Curtiss Kittyhawk Mk. IVgeflogen von Leonard Victor Waters, 78. Squadron, RAAF, Morotai (Indonesien) 1945von Andy Hartung (1:72 Special Hobby)
Heute stelle ich euch ein weiteres kleineres Projekt vor, was in den letzten Tagen bei mir entstanden ist. Es handelt sich um eine Kittyhawk IV. aus dem Hause Special Hobby mit australischen Hoheitszeichen.
Von der Warhawk- bzw. Kittyhawk-Serie des Herstellers war ich ja bereits bei meiner ersten Kittyhawk begeistert gewesen. Es ist also nicht ganz verwunderlich, dass eine weitere nachfolgt und auch diese nicht die letzte in meinem Stash sein wird.
Zum Bau:Bevor es mit dem Bau losging, besorgte ich mir noch einen Resinsitz, Masken und Räder, von denen ich seit der Mosquito auch sehr angetan bin, weil sie einen Bausatz doch deutlich aufwerten.
Der Bau startete im Cockpit. Viele Details werden bereits von Haus aus geliefert. In den Rumpfhälften wurden die Seitenkonsolen eingesetzt. An der Rückwand wurde der Pilotensitz, der sich bei der Mk. IV von anderen Varianten unterscheidet, eingebaut. Hier habe ich, wie schon erwähnt, eben das Resinteil verbaut. Der Boden des Cockpits befindet sich auf dem Teil der Flügeloberseite. Hier wurden dann ein Steuerknüppel und ein Feststellbremshebel angebracht. Lackiert habe ich das Ganze mit einer Mischung aus 90 % Zinc-Gelb und 10 % Clay-Braun. Der hintere Teil des Cockpits wurde später jedoch mit Grün lackiert. Inwieweit die Farben dem Vorbild entsprechen, darf man jedoch anzweifeln, weil Bilder von erhaltenen Maschinen zumeist grüne Innenräume zeigen.
Nach dem die Farbe trocken war, bemalte ich noch ein paar Details. Decals lagen für das Instrumentenbrett bei. Theoretisch auch für die Gurte, jedoch hat der Resinsitz schon angegossene Sicherheitsgurte beiliegen, so dass ich diese auch nicht verwendete. Im Endeffekt macht das ganze schon von Haus aus viel her. Ich wollte dieses Mal das Cockpit geschlossen darstellen, weshalb es auch mehr als ausreichend war. Final habe ich noch das Visier als Klarteil angebracht.
Im Anschluss setzte ich die Rumpfhälften zusammen und was soll ich sagen? Die Passung ist ein absoluter Traum, da kann keiner meckern. Sie ist sogar so gut, dass ich sie beim Probepassen von Rumpf und Flügel nicht mehr gelost bekommen habe und direkt festsaß. Ich habe dann nur etwas Kleber einlaufen lassen, wobei das wohl so straff saß, dass das vermutlich fast gar nicht nötig war. Der Spachtel blieb am Ende in seiner Tube, denn Lücken entstanden keine. Dummerweise stellte ich erst danach fest, dass ich das Klarteil für den Landescheinwerfer vergessen hatte. Naja, ich habe mich dazu entschieden das Klarteil so zu zuschneiden, damit ich es von außen einsetzen kann, was tatsächlich auch gut geklappt hat.
Kleinere Bauteile fehlten nun noch, so z.B. das Höhenruder, welche einteilig waren und gut in den Rumpf passten. Daneben wurden auch die Auspuffreihen angebracht, wobei hier einige Grate entfernt werden mussten. Das Fahrwerk habe ich vorbereitet und auch die Resinräder vom Anguss befreit.
Die Klarteile passten wie angegossen, so soll es am Ende auch sein. Als Anhängelast entschied ich mich, wie auf dem Cover zu sehen, die 5 Pfund Bombe anzuhängen. Ist mal was anderes als immer wieder nur den Zusatztank zu sehen, auch wenn der ebenfalls sehr gut dargestellt ist.
Lackiert wurde mit Ammo of Mig Farben und AK3rd Series. Zunächst habe ich die Unterseite mit neutral Grey lackiert und anschließend die Oberseite mit Olivgrün. Das Weiß ist Off-With von AK, ebenfalls das Blau. Im Endeffekt musste man das Flugzeug immer wieder abkleben.
Die Stencils waren dann eine Herausforderung, denn die Abbildung hat nicht mit der tatsächlichen Nummerierung übereingestimmt. Man musste am Ende suchen oder sogar selbst Entscheiden was man nun wo hin klebt. Generell bearbeite ich Decals mittlerweile immer so: ich bringe die Bilder an, gehe mit Weichmacher drüber, fahre die Gravur ab und gehe nochmal mit dem Fön vorsichtig drüber. Danach versiegelt ich die Decals mit Klarlack und beginne mit dem Weathering.
Zum Original:Die 78. Squadron der Royal Australian Air Force (RAAF) wurde am 20. Juli 1943 in Camden, New South Wales, aufgestellt. Ursprünglich als Jagdstaffel vorgesehen, erhielt die Einheit ab August 1943 ihre ersten Curtiss P-40N Kittyhawks, die bei der RAAF als Kittyhawk Mk. IV bezeichnet wurden. Nach einer kurzen Ausbildungsphase verlegte die Squadron im November 1943 nach Kiriwina im heutigen Papua-Neuguinea und wurde dort erstmals operativ eingesetzt. Die Kittyhawks der 78. Squadron wurden im Südwestpazifik vor allem als Jagdbomber und für bewaffnete Aufklärungsmissionen eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörten die Begleitung alliierter Bomber, der Jagdschutz für eigene Verbände sowie Angriffe auf japanische Stellungen, Flugplätze, Nachschubwege und Schiffe. Von Kiriwina aus unterstützte die Squadron unter anderem Angriffe auf japanische Stellungen auf Neubritannien. Im Januar 1944 folgte die Verlegung nach Nadzab, später nach Cape Gloucester, Aitape und Hollandia.
Ein Höhepunkt des Einsatzes der 78. Squadron war der 3. Juni 1944 über Biak. 16 Kittyhawks der Squadron fingen eine japanische Formation aus Jagdflugzeugen und Sturzbombern ab. Die Australier beanspruchten dabei neun abgeschossene und sechs beschädigte japanische Flugzeuge, wobei eine Kittyhawk verloren ging. Danach verlagerte sich der Schwerpunkt der Squadron zunehmend auf Bodenangriffe und die Unterstützung der alliierten Landoperationen. Eine besondere Bedeutung erhielt die Kittyhawk Mk. IV der 78. Squadron durch Leonard Victor „Len“ Waters. Waters, am 20. Juni 1924 in New South Wales geboren, war zunächst als Schafscherer tätig, bevor er 1942 in die RAAF eintrat. Trotz seiner vergleichsweise geringen Schulbildung arbeitete er sich in die fliegerische Ausbildung hinein und erhielt im Juli 1944 seine Pilotenflügel. Damit wurde er zum einzigen bekannten australischen Aboriginal-Jagdflieger der RAAF im Zweiten Weltkrieg. Am 14. November 1944 stieß Waters zur 78. Squadron auf Noemfoor. Kurz darauf verlegte die Einheit nach Morotai, wo Waters eine Kittyhawk übernahm, die von ihrem vorherigen Piloten den Namen „Black Magic“ erhalten hatte. Waters behielt den Namen bei. Das Flugzeug trug die Kennung HU-E und wurde zu seinem persönlichen Einsatzflugzeug.
Waters kam zu einer Zeit zur Squadron, als die Kittyhawk bereits seit mehr als einem Jahr unter den schwierigen Bedingungen des Pazifikkrieges eingesetzt wurde. Von Morotai aus flog die 78. Squadron zahlreiche Angriffe gegen japanische Stellungen und Nachschubverbindungen in den Niederländisch-Ostindien. Die Einsätze waren überwiegend Bodenangriffe und damit genau jene Aufgabe, für die sich die robuste Kittyhawk besonders bewährte. Insgesamt absolvierte Waters während seiner rund neun Monate im aktiven Einsatz 95 operative Einsätze. Einer dieser Einsätze verdeutlicht zugleich die Gefahren, denen die Piloten ausgesetzt waren. Während eines Einsatzes über den Celebes wurde Waters Kittyhawk von einer japanischen Granate getroffen. Das Geschoss durchschlug den Bereich hinter dem Cockpit und blieb in unmittelbarer Nähe eines Treibstofftanks stecken, explodierte jedoch glücklicherweise nicht. Waters konnte mit der beschädigten Maschine zum Stützpunkt zurückkehren und sicher landen. Im Juli 1945 verlegte die 78. Squadron schließlich nach Tarakan auf Borneo, wo sie die australischen Bodentruppen bei den dortigen Operationen unterstützte. Auch Waters nahm an diesen Einsätzen teil. Insgesamt stehen seine 95 Einsätze exemplarisch für die letzte Einsatzphase der australischen Kittyhawks: Der Schwerpunkt lag nun weniger auf klassischen Jagdeinsätzen als auf Close Air Support, bewaffneter Aufklärung und Angriffen auf japanische Infrastruktur und Truppenstellungen Die Geschichte der Kittyhawk Mk. IV bei der 78. Squadron ist damit eng mit der Entwicklung des australischen Luftkriegs im Pazifik verbunden. Was 1943 als Jagdstaffel mit P-40 Kittyhawks begann, entwickelte sich zu einer vielseitig einsetzbaren Jagdbomber-Einheit, die die alliierten Operationen über Neuguinea, den Niederländisch-Ostindien und Borneo unterstützte. Leonard "Len" Waters und seine "Black Magic" stehen dabei stellvertretend für die Männer, die diese Maschinen bis in die letzten Kriegsmonate hinein unter schwierigsten Bedingungen flogen.
Fazit:Nach wenigen Tagen stand ein vollständiges, neues Modell in meiner Vitrine. Mir hat das Flugzeug richtig Spaß gemacht und die Kittyhawk ist farblich auffällig. So muss ein Projekt laufen. Mindestens drei der Flugzeuge warten noch in meinem Stash, allerdings ist eines davon die deutlich ältere Bausatzform mit Merlinmotor.
Andy Hartung Publiziert am 26. September 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |