Boeing L-15 Scoutvon Frank Barkhofen (1:48 AMP)
Irgendwann im Laufe des letzten Jahres stolperte ich beim Online-Einkauf über einen AMP-Bausatz für die Hälfte des üblichen Preises. Das Flugzeug war mir unbekannt aber sah sehr interessant aus, denn es wirkte irgendwie wie ein Hubschrauber mit Tragflächen.
Der BausatzDer Bausatz ist sehr komplett ausgestattet, auch mit Ätzteilen und Masken; neben den Decals sind auch zwei farbige 3D-gedruckte Decals für Instrumentenbrett und mehr enthalten. Da scheint ein Einkauf bei den üblichen Zubehörherstellern unnötig, es wird aber auch nichts angeboten. Da AMP aus der Ukraine kommt, und die muss man doch unterstützen, landete der Bausatz im Einkaufskorb.
Das VorbildDie L-15 Scout wurde Ende der vierziger Jahre von Boeing entwickelt und als Beobachtungsflugzeug vorgeschlagen. Es wurden aber nur 12 Maschinen gebaut und nach dem Test bei der US Army, sogar auf Schwimmern und Skiern, teilweise in Alaska bei der United States Fish and Wildlife Service eingesetzt. Es gibt heute noch eine flugtaugliche Maschine, sehr schön restauriert übrigens. Dafür gab es sogar einen Preis auf einem sehr bekannten Oldtimertreffen. Weitergehende Informationen findet man bei Wikipedia.
Der BauIrgendwann im Herbst begann ich dann auch den Bau, denn er versprach zügigen Fortschritt. Teile des Innenraums habe ich lackiert und wollte dann die Fenster maskieren. Dabei stellte sich heraus, dass nur Masken für die Außenseite enthalten waren, außerdem als Oramask 810. An sich ein schönes Maskenmaterial, aber es mag keine engen Radien auf der abzudeckenden Oberfläche. So habe ich dann neue Masken für innen und außen aus Kabuki geschnitten. Bei der beginnenden Montage gab ich aber nach kurzer Zeit auf. Den Flügel habe ich ja noch zusammen gebracht, mit den Streben ins Cockpit und dem oberen Fensterteil. Aber wahrscheinlich habe ich hier die ersten Probleme verursacht. Dann wurde es zu schwierig. Man muss ein Oktopus sein, um mit acht Armen alle Fenster mit den Rumpfteilen trocken zu passen! Die Shortrun-Natur des Kits tut ihr Übriges. Manche Teile muss man anpassen und hat keinerlei Anhaltspunkte oder Passstifte, um die Position zu bestimmen. Total frustriert landeten alle Teile in der Schachtel und diese wieder ganz unten im Stapel.
Auf einem Clubabend in diesem Jahr sprachen wir über Short-Run Kits, speziell aus der Ukraine. Am nächsten Tag zog ich die Schachtel aus dem Stapel und wollte dem Bausatz noch einen zweiten Anlauf zugestehen, wobei ich von noch mindestens zwei weiteren nötigen Anläufen bis zur Fertigstellung ausging. Aber irgendwie hat es dieses Mal dann doch geklappt.
Ein weiteres Ärgernis gab es dann während des Baus. Scheinbar habe ich eine Seitenscheibe zu sehr unter Spannung verklebt. Beim Blick ins Cockpit durch die offene Tür bekam ich einen Schreck, habe sofort auf der anderen Seite die Maske abgezogen und tatsächlich: mitten in der Scheibe ein Riss! Eine Nachfrage bei AMP blieb unbeantwortet, also was tun? Zum Glück ist die Scheibe flach, nur der Rahmen ist gebogen. So habe ich das Teil entfernt, die Scheibe herausgetrennt und eine neue aus einer Pralinenbox geschnitten, poliert und in den Rahmen eingepasst. Weil die Tragflächen und das ganze Modell durch die Klarsichtteile zusammengehalten werden, habe ich diese mit Tamiya Extra-Thin Quick Setting verklebt. Die enthaltenen Ätzteile sind nicht optional, sondern halten unter anderem die kombinierten Landeklappen und Querruder. Keine einfache, aber sehr filgrane Sache, da die Ätzteile leider nur aus weichem Kupfer sind.
Meine ErgänzungenErgänzt habe ich nur wenige Teile wie Steuerseile, einige Leitungen (z.B. die Bremsleitungen), Griffe und offene Auspuffrohre. Von dem im Bausatz vorhandenen verstellbaren Propeller habe ich aber nur ein einziges Referenzfoto an einem Mock-Up gefunden. Alle sonstigen Fotos zeigen einen bestimmten Metallpropeller, der auch in einem ausführlichen Video zum fliegenden Exemplar beschrieben wird. Daher habe ich den Propeller samt drehbarer Lagerung neu gefertigt. Interessanterweise waren die korrekten Herstellerlogos dafür bei den Decals enthalten. Auch die Landescheinwerfer haben mir nicht gefallen, da der Bausatz hier nur ein dickwandiges Klarteil mitbringt. Ich habe nach Vorbildfotos zwei Reflektoren aus Metall eingebaut und mit dünner Folie aus der Verpackung der Schokoschnapsfläschchen von Asbach-Uralt abgedeckt. Die Positionslichter waren von der P-40 von Eduard übrig. Für mehr Leben im Modell habe ich die Ruder eingesägt und leicht ausgeschlagen dargestellt.
Die LackierungDas Modell habe ich mit Alclad grundiert, von dieser Marke stammen auch die Metallfarben. Weitere Farben sind von AK Real Color und Gunze, wobei ich mich bei den Farbtönen eher am heutigen Original orientiert habe als der Anleitung zu folgen.
Die DecalsApropos Decals - diese sind von Decograph gedruckt und lassen sich sehr gut verarbeiten. Neben einigen Stencils sind zwei Markierungen möglich, ein Prototyp oder die heute fliegende 47-432. Ich habe mich für den Prototypen mit dem "Boeing"-Schriftzug entschieden. Aber Achtung - beim Aufbringen der Decals ist Mitdenken erforderlich! Denn leider sind einige Nummern und Schriftgrößen vermischt, so dass man bei den gelben Stencils sogar Decals schneiden und neu zusammensetzen muss. Es ist aber alles vorhanden.
Kleiner SpaßEs sei mir noch eine flapsige Bemerkung zum Original gestattet: witzig sehen auch die beiden hinteren Türen für den Beobachter mit seinem drehbaren Sitz aus - das könnten auch Türen einer Duschkabine sein! Das ist also die erste Boeing mit Duschkabine, lange vor Airbus :)
Wie üblich habe ich auf Scalemates zu diesem Projekt einen detaillierten Baubericht erstellt, falls der werte Leser mehr Details sehen möchte. Fotos aus dem Lichtzelt
Meine A-10 Pilotin hat ein neues Hobby! Das FazitDas Modell ist leider nicht perfekt geworden. Für die Metalllackierung habe ich wohl die Oberfläche nicht sorgfältig genug vorbereitet. Immerhin habe ich jetzt ein interessantes Modell mehr in der Vitrine und auf alle Fälle weiß ich jetzt, warum man dieses Modell so selten gebaut sieht! Aber diese Kleinserien-Bausätze von AMP ermöglichen es, Modelle zu bauen, die viel interessanter sind als die Typen, die wir schon tausendmal gesehen haben.
Frank Barkhofen Publiziert am 10. Juli 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |