Potez 25A2 'Jupiter Version'(Special Hobby - Nr. SH72420)
Produktinfo
BesprechungZum VorbildDie Potez 25 zählt zu den bedeutendsten Militärflugzeugen der Zwischenkriegszeit und steht exemplarisch für den Übergang von den vielfach improvisierten Mustern des Ersten Weltkriegs zu robusten, vielseitig einsetzbaren Standardflugzeugen der 1920er Jahre. Der zweisitzige Doppeldecker, der 1924 erstmals flog, wurde von Avions Henry Potez entwickelt und war von Beginn an als Mehrzweckflugzeug für Aufklärung, leichte Bombardierung und Verbindungsaufgaben konzipiert. Seine klassische Bauweise aus Stahlrohr-Rumpf und stoffbespannten Holztragflächen verband Zuverlässigkeit mit einfacher Wartung und machte die Maschine besonders einsatztauglich unter unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen. Die Aufklärungsversion Potez 25 A.2 bildete den Kern der militärischen Nutzung. Sie war mit einer festen Bewaffnung für den Piloten sowie einem beweglichen MG für den Beobachter ausgerüstet und konnte zusätzlich Kameras, Funkgeräte und leichte Bomben tragen. Besonders verbreitet war die Ausführung mit dem luftgekühlten Bristol Jupiter-Sternmotor, der in Lizenz gefertigt wurde und mit rund 420 bis 450 PS als äußerst zuverlässig galt. Gerade in Kolonial- und Auslandseinsätzen erwies sich dieser Motor als großer Vorteil, da er robust war und ohne aufwändige Kühlung auskam. Mit über 20 Einsatzstaaten wurde die Potez 25 zu einem echten Exportschlager und bildete in vielen Ländern bis in die 1930er Jahre hinein das Rückgrat der Luftstreitkräfte. Historisch steht die Potez 25 A.2 damit weniger für ein vielseitiges Arbeitsflugzeug, das die militärische Luftfahrt der Zwischenkriegszeit nachhaltig prägte.
Zum BausatzBis 2019 war die Potez 25 im Modellbau lediglich durch sehr alte Short run- oder Resin-Bausätze aus den 1970er- und 1990er-Jahren vertreten. 2019 erschien dann schließlich der von Special Hobby entwickelte Bausatz beim französischen Hersteller Azur-Frrom – direkt in zwei verschiedenen Versionen. Ein Jahr später folgte bei Special Hobby selbst die meistgenutzte Variante Potez 25 TOE, gefolgt von der polnischen Version, wie sie 1939 noch gegen die Wehrmacht eingesetzt wurde. 2023 erschien schließlich diese sehr erfolgreiche Exportvariante der 1930er-Jahre. 2024 folgten nochmals zwei neue Versionen bei Azur, diesmal jedoch mit einfachem Cover. Aktuell sind zudem zwei weitere Bausätze auf Basis dieser Form angekündigt. Im Kern unterscheiden sich die einzelnen Varianten teils deutlich, insbesondere durch unterschiedliche Motoren und entsprechende optische Anpassungen. In den Maßstäben 1:32 und 1:48 sind derzeit lediglich qualitativ hochwertige, jedoch entsprechend teure Resin-Bausätze von Lukgraph erhältlich. Der Stülpkarton wird von einem sehr gelungenen Cover mit einer estnischen Maschine in winterlicher Baltikumlandschaft geziert. Unter dem Deckel befinden sich fünf Spritzlinge, in Folie verpackt, der Klarteilrahmen separat geschützt, ein kleiner Block mit 3D-Druck-Teilen sowie Abziehbilder und PE-Teile. Bereits auf den ersten Blick erkennt man, dass es sich um einen neueren Bausatz des Herstellers handelt, da die Teile sehr fein und sauber ausgeführt sind. Flash ist nicht vorhanden, lediglich einige Trennnähte sind zu finden. Gussrahmen A enthält die Rumpfteile, Rahmen B die Bauteile für Flügel und Seitenruder. Rahmen C umfasst Kleinteile für Cockpit, Motor, Bewaffnung und Streben, ebenso Rahmen D. Ein unbeschrifteter Rahmen enthält zusätzlich die Bauteile für den Propeller sowie den vorderen Rumpfbereich des Motors. Insgesamt sind die Oberflächenstrukturen ordentlich und sauber umgesetzt, ganz auf der Höhe der Zeit.
Der Bau beginnt im Cockpit, das sehr detailliert ausgeführt ist. Die Seitenteile sind ordentlich strukturiert, und insgesamt bietet der Innenraum viele schöne Details, die durch die offenen Cockpits gut sichtbar bleiben. Zwar hat der Hersteller Abziehbilder für die Instrumente beigelegt, Gurte sind jedoch weder als Decals noch auf dem PE-Bogen vorgesehen. Das ist schade, zumal der Ätzteilbogen ohnehin sehr klein ausfällt und sicherlich noch Platz für weitere Details geboten hätte. Hier und da müssen Auswerfermarken entfernt werden, besonders an der Bodenplatte des Cockpits. Die Passung der Rumpfhälften ist insgesamt in Ordnung. Das Einsetzen des nach unten feuernden MGs erfordert allerdings etwas Puzzlearbeit, damit sich das Bodenteil sauber einsetzen lässt. Bei der separaten Sektion vor dem Motor ist die Passgenauigkeit hingegen allenfalls als mäßig zu bezeichnen. Unabhängig von der Ausrichtung entstehen größere Spalten, die entsprechend umfangreiche Nacharbeiten erfordern. Auch an vielen Kleinteilen finden sich Trennnähte, diese lassen sich jedoch zügig beseitigen. Der Motor ist vielleicht etwas einfach gehalten und zeigt neben den geriffelten Zylindern lediglich einige Gestänge sowie vereinfachte Abgasleitungen. Ein Großteil davon verschwindet ohnehin unter der halboffenen Motorabdeckung, die dem Flugzeug seinen charakteristischen Look verleiht. Hier sollte unbedingt vorab trocken angepasst werden, da die Abdeckung nicht gleichmäßig rund, sondern eher leicht eiförmig ausgeführt ist, was das Versäubern zusätzlich erschweren kann.
Die wohl größere Hürde des Baus liegt in der Verbindung von Ober- und Unterflügel. Es empfiehlt sich, das Modell auf den Rücken zu legen und dann Strebe für Strebe, beginnend in der Mitte, anzubringen. Dabei sollte man regelmäßig die Ausrichtung kontrollieren, damit der obere Flügel sauber und gerade sitzt. Ähnlich verhält es sich mit dem Fahrwerk, das sorgfältig ausgerichtet werden muss. Der Hecksporn ist separat ausgeführt und schön detailliert. Anschließend fehlen nur noch einige Kleinteile wie die Frontscheibe mit Zielfernrohr, das 7,7 mm-Vickers-Maschinengewehr im vorderen Rumpfbereich sowie die beiden Lewis-MG´s auf der hinteren Ringlafette. Theoretisch liegen zwei unterschiedliche Seitenleitwerke bei, so dass darauf geachtet werden muss, die passende Variante zu verwenden. Auch beim Anbringen des Höhenruders ist der Übergang sorgfältig zu versäubern. Zudem sind vier Bombenaufhängungen mit den dazugehörigen 50 kg-Bomben enthalten. Darüber hinaus liegen drei 3D-gedruckte Teile bei: ein Spinner für die finnische Variante des Flugzeugs sowie zwei tropfenförmige Außenlasten. Vermutlich handelt es sich dabei um Behälter für Leuchtfackeln, eindeutig zuordnen konnte ich diese Teile jedoch nicht.
Bemalung und AbziehbilderDie Abziehbilder sind von sehr guter Qualität und im gleichen Verfahren gedruckt wie bei Eduard. Theoretisch lässt sich dadurch auch die Trägerschicht vorsichtig entfernen. Für den Innenraum liegt ein Decal für die Instrumente bei, das mit dem Buchstaben „A“ gekennzeichnet ist, während alle übrigen Markierungen nummeriert sind. Naturgemäß besitzt die Potez 25 keine umfangreichen Wartungshinweise, abgesehen von der individuellen Werksnummer, die bei jedem Flugzeug unterschiedlich war. Für die jugoslawische Maschine liegen auch die weißen Streifen für den Rumpf bei. Die finnische Swastika muss jeweils aus mehreren Teilen zusammengesetzt werden, was rechtliche Gründe hat. In Deutschland macht die Gesetzgebung hier keinen Unterschied hinsichtlich des historischen Kontextes, weshalb bei öffentlichen Ausstellungen entsprechend darauf geachtet werden muss. Sicherlich außergewöhnlich und dem einen oder anderen vielleicht weniger bekannt, sind die estnischen Hoheitszeichen. Weitere Nationen wie beispielsweise die Schweiz wären ebenfalls interessante Optionen gewesen.
AnleitungBei Special Hobby ist die Anleitung in den meisten Fällen im A5-Format gehalten – so auch hier. Neben einer kurzen historischen Einleitung findet sich die dringend notwendige Teileübersicht, da die Bauteile am Gussrahmen nicht nummeriert sind. Die Farbangaben beziehen sich wie gewohnt ausschließlich auf Gunze-Farben und müssen bei Bedarf umgerechnet werden. Die ersten Bauschritte widmen sich dem hervorragend detaillierten Innenraum. Die Detailbemalung ist dabei farbig dargestellt. Auf den ersten Blick wirkt die Anleitung etwas überladen, bei genauerer Betrachtung ist sie jedoch gut strukturiert und übersichtlich. Besonders gelungen ist der Verspannungsplan, der in drei Zeichnungen anschaulich erklärt wird. Löcher am Höhenleitwerk müssen selbst gebohrt und exakt ausgemessen werden, ebenso sind Öffnungen an der Unterseite zu verschließen. Insgesamt sind für den kleinen Doppeldecker beachtliche 42 Bauschritte vorgesehen. Für jeden der drei Bemalungsvorschläge steht jeweils eine eigene Seite mit entsprechenden Farbangaben zur Verfügung. Zubehör für das Modell wird nicht beworben – abgesehen von einigen zusätzlichen Abziehbildern sind mir auch keine speziellen Sets bekannt. Stattdessen werden auf drei Seiten weitere Bausätze aus dem Hause Special Hobby vorgestellt.
Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Aufgrund der Verspannung, der vielen Kleinteile und der notwendigen präzisen Ausrichtung der Tragflächen richtet sich der Bausatz eher an fortgeschrittene Modellbauer. FazitFür Freunde von Doppeldeckern absolut empfehlenswert! Der Bausatz ist schön umgesetzt, macht Spaß beim Bau und schließt vor allem eine weitere Lücke in der selten berücksichtigten Zwischenkriegszeit, in der meiner Meinung nach noch viel Potenzial steckt. Weitere InfosReferenzen Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 18. Februar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |