McDonnell Douglas F-4B Phantom IIVF-102 Diamondbacks, USS Enterprisevon Axel Theis (1:72 Hasegawa)
Bei mir kommt hin und wieder der Wunsch auf, ein Flugzeugmodell, mit dem ich schöne Kindheitserinnerungen verbinde, nach vielen Jahrzehnten noch einmal neu erstehen zu lassen. Und das mit heutigen Kenntnissen und modellbautechnischen Fähigkeiten sowie einem zeitgemäßen Bausatz, wenn er verfügbar ist. Wie in Modellversium manchmal zu sehen ist, gehen einige Modellbauer jedoch andere Wege. Diese bauen noch die alten Schätzchen und versuchen dann alles herauszuholen was möglich ist. Die meisten frühen Bausätze weisen aber, was die Vorbildtreue anbetrifft, im Gegensatz zu den überwiegenden heutigen Modellen, oft gravierende Fehler auf. Auch sind die meist wenigen Teile sehr vereinfacht wiedergegeben.
Die Phantom ist für mich ein hervorzuhebendes Beispiel. Der Erstflug des ersten Prototypen fand am 27. Mai 1958 statt und die in Dienststellung der ersten Serienmaschine war am 30. Dezember 1960. Unmittelbar nach dem Erstflug brachten die acht Uhr Nachrichten im Fernsehen einen kurzen Film über dieses Ereignis Der Nachrichtensprecher sagte damals wörtlich: „dies ist das hässlichste Flugzeug der Welt“. Als damals Achtjähriger kann ich mich auch heute noch gut an diesen Beitrag erinnern.
Im Jahre 1965 brachte die Firma Revell als Erste einen Bausatz einer Phantom auf den Markt und das noch in meinem Lieblingsmaßstab 1/72. Es war eine F-4B, eingesetzt auf dem Flugzeugträger USS Enterprise. Das Taschengeld zusammengekratzt, habe ich den Bausatz umgehend beim nächsten Spielwarengeschäft für 6,75 D-Mark gekauft und sofort mit dem Bau begonnen. Die Plastikteile waren in weiß gespritzt und es mussten nur noch die Oberseiten in Hellgrau gepinselt werden. Dafür verwendete ich Farbe aus einem nahe gelegenen Tapeten- und Farbenladen. Dieses alte Modell existiert aber schon sehr lange nicht mehr. Bis heute habe ich schon viele Phantom Modelle in unterschiedlichen Versionen und Anstrichen gebaut. Das Angebot an Bausätzen wurde ja über die Jahre immer größer und umfangreicher. Auch was Literatur und Zubehör sowie Decalbögen anbetrifft.
Vor einigen Jahren kaufte ich mir einen Hasegawa Bausatz der F-4B. Als ein Vereinskollege noch Fragmente der Original Revell Decals sowie eine Bauanleitung abgeben konnte, reifte in mir die Idee dieses Modell neu zu bauen. Zahlen- und Buchstabenbögen von unterschiedlichen Decalherstellern hatte ich in meinem Fundus. Die schon sehr vergilbten Revell Decals habe ich längere Zeit Sonnenlicht ausgesetzt und danach waren sie wieder halbwegs verwendbar, ohne zu zerbröseln.
Über den Bau des Hasegawa Modells möchte ich hier nicht viele Worte verlieren. Dieser verlief ohne nennenswerte Probleme. Allerdings habe ich mir noch ein Resincockpit sowie Schubdüsen von Aires gegönnt. Die Fahrwerks-schächte habe ich auch etwas tiefer gestaltet. Diese sind bei der Hasegawa viel zu flach, also nicht tief genug. Gespritzt habe ich mein Modell wie immer mit Acrylfarben von Gunze.
Die roten Rauten auf dem Rumpf und den Tragflächen sind auflackiert, ebenso das Rot beim Seitenruder. Ein Fehler, auf den mich ein Modellbaufreund hingewiesen hat, ist mir allerdings passiert. Bei den ursprünglichen F-4B Maschinen, also auch bei meinem Modell, haben die Höhenruder vorne keine Slots sowie keine dreieckigen Verstärkungsbleche oben und unten. Ich weiß nicht mehr, ob diese frühen Höhenruder bei dem Hasegawa Bausatz dabei waren. Ich glaube eher nicht. Sollte ich die passenden Teile noch auftreiben können, werde ich die falschen durch die richtigen ersetzen.
Fazit: Es wird sicher nicht mein letztes „Nostalgiemodell“ sein. Ich habe da noch einige Ideen. Heute gehört die Phantom zu den beliebtesten Flugzeugbausätzen in allen Maßstäben, von 1/32 bis 1/700, letzterer zum Bestücken von Flugzeugträgermodellen. Bei meinem Lieblingsmaßstab gibt es heutzutage tolle Bausätze wie zum Beispiel von Fine Molds, an deren Qualität und Vorbildtreue man vor 60 Jahren nicht zu träumen gewagt hat. Die Entwicklung geht aber ungebremst weiter, wenn man an 3D-Druck denkt. Die Firma Eduard hat ja schon mit den sogenannten „Hybrid“ Bausätzen begonnen.
Axel Theis Publiziert am 25. August 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |