Du bist hier: Home > Kit-Ecke > Planet Models > FFVS J-22A

FFVS J-22A

(Planet Models - Nr. 129-PLT264)

Planet Models - FFVS J-22A

Produktinfo:

Hersteller:Planet Models
Sparte:Flugzeuge Militär WK2
Katalog Nummer:129-PLT264 - FFVS J-22A
Maßstab:1:48
Kategorie:Bausätze (Resin, Vacu, ...)
Erschienen:February 2017
Preis:ca. 57 €
Inhalt:
  • 47 Resinteile, davon 1 aus klarem Material
  • Vacuhaube in doppelter Ausführung
  • 3 Metallteile
  • 1 Platine mit Ätzteilen
  • 1 Stück Intstrumentenfilm
  • 1 Decalbogen

Besprechung:

Planet Models - FFVS J-22A

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges befand sich die schwedische Luftwaffe in einer prekären Situation. Die Gloster Gladiator bildete damals das Rückgrat der fliegenden Verbände und war zu diesem Zeitpunkt bereits veraltet und es bedurfte dringend eines Nachfolgemodells. Die Bemühungen Schwedens, moderne Flugzeuge im Ausland zu erwerben, waren nur von bescheidenem Erfolg gekrönt. Das 1940 von den USA verhängte Embargo machte die Beschaffung der Seversky P-35A und der Vultee Vengeance unmöglich. Beide Muster waren nach eingehender Untersuchung gegen Ende der 1930er Jahre als am geeignetsten befunden worden.  Die italienischen Typen Fiat CR.32 und Reggiane Re.2000 kamen allenfalls als Übergangslösung in Frage.

Das veranlasste Schweden schließlich dazu, sich nicht nur mehr auf ausländische Lieferungen zu verlassen, sondern die Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Die in Stockholm ansässige Firma FFVS mit ihrem Chefdesigner Bo Lundberg erhielt einen entsprechenden Auftrag von der Regierung. Er verfolgte den durchaus zweckmäßigen Ansatz nur strategisch unbedeutendere Materialien für die Konstruktion zu verwenden, wie z.B. einfache Stahlrohre für die Unterkonstruktionen von Rumpf und Tragflächen. Diese sollten dann später nur zum Teil mit Aluminium beplankt werden, der überwiegende Teil des Rumpfes sowie die Flügel sollten eine Außenhaut aus Sperrholz erhalten.

Planet Models - FFVS J-22A

Beim Motor nahm man es mit dem geistigen Eigentum nicht ganz so genau und fertigte den bereits in anderen Flugzeugen eingesetzten Pratt & Whitney R-1830 Twin Wasp in "Lizenz". Das Fahrwerk der J-22 verfügte über eine recht geringe Spurweite und wurde nach hinten in den Rumpf eingezogen, das Spornrad war ebenfalls einziehbar, so dass sich eine recht saubere Kontur im Flug ergab.

Der erste Prototyp der J-22 startete am 20. September 1942 zu seinem Erstflug. Etwa bereits ein Jahr später war die Maschine einsatzbereit. Die Bewaffnung der J-22A, so die Bezeichnung der Serienmaschinen, bestand aus zwei schweren MG mit einem Kaliber von 13,2mm im Rumpf sowie zwei kleineren MGs mit 7,9mm in den Flügeln. Von dieser Version wurden 143 Stück gebaut. Die J-22B war mit vier 13,2mm MGs ausgerüstet, von ihr wurden noch einmal 55 Maschinen gefertigt. Außerdem gab es zeitweise eine Version als Aufklärer, neun dieser als J-22S (S=Spanning) bezeichneten Maschinen wurden gebaut und später zur Kampfversion umgerüstet.

Planet Models - FFVS J-22A

Über 500 Subunternehmer waren am Bau der J-22 beteiligt. Insgesamt wurde die J-22 bei sieben Einheiten der Flygvapnet eingesetzt und verblieb bis 1952 im aktiven Dienst. In der Zeit von 1943 bis 1946 bildeten die J-22 das Rückgrat der schwedischen Luftverteidigung. Sie wurde dann nach und nach von der heimischen J-21A und J-21R (mit Strahlantrieb) sowie den zugekauften DH Vampire und P-51D ersetzt.

Die J-22 war bei ihren Piloten wegen ihres geringen Gewichtes und ihrer guten Flugleistungen äußerst beliebt. Bis zu Höhen von etwa 4.000m konnte sie sehr gut mit den Mustangs mithalten und sie sogar ausmanövrieren, in größeren Höhen brach die Leistung jedoch ziemlich schnell ein wegen der fehlenden Turboaufladung.  

Planet Models - FFVS J-22A

Der Bausatz von Planet Models ist quasi ein Multimediapaket. Das Gros der Teile besteht aus hellbraunem bzw. dunkelgrünem Resin. Daneben gibt es noch ein paar Weißmetallteile für das Fahrwerk und eine kleine Platine mit Fotoätzteilen. Zur Nachbildung der Instrumente liegt ein Stückchen bedruckter Klarsichtfilm bei, ganz wie in alten Zeiten. Die tiefgezogenen Klarsichtteile fürs Cockpit liegen in zweifacher Ausfertigung bei. Das Panzerglas der Windschutzscheibe ist aus klarem Resin gegossen. Die Gussqualität der Resinteile ist überwiegend hervorragend, lediglich bei den Zylindern des Motors scheint etwas nicht so richtig gelaufen zu sein, anscheinend war die Gussform nicht richtig gesäubert worden oder bereits stark verschlissen. Die Angüsse sind weitestgehend geschickt platziert oder zumindest so ausgeführt, dass man die Teile schnell vorbereitet hat. Die Rumpfhälften haben sogar nur ganz kleine Giesszapfen.

Planet Models - FFVS J-22A

Der Zusammenbau beginnt wie üblich mit dem Cockpit. Die Gitterrohrstruktur wurde hier nur teilweise nachgebildet, die Schaltkästen und Bedienelemente an den Seitenteilen sind soweit komplett vorhanden, es fehlen eigentlich nur noch ein paar Leitungen bzw. Gestänge. Ein paar Fotoätzteile geben diesen Teilen den letzten Schliff. Der einfach gehaltene Sitz weist ein sehr realistisch modelliertes Sitzpolster auf. Die Gurte kommen wieder von der Ätzteileplatine. Das Instrumentenbrett ist ein Mix aus einem Grundträger aus Resin und einzelnen Ätzteilen, die mit bedrucktem Film hinterlegt werden. Auf den Innenseiten der Rümpfe sind weitere erhabene Strukturen vorhanden, die eine rudimentäre  Rohrrahmenstruktur darstellen sollen. Da der Einblick ins Cockpit auch bei geöffneter Haube nur begrenzt möglich ist, sollten die vorhandenen Details ausreichen. Wie gesagt, ich würde allenfalls ein paar Leitungen zu den Schaltkästen verlegen.

Bevor man den Rumpf verschließen kann, muss noch das metallene Spornrad eingesetzt werden. Dessen Schacht weist einige einfache erhabene Strukturen auf die man später aber wohl nicht mehr sehen wird. Schade, dass man das Rad nicht separat gegossen hat, bei dem Preis und dem Aufwand für die Herstellung der übrigen Bausatzteile wäre das sicherlich noch machbar gewesen.

Planet Models - FFVS J-22A

Als nächstes kommt der Motor an die Reihe. Beide Zylindersterne des Twin Wasp sind vorhanden. Wie oben erwähnt ist der Guss hier nicht wirklich gut gelungen. Die Stößelstangen muss der Erbauer noch selbst beisteuern, ebenso, wenn gewünscht, die Zündkabel. Die hätte man locker noch in die Ätzteileplatine integrieren können. Der Propeller, bestehend aus drei einzelnen Blättern, gefällt mir überhaupt nicht. Die einzelnen Blätter sind auf der Rückseite völlig flach ohne jegliches Profil. Außerdem ist die Wurzel der Blätter nicht schön ausgeformt. Am besten tauscht man die gegen etwas Passendes aus Kunststoff aus, ich denke ein Hamilton Standard Propeller von einer Spitfire oder Mosquito dürfte das Problem lösen. Die Cowling ist so gegossen, dass der Anguss vorne liegt, somit ist die Hinterkante schön dünn ausgefallen.

FFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22A
FFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22A

FFVS J-22A

 

Die Tragflächen und Höhenleitwerke bestehen aus einem Stück (also rechte und linke) und bedürfen kaum Vorarbeit. Die Kanten sind schön dünn und die Teile sind nicht verzogen oder ähnliches. Die Bespannung der Steuerflächen sieht ok aus, man kann aber durchaus mal kurz mit dem Schleifpad darüber gehen. Die wenigen vorhandenen Gravuren sind sehr fein ausgeführt. Stellenweise gibt es auch erhabene Details. Die großen Zugangsklappen zu den Flügelwaffen haben angedeutete Schnellverschlüsse, alle anderen Deckel und Klappen haben diese nicht.

Alle Steuerflächen sind bereits angegossen, wer etwas davon ausgelenkt anbauen möchte, muss zur Säge greifen. Das Fahrwerk ist recht einfach gehalten, ganz wie beim Original. Und weil die Schächte am Boden immer geschlossen waren gibt es am Modell in diesem Bereich auch nix zu sehen. Ein paar Kleinteile muss man noch anbringen und schon ist man fertig mit dem Zusammenbau und kann sich der Lackierung widmen.

FFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22A
FFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22AFFVS J-22A

FFVS J-22A

 

Der Decalbogen hält zwei Markierungsoptionen bereit, beide Maschinen tragen den üblichen Anstrich aus Olivgrün über Blaugrau.

Bei der Option A handelt es sich um die #22129, die Maschine war 1950 bei der F3 in Linköping stationiert und trägt auffällige weiße Streifen am Rumpf und an den Tragflächen, die im Rahmen einer Übung auflackiert wurden.

Die zweite Option mit der Seriennummer 22140 stellt eine Maschine der F9 aus dem Jahre 1945 dar und trägt außer den Staffelabzeichen keine besonderen Markierungen.

Die Decals machen einen guten Eindruck, der Druck ist sauber und versatzfrei. Wie gut sich das Gelb und das Rot mit der dunklen Rumpffarbe vertragen wird sich zeigen. Farbangaben gibt es nur allgemein, für die Außenfarben werden zumindest FS-Nummern angegeben, die natürlich nur eine Näherung darstellen. Innerhalb der Baustufen gibt es gar keine Hinweise zur Farbgebung. Anscheinend geht man wohl davon aus, dass jemand, der sich so einen Bausatz zulegt, über entsprechende Referenzen verfügt. Wer diesbezüglich gar nichts hat, sollte einen Blick auf die Seite des IPMS Stockholm werfen, dort gibt es einige Bilder der Museumsmaschinen.

Die Bauanleitung ist eine lose Blatt Sammlung und ähnelt in der Aufmachung den Special Hobby Anleitungen, allerdings wesentlich weniger informativ.

Darstellbare Maschinen:
  • FFVS J-22A, #22129, 3rd Division, F3, Linköping 1950
  • FFVS J-22A, #22140, 3rd Division, F9, 1945
Stärken:
  • Sauberer, verzugsfreier Guss, bis auf den Motor
  • Überwiegend günstig gelegene Angüsse
  • Gute Detaillierung
  • Inklusive Ätzteile
  • Vacuhaube in doppelter Ausführung
Schwächen:
  • Kaum Bemalungshinweise
  • Wenig überzeugender Propeller 

Fazit:

Dass Resinbausätze nicht immer perfekt sind trifft wohl auch hier zu. Der Bausatz der J-22 ist gut aber für den Preis von knapp 60 Euro hätte ich zumindest einen anständig gegossenen Motor erwartet und auch ein paar zusätzliche (Ätz-)Teile. Den Propeller sollte man aber ersetzen.

Weitere Infos:

Anmerkungen:

Den Bausatz auf der Homepage von Special Hobby erreicht ihr über folgenden Link:

129-PLT264 - FFVS J-22A 

Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 27. July 2017

Du bist hier: Home > Kit-Ecke > Planet Models > FFVS J-22A

© 2001-2020 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links | Blog