Auch die Flügel sind ähnlich dargestellt, und sogar schon geteilt in Ober- und Unterseite. Das Höhenleitwerk wird einfach oben auf dem Seitenleitwerk aufgesetzt. Die beiden Triebwerke sind auch geteilt. Hier gibt es aber nur wenige Strukturen. Ein schwarzer Gießest beherbergt sechs Räder. Die Felgen sind dabei schön dargestellt, aber die Reifen sind profilslos. Die Kleinteile sind an einem silber-grauen Gußast. Hier befindet sich dann auch das Fahrwerk samt Klappen. Gitter und Düsen haben dagegen dann aber wenig mit dem Vorbild zu tun. Auch Klarteile liegen bei: sechs Streifen für die Seitenscheiben und ein größeren Klarteil für das Cockpit. Innenleben gibt es für das Flugzeug nicht.
Es kann eine Pan American Maschine dargestellt werden. Dabei liegen Decals für das Firmenlogo und einem blauen Streifen über den Fensterreihen bei. Plasticart hat sich dabei konkret für die N314PA entschieden. Diese Maschine wurde am 18. Dezember 1965 an die Airline ausgeliefert und auf den Namen Clipper Sam Houston getauft. Sie war hauptsächlich auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof im Einsatz. Da dort die Start- und Landebahn recht kurz war, konnte sie mit ihrem Kurzstrat-Fähgkeiten punkten. 1975 wurde die Maschine an Alaska-Airlines verkauft und blieb dort bis 1985 im Einsatz. 1994 wurde das Flugzeug auf dem Sanderson Field verschrottet und zerlegt.
Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: für Sammler, maximal noch für Liebhaber alter Modellbausätze FazitWer eine Boeing 727 bauen möchte, sollte lieber zu besser verfügbaren Bausätzen greifen, wie den von Revell. Ansonsten ist der Bausatz vielleicht doch eher für das heimische Museum geeignet oder für jemanden der seine Kindheit nochmal aufleben lassen möchte. Weitere InfosAnmerkungen: Neben dem Bericht von Marcel Schröder, bedanken wir uns auch für die Bereitstellung der Bilder von ubib`s modellbaukiste. Diese Besprechung stammt von Marcel Schröder - 02. November 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |