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Westland Lynx Mk.23

3-H-142 der Marina Argentina, 1982

von Matthias Reinshagen (1:72 Revell)

Über den Westland Lynx braucht man hier wohl nicht mehr viele Worte zu verlieren. Dieser Heli-Klassiker, entstanden aus einer britisch-französischen Kooperation von Westland und Aerospatiale, wurde in zahlreichen Armee- und Marine-Versionen produziert und weltweit in 14 Staaten exportiert. Im Maßstab 1:72 haben sich einige Hersteller dieses begehrten Typs angenommen: Hobby Boss, Revell, Matchbox, Fujimi, Mistercraft/Plastyk, Frog/Novo und Airfix. Die Kits der letzteren fünf Hersteller sind inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich.

Westland Lynx Mk.23

Auch die argentinische Marine zählte zur Lynx-Kundschaft. Zwei Maschinen der Argentinien-Version Mk.23 (ähnlich der Royal Navy-Version HAS.2) wurden bis zum Ausbruch des Falklandkrieges geliefert. Die restlichen acht bestellten unterlagen dem prompt verhängten Lieferembargo und verließen Grossbritannien nicht mehr. Im Falklandkrieg wurden die beiden Helis mit den Nummern 3-H-141 und 3-H-142 für Verbindungs- und Aufklärungsflüge sowie Evakuierungen eingesetzt. 3-H-142, die Vorbildmaschine meines Modells, musste nach einem Turbinenschaden notwassern. Die dreiköpfige Besatzung konnte sich retten. Das Wrack ist heute im Museum der Argentinischen Marineflieger in Bahia Blanca zu besichtigen.

Westland Lynx Mk.23

Ich entschloss mich, die Decals außer den Stencils selbst anzufertigen. Viele argentinien-spezifische Aufkleber sind es nicht. Im Internet gibt es gute Fotos der beiden genannten Maschinen und der Selbstdruck ging problemlos vonstatten. Wer keine Do-it-yourself-Decals will, findet die Aufkleber für den Heli mit der Nummer 142 auch auf dem Themenbogen «War for the Malvinas/ Falkland Part 1» von Aztec Decals.

Freunde antiquarischer Bausätze haben beim Betrachten der Spritzlinge zunächst ein Deja-vu-Erlebnis. Ist das nicht der uralte Matchbox-Kit von 1974? Doch, das ist er. Allerdings in gewissen Details ergänzt, um die Bundesmarine-Version bauen zu können. Der mehr als ein halbes Jahrhundert alte Matchbox-Oldie wurde von Revell mit einer neu gestalteten, farbigen und sehr übersichtlichen Bauanleitung aufgehübscht, in die ebenso typische wie unpraktische Seitenöffner-Schachtel gesteckt und schon wurde ein «neuer» Bausatz daraus.

Westland Lynx Mk.23

Außen modern, innen antik – ist das geschickt getarnte Geschäftstüchtigkeit - oder mehr? Der Revell-Relaunch kann sein Alter nicht verleugnen. Oberflächendetails sind sehr sparsam ausgeführt. Die Passgenauigkeit ist nach heutigen Maßstäben aber immer noch befriedigend, die Materialqualität gibt keinen Anlass zur Kritik. Hier und da etwas Fischhaut, ansonsten sind die Teile sauber gefertigt, leider teils mit Formversatz. Die Schiebetüren können gemäß Anleitung beweglich ausgeführt werden. Ich habe mir diese spielzeughafte Fummelei erspart und die Türen fixiert. Denn im Inneren des Lynx herrscht gähnende Leere – im Cockpit wie im Frachtraum. Collectives, Cyclics und Pedale – alles Fehlanzeige. Hier ist Eigenbau gefragt. Die Sitze für Pilot und Copilot sind zu klein. Die Rotorköpfe müssen ohne feinere Details auskommen. Wer möchte, findet hier ein weites Feld für Verfeinerungen.

Der Bau geschah weitgehend «out of the box». Als selbst gebaute Ergänzungen kamen Positionsleuchten und Antennen hinzu. Lackiert wurde mit Farben von Tamiya und Mr Hobby. Bei einem überschaubaren Zeitaufwand entstand so eine interessante Version, die sich in der Vitrine durch ihre weiß-hellgraue Lackierung mit einigen bunten Tupfern auffällig von den Kollegen im «Tarnanzug» abhebt, ja fast schon zivil wirkt. 

Westland Lynx Mk.23

Kann man den Revell-Kit empfehlen? Wer Vintage-Vibes am Basteltisch mag, dürfte an dem Kit nichts auszusetzen haben. Für alle anderen: Na ja. Die 1:72-Lynx-Kits von Hobby Boss (ab 2009) bieten klar das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis. Für den Revell-Kit hingegen spricht, dass auch die Teile für den landgestützten Army-Lynx am Spritzling vorhanden sind (das Kufengestell sowie die rundere Bugpartie). Die Bauanleitung weist darauf jedoch nicht explizit hin. Für Fans dieser Version könnte sich also der Kauf lohnen, gibt es doch derzeit außer «Antiquitäten» keinen 1:72-Kit der Lynx-Armeeversion.

Matthias Reinshagen

Publiziert am 15. Januar 2026

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