German Submarine Type IX C/40 U190(Revell - Nr. 05167)
Produktinfo
Besprechung
zum Vorbild:Der Typ IX C/40 war eine Weiterentwicklung des bewährten Typs IX und wurde speziell für den Einsatz in fernen Operationsgebieten konzipiert. Während kleinere U-Boote wie der Typ VII primär im Nordatlantik agierten, waren die Boote der Klasse IX für Einsätze vor der US-Küste, in der Karibik oder sogar im Südatlantik vorgesehen. Die Variante "40" zeichnete sich dabei durch eine leicht erhöhte Reichweite und eine verbesserte Tauchzeit gegenüber den Vorgängermodellen aus. Mit einer Länge von rund 76 Metern und einer Verdrängung von über 1.100 Tonnen im getauchten Zustand war die U-190 ein wahrer Riese unter den Kampf-U-Booten. Das Herzstück des Antriebs bildeten zwei leistungsstarke MAN-Dieselmotoren für die Überwasserfahrt und zwei Elektromotoren für den Schleichmodus unter Wasser. Diese Kombination ermöglichte eine enorme operative Reichweite von bis zu 13.850 Seemeilen (bei 10 Knoten Überwassergeschwindigkeit). Die Bewaffnung war ebenso beeindruckend wie die Ausmaße: Das Boot verfügte über sechs Torpedorohre (vier am Bug, zwei am Heck) und konnte insgesamt 22 Torpedos mitführen. Zusätzlich war es zur Flugzeugabwehr mit Flak-Geschützen ausgestattet, was gegen Ende des Krieges aufgrund der alliierten Luftüberlegenheit überlebenswichtig wurde. Trotz dieser Feuerkraft war der Typ IX aufgrund seiner Größe weniger manövrierfähig als kleinere Boote, was ihn bei direkten Angriffen durch Zerstörer verwundbarer machte. Die U-190 war ein deutsches Langstrecken-U-Boot des Typs IX C/40, das im Zweiten Weltkrieg vor allem im Nordatlantik operierte. Bekanntheit erlangte es weniger durch eine lange Liste an Versenkungen, sondern durch sein Schicksal am Kriegsende: Am 16. April 1945 versenkte die U-190 den kanadischen Minensucher HMCS Esquimalt vor Halifax – dies war der letzte kanadische Schiffsverlust des Krieges. Nur wenige Wochen später, nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945, ergab sich die Besatzung den kanadischen Streitkräften. Das Boot wurde daraufhin von der Royal Canadian Navy übernommen und fast zwei Jahre lang für Ausbildungszwecke sowie zur Erprobung deutscher Technologie genutzt. Ihr Ende fand die U-190 schließlich am 21. Oktober 1947 in einer symbolträchtigen Aktion: Sie wurde exakt an der Stelle, an der sie die Esquimalt versenkt hatte, im Rahmen einer Übung durch Granatfeuer und Raketen versenkt.
zum Bausatz:Endlich wurden die Rufe erhört und ein ansprechender Bausatz des Typ IX erschien bei Revell. Aktuell ist dieser auch der einzige Bausatz im Maßstab 1:144 zu den sogenannten „Amerika-Booten“. Das ist durchaus verwunderlich, denn mit insgesamt 243 gebauten Einheiten waren die Typ-IX-Boote nach dem Typ VII die zweitmeistgebauten U-Boote der Kriegsmarine und zugleich deren größte in Serie gefertigte Hochsee-U-Boote. Konkret ermöglicht der Bausatz allerdings lediglich den Bau der U-190, die zur Unterklasse C/40 gehörte. Sicherlich werden künftig weitere Versionen folgen, aktuell ist jedoch noch nichts angekündigt. Auch die Konkurrenz, etwa Trumpeter, scheint derzeit keine Ambitionen zu haben, einen eigenen Bausatz dieser U-Boot-Klasse in 1:144 aufzulegen. Als Besonderheit stellt Revell hier ein Boot mit sogenannten Schnelltauchbacken dar, was dem Modell eine markante Optik verleiht. Der längliche Karton ist als Seitenöffner ausgeführt. Darin befinden sich die sieben Gussrahmen sicher in Folie verpackt, während die beiden Rumpfhälften sowie die zweiteiligen Decksegmente separat beiliegen. Das Cover zeigt eine Gefechtsszene, in der das U-Boot gerade auftaucht, vermutlich eine fiktive Darstellung, denn wer sich mit der vergleichsweise ereignisarmen Geschichte der U-190 beschäftigt, stellt schnell fest, dass lediglich zwei gesicherte Versenkungserfolge verzeichnet sind. Wie nicht anders zu erwarten, ist der Guss sauber ausgeführt: Kaum Formtrennnähte, kein Flash, genau das darf man von einem New Tool aus dem Hause Revell auch erwarten.
Der Bau beginnt mit den Torpedoklappen, die allerdings nur rudimentär dargestellt sind. Anschließend werden drei Querspanten zur Stabilisierung eingesetzt, bevor die beiden Rumpfhälften miteinander verbunden werden. Mit einer Länge von 53,1 cm entspricht das Modell dem Original maßstäblich sehr genau, was in Zeiten von CAD allerdings keine große Herausforderung mehr darstellt. Im Vergleich zum 1:72-Bausatz wirkt es zudem so, als sei das Modell im Wesentlichen herunterskaliert worden. Die Schweißnähte am Rumpf sind erhaben, jedoch etwas zu prominent ausgeführt. Wer möchte, kann sie leicht herunterschleifen, ansonsten muss man damit leben. Die Flutschlitze sind versenkt und ausreichend tief dargestellt, lediglich die oberhalb des Hecktorpedos wirken etwas schwach und könnten nachgraviert werden. Die Torpedoausstoßöffnung kann offen oder geschlossen gebaut werden. Auch der Schacht für den Schnorchel wird in diesem Bauabschnitt eingesetzt. Die Passung des Rumpfes ist sehr gut und mit ein paar Klemmen problemlos zu bewältigen. Das Deck ist dreiteilig ausgeführt, zwei Teile liegen separat bei, eines befindet sich am Gussrahmen. Vereinzelt scheint der Mittelteil verzogen zu sein, bei meinem Exemplar war jedoch alles in Ordnung. Die Deckstrukturen, insbesondere am Bug, sind hervorragend getroffen und dürften selbst mit PE-Teilen kaum besser darstellbar sein. Auch hier überzeugt die Passung. Vor dem Einsetzen des Mittelteils muss der Schnorchel montiert werden; laut Anleitung soll er ohne Klebstoff eingesetzt werden und bleibt dadurch beweglich.
Nach dem Zusammenfügen des Rumpfes werden noch kleinere Bauteile ergänzt. Am Bug sind dies der Anker, zwei seitliche Leitflossen sowie eine weitere Flutschlitzöffnung. Am Heck folgen Schrauben, Ruder und ebenfalls Leitflächen. Die Teile sind sauber ausgeführt und ausreichend detailliert. Die vorderen Torpedoklappen können wahlweise geöffnet oder geschlossen dargestellt werden. Auf dem Oberdeck kommen weitere Kleinteile wie Poller und Gestänge für die Takelage hinzu. Der beiliegende Ständer ist schlicht gehalten. Andere Hersteller sind hier zwar kreativer, doch die einfache Konstruktion aus vier Teilen mit separatem Namensschild ist zweckmäßig und lässt sich mit einer passenden Bemalung durchaus ansprechend gestalten.
Der Turm ist zumindest laut dem Detailset-Hersteller RC-Subs nicht ganz korrekt dargestellt. Offenbar hat Revell sich hier an der U-505 orientiert, wodurch einige Details nicht exakt zur U-190 passen. In diesem Zusammenhang stellt sich durchaus die Frage, warum man nicht direkt die U-505 umgesetzt hat. Unabhängig davon weiß das Gebotene jedoch zu gefallen. Die Oberflächenstrukturen sind fein dargestellt. Die Seitenteile sind mittig geteilt und werden zusammengesetzt, das obere und untere Turmdeck separat eingeklebt, auch hier überzeugt die Struktur. Weniger gelungen sind die fehlende Darstellung des Sterns an den Flak-Geschützen sowie die etwas zu massiv ausgeführten Halterungen für das Balkongeländer. Die Turminnenseite liegt separat bei, ebenso Luken, Leiter und Rettungsring. Auch Periskope und Funkmasten sind enthalten. Der größte Kritikpunkt ist jedoch das FuMO 30-Radar (Bauteil J34). Die Darstellung wirkt nach heutigen Maßstäben deutlich zu grob und zieht meiner Meinung nach das Gesamtergebnis spürbar herunter. Hier empfiehlt sich auf jeden Fall ein Austausch durch ein filigraneres Ersatzteil.
Zur Bewaffnung der U-190 gehörten auf dem sogenannten „Balkon“ zwei 2-cm-Zwillingsflak C/38 sowie eine 3,7-cm-Flak 42. Die Waffen sind mehrteilig ausgeführt und wirken für diesen Maßstab gelungen sowie ausreichend filigran. Die Reling, sowohl auf dem Deck als auch am Turm, ist hingegen deutlich zu kräftig ausgeführt. Meiner Meinung nach sollte sie ausgetauscht werden, um den stimmigen Gesamteindruck zu bewahren. Ein Vorteil der Revell-Bauanleitungen ist jedoch, dass auf der ersten Seite das Prototypmodell abgebildet ist. So lassen sich solche Schwachstellen frühzeitig erkennen und gegebenenfalls einplanen. Bemalung und AbziehbilderLeider bietet der Bausatz ausschließlich die Möglichkeit, die U-190 darzustellen, allerdings in zwei Zuständen: einmal im Dienst der Kriegsmarine bis zur Kapitulation und einmal während ihres kurzen Einsatzes bei der kanadischen Marine. Bei den unterschiedlichen Decksfarben wirkt es fast so, als sei sich Revell selbst nicht ganz sicher gewesen. Ich persönlich halte es für eher unwahrscheinlich, dass die Kanadier sich die Mühe gemacht haben, das Deck nochmals grau zu streichen. Eine interessante dritte Option wäre zudem die Darstellung am Tag der Versenkung gewesen, als das Boot zur Kennzeichnung als Ziel in auffälligem Rot und Gelb markiert war.
Als Abziehbilder liegen unter anderem die Kennungen für U-190, Flaggen sowie der grüne Stern als Schiffswappen bei. Ergänzt werden diese durch die Tiefgangsmarkierungen. Gedruckt wurden die Decals, wie inzwischen üblich, in Italien und machen einen sauberen Eindruck. Wie bereits erwähnt, sind zwei Varianten darstellbar:
Anleitung:Mit der klassischen Revell-Anleitung gibt es im Grunde keine Probleme. Insgesamt sind 54 Bauschritte notwendig, bis ein fertiges U-Boot auf dem Tisch steht. Bei der Bemalung empfiehlt sich jedoch eine eigene, vertiefte Recherche, um ein möglichst stimmiges und vorbildgerechtes Ergebnis zu erzielen.
Darstellbare Einheiten:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: OOB ist dieser Bausatz definitiv auch für Anfänger geeignet, da kaum Nacharbeiten erforderlich sind und die Bauschritte einfach gehalten sind. FazitEndlich ein Typ IX in 1:144 – und das noch in guter Qualität. Sicherlich gibt es ein paar kleinere Kritikpunkte, die sich jedoch vergleichsweise einfach beheben lassen, insbesondere mit Hilfe des Aftermarkets. Bleibt zu hoffen, dass auf Grundlage dieses Bausatzes noch weitere Varianten des Typ IX folgen werden. Weitere InfosReferenzen
Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 06. März 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |