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W.W. II Allied Bailey Bridge Type M2

(Bronco Models - Nr. 35012)

Bronco Models - W.W. II Allied Bailey Bridge Type M2

Produktinfo:

Hersteller:Bronco Models
Sparte:Militärfahrzeuge bis 1945
Katalog Nummer:35012 - W.W. II Allied Bailey Bridge Type M2
Maßstab:1:35
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:2006
Preis:ca. 30,-€
Inhalt:
  • 7 Spritzgussrahmen mit insgesamt 703 Teilen 
  • 7 Spritzgussteile (Holzimitationen für Auffahrtrampen und Bodenbretter)
  • 11 Profile aus Kunststoff (Stahlträger)
  • Alle Kunststoffteile sind teilweise olivgrün, teilweise olivgrau
  • 2 unterschiedlich dicke Platinen mit PE-Teilen für Geländerstützen
  • Weißes Garn
  • Bauanleitung

Besprechung:

Historische und persönliche Notiz

Im Zusammenhang mit einem Brückenbau-Projekt bin ich auf die nach Sir Donald Bailey benannte Brücke gestoßen. Der Zivilangestellte Bailey war in der britischen Kriegsadministration tätig. "Seine" Brücke soll erstmals 1942 eingesetzt worden sein, hauptsächlich wurde sie nach den Landungen in Sizilien und in der Normandie von den Alliierten verwendet, fand aber selbst in Burma Verwendung. Vorteile lagen besonders darin, dass industriell gefertigte Stahl- und Holzelemente per Lkw leicht transportierbar und von Hand - ohne Maschineneinsatz - montierbar waren. Bailey-Brücken sind nahezu weltweit nachweisbar und werden heute noch in China produziert (siehe unten "Weitere Infos").

Bronco brachte das Modell im Maßstab 1:35 im Jahre 2006 auf den Markt. Der Bausatz ist zwar weder historisch noch aktuell, meiner Meinung nach aber zu wenig beachtet. Nachdem ich vor einiger Zeit auch selbst Reste einer Bailey-Bridge im Elsass (Marckolsheim) gesehen hatte, legte ich mir den Bausatz zu. Da es kaum Besprechungen des Modells gibt, habe ich mich entschlossen, selbst etwas zu schreiben. Was auf den ersten Blick angesichts von modernen Alligatoren, Bibern und Leguanen wenig spektakulär erscheinen mag, ist aber gar nicht so verkehrt, wenn man die modellbauerischen Möglichkeiten bedenkt: Transport, Aufbau und Betrieb lassen an vielfältige Szenarien für ein Diorama denken, zumal das Vorbild selbst heute noch in Deutschland vorgehalten und eingesetzt wird (z.B. Hochwasserkatastrophe im Ahrtal 2021).

Bronco Models - W.W. II Allied Bailey Bridge Type M2

Der Bausatz...

…wird in einem Stülpkarton (383 x 245 mm) geliefert. Neben der Bauanleitung enthält er Teile, die für eine kurze Brücke aus drei Segmenten ausreichen. Die Teile sind wie in China üblich verpackt. Mein Exemplar hat die Containerreise im Gegensatz zur Schachtel gut überstanden.

Der Brückenbausatz ist mit Teilen weiterer Kits dank des modularen Systems wie beim Vorbild beliebig verlängerbar. Er ist auch als Variante M1 mit doppelt hohem Fachwerk (Bronco #35055, erstmals 2009) erhältlich.

Der Inhalt des Kits

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W.W. II Allied Bailey Bridge Type M2

 

Die Bauteile

Eine Vielzahl von Teilen, die relativ gleichförmig und unspektakulär aussehen; möglicherweise von der Anmutung her eher als langweilig empfunden: Bretterplatten, Profile, Stützen, Streben, Knotenbleche, Beschläge wie z.B. Verbindungselemente. Trotz einfacher Konstruktionsprinzipien ist besondere Aufmerksamkeit beim Bau erforderlich: Routinemäßiges Arbeiten kann leicht zu Fehlern beim Zusammenbau führen.

Die Fachwerkkonstruktion erfolgt dreifach pro Seite. Dabei trägt die innere Doppelkonstruktion die eigentliche Last der Brücke (Teile I, 12fach). Das äußere Einzelfachwerk trägt den zusätzlichen Fußgängersteg (Teile K, 6fach). Die eigentliche Brücke besteht aus drei Segmenten (Spritzteile H), die aus Bretterplatten bestehen. Die Brücke hat ohne Rampen eine Gesamtlänge von 258 mm.

Die Rampen für die Fahrbahn werden aus vier Rampenteilen (jeweils Spritzling GA und GB) gebaut, die Holzbelag imitieren und ebenfalls fein gemasert sind. Die Rampenlänge beträgt jeweils 172 mm. Rampen für die Fußgängerstege – wie auf dem Deckelbild - fehlen und müssen selbst nachgebildet werden. Die Brücke hat je nach Rampenstellung eine Gesamtlänge von max. 602 mm und 119 mm Breite (für Fahrzeuge nutzbar: maximal 109 mm; Sherman 75 mm; M36 90 mm). Mit der gewählten Holzdarstellung müsste sich gut arbeiten lassen, sie wird womöglich aber auch den Wunsch entstehen lassen, die Dielenbretter aus Echtholz zu bauen bzw. entsprechende Platten lasern zu lassen. Wer dies nicht macht, wird sich über die Farbgebung und Alterung des Holzes Gedanken machen müssen. Die Fotoätzteile (Platine MA, MM) sind als Pfosten der Handläufe für die Fußgängerstege vorgesehen.

Es lohnt sich auf jeden Fall, sich das Konstruktionsprinzip der Brücke zu vergegenwärtigen, bevor man mit dem Bau loslegt.

Der Versäuberungsaufwand wird eher als relativ gering eingeschätzt. Auswerfermarken sind weitgehend im nicht sichtbaren Bereich, ein Glasradierer ist trotzdem immer hilfreich. Der Spritzguss und das verwendete Material sind hochwertig. Decals gibt es vorbildgerecht keine, allerdings gab es gelegentlich Schilder an den Brückenauffahrten, was den Modellbauer doch freut. Oder?

Der Bauplan

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W.W. II Allied Bailey Bridge Type M2

 

Der Bauplan...

...umfasst sieben Seiten im angenäherten A4-Format. Die kurze historische Vorbemerkung ist auf englisch und chinesisch. Dass Bailey ein Pionier („Royal Engineers“) gewesen sein soll, halte ich allerdings für einen Irrtum. Icons (S.1) unterstützen den Modellbauer. Ansonsten beschränkt sich der Bauplan auf wenige Anmerkungen. Der Bauprozess wird nicht in der Abfolge einzelner Bauschritte dargestellt, sondern als Konstruktionsablauf der einzelnen Elemente, die mehrfach erstellt werden müssen und aus denen sich modular die Brücke als Ganzes zusammenfügen lässt. Hier wäre schon der eine oder andere weitere Fingerzeig willkommen, um sich bei der Vielzahl von gleichförmigen Bauteilen gut zurecht zu finden. Es kann hilfreich sein, sich zuerst die Gesamtkonstruktion intensiv anzusehen und sich mit der Funktion der einzelnen Elemente vertraut zu machen, bevor man mit dem Zusammenbau beginnt. Für die Bemalung wird ein schlichtes Olivgrün (von sechs Herstellern/Firmen) vorgeschlagen (S.2).

Ergänzende Hinweise zum Bauplan

einschließlich Änderungen, die ich mir für den Zusammenbau vorgenommen habe:

  • Unbedingt mit der Konstruktion vertraut machen
  • Teile identifizieren, erst direkt vor dem Einbau versäubern, nichts vorher abtrennen
  • Bauplan rückwärts und vorwärts „lesen“, Konstruktion „durchdringen“
  • Originalfotos studieren (Baue ich einen zusätzlichen Fußgängersteg? Benötige ich dann das dritte Fachwerk?) – vgl. Referenzen [häufig: ohne!] => oft nur FW1 + FW2!
  • Vor dem Kleben: Trockenschwimmverfahren – auf Auswerfer achten -> sichtbar?
  • S.3: Mit dem Zusammenbau des Außenfachwerks beginnen -> Übung! (FW3, K-Teile), 6x, beiseitelegen
  • Auf den Seitenwechsel bei der Fachwerkkonstruktion im Bauplan achten (siehe Verbindungsklauen)
  • Zusammenbau der Innenfachwerke (FW1/FW2, I-Teile), 12x, mit den Befestigungselementen (I9, I13), beiseitelegen – Siehe Bauplan: Teile I6 und I12 ergänzen
  • Teile I11 nicht ans Fachwerk kleben, sondern an I4 (vgl. S.5) -> sollte sich später leichter positionieren lassen
  • S.4: Teile F2 und I10 (Ösen) erst später ankleben, da sich sonst das innere Fachwerk (FW1) nicht auf den Träger schieben lässt (vgl. S.5); sobald der sitzt, werden die Teile angeklebt, erst dann kommt das Mittelfachwerk (FW2) drauf.
  • Abbildungen S.6 und S.7 auf dem Bildschirm vergrößern -> Bauplan auf Scalemates downloaden.

Weitere Erfahrungen zum Bau finden sich bei kitmaker.net (mit Fotos vom Zusammenbau)

(Foto: Autor)
(Foto: Autor)

Darstellbare Fahrzeuge:
  • Eine Behelfsbrücke aus drei Segmenten, die hauptsächlich für Operationen der US Army sowie Royal Army v.a. in Italien, Frankreich und NW-Europa gedacht ist.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte weltweit genutzt; u.a. in Vietnam.
  • Als Behelfsbrücke wurde/wird die Bailey-Bridge auch zivil genutzt (u.a. THW)
Stärken:
  • ungewöhnliche Modellwahl eines wenig spektakulären Vorbilds
  • vorbildgerechte, hochwertige Umsetzung
  • zivil wie militärisch einsetzbar
  • auch als Ladegut für Transportfahrzeuge (Lkw)
Schwächen:
  • Bauanleitung (i.B. S.5: Zuordnung der Elemente von S.3)
  • Rampen für die Fußgänger-Laufstege sind auf dem Deckelbild abgebildet, aber nicht im Bausatz enthalten
Anwendung:

Ein Bausatz, der es trotz einer gewissen Schlichtheit angesichts über 700 teilweise kleinster Teile in sich hat und den Pragmatismus der Konstruktion gut wiedergibt. Wer sich ohne Zeitdruck und störende Mitwelt in das Bauprojekt vertiefen kann und die nötige Sorgfalt walten lässt, wird mit einem schönen Modell belohnt. Nichts für eilige Modellbauer!

Fazit:

Mit seinem Bausatz einer Fachwerkbehelfsbrücke schließt Bronco eine Lücke im Angebot der zahlreichen wie vielfältigen Militärfahrzeuge und -gerätschaften im Maßstab 1:35, so dass der Modellbauer eine gute Grundlage für ein Diorama bekommt, das eine alliierte Behelfsbrücke z.B. beim Transport, Aufbau oder Betrieb zeigen kann. Pioniere gibt es in 1:35 meines Wissens nicht, aber diese sollten sich aus Tank Repair Crews gut „umpfriemeln“ lassen. Wer es groß mag, wird hinter die Bailey-Bridge noch eine Brückenruine von RT-Diorama setzen. Aber auch solo bietet das Modell eine tolle Möglichkeit z.B. einen Sherman oder einen Cromwell zu präsentieren.

Weitere Infos:

Referenzen:
  • Die technische Aufbau- und Betriebsvorschrift des Originals mit 493 (!) Seiten bei us.archive.org, Headquarters Department of the Army. 13. April 1948. (pdf, englisch).
  • Mike McLaughlin (2005): The British Bailey Bridge bei warfarehistorynetwork.com (mit historischen Farbphotographien)
  • Bridges over Vietnam bei usastruck.com
  • Historisches und Technisches bei Wikipedia
  • Skizzen des Originals bei theheritageportal.co.za: Bridge of Wars - The Story of the Bailey Bridge
Anmerkungen:
  • Die historisch bekannteste Bailey-Bridge dürfte die Hien-Luong-Brücke sein. Dort markiert eine weißgestrichene Diele den 17. Breitenkreis, der von 1954 bis 1975 Süd- und Nordvietnam trennte. Heute ist sie für den Verkehr als Kriegsdenkmal gesperrt.

Diese Besprechung stammt von Thomas Ehrensperger - 03. Januar 2026

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