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Horten Ho IX V1

(AMP - Accurate Moldel Parts - Nr. 72007)

AMP - Accurate Moldel Parts - Horten Ho IX V1

Produktinfo:

Hersteller:AMP - Accurate Moldel Parts
Sparte:Flugzeuge Militär WK2
Katalog Nummer:72007 - Horten Ho IX V1
Maßstab:1:72
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:2020
Preis:ca. 26 €
Inhalt:
  • 3 Spritzlinge mit toal 44 Einzelteilen
  • 1 Ätzteilplatine
  • 2 Markierungsbögen
  • 1 Bauanleitung

Besprechung:

Die Gebrüder Horten

Wenn man von den Gebrüder Horten spricht, dann denkt man an Walter und Reimar. Doch es gab noch einen dritten Bruder, Wolfram. Alle drei dienten bei der deutschen Luftwaffe im 2. Weltkrieg. Wolfram Horten starb im Mai 1940 in einer Heinkel He 111. Walter starb im März 1994 in Argentinien und Reimar im Dezember 1998 in Deutschland.

Alle drei Brüder wurden in Bonn geboren (1912, 1913 und 1915) und verschrieben sich schon in jungen Jahren der Luftfahrt. Zuerst mit selbst konstruierten Modellflugzeugen bis sie sich dem Konzept der schwanzlosen bzw. Nurflügelflugzeuge widmeten.

Ab 1933 konstruierten sie Segelflugzeuge, die auch an entsprechenden Wettbewerben teilnahmen. Dann folgten Umbauten mit Motor bzw. Neukonstruktionen, die mit einem, später zwei, Motoren mit Luftschrauben motorisiert waren.

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Horten Ho IX V1

 

Nurflügler für die Luftwaffe

Im 2. Weltkrieg waren sie zwar aktive Soldaten, doch durch persönliche Kontakte konnten sie ihren Flugzeugkonstruktionen weiter fortsetzen. Später wurde dies sogar halboffiziell gefördert. So wurden alle kommenden Entwürfe, z.B. die Ho VII, für eine militärische Nutzung konstruiert.

Als Walter Horten im Jahr 1943 Informationen über die Junkers Jumo 004-Strahltriebwerke in die Hand bekam war die Idee geboren, solche Triebwerke in eines ihrer Konstruktionen einzubauen. Etwa zeitgleich wurde vom RLM eine Ausschreibung zu einem Projekt 1000x1000x1000 vergeben (1000 km/h Geschwindigkeit, 1000 km Eindringtiefe und 1000 kg Bombenlast). Von Göring persönlich erhielten die Horten Brüder im August 1943 den Auftrag zum Bau und Erstflug des in zwischen Horten IX getauften Entwurfes ohne Triebwerke in einer First von sechs Monaten.

Die Horten IX V1

Da sich die Dienststelle der Horten Brüder in Göppingen befand wurde auch dort mit dem Bau der Maschine begonnen. Als Werkstatt diente eine Halle der dortigen Autobahnstraßenmeisterei. Die Mittelsektion bestand aus einem Rohrgerüst, welches mit Holz beplankt wurde. Die abnehmbaren Flügel waren überwiegend aus Holz konstruiert. Als einziehbares Hauptfahrwerkbein dienten Teile eines Bf 109-Fahrwerkbeins und als Bugrad wurde das Spornrad einer abgewrackten Heinkel He 177 verwendet. Das restliche Fahrwerk war starr angebaut und aerodynamisch verkleidet. Die Maschine erhielt die Werknummer 38.

Wäre das etwa aus 30 Mann bestehende „Erprobungskommando IX" vollständig in die Strukturen der Wehrmacht integriert gewesen, wäre dieser Termin sicherlich nicht zu halten gewesen. Tatsächlich termingerecht und entgegen aller bürokratischer Hindernisse machte die Horten IX V1 am 28. Februar 1944 (oder 1. März nach einer anderen Quelle) am Flugplatz Göttingen den erfolgreichen Erstflug.

Dieser hätte leicht in einer Katastrophe enden können, denn wegen der guten Gleitflugeigenschaften setzte die Maschine sehr spät auf der schneebedeckten Landebahn auf. Trotz des Bremsfallschirms wäre sie fast in einen Hangar gerutscht, wenn der Pilot nicht das Bugfahrwerk eingezogen hätte und so den Gleiter etwa 100 Meter vor der Halle zum Stehen gebracht hätte. Die Maschine wurde dabei nur leicht am Bug beschädigt.

Nach einigen weiteren Schleppstarts in Göppingen wurde die Maschine im April 1944 zur Erprobung nach Oranienburg überführt. Nach minimalen Änderungen bescheinigte man dort der Maschine ausgezeichnete Flugeigenschaften. Von dort wurde sie kurz vor Kriegsenden nach Brandis verlegt, wo die militärische Erprobung erfolgen sollte. Fotos belegen das der Gleiter zwar dort angekommen war aber wegen den näher kommenden US-Truppen nicht mehr montiert und getestet werden konnte. Die Teile der V1 wurden dann später verbrannt.

Mit der Horten IX V2 sollte am 2. Februar 1945 der erste Flug eines strahlgetriebenen Nurflügelflugzeuges erfolgen. Doch dies ist eine andere Geschichte...

Zusammenfassend kann man sagen das das Nurflügelkonzept der Horten Brüder richtungsweisend für die heutige Luftfahrtechnik war. Die „Stealth"-Eigenschaften eines solchen Konzeptes war ihnen zu der damaligen Zeit höchst wahrscheinlich noch nicht bewusst. Aber ungeachtet dessen befassten und befassen sich vor und nach den Horten Brüdern weltweit Konstrukteure mit dem Nurflügelkonzept.

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Horten Ho IX V1

 

Die Horten Ho IX V1 als Modell

Von der Ho IX V1 gibt es als echte Alternative eigentlich nur den Resin-Bausatz von A+V-Models. Dieser ist aber schon fast 20 Jahre alt und heute entsprechend selten zu bekommen. Da hat der aktuelle Bausatz von AMP in Spritzgussherstellung ein eindeutiges Alleinstellungsmerkmal.

Der Bausatz von AMP

Der ansprechend gestaltete Stülpkarton enthält drei Spritzlinge mit hellgrauen Bauteilen, ein Spritzling mit Klarteilen, eine kleine Ätzteilplatine, zwei Markierungsbögen und eine Bauanleitung.

Das Ober- und Unterteil des Modells weisen, dem Original entsprechend, nur wenige versenkte Gravuren auf. Zur Erinnerung: Das Orginial war überwiegend aus Holz gefertigt. Der Spritzling mit den Kleinteilen zeigt Licht- und Schatten. Positiv ist das die verschiedenen Ruderflächen als separate Teile enthalten sind. Doch um sie, entsprechend dem Original, beweglich darzustellen ist noch etwas Zusatzarbeit angesagt. Die Details des Cockpits sind auch ganz ansehnlich. Aber wer die Option nutzen möchte es offen darzustellen sollte noch Details wie Sitzgurte und anderes selbst hinzufügen. Denn einen Steuerknüppel habe ich nicht gefunden. Möglicherweise handelt es sich um Bauteil C7. Doch dies wird nirgendwo erwähnt.

Die Ätzteilplatine enthält als einziges Bauteil das Instrumentenbrett. Dieses ist wohl noch kurzfristig zum Bausatz hinzugekommen, denn die Platine taucht weder in der Teileübersicht noch in der Bauanleitung auf. Sind die Details an den Rädern noch akzeptierbar, so weisen die feinen Bauteile der Fahrwerksteile an zahlreichen Stellen Unsauberkeiten in Form von „Fischhäuten" auf. Diese sind nur schwer zu entfernen da hier akute Bruchgefahr herrscht. Die beiden Klarteile sind nach einer Politur durchaus brauchbar. Es gibt die Optionen die Abdeckung offen oder geschlossen darzustellen.

Die wenigste Arbeit hat man wenn man sein Modell mit geschlossenem Cockpit und im Flugmodus darstellt. Jede andere Option ist mit Mehraufwand verbunden. Und wenn schon Zusatzarbeit, warum nicht das hier: Bauteil C14 stellt den verpackten Bremsfallschirm dar. Warum nicht das Teil weglassen und die Maschine nach der Landung darstellen und mit Fäden und Taschentuch den benutzten Bremsfallschirm am Boden hinter der Maschine darstellen?

Ein Detail hat AMP jedoch vergessen: Am Original befanden sich auf der Rumpfunterseite, neben dem Fahrwerksschacht zwei große, ovale, verglaste Öffnungen die dem Piloten eine bessere Sicht nach unten ermöglichten. AMP hat die Gravuren dazu zwar angedeutet, jedoch sind sie am hinteren Ende falsch dargestellt. Die Existenz dieser zwei Öffnungen ist auf zwei Originalfotos gut zu erkennen. Wer hier das Modell korrekt darstellen möchte sollte die Stellen neu gravieren und schwarz lackieren.

Die Bauanleitung besteht aus einem A4 und einem A5 farbig bedruckten Blatt. Die Zeichnung haben eine ausreichend gute Größe und sind leicht verständlich aufgebaut. Die Farbangaben sind nur allgemein gehalten und lassen damit Spielraum in der Wahl des Farbenherstellers. Die Markierungen auf den beiden kleinen Bögen sind matt gedruckt und augenscheinlich leicht zu verarbeiten. Offenbar war die erste Version des rot umrandeten Gehbereiches zu kurz geraten (Decal Nr. 1). Denn die beiden zusätzlich enthaltenen Decals haben eine passende Länge und reichen bis an die Flügelhinterkante. Freundlicherweise ist die korrigierte Version dann auch zweimal vorhanden. Decal Nr. 2 ist für das Instrumentenbrett bestimmt. Doch die Platzierung von Decal Nr. 4 konnte ich noch nicht einem genauen Ort am Modell zuordnen.

Horten Ho IX V1Horten Ho IX V1Horten Ho IX V1Horten Ho IX V1Horten Ho IX V1Horten Ho IX V1Hier sollten eigentlich die beiden ovalen Sichtfenster für den Piloten sein.

Horten Ho IX V1

 

Stärken:

Erster Spritzgussbausatz der Horten Ho IX V1

Schwächen:

Einige Unsauberkeiten an den Bauteilen

Details am Modell/Baualeitung wurden offenbar vergessen

Anwendung:

Bedingt auch für Modellbaueinsteiger geeignet

Fazit:

Auf den ersten Blick ist der Bausatz der Horten Ho IX V1 sehr lobenswert. Doch wenn man genauer hinsieht werden die Nachlässigkeiten bei der Umsetzung des Bausatzes augenscheinlich. Ich vermute, das wenn sich der Hersteller AMP etwas mehr Zeit bei der Recherche genommen hätte, einige der Fehler hätten vermieden werden können. Es bleibt abzuwarten ob sich ein Zurüsthersteller diesem Modell annehmen wird um die genannten Korrekturen umzusetzen.

Es wäre sehr wünschenswert wenn AMP auch noch die Ho IX V2 aus diesem Bausatz ableiten würde. Denn damit würde eine Lücke in der Entwicklung bin hin zur V3 geschlossen werden.

Weitere Infos:

Referenzen:

Als Literatur zum Thema zu empfehlen:

- Nurflügel, Waffen-Arsenal Nr. S-17, H. P. Dabrowski, Podzun-Pallas-Verlag

- Deutsche Nurflügel bis 1945, H. P. Dabrowski, Edition Dörfler, Nebel Verlag

- Horten 229 Spirit of Thuringia, Shepelev & Ottens, Luftwaffe Classics No. 12, Classic Publications

- Horten 229, Monogram Close-Up 12, D. Myhra, Monogram Aviation Publications

- Gothe Go (Ho) 229 + Horten Ho XIII, H. Lommel, Luftfahrt History 9, LAUTEC Medien GmbH

Diese Besprechung stammt von Bernd Heller - 01. December 2020

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