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Conroy Tri Turbo Three "Maritime Patrol and Rescue"von Roland Sachsenhofer (1:72 A&A Models)Die hier im Modell vorgestellte dreimotorige Conroy Tri-Turbo-Three ist nicht nur ein im Original wie im Modell ein seltener Anblick, sondern, so darf man mit Berechtigung sagen, eine besonders spektakuläre Modifikation des legendären Transportflugzeugs Douglas DC-3. Sie wurde in den späten 1970er-Jahren von der US-amerikanischen Firma Conroy Aircraft entwickelt. Nur eine einzige Maschine wurde auf die dreimotorige Konfiguration umgerüstet, wobei drei Turboprops die ursprünglichen Konfiguration mit zwei Kolbenmotoren ersetzten beziehungsweise ergänzten.
Ursprünglich war dieses ungewöhnliche Transportflugzeug als rein spekulatives und kommerzielles Projekt des Flugzeugentwicklers Jack Conroy angedacht worden, um alternde DC-3-Transportflugzeuge fit für den modernen Markt zu machen. Ziel war, ein extrem leistungsstarkes STOL-Flugzeug für "Hot-and-High"-Bedingungen sowie für maritime Langstrecken-Überwachungsflüge anbieten zu können.
Anfangs hatte man an einer zweimotorigen Variante mit britischen Rolls-Royce-Dart-Turboprop-Triebwerken gearbeitet: eine dementsprechend umgerüstete ehemalige Militärmaschine des Typs Douglas C-53 (Werknummer N4700C aus dem Jahr 1942) war von Conroy Aircraft zunächst auch schon als „Conroy Turbo-Three“ präsentiert worden. Dies war im Mai 1969. Da die Rolls-Royce-Triebwerke nicht die gewünschten Leistungen aber nicht erbrachten, ließ Jack Conroy dieselbe Maschine im Mai 1977 noch ein weiteres Mal radikal umbauen. Er entfernte den alten Antrieb und stattete sie mit drei Pratt & Whitney PT6A-Turboprops aus. Das Triebwerk in der Nase konnte im Marschflug abgeschaltet und in Segelstellung gebracht werden. was die Reisegeschwindigkeit von 370 km/h auf 290 km/h senkte, die Reichweite aber drastisch erhöhte.
Werbeauftritt und bogus companyBlickt man die charakteristische Farbgebung sowie die US-Kennung des Flugzeugs an, scheint es, als hätte man ein Flugzeug der US-Küstenwache vor sich. Hinter der Aufschrift "Maritime Patrol and Rescue" verbirgt sich jedoch eine Überraschung. Der Schriftzug und die rot-blauen Streifen, die so stark an das Design der US-Coast Guard erinnern, wurden von Conroy zu rein werblichen Zwecken aufgetragen. Man wollte das Flugzeug ja weltweit an Regierungen und Küstenwachen verkaufen und nutzte diese fiktive Identität als eine Art "Demo-Design", um die Eignung der Maschine für Seeüberwachung und Seenotrettung zu betonen.
Hoffnung auf FarnboroughIn der Lackierung Maritime Patrol and Rescue wurde die Maschine im September 1978 auf der renommierte Farnborough Airshow in England präsentiert. Dort sollte sie internationalen Militärdelegationen zeigen, wie effizient eine modernisierte, dreimotorige DC-3 im Patrouillendienst fliegen kann. Besonders demonstriert wurde dabei das Abschalten des Nasentriebwerks im Flug, um Treibstoff zu sparen und die Flugzeit über dem Meer drastisch zu verlängern.
Das Interesse an einem Conroy Three Turbo See-Überwachungsflugzeug blieb jedoch enttäuschend gering, Verkäufe ergaben sich überhaupt keine, sodass Jack Conroys Idee als kommerziell gescheitert angesehen werden musste. Gänzlich zum Desaster schien das Ganze zu werden, als klar wurde, dass US-Luftfahrtbehörde FAA dem unkonventionellen Flugzeug wegen starker Cockpit-Vibrationen und Abgasgerüchen der Nasenmotor-Auslässe im Cockpit keine zivile Zulassung erteilen würde. Alle Pläne für Verkäufe an zivile Halter hatten sich für Conroy damit zerschlagen.
Trotzdem sollte die Geschichte der Three Turbo hier nicht enden. Die Chartergesellschaft Polair hatte justament zu dieser Zeit gezielt nach robusten, und reichweitenstarken Flugzeugen für extreme Missionen in Arktis und Antarktis gesucht. Da für staatliche Forschungszwecke und Spezial-Charter in polaren Sonderzonen die fehlende reguläre FAA-Zulassung umgangen werden konnte, passte die Maschine perfekt in das Anforderungsprofil der Gesellschaft. Das Blatt schien sich für Conroys ehrgeizigen DC-3 Umbau also noch einmal gewendet zu haben! Die Einsätze der Conroy Tri Three Turbo im Dienst von Polair habe ich in einem vorangegangenen Artikel anlässlich des Baus eines ersten Modells aus den anspruchsvollen Formen von A&A bereits beschrieben. Alle an dieser Thematik Interessierten sind damit herzlich auf das eine eingefügte Bild der Maschine im Polair-Kleid, sowie auf den dazugehörigen Artikel, der hier zu finden ist, hingewiesen!
Das EndeHeute ist die Einzelstück gebliebene Conroy Tri Three Turbo als heruntergekommenes Wrack gegenüber den Werkshallen von Basler Turbo Conversions auf dem Flughafengelände in Oskosh zu finden. 1986 war bei Wartungsarbeiten ein verhängnisvoller Cockpitbrand ausgebrochen. Da die Maschine strukturell allerdings noch wertvoll war, entschied man, sie nicht zu verschrotten, sondern sie aus den intakten Überresten und Teilen einer anderen DC-3-Zelle wieder komplett neu aufzubauen.
Nachdem dieser Phönix wieder aus seiner Asche erstanden war, flog die Maschine noch einige Jahre für wechselnde Betreiber in Spezialrollen, verlor jedoch im Laufe der Zeit durch modernere Arktis-Flugzeuge wie der zweimotorigen Basler BT-67 ihre wirtschaftliche Nische. Insofern muss man von Ironie sprechen, dass ihr ausgeschlachtetes Wrack akkurat vor den Werkshallen jenes Herstellers lagert, der Jack Conroys Vision einer Turboprop-motorisierten DC-3 erfolgreich wahr werden hat lassen!
Zu Bausatz und BauprozessAngesichts der exotischen Natur des Vorbilds und der manchmal recht hemdsärmeligen Ausgestaltungen von A&A Bausätzen überrascht es beinahe, wie unproblematisch in den meisten Abschnitten der Bau der beiden Modelle vonstattengegangen ist. Geholfen hat dabei sicherlich auch die Beigabe von Masken für die Klarsichtteile; weitere Beigabe von „goodies“ sind von A&A jedoch nicht vorgesehen. Was man in der stabilen Schachtel an Bauteilen findet, ist ausschließlich aus Polysterol. Wie angedeutet, zeigt sich die Passgenauigkeit generell als recht passabel. Spachtelmasse und Schleifpapier sollte man dennoch nie allzu weit weg legen, deren Verwendung hält sich aber in dem bei „short run“ Bausätzen üblichen Rahmen. Ich denke, dass die beigefügten Baufotos ein ganz gutes Bild des notwendigen Aufwands vermitteln können.
Die bis jetzt generell positive Beschreibung wird jedoch durch zwei problematische Baugruppen etwas getrübt: die Bauteile der Fahrwerke fallen unangenehm auf. Zum einen, weil der verwendete Kunststoff einerseits allzu weich, dabei aber auch recht spröde ausfällt. Das resultiert in Bruchgefahr und Instabilität. Zum anderen hatte ich Probleme, die ohnehin heikle Fahrwerkskonstruktion korrekt in der Triebwerksgondel zu positionieren beziehungsweise zu fixieren. Hier rate ich zu einem besonders überlegten, achtsamen Vorgehen und viel Eigenrecherche, denn leider gibt auch die Bauanleitung keine klare Vorstellung über die notwendigen Bauschritte.
Ein zweiter Bereich, der großen Aufwand verursacht hat, sind die Propeller und die dazugehörenden Spinner. In kurzen Worten: Spinner Rückplatte und der konische Spinner-Vorderteil sind um Größenordnungen zu klein dimensioniert, um sich rund um den fünfblättrigen Propellerkranz schließen zu können. Diesmal schließe ich Baufehler meinerseits aus, denn das kann sich einfach nicht ausgehen! Als Lösung blieb nur, die klaffenden Spalten und unnötigen Höhlungen zu verspachteln, was angesichts von deren Tiefe nur in mehreren Durchgängen möglich war. Das abschließende Schleifen muss besonders geduldig geschehen, da die drei Spinner ja zum Schluss eine glänzend-schimmernde Alu- Optik aufweisen sollen.
Positiv überrascht war ich dagegen von der Qualität der Decals. Diese sind beeindruckend deckkräftig, angenehm dünn und dabei aber auch stabil genug, sodass das Arbeiten mit ihnen gegen Ende des Baus noch ein versöhnliches Vergnügen war.
FazitIch kann dem ukrainischen Hersteller Mikro Mir nur für seinen Mut gratulieren, einen derartigen und derart interessanten Exoten anzubieten! Für das Vergnügen, einen solch seltenen Vogel mit so schönem farbenfrohen Gefieder in die Vitrine zu bekommen, nehme ich persönlich die zwei beschriebenen Unstimmigkeiten gerne in Kauf. Von dem abgesehen, ist der Bausatz ohne besondere Mühe zu bewältigen und kann jedem Interessierten wärmstens empfohlen werden!
Wie immer stehe ich für Anregungen und Fragen offen: ro.sachsenhofer@gmx.at Weitere Bilder
Roland Sachsenhofer Publiziert am 30. Juli 2026 Du bist hier: Home > Galerie > Flugzeuge Zivil > Conroy Tri Turbo Three "Maritime Patrol and Rescue" © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |