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Supermarine Seafire F.XVII

von Roland Sachsenhofer (1:48 Airfix)

Zur Seafire F.XVII

Die hier gezeigte Seafire F.XVII vertritt die zweite, nunmehr mit Rolls Royce Griffon Triebwerken anstelle der bisherigen Merlin-Motoren ausgestatten Generation an „Spitfires, denen man das Schwimmen beigebracht“ hat.

Supermarine Seafire F.XVII

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Die erste von Griffon-Motoren angetriebene Seafire Mk.XV entsprach dabei weitgehend der Spitfire Mk.XII mit verstärkter Zelle, wobei für den Trägerbetrieb die Tragflächen-Faltmechanik sowie der V-förmige Fanghaken des Vorgängermusters Seafire Mk.III übernommen worden sind.

Supermarine Seafire F.XVII

Einer Spitfire Seemannsbeine wachsen zu lassen war, wie die Erfahrungen mit den Vorgängermustern schon bewiesen hatten, keine leichte Übung. Das lag natürlich nicht am stets überragenden Leistungspotential des Musters, sondern an konstruktiven Eigenheiten, die der Spitfire als klassischem Landflugzeug von Anfang an eingebaut waren: ein relativ fragiles Fahrwerk mit geringer Spurweite sowie ein Antrieb mit gewaltiger Leistung und dementsprechendem Drehmoment mussten auf einem schmalen Trägerdeck zu Schwierigkeiten führen!

Supermarine Seafire F.XVII

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Die Probleme, die dabei das engstehende Fahrwerk verursachte, kann man sich leicht vorstellen. Neben der daraus resultierenden Instabilität tendierte die weiche Federung dazu, startende und landende Seafire auf dem Deck springen zu lassen. Die fatale Folge war, dass bei der Landung die Fangseile verfehlt oder startende Maschinen unkontrollierbar wurden, beides endete meist mit einem Bruch oder führte gar zu Kollisionen auf dem vollgepackten Flugdeck.

Supermarine Seafire F.XVII

Das brachiale Drehmoment der PS-starken Merlin- und Griffon-Motoren sowie der Luftstrom des Propellers verschärfte die ohnehin schon haarige Situation noch weiter. Bei Griffon-Motoren gierte die startende Seafire selbst bei voll gedrücktem Seitenruder oftmals so weit nach links, das die Maschine in die Aufbauten krachte.

Supermarine Seafire F.XVII

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Die Seafire F.XVII stellte einen Versuch dar, diese Umstände zu verbessern. So wurden die Fahrwerksbeine verlängert und die weichgehenden Stoßdämpfer versteift. Damit konnte man auch das verbreitete Phänomen des ‘deck pecking’ mindern, also das Zerhacken des (meist hölzernen) Trägerdecks durch die Propellerblattspitzen, wenn die Seafire wieder einmal kurz zu stark in die Knie gegangen war.

Supermarine Seafire F.XVII

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Weiters wurde die Vollsichtkanzel mit abgeflachtem Rumpfrücken, die beim letzten Fertigungslos der Mk.XV schon erprobt worden war, nun Standard. Eine gut sichtbare Änderung bestand auch in der Einführung einer neuen Windschutzscheibe: eine gerundete, durchgehende Form ersetzte die bei der Spitfire bisher gewohnte dreiteilige Bauform mit abgeflachter Frontscheibe.

Supermarine Seafire F.XVII

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Bei der F.XVII kehrte man auch wieder zum Prinzip des „Stachel“-Fanghakens zurück. Ausgefahren streckte sich dieser über das Seitenruderende hinaus und sollte so die Chance auf ein geglücktes Einhaken ins Fangseil gegenüber dem alten V-förmigen Fanghaken, der weit vor dem Heck an der Rumpfunterseite montiert war, erhöhen.

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Verstärkt wurden auch die Aufhängepunkte für die Außenlasten: es war klar geworden, dass angesichts des heraufziehenden Jet-Zeitalters selbst für eine Spitfire/Seafire die Tage als Jagdflugzeug gezählt sein würden. Eine Ahnung, die sich mit den unzähligen Jagdbombereinsätzen der Seafire im Korea-Krieg bestätigen sollte.

Supermarine Seafire F.XVII

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Insgesamt wurden 232 Seafire F.XVII hergestellt. Gebaut wurden die Maschinen hauptsächlich bei Westland (212 Exemplare) sowie bei Owen-Cunliffe (20 Maschinen). Die Leistungen der Seafire F.XVII sollte sie noch eine Zeit über das Kriegsende hinaus noch nicht zum alten Eisen werden lassen: Angetrieben von einem Griffon VI mit 1.850 PS und einem maximalen Abfluggewicht von 3.628 kg erreichte sie eine Höchstgeschwindigkeit von 620 km/h. Die fest eingebaute Bewaffnung bestand aus zwei 20 mm Hispano Maschinenkanonen.

Supermarine Seafire F.XVII

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Die Seafire Mk.XVII wurde bis Mitte der 50er Jahre bei Einsatzstaffeln der FAA geflogen, bevor sie gänzlich in Reserve- und Ausbildungseinheiten abgezogen wurde. Dieses Exemplar, Seafire Mk.XVII, SX273/S-50, ist dafür ein gutes Beispiel. In den Farben des  „Temperate Sea Scheme“ gehalten, tat sie 1947 bei der im nördlichen Cornwall stationierten 741. Naval Air Squadron als Teil einer Operational Flying Training Unit der Air Warfare School St. Merryn Dienst. Airfix ist hier übrigens ein kleiner Fahler unterlaufen: in den Unterlagen wird die Maschine der 714th NAS zugeordnet, eine solche Einheit existiert allerdings nicht, die 714th NAS dürfte aufgrund eines einfachen Zahlendrehers entstanden sein.

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Zu Bausatz und Bauprozess

Die Markierungen der hier vorgestellten Seafire stammen aus dem neuen und recht erfreulichen Bausatz von Airfix. Das einzige, was ich an diesem bemängeln könnte, sind die für den Hersteller typischen viel zu tiefen Panellinien - wie die Praxis gezeigt hat, kann damit aber ganz gut umgegangen werden.

Es ist angenehm zu sehen, wie sehr sich Airfix mit der Bauanleitung bemüht, den Modellbauer komfortabel durch die vielen Bauvariationen, die dieser Bausatz zu bieten hat, zu lotsen. So sind alle Ruder angelenkt darzustellen, die Maschine kann geparkt, mit gefalteten Flügeln, im Flug mit oder ohne ausgefahrenen Fanghaken sowie einfach abgestellt gezeigt werden. Dementsprechend liegen auch alle Teile für abgeflachte wie für vollrunde Reifen bei.

Mir hat von Anfang an genau diese Maschine im hier gezeigten Zustand gefallen; das Aussehen der charakteristisch doppelt gefalteten Tragflächen, verbunden mit den rassigen Linien eines klassischen Jagdflugzeuges haben es mir einfach angetan! Bei der Detailierung der Klappmechanismen machen sich die dafür vorgesehenen Ätzteile von Eduard recht gut. Insbesondere gilt das für jene der Tragflächenspitzen: hier hat Airfix einfach glatte Flächen vorgesehen - was definitiv nicht befriedigt.

Etwas einfach macht man es sich auch bei der Darstellung der Auspuffrohre- denn „Rohr“ als Bezeichnung setzt ja zumindest einen wenn auch nur angedeuteten Hohlraum voraus! Nicht so hier: die beiden Teile für die Auspuffanlage sind massiv gegossen. Man kommt also nicht umhin, die Auspuffenden auszubohren. Dies ist allerdings, das darf man sagen, eine recht einfache Übung.

Die Decals stammen sämtlich aus dem Bausatz. Sie weisen zwei wesentliche Qualitäten auf, die den Modellbauer erfreuen und die man von Airfix nun schon gewöhnt sind: exzellente Verarbeitbarkeit sowie eine beinahe schon überbordende Anzahl an Wartungshinweisen!

Wer also eine unkompliziert und rasch realisierbare, dabei aber nicht langweilige Möglichkeit sucht, eine der schönsten je von einem Trägerdeck gestarteten Maschine zu bauen, ist mit Airfix´ neuem Angebot bestens bedient. Ich war auf jeden Fall von den Erfahrungen rund um diese Supermarine Seafire F.XVII ohne Abstriche begeistert!

Wenn Ihr Euch selbst ein Bild vom Bausatz und dem Bauprozess machen möchtet, kommt Ihr hier zu einem ausführlichen Baubericht auf „Scalemates“. Wie immer stehe ich für Anregungen und Fragen offen: ro.sachsenhofer@gmx.at

Roland Sachsenhofer

Publiziert am 07. September 2022

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