McDonnell Douglas F-4D Phantom IIvon Matthias Pohl (1:144 3D-Druck)Zum geschichtlichen Hintergrund:
Heute möchte ich euch eine der berühmtesten Maschinen der USAF vorstellen, die „Oyster 03“ – so das Rufzeichen dieser F-4D (Seriennummer 66-7463) von Captain (später Brigadegeneral) Richard S. Ritchie, dem ersten Fliegerass der US Air Force im Vietnamkrieg, zusammen mit seinem Waffensystemoffizier Captain Charles B. DeBellevue. Diese F-4D ist eine der berühmtesten MDD Phantom II der US Air Force. Als legendäre "MiG-Killer"-Maschine ist sie eng mit dem einzigen US-Ass des Vietnamkrieges verknüpft. Die Maschine war in Thailand auf der Ubon Royal Thai Air Force Base stationiert und gehörte zum 555th Tactical Fighter Squadron ("Triple Nickel“). Die F-4D "OY 463" (bei ihrem ersten Abschuss trug sie das Rufzeichen „Oyster 03“) erzielte insgesamt fünf Abschüsse von MiG-21, was sie zu einem der erfolgreichsten US-Kampfflugzeuge seit dem Koreakrieg macht.
Die 555th Tactical Fighter Squadron war vom 25. Februar 1966 bis zum 1. Juni 1968 auf der Ubon Royal Thai Air Force Base stationiert. Während ihrer historischen Luftsiege im Jahr 1972 gehörten die Besatzungen und das Flugzeug zur 555th Tactical Fighter Squadron. Diese war zu diesem Zeitpunkt fest dem 432nd Tactical Reconnaissance Wing unterstellt, welches dauerhaft in Udorn lag. Von Udorn aus starteten Ritchie und DeBellevue zu ihren berühmten Einsätzen im Rahmen der „Operation Linebacker“. Auch zu ihrem geschichtsträchtige „Oyster 03“-Einsatz vom 10. Mai 1972 hob diese F-4D von Udorn ab. Das Originalflugzeug ist heute ein historisches Ausstellungsstück und steht auf dem Gelände der US Air Force Academy in Colorado Springs.
Zum Modell:
Es ist sicher allgemein bekannt, welche Probleme es bei der korrekten Darstellung diverser F-4-Varianten im Maßstab 1:144 gibt. Immer die gleiche E- oder EJ-Version, durch alle Anbieter präsentiert, häufig falsch zugeordnete Decals, die auf andere Versionen gehören, schlechte Gußqualität u.v.m. Ausnahme: Die F-4-Varianten von Tomytec, die ich hier (https://www.modellversium.de/galerie/artikel.php?id=13005&origin=mb) und hier (https://www.modellversium.de/galerie/artikel.php?id=14223&origin=mb) schon vorgestellt hatte. Brilliant! Nicht nachvollziehbar, dass diese aus dem Programm genommen und von keinem anderen Hersteller mehr angeboten werden! Mittlerweile werden sie fast mit Gold aufgewogen!
Umso interessierter war ich, als ich auf der Plattform cults3D.com auf diverse F-4-Varianten als käuflich zu erwerbende stl-Dateien stieß. Mein Held am 3D-Drucker, Sebastian, war bereit, die von mir für gerade mal 9,99 € gekaufte Datei in 1:144 auszudrucken. Da Sebastian einen tollen Resine-Drucker hat, war die Qualität wie erwartet sehr gut! Sogar das gedruckte Klarsichtteil war glockenklar! Da kommt Freude auf! Die Gier zum Bau war kaum abzulegen, so dass einige andere „Projekte“ in den Hintergrund rückten, so auch einige Slotcars im Maßstab 1:32, die ich seit einiger Zeit als Testbauten bzw. Prototypen für Sebastian erstelle.
Einziger Nachteil dieser angebotenen Datei bzw. dieses Modells: Es hat kein Cockpit! Aber das schreckt einen Modellbauer und F-4 Fan kaum ab, zumal meine Grabbelkiste recht gut gefüllt ist. Auffällig sind sicherlich die stark betonten Blechstöße, die ich nach der Lackierung dennoch mit Tamiya-Wash betont habe. Im Endeffekt fallen sie eigentlich nicht mehr so stark ins Gewicht. Interessant ist auch die Umsetzung des Fahrwerks: Hier ist der Fahrwerkschacht gleich mit angegossen. Dies verleiht dem Ganzen mehr Stabilität und ist auch einfacher zu bemalen. Lediglich in der Höhe müssen diese Bauteile angepasst werden. Weitere Features sind das eingezogene/ausgefahrene Fahrwerk, ein wahlweise ausgefahrener/eingezogener Fanghaken und klappbare Tragflächenenden. Dies gilt im Übrigen für alle F-4-Versionen dieses Anbieters.
Die Bauteile lassen sich gut von ihrer Stützstruktur entfernen, ohne ins Bauteil an sich abzubrechen, was ein aufwändiges Verspachteln erforderlich machen würde. Selbst die Lenkwaffen sind recht passabel wiedergegeben. Je nach Version und Vorbildlage mag man entscheiden, ob man die beigefügten Sidewinder- und Sparrow-Raketen für eine MiG-CAP verwendet oder ggf. auf den umfangreichen Waffensatz von Platz zurückgreift.
Lackiert wurde wie immer mit Vallejo- und Tamiya-Farben. Das SEA-Tarnschema brachte ich mittels selbst erstellter Schablonen auf. Revell Mattlack als Finish. Die Decals stammen aus dem Bogen 144-010 von Printscale, der sicherlich vielen bekannt sein dürfte. Hiermit lassen sich eine Vielzahl von F-4-Varianten realisieren.
Für diesen ersten Versuch bei der Umsetzung dieser 3D-Datei war ganz klar die „Oyster 03“ im Fokus. Als nächste Maschine ist die F-4C von Col. Robin Olds in Planung. Auch diese F-4 lässt sich mit dem angesprochenen Decalbogen erstellen.
Meine kleine Szene, die ich auf einer hölzernen Base mit dem Set von Noy Pines erstellt habe (Aggregat und Figuren kommen von Heroes Models), ließ ich nach Fertigstellung nochmal von KI „kritisch überarbeiten“. Tolle Ergebnisse, wie ich finde – wenn man die Prompts so konkret wie möglich erstellt!
Matthias Pohl, Publiziert am 18. Juni 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |