Akaflieg Stuttgart fs17 „Akrobat“D-2617, fiktives Spaßgerät für den Segelkunstflugvon Thomas Brückelt (1:72 Eigenbau)
Als ich nach Infos und Bildern während des Baus meiner B9 der Akaflieg Berlin ( https://modellversium.de/galerie/artikel.php?id=19899 ) das Internet durchforstete, stieß ich auf das Vorgänger-Projekt: Die fs17 der Akaflieg Stuttgart ( https://akaflieg-stuttgart.de/projekte/fs17/ ) und fand Gefallen daran.
Wie auch bei der B9 wollte man damit zu Erkenntnissen kommen, wie sich hohe g-Lasten auf einen liegenden Piloten auswirken. Einer meiner ersten Gedanken dazu war, dass das Testflugzeug sicher als Kunstflugsegler auch eine gute Figur machen würde: Mit gerade einmal 10 m Spannweite und Querruder fast über die komplette Tragfläche, hatte das Gerät sicher eine ordentliche Rollrate. Da es für 14 g ausgelegt war, war es sicher nicht möglich den kleinen Vogel in der Luft zu zerlegen.
Nun das Problem: Auch die Nachfrage bei der Akaflieg Stuttgart ergab, dass es weder Zeichnungen noch kaum mehr Fotos von der fs17 gibt, die man als Vorlage für die Konstruktion eines akkuraten Modells benötigt. Immerhin sind die Grundabmaße bekannt. So setzte ich die Geometrien des Airframes zueinander ins Verhältnis, versuchte dabei auch die perspektivischen Verzerrungen zu kompensieren und zeichnete ein 3D-Modell am CAD-System für meinen Filamentdrucker im Maßstab 1:48.
Beim Cockpitlayout konnte ich ebenfalls nur spekulieren. Was die Anordnung der Steuerorgane angeht, gibt es nicht viele Möglichkeiten: Steuerknüppel in der rechten Hand, Bremsklappenhebel in der Linken (Anscheinend befand sich eine Spreizklappe am Heck, unter dem Seitenruder als Luftbremse) und Seitenruderpedale hinten. Letztere druckte ich auf die Rückwand des Cockpits. Die anderen, filigranen Bedienelemente stellte ich mit gezogenen Gießästen her. Vorne kamen dann noch vier Instrumente in die Nase, sowie ein angedeutetes Gestänge zum Betätigen der Bugkupplung.
Eine mit Resin gedruckte Pilotenfigur von CRM passte ich von der Körperhaltung her an und ergänzte einen Rettungsschirm und Gurte aus Alufolie. Den Rettungsschirm arbeitete ich aus einer Polystyrolplatte mit kleinen Fräsern und Schleifern heraus. Die Gurte entstanden aus Alufolie. Das Kinn des Piloten liegt auf einer Stütze auf, die ebenfalls aus gezogenen Gießästen entstand. Die Haube zog ich über eine Form tief, die ich ebenfalls druckte.
Da mein Filamentdrucker nicht der neusten Generation entstammt, war ich auch hier wieder eine Weile mit Füllern und Schleifen beschäftigt, bis das Modell eine glatte Oberfläche hatte. Das machte ich, bevor ich die Teile miteinander verklebte, was die Handhabung beim Schleifen erleichterte.
Die Anzahl der Kleinteile außen hält sich in Grenzen. Außen liegende Ruderanlenkungen sind auf den Bildern nicht zu erkennen. So bog ich die Randbogenschutzbügel aus einem dünnen Kupferdraht. Das Venturirohr, sowie die Peilstäbe - zum besseren Erkennen der Winkel zum Horizont beim Fliegen von Kunstflugfiguren - entstanden aus gezogenen Gießästen.
Auf den Originalaufnahmen sieht das Versuchssegelflugzeug komplett Weiß oder Cremefarben aus, vermutlich waren Tragflächen und Leitwerk lichtdurchlässig bespannt. Mein Modell stellt einen fiktiven Nachbau dar, der als Kunstflugsegler seinem Piloten viel Flugspaß vermittelt. Daher erhielt die Bezeichnung noch das Wort „Akrobat“ als Anhängsel. Nun ging es an die Lackierung, welche mit dem Pinsel und Email-Farben von Humbrol und Revell aufgetragen wurde. Ein reines Weiß schien mir unpassend, von daher mischte ich noch etwas Sandfarbe bei (ca. 20%) um einen cremefarbenen Ton zu erreichen. Auf die typischen Kunstflugstreifen wollte ich verzichten und dachte mir ein anderes Design aus, was mit der Form des Flugzeugs „spielt“. Mit den Verzierungen entlang der Querachse wirken Tragflächen und Höhenleitwerk etwas schlanker, was der Optik zu Gute kommt.
Die Verzierungen druckte ich auf transparente Decalfolie. Die dunkelgrünen Bereiche schnitt ich dann bis kurz vor deren Begrenzungen aus, da ich die Flächen bis zu den Rändern anpinselte. So bildet das Decal eine gerade Kante. Glücklicherweise stimmt der dunkle Grünton meines Drucks sehr gut mit der Revellfarbe 62 überein, sodass man keine Übergänge erkennt. Versiegelt habe ich mit seidenmattem Klarlack von Tamiya (Spraydose).
Ein Exot auf der ganzen Linie: Liegecockpit, Tiefdecker und belastbar bis 14 g. Das sieht man nicht alle Tage.... Erst recht nicht bei einem Segelflugzeug.
Thomas Brückelt, Publiziert am 13. Juli 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |