Panavia Tornado IDS/GR.1(Revell - Nr. 03783)
Produktinfo
Besprechung
Zum VorbildDer Panavia Tornado IDS/GR.1 entstand in den 1970er Jahren als gemeinsames europäisches Rüstungsprojekt von Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland und Italien. Ziel war ein moderner, zweistrahliger Jagdbomber mit variabler Schwenkflügelgeometrie, der speziell für Tiefflug- und Allwetterangriffe ausgelegt war. In der Einsatzdoktrin des Kalten Krieges war der Tornado als präziser Tiefflieger konzipiert, der feindliche Ziele, insbesondere Flugplätze, Infrastruktur und Nachschublinien unter dem gegnerischen Radar angreifen konnte. Die britische Version GR.1 kam darüber hinaus für nukleare und konventionelle Angriffe sowie später für Präzisionsschläge mit lasergelenkten Bomben zum Einsatz. Seinen ersten Kampfeinsatz erlebte der Tornado 1991 im Golfkrieg, wo er unter realen Gefechtsbedingungen seine Stärken, aber auch die Risiken des extremen Tiefflugprofils zeigte. Trotz späterer Kritik gilt der Tornado bis heute als eines der prägendsten europäischen Kampfflugzeugprojekte der Nachkriegszeit.
Zum BausatzDer Tornado ist auch im Kleinmaßstab 1:144 gut vertreten. Laut Scalemates gibt es allein 65 Bausätze dieses Flugzeugs aus sieben verschiedenen Bausatzformen. Diese stammen von LS/Arii, Academy, Dragon, F-Toys/Platz, Revell/Matchbox, Trumpeter/Mini Hobby sowie die aktuellen Revell-Form. Mit Ausnahme der neuen Revell-Form erschienen alle anderen Konkurrenten bereits in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren und wurden mehrfach, teils von unterschiedlichen Herstellern, aufgelegt. Der Revell-Bausatz erschien erstmals 2006, gefolgt von sechs Wiederauflagen bei Revell sowie einer weiteren bei Ace. Abgesehen von der Auflage von 2009 handelte es sich in den vergangenen Jahren jedoch meist um Sonderlackierungen im Rahmen verschiedener Tiger Meets. Erst mit der aktuellen Auflage besteht nun auch die Möglichkeit, eine reguläre Einsatzmaschine der RAF oder der Bundesmarine zu bauen. Der kleine Karton zeigt eine ansprechende Abbildung eines Bundesmarine-Tornados im Tiefflug über dem Meer. In der kompakten Faltschachtel finden sich sicher eingeschweißt vier graue Gussrahmen sowie ein klarer Spritzrahmen, der allerdings nur die Cockpitscheibe enthält. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Teile sauber gespritzt und meiner Meinung nach auch heute noch auf der Höhe der Zeit. Der Bau geht insgesamt recht reibungslos voran. Das Cockpit besteht aus zwei Sitzen, zwei Instrumentenbrettern und einem Steuerknüppel. Die Anzeigen werden mithilfe von Decals dargestellt, Sicherheitsgurte für die Piloten sind jedoch nicht vorgesehen. Als Alternative gab es beziehungsweise gibt es ein Resinset von RES-IM, das derzeit allerdings offenbar überall ausverkauft ist. Das Cockpitsegment liegt separat bei. Auf Buggewicht wird in der Anleitung zwar nicht eingegangen, dennoch würde ich empfehlen, zur Sicherheit etwas Gewicht einzukleben.
Die Flügel bleiben schwenkbar und sind dank eines Zahnradsystems stets korrekt parallel zueinander ausgerichtet. Auch das Höhenleitwerk bleibt theoretisch beweglich. Anschließend wird das mittlere Rumpfsegment zusammengesetzt, das – im Gegensatz zum Cockpit – horizontal geteilt ist. Der Übergang muss leicht verschliffen werden, ist jedoch unproblematisch. Danach werden Cockpit, Rumpf, Triebwerk und Seitenleitwerk zusammengefügt. Die Triebwerksauslässe sind in einem Teil zusammengefasst, das jedoch eine sehr schöne Struktur zeigt. Am Seitenleitwerk müssen bei der RAF-Version noch zwei Stabilisierungsflossen angebracht werden. Links und rechts werden zudem die Lufteinlässe ergänzt, wobei ebenfalls etwas Nacharbeit nötig ist. Die Oberflächengravuren sind für diesen Maßstab vielleicht etwas kräftig ausgefallen, wirken in ihrer Formgebung jedoch stimmig und lassen sich mit einem dezenten Wash gut betonen. Die Fahrwerksschächte am Rumpf sind direkt angegossen und die dargestellte Struktur ist für den Maßstab vollkommen ausreichend. Das Fahrwerk selbst ist jeweils einteilig gespritzt, was sehr positiv ist, da man sich unnötige Kleinteilerei erspart. Die vorderen Fahrwerksklappen müssen allerdings selbstständig getrennt werden, da sie ebenfalls als einteiliges Bauteil ausgeführt sind. Das Klarsichtteil für die Cockpithaube ist klar und schlierenfrei, auch hier sind die Oberflächen sehr gut umgesetzt. Zudem besteht die Möglichkeit, den Tankeinfüllstutzen wahlweise geöffnet oder geschlossen darzustellen. An der Rumpfspitze wird abschließend noch eine Antenne angebracht. In den nächsten und letzten Bauschritten folgen noch einige Pylone sowie die Bewaffnung. Hier ist etwas Aufmerksamkeit gefragt, da verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten bestehen und man sich vorab überlegen sollte, welche Variante dargestellt werden soll. Dabei bietet die RAF-Version mehr Spielraum als die deutsche, zumindest wenn man vorbildgerecht bleiben möchte. Als Bewaffnung liegen AIM-9L Sidewinder (Luft-Luft-Lenkwaffen), der BOZ 101 Pod (Täuschkörperbehälter), der Sky Shadow (Radarstörsender), lasergelenkte Bomben, 1.000-Pfund-Bomben sowie Zusatztanks in den Größen 1.500 und 2.250 Liter bei. Was mir speziell für eine MFG-Version jedoch fehlt, ist der Seeziel-Flugkörper Kormoran, der zur Hauptbewaffnung der Marine-Tornados gehörte.
Bemalung und AbziehbilderDem Bausatz liegt ein relativ großes Abziehbilderblatt bei. Das erklärt sich dadurch, dass Revell die Decals vorbildbezogen sortiert hat. Die Abziehbilder sind - wenig überraschend - sauber gedruckt; trotz der winzigen Markierungen, was dem Maßstab geschuldet ist, sind weder Versatz noch Unschärfen festzustellen. Zudem sind umfangreiche Stencils enthalten. Negativ fällt mir auf dass ein paar der Bilder nicht wirklich maßstäblich sind und dadurch zu groß für das Modell. Revell bietet dieses Mal zwei Bemalungsvorschläge an, die beide typische „Kalte-Krieger“-Maschinen der 1980er-Jahre darstellen. Der Hersteller ermöglicht damit die Darstellung zweier Einsatzflugzeuge, eine der RAF und eine der Bundesmarine.
AnleitungDie Anleitung entspricht dem, was man von Revell erwartet: Sie ist mittlerweile farbig gedruckt, verzichtet jedoch auf einen Text zum Vorbild. Es folgt die Farbübersicht im Revell-Farbsystem; erfreulich ist, dass dieses Mal keine Farben selbst angemischt werden müssen. Die Teileübersicht bietet eine hilfreiche Orientierung, um die benötigten Bauteile schnell zu finden. Anschließend geht es in 25 übersichtlichen Schritten durch den Bau. Dabei wird auch darauf hingewiesen, welche Teile speziell für die RAF-Version benötigt werden. Die Detailbemalung des Tankstutzens und der Cockpitstreben halte ich allerdings für eher unglücklich gewählt, da sie stark davon abhängt, welche der beiden Versionen man darstellen möchte. Bauschritt 22 ist für mich jedoch etwas unklar, wann man hier welche Teile entfernen soll, das hätte man anders machen können. Sehr positiv hervorzuheben ist hingegen die Beschreibung der Anbauteile – ein Punkt, der mir bei anderen Bausätzen oft fehlt. So lässt sich genau nachvollziehen, welche Ausrüstung das Flugzeug trägt. Die beiden Bemalungsvorschläge sind übersichtlich gestaltet und zeigen klar, wo welches Abziehbild angebracht werden muss.
Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Leicht, wenn man Kleinteile nicht scheut FazitNach wie vor ist Revells Tornado der beste, der in diesem Maßstab auf dem Markt erhältlich ist. Erstmals handelt es sich bei dieser Bausatzform zudem nicht um eine Sonderlackierung, sondern um reguläre Einsatzmaschinen aus der Zeit des Kalten Krieges. Absolut empfehlenswert! Weitere InfosReferenzen
Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 16. Januar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
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