GlidersThomas Brückeltvon Making of (1:72 KP)
PrologSegelflugzeuge führen im Plastikmodellbau eher ein Mauerblümchendasein. Dennoch haben sich ein paar Hersteller im Lauf der Zeit dem Thema angenommen. So gibt es nun eine gewisse Auswahl an Bausätzen, die sich mit der wohl reinsten Art des Fliegens befassen. DefinitionSegelflugzeuge sind Luftfahrzeuge, die so konstruiert sind, dass sie ohne dauernden Motorantrieb per Auftrieb durch Tragflächen und durch das Nutzen natürlicher Aufwinde fliegen. Beschreibung der Modellbausparte in einem Wort: „Lautlos“ Nützliche InfosDeutschland ist, historisch bedingt, das Land in dem der Segelflug sehr aktiv betrieben wird, wie in keinem Anderen. Aber auch in den umliegenden Ländern kommt diese Sparte des Luftsports nicht zu kurz. Es gibt zahlreiche Vereine, in denen man das vielseitige Hobby, das Technik und Natur wie kaum ein Anderes miteinander vereint, ausüben kann. Ob man nun selbst Segelflieger ist, oder als Passagier das Segelfliegen genossen hat oder einmal genießen will (der nächste Segelflugplatz ist sicher nicht weit, Passagierflüge kann man in nahezu jedem Verein machen, einfach die Leute ansprechen): Ein Modell, das an das selbst Erlebte erinnert, kann sicher nicht schaden. Oder ein Segelflugzeugmodell einfach als formschönes Objekt der Sammlung hinzufügen, da Segelflugzeuge – egal ob historisch oder modern – meist eine recht elegante Erscheinung haben.
ProduktübersichtDa sich eher Kleinserienhersteller mit Segelflugzeugen befassen, sind einige erhältliche Bausätze aus Resin. Ein Segelflugzeugbausatz aus Resin bietet sich auch an, mit dem Material vertraut zu werden, sofern man noch keine Erfahrungen damit gesammelt hat. Die Anzahl der Teile ist überschaubar und Anpassungsarbeiten fallen oft geringfügig (je nach Hersteller) aus. Man hat keine Verzapfungen und muss die Teile selbst sauber ausrichten. Hier ist ein wenig Sorgfalt gefragt. Hauben liegen in der Regel als Tiefziehteile bei, die sorgfältig ausgeschnitten und an den Rahmen angepasst werden wollen, auch hier wird etwas mehr Fingerspitzengefühl verlangt, als bei einem Spritzguss-Bausatz. Meist liegen aber zwei Hauben bei, so hat man noch eine zweite Chance. Nur Mut, Resinmodelle bauen ist kein Hexenwerk: Learning by doing! Nicht hetzen und sich die Zeit nehmen, die man braucht: Damit ist schon fast Alles gewonnen.
Das Thema „Resin“ ist auch Inhalt des Online-Kurses für Anfänger Teil 31 in der Rubrik Tips & Tricks in Modellversium und wertvolle Tips zum Umgang mit Modellen aus Resin finden sich im Making of „Resin Models“ von Enrico Friedel-Treptow, ebenfalls in Modellversium. Für recht kleines Geld gibt es schon seit Jahrzehnten die PZW Spritzgssbausätze von polnischen Segelflugzeugtypen in 1:72. Diese Modelle sind einfach aber recht formschön - nur die Nase des Jantars ist deutlich zu platt – und lassen sich gut bauen. Optimal für Anfänger. Um die Farbgebung muss man sich allerdings selbst kümmern, hier erhält man keine Angaben (abgesehen von den neuen Deckelbildern). Also entweder Recherche oder der eigenen Kreativität freien Lauf lassen.
Von den tschechischen Herstellern AZ Model und KP (Kovozávody Prost?jov) kamen in letzter Zeit auch schön gemachte Spritzguss-Bausätze unterschiedlicher Segelflugzeugtypen heraus, jeweils mit mehreren, attraktiven Lackierungsvarianten, die schnell zu bauen sind, aber etwas Nacharbeit benötigen, wie man später sehen wird.
Auch der wohl bekannteste Plastikmodellhersteller Revell hat ein paar Segelflugzeuge im Großmaßstab 1:32 herausgebracht. Diese gehen von der Detaillierung her natürlich sehr in die Tiefe, lassen sich aber gut bauen, da hier mit kostspieligen Werkzeugen präzise Bausätze in hoher Stückzahl produziert werden können, die mit einem CAD-System konstruiert wurden. Diese Mittel stehen den kleinen Herstellern in der Form nicht zur Verfügung.
Der Bausatz:Im Folgenden wollen wir uns mit dem Bau des tschechoslowakischen Segelflugzeugs VSO-10 Gradient (auch Vosa dt. = Wespe genannt, Erstflug 1976) in den beiden Varianten B und C von Kovozavody Prostejov beschäftigen.
SegelflugzeugeVorab ein paar allgemeine Infos zu Segelflugzeugen, damit man weiß, was man baut. Moderne Segelflugzeuge haben in der Regel einen weißen Grundanstrich und nur recht wenig Verzierungen. Das liegt daran, dass bei starker Sonneneinstrahlung dunklere Flächen sich stark erwärmen und das Material (Glasfaser-Verbundwerkstoffe) seine Festigkeit verlieren kann. Daher geht es bei historischen Segelflugzeugen in Holzbauweise und Flugzeugen mit einem bespannten Stahlrohrumpf etwas farbenfroher zu. Die Kennzeichen setzen sich aus Buchstaben- und Zahlenkombinationen, je nach Bestimmung im Land der Zulassung, zusammen. In Deutschland hat ein reines Segelflugzeug (ohne Hilfsmotor) eine Kennung, die mit „D-“ beginnt und vier folgenden Ziffern. Viele Segelflugzeuge haben neben der Kennung noch eine Buchstaben- oder Zahlenkombination auf dem Seitenleitwerk, meist zweistellig. Das sind individuell gewählte Wettbewerbskennzeichen, die auch als Rufzeichen im Funk verwendet werden. Das können bei einem Privatflugzeug z.B. die Initialen des Besitzers sein. Einige Bedienelemente in einem Segelflugzeug sind mit standardisierten Farben versehen. Störklappenhebel: Blau, Haubennotabwurf: Rot, Haubenverriegelung: Weiß, Ausklinkknopf/-griff (für die Winden- oder F-Schleppkupplung): Gelb, Höhenrudertrimmung: Grün. Weiterhin finden sich an den Bedienelementen Symbole, die deren Funktion aufzeigen (für 1:72 eher uninteressant).
Zur Standardinstrumentierung gehören: Fahrmesser, Variometer (zeigt Fallen / Steigen an), Höhenmesser, Kompass, Funkgerät und ein g-Messer, sofern das Segelflugzeug eine Kunstflugzulassung hat. Displays als Navigationshilfen (GPS) haben mittlerweile auch ihren Platz in den Instrumentenpilzen gefunden. Die meisten Segelflugzeuge sind auch mit dem Anti-Kollisions-System FLARM ausgestattet. Das wichtigste Instrument des Segelfliegers ist der Wollfaden auf der Haube: Dieser zeigt die Richtung der anströmenden Luft an.
Ein Rettungsschirm ist zwar nicht vorgeschrieben, aber es gibt so gut wie keinen Segelflieger, der nicht ohne fliegt. Im Kunstflug muss ein Rettungsschirm getragen werden. Auch wenn das suggerieren könnte, dass Kunstflug gefährlicher als das normale Fliegen ist: Ist es aber nicht bei vernünftiger Durchführung.
Das wird leider nur immer wieder von Leuten behauptet, die entweder nicht wissen wovon sie sprechen, oder es selbst nicht können, und sich damit eine Behauptung zurechtlegen, weshalb sie es nicht tun. Das Beherrschen eines Flugzeugs in allen Lagen und in all seinen aerodynamischen Zuständen dient im hohen Maße der Flugsicherheit. Man könnte es mit Fahrsicherheitstraining vergleichen. Dazu macht´s noch viel Spaß.
Außen am Segelflugzeug befinden sich ein paar „Kleinteile“, die vor allem im Maßstab 1:72 in der Regel selbst hergestellt werden müssen: Schleppkupplungen, Randbogenschutz, Ruderanlenkungen und die TEK-Düse (mit ihr wird die Anzeige des Variometers kompensiert, sodass nur wahres Steigen oder Fallen angezeigt wird und kurzzeitiges Ziehen oder Drücken am Steuerknüppel „herausgefiltert“ wird). Ältere Segelflugzeuge haben oft vor dem Leitwerk Griffe, an denen man zur besseren Handhabung am Boden das Heck anheben kann, wie z.B. die K 8 oder die ASK-13.
Die am meisten angewandten Startarten im Segelflug sind der Windenstart und der F-Schlepp (Flugzeugschlepp). Der Windenstart ist die deutlich günstigere Möglichkeit in die Luft zu kommen, ist jedoch unflexibel was Höhe und Ort des Ausklinkens angeht. Auch das lässt sich in Modellform darstellen.
Das Windenseil hat einen Fallschirm, der das Seil nach dem Ausklinken bremst. Am Fallschirm Richtung Segelflugzeug befindet sich das Zwischenseil, dieses ist mit einer Sollbruchstelle mit dem Vorseil verbunden. Das Vorseil wird an der Schwerpunktkupplung des Segelflugzeugs mit einem Ring eingehängt. Die Sollbruchstelle bricht, bevor das Segelflugzeug durch zu hohe Schleppgeschwindigkeit überlastet wird. Maßstab: 1:72.
Bevor es mit dem Bau der beiden Gradienten losgeht, noch ein Tipp für Modelle mit Bespannung. Bei älteren Bausätzen wird die einfallende Bespannung zwischen den Rippen manchmal nicht dargestellt, was natürlich das Aussehen etwas beeinträchtigt oder verfälscht, denn das verleiht dem Modell eines Oldtimers doch seinen Charme. In so einem Fall lässt sich die einfallende Bespannung mit selbst gedruckten Decals darstellen: Eine Ansicht aus dem Internet herunterladen oder einscannen, wenn man entsprechende Literatur besitzt, und mit einem Grafikprogramm die Rippenstruktur nachzeichnen und auf transparente Folie drucken.
ZusammenbauNun aber ans Werk! Bei den Bausätzen handelt es sich um identische Kits. Die B-Version besitzt ein Einziehfahrwerk, diese soll fliegend mit einer angepassten Pilotenfigur gebaut werden, die C-Version hat ein starres, aerodynamisch verkleidetes Hauptfahrwerk und wird abgestellt präsentiert.
Da die Teile doch ziemlich unter Gratbefall leiden, wurde dieser mit einer scharfen Klinge, Schlüsselfeilen und Schleifpapier entfernt. Los geht es mit dem Innenleben der beiden Segelflugzeuge. Eine Passprobe ergab, dass die Sitzwannen zu schmal sind. Man erkennt auch, dass der rechte Rand etwas schmaler geraten ist, als der linke. Das wurde durch das Ankleben und Verschleifen eines Stücks gezogenen Gießastes behoben.
Danach klebte ich die Sitzwannen in die jeweils rechte Rumpfhälfte ein. Um sicherzustellen, dass die Sitzwannen korrekt ausgerichtet sind, habe ich zum Trocknen die linke Rumpfhälfte angeklemmt. Mit der Sitzwanne an einer Rumpfhälfte kann man besser hantieren und hat auch einen guten Anhaltspunkt für die Positionierung weiterer Details und der Pilotenfigur des fliegenden Modells.
Für die abgestellt dargestellte VSO-10C fertigte ich Sitzgurte an, die ich aus der Aluschale einer Backfischverpackung herausschnitt. Diese ist etwas dicker als herkömmliche Alufolie und lässt sich besser verarbeiten. Mit Sekundenkleber wurden die Gurtimitate aufgeklebt. Eine von einem gezogenen Gießast abgeschnittene Scheibe stellt dann später das Gurtschloss dar.
Um die Bedienhebel und die Mikrofone herzustellen, wurden Stücke von gezogenen Gießästen in Klammern fixiert und deren Enden dann entsprechend lackiert. Die Krümmung der Schwanenhälse der Mikrofone erzeuge ich, indem ich den gezogenen Gießast kurz mit dem Feuerzeug erhitze. Der kringelt sich dann auf und wird an passender Stelle abgeschnitten. Etwas Sekundenkleber, der mit Aktivatorspray kurz „angehustet“ wird, dickt den vorderen Bereich etwas auf und stellt das eigentliche Mikrofon dar.
Um die Cockpits farblich zu gestalten, orientiere ich mich an Bildern, die ich im Internet fand. Die Seitenwände sind mit Stoff bezogen. Die entsprechenden Bereiche pinselte ich mit brauner Farbe (Revell 381) an. Grundfarbe des Cockpits ist – wie in der Anleitung angegeben – Hellgrau (Revell 374). An den Stellen, an denen die selbst angefertigten Bedienhebel eingeklebt werden, setzte ich vorsichtig kleine Bohrungen. Die Störklappenhebel sind in der Stellung eingefahren (vorne), die Trimmung steht in etwa mittig und der Fahrwerkshebel der B-Version befindet sich hinten, in der eingefahrenen Stellung. Vorne an die Steuerknüppel kamen noch die Griffe für die Radbremse. Für den „bemannten“ Gradienten nutzte ich nicht den Steuerknüppel aus dem Bausatz, sondern fertigte einen eigenen an, den ich direkt mit der Figur verklebte.
Bevor es mit den Flugzeugen weitergeht, muss der Pilot gebaut werden. Als Basis diente mir eine einfache H0-Figur. Wegen der Materialstärke der Rümpfe würde man eine Figur in 1:72 kaum in ein Cockpit bekommen. Figuren von Segelfliegern finden sich sowieso keine, von daher bietet sich eine 1:87-Figur an. Der am Stock gehende, ältere Herr blüht somit noch einmal auf und wird zum Piloten! Es trifft sich gut, dass dieser schon eine Mütze trägt, sonst hätte ich diese (z.B. mit Sekundenkleber Gel) modellieren müssen. Wegen der intensiven Sonneneinstrahlung in der Höhe wird zum Schutz vor einem Sonnenstich, und auch um die Augen vor UV-Strahlung zu schützen, immer mit Kopfbedeckung geflogen, ggf. mit Sonnenbrille, falls die Mütze keinen Schatten über die Augen wirft (siehe Abb.1).
Mit einem scharfen Bastelmesser werden Arme und Beine abgetrennt. Der Kopf war schon etwas nach vorne geneigt, passend zur liegenden Position, der konnte dran bleiben (siehe Abb.2). Im Bereich der Ellenbogen und der Knie verlängere ich die Gliedmaßen, damit die Figur das Cockpit auch vernünftig ausfüllt. Dabei brachte ich die Gliedmaßen auch in eine optimierte Haltung (Abb.3). Der Rettungsschirm entstand aus einer 1,5 mm starken Polystyrolplatte (PS) und sorgt dafür, dass die Figur etwas nach vorne kommt, was wegen dem kleineren Maßstab hilfreich ist (Abb.4).
Wie man auf dem Bild (Abb.4) sieht, habe ich hinter dem Cockpit, einen angepassten Klotz aus PS in der Rumpf geklebt, in den später die Bohrung zum Einschieben des Acrylstabs des Displays kommt. Aus zugeschnittenen Alustreifen entstanden auch die Gurte für die Figur. Das Gurtschloss fertigte ich, wie bei der abgestellten VSO-10C, aus einem Stück gezogenen Gießast an. Die Arme stören beim Bemalen, von daher bleiben diese erst einmal weg (siehe Abb.5). Die roten Gurte gehören zum Rettungsschirm, sie wurden aufgepinselt bevor die Gurte aus Alufolie mit Teerschwarz bemalt wurden (Abb.6).
Später pinselte ich die Lippen mit einer Mischung aus Hautfarbe und etwas Rot auf, die Augenpartie hob ich etwas hervor, indem ich eine stark verdünnte Mischung aus schwarzer und brauner Farbe auf den Bereich tropfte, und die überschüssige Farbe mit einem Tuch sofort wieder abwischte. So bleiben nur in den Vertiefungen die Farbpigmente und heben diese etwas hervor, was dann gleich viel mehr nach einem richtigen Gesicht aussieht. Als alles getrocknet war und der Pilot mit Hilfe von dickflüssigem Sekundenkleber seinen Platz einnahm, konnten im Folgenden die Rümpfe verklebt werden. Hierbei sind Wäscheklammern hilfreich.
Die Instrumentenpilze wurden vorab schon vorbereitet. Leider hatten die Teile auf allen Seiten Sinkstellen, da der Hersteller leider nicht berücksichtigt hat, dass Teile in einer Spritzgussform eine einigermaßen konstante Stärke haben müssen, um genau das zu vermeiden. Eine zweiteilige Lösung wäre hier besser gewesen. (Abb.7). Die Sinkstellen wurden verspachtelt und verschliffen, dabei gingen auch die erhaben angedeuteten Instrumente verloren (Abb.).
Da ich diese sowieso mit einem Decal darstellen wollte, war das kein großer Verlust. Ein entsprechendes Bild fand sich im Internet und wurde passend skaliert auf transparente Decalfolie gedruckt. Damit das selbst erstellte Decal richtig herauskommt, pinselte ich die Flächen mit glänzendem Weiß an (Abb.9). Der Instrumentenpils, der zwischen die Beine der Pilotenfigur kommen sollte, war zu breit, so musste an ihm und der Figur Material abgetragen werden. Ganz nach dem Motto: „Was nicht passt, wird passend gemacht!“ (Abb.10).
Da das seidenmatte Hellgrau, welches ich im Cockpit verwendete, glänzend heraus kam, sprühte ich matten Klarlack auf die fertigen Cockpits.
Wem als Anfänger diese ganzen Arbeiten zu fummelig sind, und man sich zunächst mit etwas schlichteren Modellen zufrieden gibt (Einfach kann auch schön sein!), der kann das Cockpit so bauen, wie es der Bausatz hergibt, es aber dann in einem recht dunklen Grau (z.B. Grau 77 oder 78 von Revell) anstreichen. Das erzeugt eine gute Tiefenwirkung und kaschiert das Nichtvorhandensein von Details. Eine andere Lösung wäre das Bemalen der Haube. Hier von innen mit einer Mischung aus Schwarz und Silber angepinselt. Reines Schwarz wirkt zu hart.
Das starre, aerodynamisch verkleidete Fahrwerk der C-Version sollte man laut Anleitung über die Aussparung des Einziehfahrwerks kleben. Diese schloss ich mit einem angepassten Stück PS und schliff es in den Strak des Rumpfes, sodass man hier eine angemessene Klebefläche erhält. In die Klebefläche des Fahrwerkteils musste noch eine konkave Wölbung hinein geschliffen werden, damit es bündig am Rumpf anliegt.
Bei der B-Version wiederholte ich den Vorgang und gravierte die Spalten der Fahrwerksklappen ein, da die beiliegenden Fahrwerksklappen von ihrer Form her nicht passten, um den offenen Schacht zu schließen. Gravurwerkzeuge gibt es im Modellbauzubehör. Das Fahrwerk eingefahren darzustellen war bausatzseitig nicht vorgesehen. Nachdem die Klebenähte verschliffen waren, konnten nun die Tragflächen angebracht werden. Das sollte man vor dem Aufkleben der Haube machen. Schnitzt man im Bereich der Steckung am Rumpf noch ein wenig herum, kann es sein, dass Plastikspäne in den Rumpf fallen und im Cockpit herumpurzeln, was ziemlich ärgerlich ist, wenn die Haube schon drauf ist.Das „Herumschnitzen“ war bei beiden Modellen dann auch nötig, bis die Tragflächen an den richtigen Stellen saßen. Die rechte war zunächst zu weit vorne, die linke war zu hoch.
Beim Verkleben wurde mit verschiedenen Hilfsmitteln eine symmetrische Ausrichtung sichergestellt. Leider stellte sich heraus, dass die gespritzten Hauben den Blick ins Innere ziemlich verzerren.
Bei der Detaillierung, die ich den Cockpits verpasst habe, wollte ich das so nicht hinnehmen und baute mir aus einer mitgelieferten Haube eine Tiefziehform. Sicher für einen Anfänger eine recht herausfordernde Aufgabe. Wer sich dieser nicht stellen will, kann die mitgelieferte Haube nutzen und auf die oben genannten Vereinfachungen des Cockpitbereichs zurückgreifen. Um die Form zu bauen wurde die Haube aus dem Kit auf ein Stück Holz geklebt, damit sich das Ganze in einen Schraubstock einspannen lässt. Die Haube wurde komplett abgeschliffen, um die Materialstärke des neuen Tiefziehteils zu kompensieren. Damit man eine glatte Oberfläche hat - was wichtig ist beim Tiefziehen von Klarsichtteilen, da man jede kleinste Unebenheit sieht - spritzte ich die Haubenform noch mit glänzendem Schwarz an.
Transparentes Verpackungsmaterial wird mit einem Heißluftföhn erwärmt, und sobald es weich wird mit einer raschen Bewegung über die Form gezogen. Danach muss die Haube im Annäherungsverfahren vorsichtig ausgeschnitten werden. Am besten man markiert sich den Rand auf der Tiefziehform. Zum Ausschneiden eignet sich eine Nagelschere recht gut. „In kleinen Schritten anpassen und geduldig sein“ lautet das Erfolgsrezept.
Verklebt habe ich die Tiefziehhauben mit 5-Minuten-Epoxidharz. Ich habe ca. 3 min gewartet, bevor ich es mit einem Zahnstocher auf die Haubenrahmen aufgetragen hatte. Dann nochmals 2 min, bis es noch zäher wurde. Danach setzte ich die Hauben auf und sicherte sie mit zwei Streifen Maskierband.
Nun geht es an das Finish. Ein paar wenige, unschöne Stellen müssen verspachtelt und verschliffen werden. Die Oberfläche wird komplett fein angeschliffen. Bevor es an den Grundanstrich geht, wird die Haube abgeklebt (auch der Trennsteg gemäß Ansichten, dieser wurde auch in der beiliegenden, gespritzten Haube nicht berücksichtigt). Die Ränder klebte ich mit 2 mm breitem Maskierband von Tamiya ab, die übrigen Flächen schützte ich mit Liquid Mask von Vallejo.
Nun folgt das Lackieren. Die Modelle lackiere ich mit dem Pinsel und Email-Farben von Revell. Die VSO-10B wird auf einen Zahnstocher in die Bohrung des Display-Stabs aufgesteckt. Bei der „C“ bohrte ich die angedeutete Schleppkupplung vor dem Fahrwerk auf, und schob einen dünnen Draht ein. Das erleichtert die Handhabung und so kann man die Modelle problemlos komplett anstreichen. Um einen homogenen Grund für das Weiß zu bekommen, streiche ich zwei dünne Schichten Lichtgrau 371 auf. Diese Farbe deckt gut. Nicht erschrecken, die erste Schicht sieht etwas abschreckend aus, da sie eben noch nicht gleich deckt. Geduldig sein, und lieber mehrere dünne Schichten auftragen, anstatt mit wenigen Schichten zu versuchen schneller ans Ziel zu kommen.
Weiß ist generell eine recht anspruchsvolle Farbe (Hier: Revell 04). Die geringe Deckkraft erfordert mehrere Schichten (vor allem) bei der Pinselbemalung. Die erste Schicht trage ich relativ dick auf. Die folgenden recht stark verdünnt, so lange bis eine gleichmäßige Oberfläche entstanden ist. Das kann fünf bis acht Schichten erfordern. Nach jeder Farbschicht wird die Oberfläche mit feinem Schleifpapier (800er...1000er-Körnung) abgeschliffen und gereinigt, damit man später keine Pinselstriche sieht.
Leider ist der Decalbogen, der meiner B-Version beiliegt, fehlerhaft. Die grauen Kennzeichen und Beschriftungen haben ungewollte Verläufe. In Relation zu den ausgestanzten Trägern ist der Druck dermaßen versetzt, dass er an manchen Stellen sich nicht auf dem Trägerfilm befindet. Einzig darstellbares Flugzeug, ohne Korrektur, wäre die OK-600. Ich wollte aus meinem Modell jedoch die deutlich moderner gestaltete OK-2500 machen. Bevor ich nun den Decalbogen reklamiere, zeichne ich die Kennungen neu. Denn zusätzlich möchte ich auch an den Modellen die Ruderspalte und die Fahrwerksklappen der „B“ mit auf Decalfolie gedruckten Haarlinien hervorheben. Weiterhin zeichnete und druckte ich die abgedeckten Bugkupplungen und die kleinen, dreieckigen Strukturen hinter den Hauben ebenfalls aus (ich vermute es sind Befestigungspunkte für den Rumpfwagen). Bevor auf Decalfolie gedruckt wurde, gab es zuerst einen Probedruck.
Die Decals der C-Version ließen sich gut verarbeiten. Ich entschied mich hier für die slowenische OM-0507. Beim Versuch die blauen Zierlinien des Seitenruders an der OK-2500 anzubringen, fiel das Decal auseinander. So überstrich ich die Decals des sowieso schon mit Fehlern übersäten Bogens mit Liquid Decal Film und druckte mir die dünnen Zierlinien erneut auf Decalfolie.
Als dann alle Decals angebracht waren, klebte ich noch die Antennen und die TEK-Düsen an. Die Antennen bestehen aus gezogenen Gießästen, die TEK-Düsen aus einem gebogenen, dünnen Kupferdraht.Zwei Schichten Klarlack wurden aufgesprüht, um die Modelle zu versiegeln. Zuerst eine Schicht glänzend, danach noch eine Schicht in seidenmatt. Da Segelflugzeuge schon aus aerodynamischen Gründen sehr sauber gehalten werden, ist die Darstellung von Verschmutzungen hier überflüssig. Außer ein paar tote Fliegen, die an den Nasenleisten zerschellt sind und ggf. hochgespritzter Dreck, der hinter dem Hauptrad unten am Rumpf kleben geblieben ist, findet sich in der Regel keine Verschmutzung an einem Segelflugzeug. Und dieser Schmutz wird normalerweise am Ende des Tages vor dem Einhallen entfernt. Nun gilt es noch die „Wespe“ fliegen zu lassen! – das Zeigen wir im folgenden kleinen Making of „Flight Display“ da man ein solches Display zur Darstellung von Seglern im Flug auch für andere Flugzeuge, Hubschrauber oder Raumschiffe im Flug verwenden kann.
EpilogDer Bau der beiden VSO-10 hat gezeigt, dass auch bei Bausätzen mit wenigen Teilen einige Handgriffe nötig sind. Da – wie oben bereits erwähnt – Bausätze von Segelflugzeugmodellen größtenteils von Kleinserienherstellern abgedeckt werden, ist es eher selten, dass solch ein Bausatz „von selbst zusammenfällt“. Mit etwas Nacharbeit ist daher immer zu rechnen. Die hier gezeigten, unterschiedlichen Darstellungs- und Gestaltungsmöglichkeiten sollten dem Modellbauer Optionen aufzeigen, wie er gemäß seiner Fähigkeiten zu einem schönen Modell kommen kann. Happy Modeling
Galerie von Thomas Brückelt auf Modellversium siehe:https://www.modellversium.de/galerie/modellbauer.php?id=5338
Werkzeuge & Hilfsmittel:Email-Farben: Revell
Making of Publiziert am 26. Juli 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |