Convair XB-36Hvon Marco Coldewey (1:144 Roden)
Infos zum Original:
Anfang der 1950 kam es in Amerika nach der Rede „Atoms for Peace“ vom damaligen Präsidenten Dwight D. Eisenhower zu einem regelrechten Boom der Kernenergie. Visionäre sahen schon Haushalte, Luftschiffe und Autos (Ford Nucleon) mit einem kleinen Kernreaktor. Doch am Ende wurde im zivilen Bereich keine dieser Ideen in die Tat umgesetzt, lediglich in der Sschifffahrt wurde mit der NS Savannah ein Handelsschiff zur Erprobung, mit einem Kernreaktor ausgestattet.
Militärisch lotete man schon etwas früher die Möglichkeiten aus, um Flugzeuge mit Kernenergie anzutreiben. Dazu wurde Projekt NEPA gestartet um Studien durchzuführen. Das Programm Aircraft Nuclear Propulsion (ANP) sollte dann einen Reaktor und ein entsprechendes Triebwerk hervorbringen. Als Hersteller für das Flugzeug wurde Convair gewählt, die bereits mit ihrer B-36 Peacemaker den größten Bomber im US Arsenal stellten, das Triebwerk sollte General Electric bauen.
Für die Testflüge wurde eine Convair B-36H gewählt, im Gegensatz zur Basisversion besaß die –H Version 2 zusätzliche Triebwerksgondeln mit je 2 General Electric J47. Zu den 6 Kolbenmotoren kamen jetzt noch 4 Jettriebwerke dazu, womit die Triebwerksanzahl der B-36 auf 10 Anstieg. Dieses Antriebssystem wurde auch mit six turnin, four burnin (sechs drehen, vier brennen) benannt. Dies war nötig um die Startgeschwindigkeit, Flughöhe und Geschwindigkeit im Zielgebiet zu steigern, während die 4 Triebwerke im Reiseflug abgeschaltet blieben. Man wählte die Maschine mit der Kennung 51-5712, die bei einem Tornado auf der Carswell Air Force Base im September 1952 schwer im Bugbereich beschädigt wurde. Das Cockpit für XB-36H (später NB-36H) wurde komplett neukonstruiert und sollte später auch bei dem einsatzbereiten Muster Convair X-6 eingesetzt werden.
Es bestand aus einer Kapsel in der 2 Piloten, 2 Nuklearingenieure und ein Flugingenieure Platz fanden. Zur Abschirmung wurde eine 12 Tonnen Abschirmung aus Blei und Gummi installiert. Die Cockpitscheiben bestanden aus 15 cm dicken Acrylglas. Eine Besonderheit war zudem, dass das Cockpit zu Wartungszwecken komplett aus dem Rumpf herausgehoben werden konnte. Zusätzlich baute man in der Mitte des Flugzeugs eine 4 Tonnen schwere Bleischeibe ein.
Im hinteren Waffenschacht wurde dann ein Luftgekühlter Testreaktor von General Electric mit einem Megawatt Leistung eingebaut. Der 16 Tonnen schwere Reaktor wurde bei 21 von 47 Testflügen (zwischen 1955-57) kritisch, versorgte aber keins der Systeme mit Strom. Abgeschirmt wurde der Reaktor mit Boral (Sandwich-Konstruktion aus Aluminium und Borcarbid), zusätzlich gab es noch Wassermantelbereiche. Die Testflüge wurden von einer Boeing B-50 und einer Boeing C-97 begleitet, letztere führte einen Zug Marines mit, um im Falle einer Notlandung das Flugzeug abschirmen zu können.
Am Ende wies sich die Idee eines Nuklear angetriebenen Flugzeugs als nicht realisierbar heraus. General Electric schaffte es zudem nicht, ein entsprechendes Triebwerk zu entwickeln. Nur die Zellen der B-36 waren stark genug, um das rund 75 Tonnen schwere Antriebssystem aufzunehmen. Zu dem stellte sich heraus dass die max. jährliche Strahlenbelastung der Piloten von 25 Millisievert, bereits nach 10 Stunden Flugzeit erreicht worden wäre. Das Testflugzeug wurde im September 1958 verschrottet und Convair scheiterte auch mit der YB-60 als Nachfolge der B-36 zugunsten der Boeing B-52.
Infos zum Bausatz:
Mit dem Erscheinen der B-36B im Jahr 2020 von Roden war bereits klar, dass auch spätere Versionen folgen werden. So besaß der Flügel auf der Innenseite Vertiefungen für Bohrungen (Aufhängepunkte der Triebwerke) für die B-36 D/F/H/J und die Cockpitscheibe der XB-36H. Der neue Spritzling I umfasst die Triebwerksgondeln sowie 3 zusätzliche Lufteinlässe. Die Rumpfschalen mit der veränderten Bugsektion sind neu. Bei näherem Hinsehen muss man jedoch feststellen dass die Blöcke der Triebwerke und die großen Lufteinläufe massive Sinkstellen aufweisen, bei den Triebwerken sind diese schon eher Sinklöcher. Die Lufteinläufe sind geschlossen und müssen aufgearbeitet werden. Leider haben auch eben jene Lufteinlässe die falsche Form und müssten deutlich größer sein.
Die eher durchschnittliche Teilequalität sieht zieht sich durch den kompletten Bausatz, so muss jedes Teil aufwändig versäubert werden. Auch die Anleitung spart an Details und beinhaltet Fehler wie den überflüssigen Heckdämpfer oder die Klarsichtkuppeln hinten. Es sind keine Abbildungen der rechten Flugzeugseite in der Anleitung oder Lackierplan zu sehen, so dass sich die Position des kleineren Intake nur erahnen lässt. Auf die 2 vorhandenen, unterschiedlichen, Intakes der Jettriebwerke wird nicht eingegangen und die Farbübergänge im Lackierplan sind eher schwammig dargestellt. Die Decals unsauber gedruckt und brüchig. Es bleibt nach wie vor ein impulsantes Modell mit guter Detaillierung aber man sollte hier einiges an Zeit für die Originalrecherche einplanen.
Infos zum Bau:
Wie ich beim Bau der B-36 in 2021 bereits schrieb, war dieses Flugzeug lange unter meinem Radar und mir war auch klar, dass wenn ich noch mal eine B-36 bauen werde, es eben jene XB-36 wird. Warum? Schaut oben, aus dem Originaltext sollte das ersichtlich sein. Ich habe den Bausatz Mitte August 2023 begonnen, erst noch voller Enthusiasmus, jedoch wurde dieser beim Bau mehr und mehr getrübt, weil man immer mehr Fehler fand. So folgte auch ein etwas längerer Stillstand weil die Motivation einfach nicht mehr gegeben war. Die Sinklöcher im Triebwerk habe ich minimal aufgebohrt und dann mit einen Grußast verschlossen, die falschen Intakes fielen mir erst auf, als diese bereits mühsam geöffnet hatte. Ich entschied mich aber dann doch dazu, diese neu aufzubauen um dem Original näher zu kommen. Leider gibt es nicht viele Aufnahmen zum Original, so dass ich mich im Wesentlichen an nur 4 Bildern und 2 Illustrationen orientiert habe.
Die Lackierung besteht aus Tamiya und Alcald (oder wie auch immer das Zeug jetzt heißt), die meisten Metallschattierungen habe ich mittels Decals dargestellt. Zusätzlich kam ein Decalsatz von Caracal Models zum Einsatz. Man spricht in der Anleitung nicht über den Roden Bausatz sondern bezieht sich nur auf einen Umbausatz, was auch erklärt, warum die Decals im Bugbereich nicht sehr gut passen. Die Roden Decals konnte ich an dieser Stelle nicht verwenden, da diese sehr unsauber gedruckt sind und auch wiederholt einrissen.
In der, ausschließlich Online verfügbaren, Anleitung welche die Wingwalks umfasst wird erwähnt, dass diese für den Roden Kit designt worden sind, was ich anhand der Passgenauigkeit nicht wirklich nachvollziehen kann. Die Qualität ist aber ausgezeichnet, gedruckt wurden die Decals bei Cartograf in Italien. Einige weitere Details kamen dann noch in Eigenregie ans Modell. Auch wenn ich sehr Glücklich mit dem Resultat bin, glaube ich nicht, dass ich so schnell nochmal eine B-36 bauen möchte. Weitere Bilder
Marco Coldewey, Publiziert am 21. April 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |