Heinkel He 177A-3 Greif(Special Hobby - Nr. SH 48210)
Produktinfo
BesprechungDie Heinkel He 177 - zum OriginalDer einzige schwere Bomber, der von der deutschen Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs entwickelt wurde, war die Heinkel He 177A. Die Entwicklung dieses Flugzeugs begann 1936, als die Firma Heinkel unter der Bezeichnung „Bomber A“ die Spezifikationen für einen schweren Bomber erhielt. Die Anforderungen waren äußerst anspruchsvoll, und der Entwicklungsprozess gestaltete sich langwierig und schwierig; mit der Umsetzung wurde der Konstrukteur Siegfried Günter beauftragt. Die Konstruktion der Heinkel He 177 war höchst ungewöhnlich. Besondere Schwierigkeiten bereiteten die Triebwerke: es handelte sich zwar um ein viermotoriges Flugzeug, doch waren jeweils zwei Motoren zu einer Einheit gekoppelt, die einen einzelnen Vierblattpropeller antrieb. Ursprünglich wurden DB-601-Motoren kombiniert; diese Einheiten erhielten die Bezeichnung DB 606. Der Erstflug des ersten Prototyps fand am 19. November 1939 statt. Bereits bei diesem Flug traten Triebwerksprobleme auf, die während der gesamten Dienstzeit bestehen blieben. Später kamen Probleme mit Ruderflattern und der strukturellen Festigkeit der Flugzeugzelle hinzu. Ursache hierfür war die unrealistische Forderung der Luftwaffe nach Sturzkampffähigkeit. Nach der Erprobung zahlreicher Prototypen erreichte die Konstruktion schließlich das Stadium der Vorserie (He 177A-0) und der ersten Serienversion (He 177A-1). Doch selbst diese Version war noch nicht einsatzreif. Die erste Version, die tatsächlich in den Dienst übernommen wurde, war die überarbeitete He 177A-3; sie war zudem die erste Variante, die mit ferngelenkten Bomben des Typs Hs 293 ausgerüstet werden konnte. Am weitesten verbreitet war die Version He 177A-5. Sie unterschied sich durch leistungsstärkere und zuverlässigere DB-610-Triebwerke, die aus der Kopplung von DB-605-Motoren hervorgegangen waren.
Die Entwicklung wurde fortgesetzt, und bis Kriegsende entstanden die Versionen A-6 und A-7 in Kleinserien oder als Einzelstücke. Weitere Maschinen verschiedener Ausführungen dienten der Erprobung von Bewaffnung und Ausrüstung. Der erste Verband, der die He 177 im Kampfeinsatz nutzte, war die IV./KG 40, stationiert auf dem Flugplatz Bordeaux-Mérignac. Andere He-177-Maschinen wurden verlegt, um die Truppen im Kessel von Stalingrad zu versorgen und sowjetische Streitkräfte anzugreifen. An der Ostfront kam die He 177 ab dem Frühjahr 1944 beim taktischen Bombergeschwader KG 1 zum Einsatz. Ihren umfangreichsten Einsatz erlebte die He 177 über dem Atlantik, wo sie alliierte Schiffe angriff – allerdings unter Inkaufnahme hoher Verluste. Im Jahr 1944 beteiligten sich die Maschinen zudem an den letzten Angriffen auf England; diese wurden dort spöttisch als „Baby-Blitz“-Angriffe bezeichnet. Nach Kriegsende wurden He-177-Maschinen in Frankreich, Großbritannien und den USA erprobt. Noch nach der alliierten Landung in der Normandie erbeutete die französische Résistance eine He 177 und überführte sie nach Großbritannien. (Text: Special Hobby, aus dem Englischen übersetzt)
Seit 2006 auf dem MarktDie Bausatzbasis wurde erstmalig im Jahr 2006 unter dem damaligen MPM-Label herausgebracht. Seither ist die He 177 von MPM viermal - bis zum Jahr 2014 - in unterschiedlichen Versionen und Konfigurationen von Special Hobby wiederaufgelegt worden. Dann wurde es ruhig um den Bausatz, und die Sammlerpreise stiegen konstant in die Höhe. Umso besser, dass nun die A3-Variante, seinerzeit erstmalig erschienen im Jahr 2007, nun als modifizierte Wiederauflage auf den Modellbaumarkt kommt. Der vorliegende Bausatz basiert auf den selben short-run Bausatzformen aus früherer Zeit, die nun wohl augenscheinlich zum Zwecke der Verlängerung ihrer Lebensdauer von Special Hobby leicht aufbereitet wurden, doch mehr dazu später. Der Kit enthält zudem fünf (!) komplett neue Spritzlinge in zeitgemäßer Kunststoffqualität, mit deren Bauteilen einige der altehrwürdigen Plastikteile des Ursprungsbausatzes ersetzt werden sollen. Weiter ergänzt wird dieses lobenswerte Detaillierungs-Unterfangen durch eine Hand voll Resinteile, von denen die zwei Flammdämpfer-Auspuffrohre wiederum vier der neuen Spritzguss-Bauteile ersetzen sollen - auch hierzu später mehr. Außerdem liegen ein aktualisierter Ätzteilbogen aus Messing und neue Decals für die Darstellung von drei Maschinen bei, die nicht in den bisherigen He 177-Kits von Special Hobby enthalten waren.
Der Inhalt des Kits im Überblick (1) - bisher bekannte Bauteile
Bekannte BauteileSpritzlinge A bis D und F bis J kommen uns bekant vor: hier finden sich die Rumpfhälften, Leitwerke, Steuerklappen, Cockpit-, Fahrwerks- und Klarsichtteile. Die Bauteile stammen von den aus den Erstauflagen des Modells stammenden "short-run" Spritzgussformen, die ihrerzeit für eine kurze Nutzungsdauer entworfen worden waren (daher "short run"). Die "technischen Features" des Modells bleiben insofern auch unverändert: anstellbare Steuerflächen (zumindest Quer-, Seiten- und Höhenruder), geschlossene Landeklappen, keine Motorendarstellung. Einige der short-run Bauteile im Streiflicht
Kratzer voraus: einige der short run-Bauteile haben merkwürdige, feine Oberflächenschäden. Alles poliert, oder was?Betrachtet man einige der beiliegenden "alten" Plastikteile genauer im Streiflicht, so wird deutlich, dass man bei Special Hobby wohl versucht hat, diese altehrwürdigen Bauteile für das Release des aktuellen Kits zu überarbeiten. Im Ergebnis findet man auf den Teilen nämlich an der ein oder anderen Stelle so etwas wie Schmirgelspuren und sogar kleine Kratzer. Ist hier eine Reinigung oder Politur der Spritzgussformen schiefgelaufen? Einen wahren Mehrwert kann man im Ergebnis jedenfalls nicht erkennen, im Gegenteil: die short-run Bauteile müssen, so wie eh und jeh, vor dem Lackieren ein wenig versäubert/abgeschliffen werden, damit die Kratzer verschwinden. Außerdem findet sich die bereits aus alten Tagen vorhandene, stellenweise mit kleinen Sprenkeln versehene, oder manchmal etwas unscharfe Plastikoberfläche. Nichts, was man im Modellbau nicht kennt, aber eben keine Spritzgussqualität, wie man sie von anderen Herstellern im Quarterscale gewohnt ist. Doch das ist für mich auch das einzige Fragezeichen, was der Kit an dieser Stelle offenbart.
Der Inhalt des Kits im Überblick (2) - neue Bauteile und Decals
Frisch auf den Tisch! Neue Bauteile von Special Hobby.
Der Benefit der neuen TeileSehr schön sind die fünf neuen Spritzlinge M bis Q in einer annehmbaren, soliden Gussqualität. Hier findet man saubere, knackige Formen und eine recht filigrane Detaillierung der Bauteile. Diese werden gewinnbringend eingesetzt, um folgende Bereiche des Modells zu verbessern:
Die Räder an Spritzling M sind deutlich besser detailliert als jene "Ursprungsteile" der beiden Spritzlinge J, die sie ersetzen sollen und wo die Radfelgen und Druckventile sehr verwaschen und zweidimensional daherkommen. Nun treten Ventilleitung und die Felge selbst samt Achsaufnahme klar und knackig hervor. Die neuen Räder stellen somit einen deutlichen Mehrwert dar. Als kleiner Hinweis: auch die neuen Räder sind nicht in einem belasteten Zustand dargestellt, was natürlich deren axiale Ausrichtung am Fahrgestell bei der berühmt-berüchtigten Komplexität der gesamten Konstruktion vereinfachen dürfte, so dass eine Abflachung durch Verschleifen der Auflageflächen (Reifenunterseiten) wohl erst nach der Montage des gesamten Fahrwerks am Modell erfolgen wird. Auch die Waffenlafetten und mit feinen Kühlöffnungen an den Rohren versehenen Maschinengewehre sind sehr schön dargestellt, bei denen jeweils ruhig noch der Abzugstollen durchbrochen sein dürfte... aber das wäre Klagen auf hohem Niveau. Ganz besonders hervorzuheben ist der komplette Neuaufbau des Flugzeugcockpits, bei dem die aktuellen Bauteile für die Konsolen samt Instrmentenboards und Funkanlage, Sitze und Bordwände viel besser detailliert (und korrekter dargestellt) sind, als die Vorgängerbauteile, und zudem noch mit Ätzteilen ergänzt werden. Die sechs Resinteile ergänzen einige Stellen des Bausatzes gekonnt, obwohl ich mir die drei recht simpel wirkenden, aus dem 3D-Drucker stammenden Bauteile durchaus auch in Spritzgusstechnik vorstellen könnte. Interessant ist, dass die beiden jeweils in einem Stück gegossenen Resinteile zur Darstellung des Flammdämpfer-Auspuffs die Bauteile N7 und N8 (jeweils doppelt vorhanden Schalenhälften des Doppelrohr-Auspuffs) ersetzen, obwohl die neuen Spritzgussteile schon ganz gut aussehen. Nun ja, sie werden in der Bauanleitung nicht weiter betrachtet und können, wie zahlreiche andere Bauteile des Kits auch, in die Restekiste wandern. Die Fotoätzteile für Sitzgurte, Instrumentenhebel für das Cockpit und zur Darstellung einiger Munitionsgurte fügen sich ebenfalls gut in das Gesamtbild ein. Auch die Innenseiten der Flammdämpfer werden von den Ätzteilen ergänzt. Die neuen Bauteile im Detail
Die dunklen Plastikräder links und oben ersetzen die alten, hellgrauen Bauteile (unten rechts) gekonnt! Die Bauanleitung
Bauanleitung, Lackierung, Decals und MarkierungenDie Bauanleitung, hier auch zum Download bei Scalemates als .pdf verfügbar, kommt in einem zeitgemäßen, farbigen, und sehr übersichtlichen Design daher. Durch den klaren Druck und die übersichtliche Gestaltung dürften trotz zahlreicher und manchmal auch komplexer Montageschritte keine Fragen offenbleiben, zumal die neuen Bauteile durch eine mutmaßlich gute Passung gerade beim Fahrwerk die dortige Konstruktion vereinfachen sollten. Die dargestellten drei Decalvarianten waren in der Auflage der He 177A-3 aus 2007 nicht dabei. Aktuell darstellbar sind eine Einsatzmaschine der 2./KG 100 ("Susi") und eine Maschine der Flugzeugführerschule (FFS) B 16 aus Burg bei Magdeburg, diese in wiederum zwei zeitlich unterschiedlichen Varianten mit leicht abgewandelter Lackierung. Der Decalbogen selbst hält glänzende Decals mit versatzfreiem Druck bereit und macht einen guten Eindruck. Die dortigen Decals für die Instrumententafeln werden wohl, anders als in der Bauanleitung dargestellt, einzeln ausgeschnitten, und nicht als Flächendecals verwendet werden, um sich der Instrumentenoberfläche bestmöglich anzupassen. Weitere Details des Kits (1)
Weitere Details des Kits (2)
Weitere Details des Kits (3)
Weitere Details des Kits (4)
Darstellbare Maschinen: A - Heinkel He 177A-3 Greif 6N+SK "Susi", 2./Kampfgeschwader 100, Rheine, Frühjahr 1944 B - Heinkel He 177A-3 Greif VD+XS, Flugzeugführerschule B 16, Werknummer 2143, Burg bei Magdeburg, März 1944 (Variante 1) C - Heinkel He 177A-3 Greif VD+XS, Flugzeugführerschule B 16, Werknummer 2143, Burg bei Magdeburg, April 1944 (Variante 2) Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Aufgrund multimedialer Bauteile und komplexer Baustufen (Fahrwerk! Cockpit!) nur für geübte Modellbauer empfehlenswert. FazitSpecial Hobby bietet mit dem vorliegenden Bausatz gelungene Modifikationen an, die dem Kit insgesamt eine deutliche Aufwertung verpassen. Der stellenweise immer noch vorhandene short-run Charakter ist da verzeihlich, weil das fertige Modell für den Arbeitsaufwand beim Anpassen und Versäubern der Bauteile entschädigen dürfte. Trotz des gehobenen Preisniveaus - sehr empfehlenswert! Weitere InfosReferenzen
Die Bauanleitung zum Download ist bei Scalemates als .pdf verfügbar. Die ersten Prototypfotos von Special Hobby wurden im Jahr 2022 veröffentlicht. Anmerkungen: Der Kit ist auf der Website von Special Hobby zu finden und dort auch, Verfügbarkeit vorausgesetzt, käuflich zu erwerben. Diese Besprechung stammt von Alexander Jost - 22. Juni 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
Modellbauer-Profil Alexander Jost![]() Land: Beiträge: 140 Dabei seit: 2004 Neuste Artikel:![]() ![]() Alle 140 Beiträge von Alexander Jost anschauen. |